Das ganz normale Chaos

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#waagnis – Mein Leben mit Waage und einem gesunden Körpergefühl

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Derzeit macht eine Aktion die Runde, bei der Frauen ihre Waagen „aussetzen“, um sich nicht mehr zu wiegen, weil sie sich danach schlecht zu fühlen und dadurch ein schlechtes Körpergefühl entwickeln.

zuviel

Damals noch mit Übergewicht

Wie ihr wisst, habe ich auch eine Gewichtsvorgeschichte und eine Abnahmegeschichte. Ich bin eine der wenigen Frauen, die es geschafft haben, so viel abzunehmen, dass sie ihr Übergewicht komplett losgeworden sind. Und.. Ich bin damit glücklich.

Ich hatte vor meiner Abnahme ein schlechtes Körpergefühl. Ich hatte vor meiner Abnahme auch keine Waage – die kam erst zusammen mit meinem Diätstart. Meine Waage ist kein Druck, meine Waage ist kein Feind. Sie ist einfach nur ein Messinstrument. Schlechtes Körpergefühl begründet sich ganz woanders – nicht auf der Waage.

Wer unzufrieden mit sich ist, der hat oft ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl. So ging es mir und geht es mir teilweise immer noch. Die Gründe? Wenn einem ununterbrochen gesagt wird, wie wenig man selbst wert ist, dann glaubt man es irgendwann. Fehlendes Selbstwertgefühl kann sich überall manifestieren. Oft ist es das Gewicht, oft sind es aber auch andere Dinge.

Ich bin selbst Angst-Patientin – einige von euch wissen das bereits und wer es nicht weiß, erfährt es jetzt. In dieser Zeit habe ich sehr viel über Trigger und Vermeidungsverhalten gelernt. Es gibt eine Situation, die uns Unbehagen vermittelt, dann vermeiden wir sie und dämonisieren sie praktisch, weil wir nicht lernen, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Was folgt? Noch mehr Angst und alles was mit der Situation zu tun hat, triggert uns. Deswegen vermeiden wir auch all das und irgendwann hat einen die Angst so sehr im Griff, dass ein normales Leben nicht mehr möglich ist.

Die #waagnis-Aktion ist so ein Vermeidungsverhalten. Man fühlt sich schlecht, wenn man auf der Waage steht, weil man ein geringes Selbstwertgefühl hat. Man wirft die Waage weg und vermeidet die Situationen, in denen man sich schlecht fühlt. Damit baut man sein Selbstwertgefühl aber nicht auf. Damit macht man es nur schlimmer.

Wenn ich nun ein Patentrezept hätte, wie man mit einem geringen Selbstwertgefühl umgeht, dann würde es mir bereits sehr viel besser gehen, aber ich habe selbst einige Dinge getan, damit es mir besser geht. Übrigens muss man dafür nicht dünn sein oder irgendeiner Norm entsprechen. Man muss einfach nur sich selbst schätzen lernen.

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Nach der Abnahme

Ich habe abgenommen. Das kommt nicht für alle in Frage, aber ich habe mir nicht gefallen, auch wenn das Feedback von anderen fast nur positiv war. Ich gefalle mir nun besser und ich glaube, dass mir die Phase des „Dickseins“ charakterlich auch gut getan hat.

Ich nehme mir regelmäßig Zeit für mich selbst. Dann mache ich nur Dinge für mich und nicht für andere. Das können Fototouren sein, mal den Lieblingsfilm schauen, was schönes Essen gehen.

Ich erfinde mich immer wieder neu, probiere neue Haarfarben, Frisuren, Kleidung und schaue, worin ich mich am wohlsten fühle. Auch wenn man nicht der schrecklichen Figur-Norm entspricht, muss man sich etwas Gutes tun und sich hübsch machen.

Ich esse gesünder. Fast Food ist zwar ab und an okay, aber man fühlt sich nach dem Essen nicht gut. Der alte Spruch „Wenn man seinen Körper mit Müll füttert, fühlt man sich so“ stimmt leider wirklich.

Ich bin auch mal egoistisch. Wenn mir etwas nicht passt, fresse ich es nicht in in mich hinein, sondern sage meine Meinung. Das kommt zwar nicht immer gut an, aber es ist besser, wenn man ehrlich ist, als wenn man Sorgen anstaut.

Behandel dich selbst wie deine beste Freundin. Tu dir etwas Gutes, sei nicht so streng zu dir und vor allem – hör auf das, was du willst und frage dich, wieso du es willst. Und dann mach es einfach. Such keine Ausreden. Du hast nur dieses eine Leben.

Das Ziel der #waagnis Aktion ist nobel. Der Weg ist nicht unbedingt der Beste, wenn ich aus meinen persönlichen Erfahrungen spreche. Vermeidet nicht, sondern setzt euch mit eurem Problem auseinander und löst es. Nur dann seid ihr wirklich frei.

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10 Kommentare

  1. Ich bin zwar keine Frau – wiege mich aber trotzdem nicht bzw. extrem selten… aus dem Grund, das die Waage für mich überhaupt keinen Gradmesser darstellt. Das letzte Mal habe ich mich Ostern gewogen, davor Weihnachten. Nach Kleidung (T-Shirts, Gürtel) habe ich noch mal richtig verloren, Gewicht aber zu genommen.
    Das kann und soll jeder so halten wie er mag, ich messe an Spiegelbild und Kleidung, auf der Waage kriege ich nur Krisen weil ich nach wie vor „viel zu schwer“ bin, was natürlich _auch_ daran liegt das ich Muskelmasse aufgebaut habe bzw. aufbauen wollte und noch weiter will…

  2. nimm es mir bitte nicht Übel, aber ich finde du siehst verdammt gut aus.

  3. Toller Post 🙂 Ich empfinde es, sich einfach nicht mehr zu wiegen, auch nicht als Lösung. (Was nicht heißen soll, dass man sich unbedingt wiegen muss)
    Ich habe das Gefühl, dass bei manchen die Unzufriedenheit mit dem Gewicht auch stellvertretend für die allgemeine Unzufriedenheit mit sich selbst steht.

  4. Ich habe gar keine Waage, weil ich sowas schlicht nicht brauche. Denn wenn ich zu fett werde, dann merke ich das am größer werdenden Bauchansatz. Und damit das erst gar nicht soweit kommt, esse ich gesund und mache zudem an 5 Tagen die Woche über Sport so knapp 1 1/2 Stunden lang. Das und die gesunde Ernährung, sind meine Formel. 🙂

  5. Ich habe anlässlich der Aktion #waagnis auch gerade einen Beitrag in meinem Beitrag verfaßt ( http://bit.ly/104B3V0 ) und du sprichst in deinem Posting einiges an, was ich ähnlich sehe. Das das mit dem Aussetzen der Waage nur eine Vermeidungsstrategie ist, habe ich so noch gar nicht gesehen, aber natürlich hast du recht damit.
    LG Michaela

  6. Etwas später meine Antwort aber man sagt ja bekanntlich besser spät als nie 🙂 Nun komm ich also gerade vom wie du es so schön nanntest „Foodporn“ und ich muss sagen ich stehe einfach auf gutes Essen. Kein Fastfood. Doch das Problem mit den Pfunden ist nun eben auch kein reines „Frauenproblem“ mal hoch mal runter, und zum „Wohlfühlgewicht“ sind es noch 10kg. Ich denke als Mann sehe ich die Waage eher von vornerein wie du sie beschreibst – als Technisches Hilfsmittel. Ich selbst habe mir eine „NoGo“ Grenze gesetzt und wenn ich mich darauf zu bewege wird es höchste Zeit mich wieder an meine Ernährung zu erinnern.

    Habe deine Wandlung über die vergangenen Monate miterlebt und kann nur mein Kompliment aussprechen 🙂

  7. Ich kann dir nur Recht geben. Toller Beitrag, schön auf den Punkt gebracht!

  8. Wirklich toll was du geschafft hast, auch wenn ich sagen muss, dass du mir auf dem „Damals-Foto“ auch sehr gefällst. Ich finde dich auf diesem Foto unglaublich hübsch. Wenn du dich aber jetzt wie du schreibst besser fühlst, dann freut mich das sehr für dich. 🙂

  9. Also, ich seh auf dem „Damals“-Foto keine überflüssigen Kilos. Und ich mag den Blogartikel.

  10. Ich habe irgendwann aufgegeben, mich zu wiegen – nicht wegen Über-, sondern wegen Untergewicht. Ich bekomme beim besten Willen nicht mehr als 52-54kg auf 175cm Körpergröße zusammen, aber wenn ich es recht betrachte, habe ich dadurch im Alltag keine großen Probleme, wenn man mal davon absieht, daß ich ewig nach Klamotten suchen muß, die nicht an mir herumschlackern, daß Krankheiten mich immer sofort komplett umhauen, und daß ich kaum Körperkraft habe und mir ständig irgendwer bei schweren Gegenständen helfen muß.

    Ich neige aber auch zu Angstzuständen und Vermeidungsverhalten, das kann bei mir sehr schnell übel außer Kontrolle geraten. Irrationale Ängste sind total bescheuert – man weiß ja, daß sie irrational sind, aber sie lähmen einen dennoch total.

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