Das ganz normale Chaos

Von Trennungen und Internetbeziehungen – Wie löst man es richtig?

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Nein nein, keine Angst. Bei mir steht keine Trennung ins Haus, im Gegenteil. Ich wurde gestern von einem Freund angeschrieben, der mich fragte, wie man mit Trennungen umgeht, wenn man im Netz ziemlich viele Überschneidungen hat und so den anderen auch immer wieder lesen oder sehen muss.

Erstmal – es gibt keine wirklich richtige Lösung, wie man eine Trennung verarbeitet. Trennungen sind „kleine Tode“. Menschen, die einem sehr wichtig waren, verschwinden aus dem Leben und auf einmal ändert sich alles. Der komplette Alltag. Auf einmal muss man sich die Frage stellen, was mit den gemeinsamen Freunden wird. Soll man den- oder diejenige im Netz überall aus den Freundeslisten werfen? Vielleicht sogar blockieren? Sollte man die Trennung öffentlich machen oder lieber für sich behalten?

Muss das Netz überhaupt wissen, dass man zusammen ist?

Diese Frage muss das Paar miteinander klären. Nichts ist schlimmer, als wenn man diese Dinge nicht angesprochen hat und der Partner einen im Netz verleugnet. Sogar so tut, als sei er Single und vielleicht auch flirtet. Für mich steht fest, dass ruhig jeder wissen kann, wenn ich in einer Beziehung bin und dann auch mit wem. Ich teile sehr viel aus meinem Leben öffentlich und wenn ich eine Beziehung habe, dann wird diese Person Bestandteil meines Lebens. Bevor sich die Leute also fragen „Wer ist der Typ da?“, kann man es auch gleich offen sagen. Immerhin schäme ich mich ja nicht für meinen Freund. Im Gegenteil. Andererseits erwarte ich von meinem Freund, dass er kein Problem damit hat, in der Öffentlichkeit zu stehen. Denn wenn er das hat, dann wäre eine Beziehung mit mir vermutlich nichts, was ihn glücklich machen würde.

Wenn beide aber nicht wollen, dass die Beziehung öffentlich gemacht wird, sollte man gleichzeitig nicht so tun als sei man Single. Nur weil niemand weiß, ob und mit wem man eine Beziehung hat, heißt es nicht, dass dort keine ist.

Trennungen und was dann folgt

Trennungen sind unschön und in den seltensten Fällen funktionieren sie reibungslos. Ob man nun derjenige ist, der Schluss macht, oder ob man derjenige ist, der verlassen wird – Es gibt immer Emotionen, die hochschaukeln, wenn man den anderen sieht.

Lasst euch nie zu einem „Lass uns Freunde sein.“ hinreissen. Das wird nicht funktionieren. Wenn man einmal zusammen war, tiefe Gefühle geteilt hat, dann kann man nicht einfach wieder zurück. Der Satz fällt meist, weil derjenige, der Schluss macht, ein schlechtes Gewissen hat, weil er den anderen verletzt, aber Trennungen sind nun einmal schmerzhaft. Der Satz weckt im Partner nur die Hoffnung, dass es noch was werden könnte und dass der andere nur Abstand braucht. Also verkneift ihn euch, macht reinen Tisch und belasst es dabei.

Wie verhalte ich mich in den Netzwerken?

Jeder Mensch ist hier anders. Ich brauche immer einen radikalen Abstand. Ich entfolge also direkt in allen Netzwerken. Ich möchte emotionalen Abstand zu der Person haben, damit ich über die Trennung hinweg kommen kann. Dann möchte ich auch nicht, dass mich die Person kontaktiert und fragt, wie es mir geht. Denn das ist gleich noch viel erniedrigender. Als würde man verletzt werden und die Person hakt noch einmal nach, obs auch wirklich weh getan hat.
Das ist natürlich nicht so und der Ex-Partner will einfach nur wissen, ob es einem wieder besser geht. Aber wer Schluss macht, ist in der denkbar schlechtesten Position, Mitleid zeigen zu dürfen.

Wenn man in der Rolle der Schlussmachenden/des Schlussmachenden ist, dann sollte man sich bewusst sein, dass man erst einmal für einige Zeit der Arsch sein wird. Das bedeutet auch – lasst den Expartner in Ruhe. Er muss sich davon erholen. Gebt auch nicht zwei Tage später mit der neuen Freundin/dem neuen Freund an. Das ist absolut unnötig.

Kontaktabbruch ist für die erste Zeit immer gut. Ob man später wieder befreundet sein kann, ist schwierig. Man sollte schauen, welche Gefühle man seinem Expartner gegenüber hat. Kann man sich ehrlich freuen, wenn er eine neue Beziehung hat? Dann ist man vermutlich über die Trennung hinweg.

Schaut mal wie gut es mir geht

Versucht diese Art von Postings zu vermeiden. Ich habe es immer wieder gesehen, wenn Leute frisch getrennt waren, dass sie zwischen „Wow, mir gehört die Welt“ und „Keiner hat mich lieb“ Postings wechselten. Das ist zwar genau das Gefühlschaos, das man in einer Trennung durchlebt, aber wenn ihr es öffentlich macht und öffentlich zur Diskussion stellt, dann verlängert ihr es dadurch nur. Wenn es euch wegen etwas schlecht geht und euch jemand immer und immer wieder daran erinnert, dann wird es euch nicht besser gehen können.

Euch geht es nicht gut. Ihr müsst weder euch, noch der Welt und vor allen Dingen nicht dem Ex/der Ex beweisen, wie geil es ohne sie/ihn ist.

Machtspielchen

In Trennungen neigen Menschen dazu, ihre Mitmenschen dazu zu bringen auf ihrer Seite sein zu müssen. Vor allen Dingen wenn man gemeinsame Freunde hat, wird das wirklich zu einem schlimmen Rosenkrieg. Denkt daran, dass die Beziehung vorbei ist. Es geht nicht darum, die Trennung zu gewinnen oder zu verlieren. Davon wird eure Beziehung nicht besser und ihr braucht sehr viel länger, um drüber hinweg zu kommen.

Wenn ihr versucht gemeinsame Freunde auf eure Seite zu ziehen, dann verliert ihr sie im wahrscheinlichsten Fall. Denn überlegt einmal, diese Freunde sind mit euch befreundet, weil sie euch beide mögen. Ihr seid zusammen gewesen, weil ihr euch mochtet. Nur weil ihr nicht mehr zusammen seid, heißt es nicht, dass sich eure Freunde entscheiden müssen, wen sie lieber haben. Lasst eure Freunde in Ruhe – bequatscht sie nicht. Ihr könnt sie bitten, wenn sie bei euch sind nicht über euren Ex/eure Ex zu reden, weil es euch verletzt. Aber in einer Freundschaft sollte man ja auch mehr Themen haben, als den Expartner.

Versucht nicht den anderen bloßzustellen oder zu diskreditieren

Peinliche Fotos der Ex posten? Private Dinge von ihr erzählen? Sie mit vollem Namen und Adresse in sozialen Netzwerken beschimpfen? Alles ganz schlechter Stil. Ihr seid verletzt und es geht euch schlecht. Mit solchen Aktionen beweist ihr aber nur, dass man mit euch besser sowieso nicht zusammen wäre. Ein Sprichwort lautet: Das wahre Wesen eines Menschen erkennt man dann, wenn man sieht, wie er nach der Trennung über die Expartner redet und mit ihnen umgeht. Wer fähig ist, gemeine Dinge zu tun und zu sagen, kann kein guter Mensch sein. Trennungen sind keine Entschuldigung dafür, ein Arsch zu sein.

Das Leben geht weiter

Das ist ein ausgelutschter Spruch, aber wäre er nicht so wahr, würde ich ihn hier vermutlich gar nicht bringen. Auch wenn man in einer Trennung am Boden zerstört ist – es geht immer weiter. Das Leben ist nicht vorbei, nur weil eine andere Person nicht mehr mit einem zusammen sein will. Das Leben geht weiter und es kann sogar noch sehr viel besser werden. Nur weil ein Mensch nicht zu einem passte, heißt es nicht, dass es nicht irgendwo anderes einen Menschen gibt, in dem man einen Traumpartner finden kann. Man sollte sich zwar seine Trauerzeit nehmen, sonst arten neue Beziehungen nur als „Heimzahlen dem Ex gegenüber“ aus, aber man sollte nach vorn sehen.

Es gibt so viele Dinge, für die es sich lohnt weiterzuleben und glücklich zu sein, dass man sein Schicksal nicht von einer einzigen Person abhängig machen sollte.

Wenn ihr ein bisschen in euch geht und euch diese Tipps zu Herzen nehmt, dann werden Trennung für euch zwar nicht weniger schmerzhaft, aber ihr könnt einige Fehler vermeiden, die den Schmerz unnötig verlängern.

Die Tipps helfen übrigens auch, wenn ihr Freundschaften beendet, oder jemand die Freundschaft mit euch beendet. Das Szenario ist eigentlich sehr ähnlich zu einer Trennung. Versucht eure Ehre zu bewahren, euer Gesicht zu wahren und euch nicht auf ein Niveau zu begeben, bei dem ihr wie ein hasserfüllter, böser  Mensch ausseht. Das könnte eine selbsterfüllende Prophezeihung werden.

Foto: CC-Lizenz Alexander Boden

10 Kommentare

  1. Ein sehr guter Artikel, dem ich nur zustimmen kann.
    Ergänzend hätte ich noch zu sagen, dass das schwerste an einer Trennung – wenn man der Getrennt-Wordene ist – ist dieser plötzliche Absolutismus. Jemand hat eine Entscheidung getroffen, in der man oft gar nicht beteiligt war. Jemand hat den Stecker gezogen, schmeißt einen aus seinem Leben und man kann rein gar nichts tun. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ist glaube das schlimmste an der Situation. Dass man einfach hinnehmen muss und das als ungerecht empfindet.

  2. Toller Artikel und wirklich schön die reine Wahrheit zusammen gefasst.

    Ich finde es ja immer traurig, wenn sich Menschen nach Trennungen (sei es jetzt eine Beziehung oder eine Freundschaft) so sehr von seinen Gefühlen leiten lassen und ihre schlechtesten Seiten zeigen und man als Außenstehender selten etwas dagegen tun kann, da man meist wirklich vor das Ultimatum Freund oder Feind gestellt wird.
    Dabei sollte man denken, dass deine Tipps ja aus reinem Menschenverstand selbstverständlich sein müssten, besonders bei „erfahreneren“ Personen. Allerdings wird wohl fast jeder, wenn es um Gefühle geht, wieder zum frisch Pubertären.

  3. Schoener Artikel! Ich wuenschte den Artikel haette es schon frueher gegeben und es haetten ihn mehr Leute gelesen… Dann haette ich mich vermutlich auch weniger aufgeregt. Also gut, dass es ihn jetzt gibt…

  4. Man kann durchaus auch gleich nach Ende einer Beziehung zu Freundschaft übergehen, wenn beide das möchten. Das Funktioniert auch ganz gut, wenn alle Beteiligten sich reif und erwachsen aufführen und hat bei mir eigentlich noch nach jeder (ernsthaften) Beziehung gut funktioniert.

  5. Sehr gut geschrieben und sehr wahr!

  6. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 14 in 2014 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2014

  7. Danke für diesen Artikel, Tiia. Mir hat er grade sehr geholfen und ich kann alles nur unterschreiben. Ich bin grade frisch getrennt und Derjenige der verlassen wurde. Es ist immer ein Kampf zwischen Herz und Verstand. Während das Herz verzweifelt und zwischendurch sogar nach Rache schreit muss man sich zwingen einen klaren Kopf zu bewahren und alles erwachsen zu Ende zu bringen. Das fällt nicht immer leicht, aber es geht einem danach besser, weil man auch selbst noch in den Spiegel schauen kann und sagen kann, dass man sich in der Trennung richtig verhalten hat.

  8. das ewige Beziehungsproblem – jetzt auch für alle sichtbar im Internet… 😉
    ich versuche privates und öffentliches nicht zu vermischen. Ich halte es für sinnvoll einige Dinge nicht im Internet zu veröffentlichen – und das nicht nur weil es häufig auf einen selbst zurück fällt. Mein Sex und Liebesleben ist genauso Tabu wie Dinge, die in meinem Arbeitsleben geschehen. Mann weiß ja nie, wer mit liest…^^
    Dass das berühmte „lass uns Freunde bleiben“ nicht funktioniert kann ich aber zu 100% bestätigen – habe da schon vor Jahren mal was zu gebloggt: Guckst Du? http://wp.me/p31PTR-ul

    mit besten Grüßen

  9. Danke für den Artikel,
    ich habe mich vor einem Jahr von meinem Mann getrennt und am Anfang hatte ich wirklich zu kämpfen. Dann habe ich angefangen mich für kostenlose Partnervermittlung zu interessieren. Online Dating fand ich schon immer sehr interessant. Nur habe ich es als schwer empfunden, für mich passende, seriöse Partnervermittlung zu finden. Die online Partnersuche ist ja auch einfach super bequem. 😉
    Auf jeden Fall hat mich das Schreiben mit anderen online Singles abgelenkt und mir sehr geholfen. Nur weiter zu empfehlen. 😉

  10. Pingback: Der Fall Zoe – Wir müssen alle noch viel lernen | Elvun Gaming-Blog

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