Das ganz normale Chaos

Was würdet ihr anders machen?

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Löwe Florenz Heute kam mir eine interessante Frage in den Kopf. Wir Blogger sind ja durch unsere Impressumspflicht (wo keiner so genau durchblickt, für wen sie in welchem Maße gilt) von vornerein im Internet bloßgestellt. Alles was wir schreiben, kann und wird mir unserem Realnamen in Verbindung gebracht und man muss selbst wirklich genau aufpassen, was man schreibt.

Mich selbst hat das ehrlich gesagt schon so einige Male geärgert und wäre am Anfang sogar fast der Grund gewesen, das Bloggen wieder aufzugeben. Zumal man uns ja immer warnt, vorsichtig mit unserem Realnamen im Internet umzugehen und möglichst anonym zu bleiben. Dieses Recht scheint nicht für Blogger zu gelten.

Und in diesem Zusammenhang kam mir eine spannende Frage in den Sinn.

Wenn ihr anonym sein könntet und niemand wüsste, wer euer Blog betreibt (weder durch Denic noch durch Impressum), würdest ihr anders, offener und freier schreiben? Würdet ihr vielleicht sogar über andere Themen schreiben als jetzt?

Um die Frage für mich zu beantworten. Ich würde , wenn ich anonym sein könnte auf jeden Fall offener über manche Dinge schreiben und sicherlich auch mehr aus meinem Privatleben bekannt geben, aber dadurch dass nichts anonym ist, hängt mit jedem Beitrag das Damoklesschwert der Impressumspflicht erneut über mir und ich Frage mich bei jedem Satz “Würde ich ihn so auf offener Straße auch einfach wem erzählen?”

Und jetzt ihr! Wie sieht es bei euch aus und was würdet ihr anders machen?

30 Kommentare

  1. Fragen wir mal @ballmann, der hat da – leider – einschlägige Erfahrungen gesammelt. Also, sammeln müssen.

  2. Nein, ich glaube nicht das ich da offener schreiben würde. Ich würde es vermutlich genauso machen wie jetzt auch. Andere Themen? Wohl auch eher Nein. Klar, man fühlt sich schon etwas „Unbekanntem“ ausgeliefert wenn man Impressumspflichtig ist und unter seinem richtigen Namen blogt. Aber in all den Jahren die ich jetzt eine Homepage betreibe, und das werden dieses Jahr schon 9 Jahre, habe ich noch keine Probleme gehabt.

    LG Petra

  3. Ich glaube ich würde auch offener bloggen. Ich überlege auch immer ob man das so schreiben kann, wer das wohl ließt und ob derjenige vielleicht ein Bekannter / Nachbar / Verwandter ist.

  4. Ich denke nicht, dass es rechtlich gesehen einen gravierenden Unterschied machen würde. In der Praxis könnte man sich höchstens vor Stalkern o.ä. etwas schützen, mehr inhaltliche Freiheit würde es aber nicht bringen.

    Begründung:
    Das Impressum ist nur ein Shortcut, um an die Identität zu kommen. In einem normalen Blog finden sich zahlreiche Hinweise, die mehr als ausreichen um auf die Person an sich zu kommen und sei es durch Social Engeneering, indem einfach eine Person aus deren sozialem Netzwerk gefragt wird. Wohnort, Kontakte, Interessen, Aufenthaltsorte, Handyprovider usw. reicht zur Identifikation mehr als aus.
    Für diejenigen mit eigener Domain reicht abgesehen davon sowieso ein ‚whois domain.de‘, bei fremdgehosteten Blogs eine Recherche zur IP bei Hoster und Provider.

    Um _wirklich_ frei zu schreiben, müsste man auf alle Referenzen auf die eigene Person verzichten, Domain und Hosting anonym im Ausland betreiben und – optimal – Edit-Zugriffe nur über einen Anonymisierungsdienst wie Tor vornehmen. Dann braucht es aber sowieso kein Impressum mehr. 😉

    • Mehr inhaltliche Freiheit würde es sicher nicht geben, denn als Blogbetreiber hat man alle inhaltliche Freiheit innerhalb der gesetzlichen Grenzen. Aber die Hemmschwelle würde sinken. Wenn man jetzt Bekannte hat, die einen in- und auswendig kennen, werden diese bestimmt erkennen wer da dieses anonyme Blog betreibt, wenn sie denn von der URL erfahren würden.
      Klar muss man dann auf die Dinge verzichten, die normales Bloggen auch ausmachen (Fotos, Ortbezug, Personenbezug usw.) aber es gibt auch Themen bei denen sowas gar nicht nötig ist.

  5. Da ich eigentlich immer sage was ich denke, würde ich nicht mehr (offener) schreiben als ich es jetzt tue. Ich stehe hinter meinen Äußerungen und sehe keinen Grund mich hinter Anonymität zu verstecken.

    Der Ansatz zu glauben, dass man mehr Privates schreiben könne, wenn man anonym ist, ohne erkennbar zu werden, ist natürlich falsch, wie man bereits an den Beispielen des Vorposters lesen kann. Die Zuordnung ist zwar nicht so offensichtlich, aber eben auch möglich und ich bin durch Zufall auch schon auf Foren-Posts von Leuten gestoßen, die ich kenne oder erkannt habe aus dem was geschrieben stand.

    • Anonymes Bloggen hat nicht unbedingt was damit zu tun, dass man nicht zu dem steht, was man schreibt oder sich verstecken will. Manchmal brennt einem auch etwas auf der Seele, aber man möchte aus Rücksicht auf andere (vllt auch Betroffene) keinerlei Zuordnung möglich machen.
      Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Wochen sehr viel mehr zu schreiben gehabt hätte, von dem was mir auf der Seele brannte und es wäre auch in keinem Fall ungesetzlich gewesen, aber allein durch die Zuordnung mit meinem Namen hätte es viel Stress geben können, weswegen ich darauf verzichtet habe. Vielleicht ist auch deswegen ein wenig die Frage in meinem Kopf entstanden.

  6. Ich denke nicht… wenn ich etwas zu sagen habe, was aber nicht die ganze Welt lesen soll, dann nutze ich das Passwort, ansonsten schreib ich „frei Schnauze“, also würde sich da wohl wirklich nichts ändern. Wie Neo sagt, es würde auch ohne die öffentlichen Daten leicht zu erkennen sein, wer dahinter steckt, oder man dürfte noch nicht mal mehr ein Foto rein stellen. 😉

    • Wer dich nicht direkt kennt, kann dich ohne Daten auch nicht zuordnen. Das ist so der Hauptgedanke gewesen. Das müssen dann schon sehr vertraute Menschen sein, die dich erkennen.

  7. Doch, bestimmt würde sich der Schreibstil verändern. Die Aussage wird die gleiche bleiben, aber kritische Beiträge müssen nicht mehr so penibel zwischen Meinung und Darstellung unterschieden werden, Namen werden einfach so rausposaunt, nicht geschwärzt und Quellverweist.

    Letztendlich ist das dann auch unangenehm und endet wohl im schmutzige Wäsche waschen. Ich denke das würde die Blogkultur zum negativen Verändern ohne die aktuelle Gesetzeslage in Schutz zu nehmen, denn die ist auf Deutsch gesagt der letzte Müll.

    Wenn aber ein Blog eine Meinungsplattform ist, sollte man auch in der Lage sein diese in seinem Namen zu vertreten.

    • Dann bist du der Meinung, dass die Impressumspflicht das Einzige ist, was die Blogosphäre vor dem moralischen Untergang bewahrt?
      Wieso funktionieren dann so Plattformen wie Twitter bei denen eine Impressumspflicht sich zum Glück nicht durchgesetzt hat?

  8. Mmh… ein schöner Gedanke! Ich könnte mir schon vorstellen, unter einem Pseudonym Dinge zu schreiben, die ich sonst nicht schreiben würde… du bringst mich da auf Gedanken… 🙂

  9. Letztlich tun ja eigentlich fast alle alles dafür damit jeder immer weiß was man gerade macht. Also Blog, VZ, Facebook, Twitter. Letztlich kann man sich da schon ein gutes Bild von einer Person machen und das mit dem anonymen ist eh ein Trugschluss. Und es ist vielleicht ganz gut wenn man sich nicht 100% anonym fühlt, wenn dadurch gewährleistet ist das man zweimal darüber nachdenkt was man schreibt.

    Ich könnte mir auch Themen oder Dinge vorstellen von denen ich vielleicht nicht will, das sie der Nachbar oder die Arbeitskollegen wissen aber dann sollte man es wohl auch nicht im Internet veröffentlichen. 😉

  10. Ich würde wahrscheinlich krasser schreiben, keine Grenzen kennen und wenn es um harte Themen geht, Sex, Politik oder ganz persönliche Dinge die ich bisher lasse.

    Da jeder weiß wer ich bin kann ich das nicht machen auch auf Rücksicht der Gesetze.

    Aber ich denke ich wäre radikaler in Verbreitung meiner politischen Meinung.

  11. Anderer Schreibstil – nein.
    Aber andere Themen würde ich vermutlich (mit) aufgreifen. Hm… ich habe zu früh kommentiert! Ich denke weiter drüber nach und kommentiere nochmal… 😉

  12. Ich denke schon, das ich viel offener und über eigentliche „Tabu“ Themen schreiben würde. Denn wenn es auch hier zu Lande eine „Redefreiheit“ gibt (wer das glaubt ist wohl in Alice Wunderland), muß man doch sehr aufpassen das man wenige Tage später nicht Post bekommt nur weil einer sich auf den „Schlips“ getreten fühlt.

  13. Hmmm… wegen gewisser Leute aus meinem näheren Umfeld kann ich schon nicht so schreiben, wie ich gerne würde… Ich denke, ohne meinen Namen würde ich daher noch intensiver bloggen als bisher.
    Lg Nine

  14. Hm, also ich stehe auch zu dem was ich schreibe und demzufolge schreibe ich selbstverständlich auch mit Bedacht. Wenn es etwas „Intimes“ gäbe, über das ich schreiben wollen würde – warum dann nicht einen der anonymen Bloggerdienste hernehmen ohne Impressumspflicht?

  15. Naja für sowas gibts ja tumblr, posterous, wordpress blogger und co.

    Ja, ich würde anders schreiben und mächtig die Sau rauslassen.

  16. Was sind den Die Themen über die hier einige schreiben würden, wenn sie nicht erkennbar wären?
    Ich verstehe auch nicht warum man für das äußern seiner Meinung Post vom Anwalt bekommen sollte. Klar es gibt einen Rahmen und Gesetze, an die sollte man sich schon halten aber ansonsten …

    • Weil man in Deutschland Abmahnungen für alles verschicken kann ohne dass von einem Gericht geprüft wird, ob diese Abmahnungen rechtens sind.
      Selbst wenn dann vor einem Gericht bewiesen wird, dass die Abmahnung nicht begründet ist, zahlt der Abgemahnte ordentlich drauf. So kann man ganz einfach Leute mundtot machen und noch ein bisschen Geld verdienen. Dass Blogger mittlerweile die Milchkühe der Abmahnindustrie sind, ist kein Geheimnis mehr. Da muss man sich nur mal ein bisschen in der Blogosphäre und Twittersphäre umschauen.

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