Das ganz normale Chaos

Wie die Schule uns den Spaß an der klassischen Literatur nimmt

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Johann Wolfgang von Goethe Der Titel ist etwas reißerisch, ich weiß, aber es ist ein Gedanke, der mich schon seit meiner Schulzeit begleitet und ein Phänomen, welchem ich immer wieder begegne. Ich kann ja nicht leugnen, dass ich eine Vorliebe für klassische Literatur habe, dazu muss man ja auch einfach nur in meine Sidebar schauen, aber ich habe das Gefühl, dass klassische Literatur in der breiten Masse schon eher als negativ empfunden wird. Sage ich zum Beispiel, dass ich Goethe oder Schiller toll finde, bekomme ich meist ein abwertendes Schnaufen von betreffenden Leuten entgegengebracht. Auf meine Frage, wieso man sie nicht mag, kommt als Antwort in der Regel “Den mussten wir in der Schule lesen, ich hab ihn gehasst.” Das ist meist der Punkt wo ich mich frage, ob die Schule in Bezug auf klassische Literatur nicht irgendetwas falsch macht. Ich kenne es auch von mir. Ich musste in der Schule “Mutter Courage und ihre Kinder” von Berthold Brecht lesen. Ich gebe zu, dieses Buch ist für mich immer noch ein kleines HFriedrich Schillerassobjekt, aber ich werde versuchen, es mit anderen Augen zu sehen, indem ich es demnächst noch einmal lese. Ohne Druck und ohne Zwang.

Ich glaube genau dieser Druck und Zwang ist es, der die negativen Gedanken auf das Buch und letztendlich auch auf den Verfasser projiziert. Seine Einstellungen dazu kann man nur von sich aus ändern. 

Eine Lösung, wie man das Problem an sich ändern könnte, habe ich auch nicht, denn ich finde es schon wichtig, dass klassische Literatur auf dem Lehrplan steht, vielleicht müsste man einfach nur diese Unterrichtseinheiten anders angehen.  Ich für mich bin in jedem Fall froh, dass ich über meinen Tellerrand hinaus geschaut habe und dadurch wundervolle Texte und Werke lesen konnte und kann, die anderen vielleicht verborgen bleiben. Selbst wenn Herr Brecht und ich keine Freunde mehr werden sollten, habe ich es zumindest versucht.

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  5. [….Heute habe ich bei Ricarda von Blogblume ein interessanten Artikel gefunden. Da geht es darum, warum die Klassische Literatur in der Schule oft so verhasst ist. Früher wie heute….]

  6. Diese Reaktion erlebe ich auch immer wieder, wenn ich erwähne, dass z.B. Goethe oder Shakespeare nicht nur zur Dekoration oder weil wir es halt in der Schule hatten in meinem Bücherregal stehen. Sondern weil ich mir diese Bücher tatsächlich gekauft (oder zum Teil auch geerbt) habe.

    Es wäre vielleicht ganz aufschlussreich zu sehen, was Leute, die so denken, selbst lesen, wenn kein Zwang dahinter ist. Die meisten, die ich in dieser Hinsicht erlebt habe, lesen überhaupt nicht sondern sehen fern. Oder sie lesen das lustige Taschenbuch (aka Mickymausgeschichten). Ich meine keine Comics/Mangas – die sind dann ja meistens schon wieder anspruchsvoll.

    Deswegen bin ich mir auch nicht so sicher, ob es wirklich immer die Schule ist, die den Spass an Literatur nimmt, oder ob es vielleicht von vornherein Leute gibt, die damit nichts anfangen können.

  7. Ich lese wahnsinnig gern und habe auch immer viel gelesen. Aber dank bestimmter Deutschlehrer habe auch Hass auf einige Bücher bzw. Autoren entwickelt. Die Judenbuche zum Beispiel, aber auch Wilhelm Zell oder Unterm Rad. Also ja, Unterricht kann die Freude am Lesen durchaus kaputt machen!

  8. ich musste ihm rahmen der schule mittlerweile schon viele romane, bücher, kurzgeschichten etc. lesen und ich hab bisher eigentlich keines „gehasst“. klar, das eine war nicht so interessant wie das andere, aber es war schon ein schönes gefühl ein buch/roman zu ende gelesen zu haben, auch wenn es mich nicht wirklich interessiert hatte. mein liebstes war bisher immernoch „der kaukasische kreisekreis“ und „der nette mensch von sezuan“ 🙂

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  11. Ich kann es nachvollziehen, aber nur teilweise. Durch die Schule habe ich auch großartige Autoren kennengelernt, die ich sonst vermutlich nur dem Namen nach kennen würde. Aber es war nicht das Durchkauen im Unterricht, das sie mir nahebrachte – sondern das gelangweilte herumlesen in den Büchern, bei dem ich auf unerwartetes stieß, auf interessantes, auf spannendes.

    Deine Vermutung im letzten Absatz scheint mir auf der richtigen Spur: Die Art und Weise, wie in der Schule Literatur behandelt wird, verleidet sie den meisten.

    Ist es das Zerkauen des Wunders in bürokratische Klumpen, die man dann schlucken soll? Ist es die Wiederholung, das Abarbeiten an einem Text wenn man ihn schon längst verstanden hat? Oder ist es eine grundlegende Aversion gegenüber Lehrstoff, die da übertragen wird? Ich bin nicht sicher.

    Aber einfach Text hinlegen, „schaut euch das mal an und sagt eure Meinung dazu“ ohne Prüfung auf „richtige Meinung im Sinne des Lehrers“ (sondern Diskussion untereinander) könnte vielleicht helfen.

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