Das ganz normale Chaos

Wenn man abnimmt, hat man es nicht leicht. Daran ist aber nicht die Diät schuld

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Jetzt kommt wieder ein sehr persönlicher Artikel und den widme ich allen, die sich gerade in der gleichen Situation wie ich befinden. Dick gewesen zu sein, abnehmen zu wollen und noch nicht am Ziel zu sein. Ich schmettere ein großes „Ich verstehe euch!“ in eure Richtung, denn wenn man abnimmt, dann ist nicht die Diät das was demotiviert, sondern das Umfeld.

Ich habe ja schon einmal einen Artikel darüber geschrieben, wie man vom Umfeld behandelt wird wenn man übergewichtig ist und abnehmen will. Das könnt ihr hier lesen. Jetzt möchte ich euch den Einblick in das Leben von jemandem geben, der dabei ist abzunehmen und in dem Zwischenstadium von „Losgegangen“ und „Angekommen“ also irgendwo zwischen dick und dünn.

Ich werde oft gefragt, vor allem jetzt nachdem ich ein Jahr (übrigens war vorgestern mein einjähriges Jubiläum back to Low Carb) woher ich meine Motivation nehme durchzuhalten. Ich antworte dann immer, dass es keine große Motivation bedarf, wenn es einmal „Klick“ gemacht hat. Mir reicht es daran zu denken, wo ich her kam und wohin ich möchte und wohin ich nicht möchte.

Ich hab euch mal geschrieben, dass es bei mir Klick machte wegen eines Fotos. Eigentlich hätte ich dieses Foto schon lang virtuell verbrennen sollen, denn das „Ich“, das dort abgebildet ist, soll es nie wieder geben, aber heute ist mir etwas bewusst geworden. Ich kann so viele motivierende Posts schreiben, wie ich möchte und kann euch Zahlen präsentieren wie ich will. Ohne „Beweismaterial“ ist das alles nicht greifbar. Vor allem nicht für die Leute, die gern Abnehmen wollen und sehen wollen, was denn möglich ist.

Also lasse ich euch an dem Grauen teilhaben. Manche erklären mich wahrscheinlich für verrückt, denn ich stelle mein schlimmstes Foto ins Netz, statt es zu löschen, aber was solls. Es ist nur ein Foto, damals lief ich sogar in der Öffentlichkeit so herum ohne, dass jemand mit einer Sniper an der Ecke gestanden hätte, um mich zu erledigen und wenn ich damit den Zweck erfülle, das jemand sein Leben verbessert, dann seis drum. Dann erfüllt dieses Bild wenigstens noch einen guten Zweck.

Zu dem Foto muss ich jetzt natürlich noch was sagen. Das Bild links entstand soweit ich mich erinnern kann 2008. Ich bin mir nicht mehr ganz so sicher, aber es müsste so um den Dreh gewesen sein. Es ist also schon etwas her. Wer sich erinnert, weiß, dass ich 2009 im Blog meine erste Abnehmrunde startete und aus verschiedenen Gründen pausieren musste. Dieses Foto entstand als VOR jeglichen Abnehmversuchen und ist sozusagen der Ursprung meiner Wandlung.

Das zweite Bild ist, wie man unschwer erkennen kann, aus dem Jahr 2011, also aus der Zeit meiner jetzigen zweiten Abnehmphase. Ich verlor in der ersten Phase so um die 15 Kilo, nahm in der Pause ca. 5 Kilo zu und verlor jetzt in einem Jahr 20.

Um zurück zum Thema und auch der Überschrift zu kommen. Wenn man abnimmt hat man es nicht leicht und wird oft das Ziel für Attacken aus seinem Umfeld. Ob bewusst oder unbewusst weiß ich nicht, ich fühlte mich aber immer angegriffen. Zu den Lieblingssprüchen gehört wohl: „Dünn ist nicht schön“, „Männer lieben es, was anzufassen“, „Du nimmst sowieso  nichts ab, wenn das so einfach wäre würde es ja jeder machen“, „Jojo lässt grüßen“, „Und das willst du dein ganzes Leben machen?“, „Wo bleibt denn da der Spaß?“ und ich könnte diese Reihe ewig lang weiterführen.

Ich war es fast schon leid, mich dafür rechtfertigen zu müssen, abzunehmen. Zu erklären, dass ich es nicht mache, damit man mich sexuell anziehender findet, sondern weil ich endlich gesund sein will. Wenn man dick ist, dann ist es angenehmer, dann lästern sie wenigstens hinterm Rücken und lassen einen in Ruhe, aber wenn man anspricht, dass man ein Problem, das man ja offensichtlich hat, beheben will, dann meinen alle ihren (un)qualifizierten Senf dazu geben zu müssen.

Und genau DAS sind die Dinge die demotivieren. Wenn jemandem etwas ausgeredet wird mit den Worten „Das schaffst du sowieso nicht“, denn wer abnimmt befindet sich sehr oft in Situationen, in denen er zweifelt und in denen das Stück Schokolade verlockender ist als das Kilo weniger. Wenn man in der Unsicherheit von vermeintlich nahestehenden Menschen darauf hingewiesen wird, wie sinnlos das Unterfangen ist, dann ist es vorbei.

Mein Foto soll euch motivieren. Es soll euch sagen „Scheiß drauf, was alle anderen sagen. Es ist euer Leben und euer Körper und wenn ihr gesund leben wollt, dann geht es alle anderen NICHTS und damit meine ich ÜBERHAUPT NICHTS an.“

Echte Freunde werden merken, dass ihr euch nicht wohl fühlt und sie werden euch unterstützen, weil es ihnen wichtig ist, dass ihr glücklich seid. Und genau darum soll es gehen. Ihr sollt gesünder leben, glücklich sein und euer Leben lieben.

Nun bin ich bei fast 800 Worten angekommen und habe immer noch nicht das Gefühl alles gesagt zu haben, was mir im Kopf herumschwirrt zu dem Thema, aber ich glaube die Botschaft ist angekommen. Ihr könnt das auch schaffen!

Edit: Oh Döspaddel. Mein Jahrestag war natürlich nicht vor zwei Tagen sondern ist in 3 Tagen. Man sollte auch mal auf die Sidebar schauen.

21 Kommentare

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  6. Glückwunsch zum Erfolg! Man kann den Unterschied richtig sehen. 🙂

  7. Ich finde es absolut beeindruckend und vorbildlich was du da machst.

    Ob LowCarb nun gesund ist oder nicht – darüber könnte man streiten. Ein Leben mit aktuell 30kg Ballast weniger ist es auf jeden Fall! Sowohl für deine Gelenke, dein Herz, als auch – und das ist wohl das aller wichtigste – deine Psyche.

    Mach weiter so!

    • Sie schreibt ja auch, das jeder seine eigene „Diät“ finden muss. Wobei ich das jetzt nicht mehr als Diät, sondern schon als Ernährungsumstellung bezeichnen würde.

      2009 habe ich durch sowas auch mal eben 20kg in 3 Monaten verloren, und dann bis Anfang 2010 noch weitere 10kg. Einfach nur durch bewusstere Ernährung, allerdings nicht mit Atkins.
      Das habe ich auch ein Jahr lang beibehalten (habe sogar noch mal ein paar wenige kg abgenommen), habe danach aber bewusst wieder etwas zugenommen, da ich bei 1,88m unter 70kg gewogen habe. Das war dann etwas grenzwertig.

      Das tolle ist, das sich eine bewusste Ernährung wirklich einbrennt, und man irgendwann nicht mehr darüber nachdenken muss was jetzt wirklich gut für dich ist, und was nicht.

      Ich bin jetzt seit bald einem Jahr bei etwa 80kg, was ein Kompromiss ist zwischen dem was ich gerne hätte (~75kg), und dem was meine Freundin gut findet 😀

  8. Ja, das Foto stammt von 2008 und war eines der ersten das ich von dir gesehen habe, Schwesterherzimgeiste 🙂

    Ich kann es nur immer wieder sagen, ich finde es fantastisch dass du dich nicht unterkriegen lässt und das zu deinem Wohl durchziehst und ich wünsche dir von ganzem Herzen dass du dein Ziel erreichst. Ich wünsche mir ich wäre manchmal so konsequent und ehrgeizig 🙂 Ganz dickes Bussi <3

    • Glück gehabt 😀 Liegt ja auch alles schon so weit in der Vergangenheit. Da muss man sich nicht unbedingt dran erinnern können. Zumindest weiß ich wo es gemacht wurde 😀

  9. also wenn ich ehrlich bin, dann find ich das foto gar nicht so schlimm, aber man sieht ja auch kaum was.
    dass man sich ständig dafür rechtfertigen muss, wenn man etwas NICHT essen will, ist echt nervig. es reicht nicht einfach zu sagen „nein danke“, man muss immer nen grund angeben: „ich habe gerade gegessen/ich vertrage keine nüsse/ich bin gerade auf diät“ usw.
    ich hab noch nie gehört, dass ein nichtraucher sich erklären müsste, wenn er eine angebotene zigarette ablehnt…

  10. http://soup.towo.eu/post/221558833/ ist da dann übrigens auch noch relevant. 🙂

  11. Doch, doch, Du bist gut, so, wie Du bist. Weil Du das nämlich durchziehst.

  12. Danke für den Artikel. Du bist wirklich immer so eine Motivation für mich.

    Ich habe auch so ein Hass-Bild, welches ich allerdings nie veröffentlichen würde, weil es ein Strandfoto in Bikini ist….und das bevor ich abgenommen habe. Ich glaub, man muss sich aber zwischendurch Fotos anschauen als man noch unzufrieden mit sich war, um am Ball zu bleiben und um sich klar zu machen, dass man da nie wieder hin will!

  13. Du kannst stolz auf dich sein. Das Foto von 2008 ist doch keine Schande sondern dein Beweis was du erreicht hast.
    Mach weiter so!

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  16. Respekt hast ja gut was geschafft und sogar mit der richtigen Ernährung. Ich denke da ist die einzige „Diät“ die auf Dauer was bringt.

    //////Echte Freunde werden merken, dass ihr euch nicht wohl fühlt und sie werden euch unterstützen//////

    Oh ha, die Suche ich noch, das einzige was meinen Freunden da zu einfiel war das wievielte mal probierst du es jetzt schon mit dem Rauchen aufzuhören und abzunehmen? Es wird immer nur alles negativ gesehen das ist echt nicht leicht. Aber trotz allem bin ich jetzt auf einem guten weg, 19 kg leichter und 5 Monate Rauchfrei mit Low Carb und Laufen.

    Das schlimmste sind aber die Menschen die es selber nicht gebacken bekommen, wenn man zu dick ist meckern sie und wenn man abnimmt ist das ungesund und viel zu viel und das ist doch auf dauer nicht Gesund blablabla.

    Mach weiter so und immer schön Berichten und Rezepte bloggen, danke.

  17. Hey

    Ersteinmal Glückwunsch zu seinem Schritt und Erfolg. Ich kann das, was du geschrieben hast teilweise echt gut nachvollziehen. Ich habe den Schritt vor anderthalb Jahren auch gewagt und habe vor einem halben Jahr abgeschlossen. Yeeeeey ;o))

    Bei mir waren es allerdings deutlich mehr Pfunde, um es in Zahlen auszudrücken, es waren 60 Kilo in einem Jahr. Harter Weg, teilweise frustrierend, aber man darf halt nie das Ziel aus den Augen verlieren.

    Und ja, das Umfeld kann sowohl böse sein, wenn man, nennen wir es beim Namen, fett ist, aber auch wenn man abnimmt – was einem da nicht alles unterstellt wird – meist aber von Aufgebern und Frustrierten – Neidern vielleicht. Magersucht und andere böse Wörter …

    Egal, wollte an sich nur gratulieren. ;o))

  18. Respekt. Hut ab und Glückwunsch zu dieser Leistung!

  19. Ich kann deine Worte so gut nachvollziehen. Irgendwie ist es immer falsch – egal wie man es macht. Ist man dick, erntet man vorwurfsvolle Blicke und Meldungen wie: „Na das ist aber nicht gesund.“ „Warum bewegst du dich denn nicht mehr/isst du denn nicht weniger?“ „Na du hast aber ganz schön zugelegt.“

    Nimmt man dann ab, und hat endlich eine Methode gefunden, die funktioniert, hört man wieder: „Na das ist aber nicht gesund.“ „Warum bewegst du dich denn nicht mehr/isst du denn nicht weniger?“ „Das ist aber ganz schön umständlich/teuer/aufwändig, was du da machst.“ Mal ganz abgesehen von den spöttischen Grinsern in Verbindung mit: „Na schau ma mal, wie lange du das durchhältst.“ Oder auch: „Jaja, und in ein paar Monaten hast du das alles wieder drauf.“

    Da hilft wohl nur Ohren und Augen zu und durch. Und die Spötter eines Besseren belehren.

    Übrigens finde ich dich auf deinem „Gruselfoto“ immer noch sehr hübsch. OK, ein paar kg zuviel, aber einen schönen Menschen kann nichts entstellen :).

    LG aus Österreich

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