Das ganz normale Chaos

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Wie erwachsen ist YouTube und wie erwachsen wird YouTube jemals werden?

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Dieses Thema hätte eigentlich sehr gut auf Elvun gepasst, weil ich mit Elvun ja auch auf YouTube unterwegs bin, aber da es weniger mit Gaming sondern eher mit Netzbeobachtung zu tun hat, denke ich, dass Blogblume dann doch der richtige Ort dafür ist. Dieser Artikel ist eine Antwort auf den Artikel von Trixi, wo sie sich fragt, wie es mit erwachsenen Inhalten auf YouTube aussieht.

Digital Natives in meinem Alter (so fast 30 – also das erste Mal 29) haben es ziemlich schwer. Unsere Generation hat das Internet erst zu einem Bruchteil erforscht und zu einem noch kleineren Bruchteil verstanden. Während jüngere Generationen sehr selbstsicher mit dem Netz umgehen, schaffen wir es zwar Mitstreiter im eigenen Alter zu finden, aber unter ihnen eine Art Mainstream-Entwicklung loszutreten ist kaum möglich. Menschen in unserem Alter interessieren sich nicht für das, was uns interessiert. Wenn man auf einen Familiengeburtstag geht und über YouTube, virale Videos und Internetmemes redet, dann werden vielleicht die jüngeren (so um die 14) wissen wovon man redet, aber Leute in unserem Alter kommen dann mit „Ich hab Facebook, das reicht mir“ oder „Ach dieses Internet, damit beschäftigen sich nur die Kinder, aber ich blick da nicht durch.“

Unser Problem ist – wir machen Inhalte, die wir gern sehen würden. Da wir aber in der Minderheit sind, werden wir mit erwachsenen Inhalten auch keine großen Zahlen erreichen können. Die Inhalte auf YouTube – mit denen wir in unserem Alter aber nichts mehr anfangen können, sind auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten – jene die das Netz vermutlich ähnlich intensiv nutzen, wie wir.

YouTube wird sicher bald ein älteres Publikum haben, die Zuschauer werden immerhin älter. Ob sie dann mit unseren Inhalten was anfangen könnten ist dennoch fraglich, denn Marketingfirmen erziehen sich mit ihren Inhalten ein Publikum heran, das mit der Erwartungshaltung an die Contentersteller herantritt, die dem entspricht, was sie bereits kennen.

Meiner Meinung nach waren wir vor unserer Zeit in einem Medium tätig, das unsere Generation noch nicht verstanden hat – nicht genug, um in unserer Generation eine Relevanz haben zu können. Dafür sind wir dann die seltsamen Menschen, die Videos ins Internet laden, die Texte ins Internet schreiben und die kein Problem damit haben, die Menschen im Netz auch als „Echte Menschen“ zu sehen.

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6 Kommentare

  1. Deckt sich so jetzt nicht unbedingt mit meinen Erfahrungen. Zwar habe ich (knapp 34) nicht wirklich viele Geeks in meinem Umfeld, grundlegend das Netz verstanden hat aber in meinem Umfeld so ziemlich jeder bis einschließlich 35. Zwar KENNEN die vielleicht nicht jedes bekloppte Meme, das grad mal wieder durch Social Networks geistert, wissen aber durchaus, was das ist und wo sowas herkommt. Ähnlich sieht es bei viralen Videos aus… im Gegensatz zur Generation um die 15 – die das einfach recht unreflektiert aufsaugen – nehmen die Älteren sogar Sinn, Zweck, Hintergünde – schlicht das drumherum zu sowas deutlich mehr wahr. Das von dir bei der Geburtstagsfeier erwähnte verhalten kenne ich aus meinem Umfeld eigentlich nur von den Leuten 40+ 🙂

  2. Das ist tatsächlich ein Punkt den ich nicht beachtet habe. Andererseits frage ich mich dennoch, wie sich andernorts erwachsenere Beiträge etablieren konnten. Ob es vielleicht auch eine Frage der Mentalität ist und Deutsche gerne etwas zögerlicher und zurückhaltender sind, wenn es um Neuerungen geht?

    • Mir wurde dies hier auf Twitter verlinkt, nachdem ich meinen Artikel gepostet habe. Vielleicht hilft dir das auch etwas weiter. Geht darum, wie schnell sich Technologien in verschiedenen Kulturen verbreiten http://en.m.wikipedia.org/wiki/Diffusion_of_innovations
      Und Deutschland ist in jedem Fall technologieängstlicher als andere Länder.

      • Muss seit langem auch mal wieder was kommentieren, hehe 🙂

        Ja, erlebt man leider in sehr viel zu häufig das „neues“ im allgemeinen hier bei uns nur zögerlich und immer sehr kritisch aufgenommen wird. Ich kenne Leute von dem Schlag die selbst wenn etwas, ohne Haken, sehr hilfreich ist solange nach einem Negativen Punkt suchen bis sie eine Ausrede parat haben es nicht zu nutzen.

        Das betrifft nicht nur Dinge wie Youtube, über deren Mehrwert für die einzelne Person am ende jeder selbst urteilen muss; Sondern viel mehr auch eine grundlegende Akzeptanz von Alltagstechnologien wie z.B. NFC Payment oder, eine Generation weiter, schlichtweg das Internet.

        Aber zum Thema Youtube,vielleicht werde ich -allmäglich- schon zu alt, aber ich merke zunehmendes Desinteresse. Viele Youtuber versuchen nur noch einen erfolgreichen „Stil“ abzukupfern um am Erfolg teilhaben zu können. Wird zwar geklickt aber persönlich sind mir die meisten Formate einfach zu überdreht und gekünstelt unnatürlich.

  3. Ich gehöre einer Generation an, die noch ein „paar“ Jährchen mehr auf dem Buckel hat. Zu den Anfängen von YouTube war ich dort sehr häufig unterwegs, zumeist allerdings auf der Jagd nach Musik. Wenn ich mich heute nur noch gelegentlich dort umsehe hat dies nur einen Grund: 80% des dort veröffentlichten Materials ist einfach nur Käse.

    Ich hatte noch bis Ende des vergangenen Jahres ein paar Kanäle abonniert, diese aber dann auch gekündigt. Für einiges mag sich so ein Abo-Kanal noch lohnen, mir bringt es nichts mehr. Wobei ich dies eigentlich sehr schade finde, denn YouTube hat schließlich immer noch einen Stellenwert.

    Neueren „Techniken“ stehe ich eigentlich immer sehr aufgeschlossen gegenüber, wobei ich allerdings nicht alles gut finde. Internet-Banking zum Beispiel ist mir ein Graus, ich bevorzuge weiter den Gang zur Sparkasse. Wenn ich allerdings sehe wie sorglos – vorwiegend jüngere – mit ihren Passwörtern umgehen oder auch jeden Mist in den sozialen Netzwerken posten, dabei aber nicht einmal wissen wer ihren Beitrag alles lesen kann, dann sträuben sich mir die Nackenhaare.

    Über dieses thema könnte man sich sicher stundenlang unterhalten, das würde aber hier zu weit führen…

  4. Ich habe irgendwo mal ein ganz interessantes Zitat gehört, welches sich ungefähr so anhörte:
    „Die heutige Jugend ist die erste Generation, welche komplett überwacht wird.“

    Deshalb finde ich, dass man gerade in der heutigen Zeit nicht all zu sorglos mit dem Internet etc. umgehen sollte. Man muss nicht alles schlecht finden wie viele der „älteren Generation“, aber mir fehlt oftmals bei „den Jungen“ ein kritischer Blick.

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