Das ganz normale Chaos

Silvester

Wenn Brüste die Piraten spalten, kann man eigentlich nur „Danke“ sagen

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Seit einigen Monaten spreche ich über radikale Strömungen innerhalb der Piratenpartei. Dafür bekam ich Kritik, Häme, böse Emails und landete auf einer Hassliste. Immer wieder wurde gesagt „Ist doch nicht so schlimm“ oder „Die meinen es nur gut.“ Gut gemeint, ist allerdings das Gegenteil von gut gemacht. Als zwei Piratinnen voller Stolz in Dresden ihre Brüste an die Luft hingen um jemandem zu danken, der im zweiten Weltkrieg durch eine eigentlich unnötige und für den Krieg nicht entscheidenden Bombardierung zehntausenden Menschen das Leben nahm und als von Piraten Molotowcocktails auf die russische Botschaft flogen, brauchte ich nicht mehr viel diskutieren. Ich brauchte nur noch auf die Aktionen verweisen.

Wenn man mal auf die andere Seite schaut

Wenn man in meinem Alter ist, hat man Eltern und Großeltern, die den Krieg miterlebt haben. Mein Opa wurde um 1890 geboren. Er hat sogar zwei Weltkriege mitkämpfen müssen. Er MUSSTE. Er hatte keine Wahl. Er konnte nicht sagen „Nö mach ich nicht.“ Es hat ihn gebrochen. Jeder Krieg – egal ob er ihn als junger Mann oder bereits im gesetzten Alter miterlebte, hat etwas in ihm kaputt gemacht. Der zweite Weltkrieg war für ihn besonders hart. Er war ein Menschenfreund, wollte jedem helfen und hat jedem geholfen. Wenn man ihm für seine Hilfe Geld geben wollte, war er beleidigt, weil es bei ihm immer vom Herzen kam. Ich kenne seine Geschichten. Ich kenne die Geschichten, was mit ihm passierte, als er in Kriegsgefangenschaft war. Die Geschichten über Folter, die Erzählungen, dass einige seiner Mitsoldaten den Verstand verloren und Selbstmord begingen. Sie wurden in Erdlöcher gesteckt und dort überließ man sie sich selbst. In diesen Löchern konnten sie gerade so stehen. Mein Opa hatte einen Zeichenblock und einen Bleistift dabei. Er malte durch die kleine Öffnung oben die Wolken des Himmels ab, um sich abzulenken. Aber er hörte auch die Schreie seiner Mitsoldaten. In Russland nahm er einen kleinen Setzling einer Tanne mit. Immer wieder sagte er sich „Ich muss das hier schaffen und dann pflanze ich diese Tanne bei mir zuhause ein und sie erinnert mich an das hier.“ Die Tanne konnte er zuhause einpflanzen, aber er war nach dem Krieg ein Anderer.

Das alles wird ausgeblendet. Relativierungen funktionieren ja nur dann, wenn man sich keine Einzelschicksale anschaut.

Großtante

In einem Krieg gibt es keine Gewinner

In einem Krieg muss das Volk Auseinandersetzungen der Politik austragen. Für die tyrannischen Politiker sind die Menschen die in den Krieg ziehen keine Menschen mehr. Sie sind Zahlen. Sie sind Waffen und sie sind Mittel zum Zweck. Hinter jedem Soldaten steckt aber eine Familie, ein Schicksal. Nicht jeder, der in den Krieg ziehen musste, war ein Nazi. Es gab sicher radikale Ansichten unter den Soldaten, es gab aber auch jene die diese Ideologie nicht vertreten haben. Es gab in diesem Krieg kein schwarz/weiß. Es gibt in keinem Krieg Gewinner. Es sterben Menschen auf allen Seiten.

Meine Großtante – die Schwester meines Opas – starb bei einer Bombardierung meiner Geburtsstadt. Es war die letzte Bombardierung vor Kriegsende. Sie kam unerwartet und meine Großtante war mit ihrer kleinen 3-jährigen Tochter draußen. Als die Bomber kamen, warf sie sich über ihre Tochter. Meine Großtante starb. Ihre Tochter überlebte. Man fand sie unter ihrer toten Mutter.

Ich habe mit vielen Leuten über das Thema geredet. Oft hört man „Besser wäre es gewesen, wenn man damals alle Deutsche ab 5-6 Jahren Lebensalter umgebracht hätte, dann wären alle Nazis weg gewesen.“ Diese Einstellung gibt es. Manchmal hört man auch, dass es Nazigene gäbe und jeder Deutsche automatisch Nazi sei. Dass sich das ja vererbe und man besser auch die Kinder umgebracht hätte. Über Twitter wurde mir gesagt, dass die Tode der Menschen und vor allem der Kinder in Dresden (und nicht nur Dresden, sondern überall), das einzige Richtige gewesen seien. Immerhin könnten ihre Eltern ja Hitler unterstützt haben. Ich will das eigentlich gar nicht kommentieren, deswegen lasse ich es einfach so stehen.

Sind Brüste das richtige Mittel, um sich gegen Nazis zu wehren?

Ein Zeichen setzen gegen Nazis.. Sich bei den Alliierten bedanken… Mit nackten Brüsten.. Das alles verursacht in mir unglaubliche Bauchschmerzen. Zum einen denke ich, dass die Nazis von damals entweder bereits tot, oder auf dem Weg dorthin sind. Womit wir ein Problem haben, sind Neonazis. Diese haben aber zum „Bomber Harris“ gar keinen Bezug mehr. Die Konflikte liegen da ganz woanders. Bei den Alliierten bedanken… natürlich ist es gut, dass dem Krieg ein Ende gesetzt wurde. Aber kein Krieg wird aus Gutmütigkeit geführt oder beendet. Dass die Alliierten nach dem Krieg vor allem deutsche Kriegstechnik mit in ihr Land nahmen und viele Tötungsmaschinen mit denen heute Kriege geführt werden, auf deutschen Entwicklungen des zweiten Weltkriegs beruhen zeigt, dass es hier um mehr als nur das Prinzip ging. Und dass man nun mit Brüsten demonstriert macht es für mich kaum besser. Eine Frau, die ihr Gesicht verhüllt und nur ihre Brüste zeigt, macht sich nicht nur zum Objekt. Sie zeigt auch gleichzeitig, dass man als Frau ja scheinbar nicht anders Politik machen kann und dass die Brüste als einziges politisches Mittel taugen. Dass die Brüste einer Frau als politisches Mittel wertvoller sind, als ihr Gesicht und ihre Stimme. Sie nutzt ihre Brüste als politische Leinwand und mehr ist sie dadurch nicht – nur eine politische Leinwand.

Besser als ein „Kriegsende“ ist „kein Kriegsbeginn“

Ich bin froh, dass der Krieg beendet wurde, aber ich wäre froher gewesen, wenn es erst gar keinen Krieg gegeben hätte. Ich wäre noch froher gewesen, wenn es keine Tyrannei, keine Diktatur, keinen Rassismus und keinen Völkermord gegeben hätte. Es würde mich glücklich machen, wenn sich Menschen nicht durch ihren Hass leiten lassen würden. Ich bin aus meinem tiefsten Herzen pazifistisch. Für mich ist Gewalt, Krieg und Hass immer ein Zeichen von persönlicher Schwäche, sich Auseinandersetzungen zu stellen.

Aber eigentlich möchte ich mit bei den Piratinnen bedanken, die mit ihrer Aktion die Piraten spalteten. Denn sie haben meine Theorie bestätigt, dass die Piraten mittlerweile zu radikal geworden sind, als dass man sie wählen sollte. Auch wenn es keine Piratenaktion war, so interessiert es jeden Wähler, was ihre Politiker in ihrer Freizeit tun. Wenn es Verhöhnung von Kriegsopfern  und das Werfen von Molotowcocktails ist, dann ist das nicht meine Partei, auch wenn sie es mal war. Deutlicher hätten sie die Spaltung nicht machen können. Deutlicher hätten sie aber auch die Piraten, die dies unterstützen, nicht bloßstellen können. Sie haben einigen Menschen aufgezwungen Stellung zu einem Thema zu beziehen, zu dem sie eigentlich lieber geschwiegen hätten. Außenstehende können zumindest so nun gut einschätzen, wer welche Richtung eingeschlagen hat.

Und ich weiß, dass ein Großteil der Piraten gegen diese Aktion ist und sie nicht unterstützt, aber mein Mitleid hierfür ist langsam erschöpft. Wenn die anderen Piraten nicht wollen, dass die Radikalisierung ihrer Partei negativ auf sie zurückfällt, dann sollten sie was gegen die Radikalisierung tun. Sie sollten sich wehren und ihre Partei aufräumen. Ist das nicht das Schöne an der Basisdemokratie, dass man „denen da oben“ nicht ohnmächtig ausgeliefert ist, sondern ihnen in den Hintern treten kann, wenn sie sich Verfehlungen leisten?

Ironie, Sarkasmus oder doch Dummheit?

Diese Aktion war mehr als unüberlegt. Sie war im höchsten Maße destruktiv. In den letzten Tagen zeichnete sich ab, WIE destruktiv es wirklich war. Wenn eine Aktion nicht so ankommt, wie man es möchte, heißt es ja oft „Ich hab das ironisch gemeint.“ Dem voran gehen dann meist bereits Verleugnung und dann Verteidigungsversuche der Aktion, in der man nichts von Ironie hört. Was war es also? Ironie? Sarkasmus? Unüberlegte Dummheit? Da die Aktion und auch die Wortwahl gefeiert wurde – in bestimmten Kreisen – gehe ich davon aus, dass die Erklärung nach Ironie der letzte Strohhalm aus dem Gülleloch ist. Aber auch der ist bereits so durchgeweicht, dass er kaum mehr was nützt. „Dresden sollte eigentlich mal wieder bombardiert werden.“ setzt dem ganzen dann nur noch die Krone auf.

„Es gibt keine legitimierten Vergewaltigungen“ zierte die Brust der Piratin mal. Aber es gibt ihrer Meinung nach legitimierte Bombardierungen, legitimierten Krieg, legitimierte Kriegshandlungen. Legitimierte zehntausende Tote. Wer nun meint, dass ich mit diesem Vergleich Vergewaltigungen relativiere, sollte einmal nachschlagen, welche Folgen der Tod für das Leben eines Menschen hat.

Die Partei steht nun an dem Punkt wo sie sich entscheiden muss, welchen Kurs sie einschlagen will. Aussitzen funktioniert nicht mehr, auch wenn es vor allem vom BuVo versucht wird. Aussitzen würde bedeuten, dass die Piraten demnächst als die Brandanschlagspartei in die Presse geht. Als die Partei, die Bombardierungen feiert. Das kann man so machen, ist dann aber scheiße.

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40 Kommentare

  1. Ach deswegen war auf Twitter so oft von „Brüsten“ die Rede.
    Kann dir nur in allen Punkten zustimmen, auch wenn ich mich mit den Piraten nicht so sehr auseinander setze. Dies ist nämlich nicht ganz so einfach, wenn es zu sämtlichen Gates nur Fetzen und Posts gibt, die man als Außenstehender nur schwer nachvollziehen kann.

    Dein Post inspiriert mich vor allem mehr dazu mir selbst Gedanken zu meiner Familiengeschichte während der Nazizeit zu machen, sie vielleicht sogar irgendwann einmal zu erzählen. Ich glaube das täte so einigen Leuten relativ gut. Unsere (Ur-)Großeltern waren, wie du schon sagtest, ja nicht alle eingefleischte Nazis, der Großteil konnte seine Erlebnisse nicht einmal vernünftig verarbeiten.

    Und ich finde die von dir zitierten Äußerungen einfach nur menschenverachtend. Wie kommt man nur dazu, den Tod von Kindern zu fordern?

  2. Huhu Ricarda,

    hast du diesbezüglich den Blogpost von Fabio Reinhardt bzgl. Framing gelesen 😉

  3. Schön, das hier zu lesen. Ich bin (noch) Pirat, denke ähnlich und hatte gestern einen ähnlichen Artikel verfasst … http://www.bombasstard.de/2014/02/24/ueber-bombergate-menschen-mit-gesichtern-taeter-und-kriegsopfer/

  4. So sehr ich Dir zustimme – an einem Punkt muss ich widersprechen. Die Piraten sind keine „Basisdemokratie“, sondern eine „Parteitagsdemokratie“.

    Die Richtung wird vorgegeben durch ein leicht zu manipulierendes Gremium. Wie z.B. durch eine organisierte Anreise von Interessengruppen, die sich dann auf den Parteitagen den Ball zuspielen, um die restlichen Anwesenden zu zermürben.

    Auch der geforderte Sonderpartei würde die Piraten nicht retten, denn genau die kritisierte Gruppe würde in voller Stärke antreten und ihre Erfahrung in Gremienarbeit ausspielen.

    Hätte man sich ordentlich um Liquid Feedback bemüht, wäre die Situation vielleicht (!) anders. Hat man aber nicht. Das Geld der Partei ist lieber in Interessengruppen (Frauen, Jugend und sonstige Gruppen und Einzelinteressen-Veranstaltungen) geflossen. Dabei wollte man doch ursprüngliche gar keine Klientelpolitik betreiben. Trotzdem gibt es z.B. „Junge Piraten“. Jede/r kocht da sein/ihr Süppchen auf Kosten der Arbeitsfähigkeit der Partei.

    https://wiki.piratenpartei.de/Finanzen/Kosten-Auswertung_Bund_2013

    1.389,28 € im Jahr 2013 für das Kernthema der Partei: „Demokratie 2.0“ – die PiratinnenKon hat mehr bekommen. Den Großteil des Geldes haben die Parteitage verschlungen, also genau die Veranstaltungen, auf denen diese Irrwege beschlossen wurden.

    Das Experiment „Piraten“ würde ich als gescheitert betrachten. Eigentlich nicht erst seit Bombergate.

  5. Da spricht mir jenand aus der Seele.

  6. „Wenn man in meinem Alter ist, hat man Eltern und Großeltern, die den Krieg miterlebt haben. Mein Opa wurde um 1890 geboren.“

    Es ist vielleicht blöd, dass ich gerade daran hängen bleibe: Aber ich bin wesentlich älter als Du, meine Großeltern sind aber sehr viel später geboren worden und meine Eltern haben vom Krieg nur wenig bis nichts mitbekommen. Und sie haben mich spät bekommen.

    Du müsstest dann ja ein sehr spätes Kind Deiner Eltern sein?

    Ich finde das gerade ein wenig zweifelhaft. Entschuldigung. Denn den Artikel an sich finde ich gut.

  7. Ich hoffe wirklich, dass die Urpiraten weiter in der Politik bleiben. Ob in einer reformierten Piratenpartei oder in anderen, egal. Wenn die Piraten eines geschafft haben, dan neue Menschen für die Politik zu begeistern. Ich hoffe, das stirbt nun nicht

  8. Danke für Dienen Artikel. Man muss nicht jedem Punkt zustimmen aber im Großen und Ganzen freue ich mich wenn jemand seine Meinung sagt. Länger als 140 Zeichen. 🙂 Meine Meinung zum „Opferstatus“ der Bombentoten von Dresden habe ich geäußert, stehe auch dazu. Wer natürlich meint, die Folgen einer solchen Aktion falsch eingeschätzt zu haben – der het vorher wohl nicht nachgedacht. Das gibt mir zu denken, wie denkt man dann vor einer wichtigen Entscheidung überhaupt nach?
    Ich bin Pirat und gedenke es auch zu bleiben. Aber mit vielen Mitgliedern verbindet mich vielleicht bald nicht einmal mehr das gemeinsame Ziel. Ich bin, nach langem Überlegen Mitglied der Piratenpartei geworden weil ich für Menschen- und Bürgerrechte bin. Leider gibt es bereits einige die diese innerhalb der Piraten nicht mehr in erster Linie vertreten.
    Da gibt es viel zu tun. Auf gehts.
    http://blogvonthomas.wordpress.com/2014/02/23/ich-distanziere-mich-nicht-ich-bin-schlieslich-pirat/

  9. Können die Piraten „zu radikal“ sein, wenn es um permanente Mitbestimmung und Transparenz geht?
    Diesen antideutschen „Bomber-Harris“-Mist finde ich auch Scheiße. Aber das kann doch wohl nicht der Grund sein, sich von der PP abzuwenden – viel schlimmer finde ich, dass sie den „permanenten Parteitag“ (noch?) nicht hingekriegt haben…
    http://misanthrope.blogger.de/stories/2048022/

    • Schlimmer als der antideutsche Bomber Harris Mist ist der Zuspruch, den sie dafür bekommen hat. Und das zeigt wo die Partei steht und wo viele andere nicht stehen wollen.

      • Es gibt mir Hoffnung, dass der Zuspruch von den üblichen „Lautsprechern“ (vulgo Schreihälsen) kommt. Aber es melden sich jetzt auch andere zu Wort – auch ohne über ihren Austritt zu berichten.

  10. Erst machten sie mein Internet kaputt, jetzt die Partei die es retten wollte.

    Ich fordere Anne Helm und ihre radikale Entourage zum sofortigen Austritt aus der Piraten Partei auf. Ich fordere eine Neuwahl des BuVo und Neulistung für die kommende Europawahl. Mit anderen Mitteln ist diese Partei nicht mehr zu retten. Die Ratten müssen vom Schiff, sonst wird es sinken. Nennt es Meuterei, aber der eingeschlagene Kurs kann nicht mehr gehalten werden.

  11. Es gibt inzwischen eine Erklärung/Ausrede von Anne Helm, die sich jetzt wünscht, sie hätte das nie gemacht. Aber nicht, weil sie die Aktion für falsch hält, sondern weil sie dafür angefeindet wird.
    http://jungle-world.com/jungleblog/2670/

    Besser und intelligenter ist allerdings dieser Podcast von Andi Popp und Peter Laskowski:
    http://andipopp.wordpress.com/2014/02/21/basisvektor-folge-6-die-partei-im-bombergate/

  12. Dann fordere mal schön, „Anonymous“

  13. Ich glaube nicht, dass das irgendwas mit irgendwelchen Vorständen zu tun hat, und damit, was diese sagen, wie sie was sagen oder was sie nicht sagen.

    Für sämtliche politischen Positionen haben wir den Vorständen bisher jedes Recht abgesprochen, sich zu positionieren, wenn es nicht einen Beschluss dazu gibt. In solchen Fällen dann doch plötzlich steinharte Positionierungen zu verlangen, ist der Ruf nach einer Autorität so weit oben wie möglich, doch hoffentlich die eigene Position als die einzig wahre ™ zu legitimieren. Wenn wir das nötig haben, ist das Projekt eh schon kaputt.

    Alles, was nötig ist, muss, kann und soll wie bei allem anderen von der Basis kommen, die Vorstände haben sich – gerade wegen ihrer Position – da absolut rauszuhalten. Jede Positionierung kann die Spaltung nur verschärfen und die basisdemokratische Positionsfindung torpedieren, weil dadurch sogar nach einer basisdemokratischen Abstimmung die andere Seite sagen kann, dass die Meinungen ja von oben beeinflusst wurden.

    Wir müssen selber die Eierstöcke haben, hier mit sauberen Beschlüssen die Richtung zu entscheiden. Wir alle, und kein noch so geartetes Gremium.

  14. SInd ein paar gute Punkte im Artikel.

    „Womit wir ein Problem haben, sind Neonazis. Diese haben aber zum “Bomber Harris” gar keinen Bezug mehr.“

    kann ich aber z.B. überhaupt nicht zustimmen. Die Neonazis bedienen den Geschichtsbezug, wo ist also das Problem, hier “Bomber Harris” zu bedienen. Den Nazis ist der Protest doch eh wurscht, an die richtet der sich doch gar nicht. Allenfalls plakativ und da reicht doch aus, dass eine „linke Zecke“ irgendwo steht. Eine Rechercheleistung ist hier nicht von den Hohlköppen zu erwarten, o da nu Harris oder ein schlaues Philosophenzitat auffer Haut steht. Oder auf’m Plakat.

    „ Sie zeigt auch gleichzeitig, dass man als Frau ja scheinbar nicht anders Politik machen kann und dass die Brüste als einziges politisches Mittel taugen. Dass die Brüste einer Frau als politisches Mittel wertvoller sind, als ihr Gesicht und ihre Stimme.“

    Sie dürfte damit vielen aus der Seele sprechen, bspw. angesichts der vor sich hin dümpelnden NSU-Aufklärung. Ist übirgens das selbe Thema wie die Radikalität/Aggressivität der Antifa. Es ist „Kampf“ mit anderen Mitteln, wo Politik schon lange versagt. Insofern schlägt die Keule zurück: Die Politik, auch die Piraten, schaffen in der Sache nix, oder halt in nicht wahrnehmbaren Schritten, während die Neonasen fröhlich weiter „Volkstrauer“ mimen.

  15. Schöner Artikel. Über die Piraten reg ich mich mittlerweile garnicht mehr auf – das tat ich lange genug. Irgendwann hat man einfach die Schnauze voll von diesem weltfremden, selbstbezogenen Gehabe, gepaart mit Unwissenheit und maßloser Selbstüberschätzung ala „wir erfinden Politik neu“, was letztendlich all den errungenen Zuspruch und Chancen nachhaltig zunichte machte. Mit der Tour kann man vielleicht auf Twitter punkten aber das wars dann auch.

    Was ausserdem viele dort immernoch nicht begriffen haben – manche Chancen hat man halt nur einmal im Leben und die sollte man nutzen, anstatt sie zu zerreden. Es rennen sich bei unzähligen Parteien täglich viele fähige Menschen die Hacken ab, von denen aber noch nie jemand etwas gehört hat.

    Die Piraten hatten da extrem viel Glück,eine derartige Medienpräsenz zu erfahren. Dieser Zug ist nun schon lange abgefahren und so einen Aufstieg legt man nicht mal eben ein 2. mal hin.

  16. die botschaft von anne finde ich inhaltlich richtig, wenn man sie als trollaktion gegen nazis und bürgerlichen geschichtsrevanchismus liest. politisch empfinde ich die aktion aber als unklug. anne hat das ja auch öffentlich als fehler eingestanden. meiner meinung nach hätte sie das nicht tun müssen, sie tats aber. damit sollte eigentlich alles gegessen sein. andere piraten mit mehr verantwortung haben da schon moralisch fragwürdigeres gemacht, ohne jemals dafür um entschuldigung zu bitten. dass anne nicht die wahrheit sagte kann man ihr finde ich nicht vorwerfen wenn das öffentlichmachen dieser aktion bedeutet nicht mehr allein auf die straße gehen zu können. jetzt wurde sie von piraten zwangsgeoutet und den rechten ausgeliefert. anstatt sich hinter sie zu stellen wird ihr jetzt auch noch vorgeworfen ihre bewusst gewählte anonymität nicht früh genug gelüftet zu haben. so ein verhalten von piraten empfinde ich als unsolidarisch und zynisch, egal wie man ihre aktion bewertet. anne hat meine volle solidarität. sie ist doch nur der aufhänger für einen richtungs streit. weniger inhaltlich als im stil. lasst uns lieber darüber reden. weil darum gehts eigentlich. der ganze bohai passiert ja nicht wegen anne oder debbie.

  17. Es ist erfrischend das Jemand mal realitätbezogen über Krieg berichtet. Wer einmal dabei war, der ist für immer verändert. Es ist beängstigent wie lässig unsere wiederlichen Politiker_Innen mit Menschenleben um gehen. In Afghanistan verlässt unsere Armee eine Gesellschaft, denen es in jeder Hinsicht schlechter geht wie, als vor 10 Jahren als sie dort hin kamen. Nun geht die Bundeswehr nach Afrika um sich in einen Kampf ein zu mischen von den wir nichts verstehen, unter Menschen von dessen Kultur wir nichts verstehen, was uns nicht davon abhält sie zu missionieren, in unsere endlose Arroganz.

  18. Als 2009 Zensursula einen äusserst erfolgreichen Angriff auf unsere Bürgerrechte und demokratischen Werte anführte, kam die einzige, leider leise Opposition von den Piraten. Auch wenn es ein verlorener Posten war gegen die Grundwerte der deutschen Politik: „Verbote, Zensur und Zwang“ an zu gehen, so fühlte ich das ich mir immer Vorwürfe machen würde wenn ich nicht alles versucht hätte dagegen an zu gehen, so wurde ich Mitglied bei den Piraten.

    Anfangs war ich begeistert, ich war bei der Gründung der Niederbayern Fraktion dabei, kam auch mal zum Stammtisch, viele Infokrieger waren dabei, sie waren leider noch etwas grün, aber eine Partei die aus den Internet stammt, würde alles über Climategate wissen und ein gesunder Menschenverstand würde sich hier durch setzen, so glaubte ich.

    Ich bewarb mich für die Arbeitsgruppen Finanzen und Umwelt. Bei Finanzen wurde ich angenommen, von Umwelt hatte ich nie ein Feedback. Die Diskussion um Climategate ging Monate lang weiter, was mir auf fiel die „Threads“ wurden immer neu arrangiert, so das die Klimaskeptischen threads an einander gereiht wurden, somit sah es im Index so aus als gäbe es nur ein skeptisches Thread und mehrere Weltretter strings. Das andere das mir auffiel, bald war ich der Einzige Skeptiker der übrug geblieben war, somit sparte ich mir auch die Arbeit.

    Als das Piratenweib sich zuerst für Kwoten stark machte und sie wurde aus gebuht, konnte ich nur sagen, was hatte sie erwartet. Als die Leitung der Piraten die Mitglieder zu Toleranz anderer Meinungen mahnte, als der Vortrag wiederholt wurde, wußte ich das das Ende der Piraten geplant war, obwohl sie später noch ein paar Erfolge haben sollten, aber der weg in dem Ruin war schon mal auf der Landkarte eingezeichnet.

  19. Eine der ältesten Tricks der Politik, sich gegen Parteien von denen sie eine wirkliche Opposition fürchten, zu wehren, ist die Parteien von regierungsnahen Organisationen unterwandern zu lassen.. Diese regierungsnahe Organisation heißt Antifa. Die Occupy Bewegung ist sehr schnell von einer populären Bürgerbewegung die allgemeine Empörung der deutschen Bürger zum Ausdruck brachte, zu noch eine stinklangweilige linke Organisation die die ausgefransten Phrasen aus den 50ern als die Heilbotschaft des 21sten Jahrhunderts noch einmal aufgewärmt hatte.

    Es ist die Hitlerjugend der politischen Korrektheit die in allen Themen die nie öffentlich debatiert werden, die Meinung der Mainstream Parteien und Medien, wenn nötig mit gewalt vertreten. Wieviele Verbündete Antifa bei den Piraten hatte ist ungewiß (alle konnten nicht so blöd sein), was wichtig ist zu verstehen, ob die Piraten kaputt gehen oder ihre politische Philosophy zu „Noch einer sozialfeministischen ökologischen anti Deutsche Partei“ ändern, für ihre Unterwanderer ist es egal und ein großer Erfolg,

  20. Hey MU & BB,

    wäre super gemeinsam was zu machen.

    hab Geschichte & Film studiert & gemacht.

  21. Ein paar Worte von jemand, dessen Mutter als Kind durch das brennende Berlin lief, evakuiert war, zusehen musste, wie ihr verletzter Vater 1945 starb, weil die wässrige Kohlsuppe, die sie ihm brachte, nicht genug war, die dann in einer Wohnung ohne Wohnzimmerwand leben musste… und die auch nach 70 Jahren immer noch Alpträume hat und wimmernd aufwacht,

    Finde ich die Äußerungen, die im Rahmen des Bombergates von so manchen Piraten ins Netz gesprachdurchfallt wurden, einfach nur beschämend, daneben und menschenverachtend.

    Das Gelaber über Geschichtsrevisionismus, die eigene Einstellung, Zivilisten jederzeit schädigen zu können, ausbomben zu können, töten zu können, so lange ihre Regierung nur der falschen Ideologie anhängt, ist nichts weiter als eine Bush-Doktrin von links.

    Dazu kommen dann so geschichtsignorante Äußerungen wie „Coventry ist die Ursache für Dresden gewesen“. Wo die Ursache doch so simpel wie dämlich war, weil man in den nächtlichen Angriffen konkrete Ziele einfach nicht treffen konnte. Deswegen konnte man nur große Städte treffen, und deswegen wurde die Strategie des Area Bombing eingeführt und kurzerhand sämtliche Zivilisten in Industriestädten zu legitimen Zielen erklärt, die zu den Kriegsbemühungen beitragen. (siehe http://www.bbc.co.uk/history/worldwars/wwtwo/area_bombing_01.shtml#two )
    Dieser bürokratische und menschenverachtende Schwachsinn („Wir müssen etwas tun. Dies ist etwas. Also müssen wir es tun“) geboren aus Politlogik (Wir haben Bomber, irgendwas müssen wir mit denen machen, wir greifen an, was wir treffen können und lassen uns dann einfallen, warum das sinnvoll ist) wird jetzt also jetzt immer noch von den Bombergate-Apologeten propagiert.

    Dass diese Argumentation dann auch bedeutet, dass man sämtliche Kollateralschäden im Irak oder Afghanistan automatisch gut heißt (Kriegsbemühungen, gut für die Moral, wer nicht für uns ist…), dazu fehlt dann anscheinend die intellektuelle Tiefe. Dass area bombing später verboten (wie z.b. Giftgas) wurde, geschenkt. Dass der Angriff auf Zivilisten nur durch legalistische Kopfstände („Stadt ist durch Flak verteidigt, deswegen darf man sie angreifen“) überhaupt „legal“ war (ähnlich wie der Giftgaseinsatz im 1.Weltkrieg), geschenkt.

    Ich werde es so halten wie der Bundestagswahl, und diesmal wieder nicht den Piraten meine Stimme geben. Wer das Zufügen von Kollateralschäden aus ideologischen Gründen verherrlicht, der kriegt von mir keine Stimme.

  22. Ich bin nach 2011 auch etwas vom Thema Piraten abgekommen. Habe mich die letzten Tage etwas reingelesen & muss sagen es lohnt sich. Es hat mich doch sehr nachdenklich gemacht:

    1. Wie konnte ich 2009 & 2011 nur meine Kreuzchen dort setzen?
    2. War ich bisher in puncto äußerer linker Rand viel zu unkritisch & symphatisierend unterwegs?
    3. Wie legt man sich ein dermaßen verbohrtes Weltbild zu?

    Es tut mir sooo leid um die Partei & um die vielen durchaus kompetenten Leute, die sich von einer Minderheit vor sich hertreiben lassen müssen. Eine (aus meiner Sicht) wichtige & notwendige Partei wurde unterwandert & wird nun entweder auf Linie gebracht oder zerstört. Und der Bundesvorstand? Zumindest mit dieser Connection symphatisierend (wahrscheinlich mehr).

  23. @cuba Alles , aber auch alles richtig

  24. Danke für den super Blog. Ich finde es immer noch schlimm das es noch Piraten gibt und die Action rechtfertigen und jeden Kritiker dann in die Rechte Ecke rücken.

  25. Vielen Dank für den Artikel. Super Blog.
    Als ob du mein weibliches „Ich“ wärst 😀

    Btw: <3 Lovecraft

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