Das ganz normale Chaos

Uns fehlt Koch- und Genusskompetenz

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Das war das Fazit einer Reportage, die ich vor einigen Tagen gesehen habe. Ich stimme dem beinahe uneingeschränkt zu. Wenn ich schaue, was mein Umfeld um mich herum konsumiert, dann habe ich das Gefühl, dass wirklich frisches und selbstgekochtes Essen eine Seltenheit geworden ist. Und das ganz bewusst.

Auf deutschen Tischen landen vorzugsweise Fertiggerichte. Entweder jene, die komplett fertig sind, oder die sogenannten Tütchengerichte, bei denen frische Zutaten + Tütchen ein Gericht ergeben sollen. Wir tun damit aber nicht nur unserem Körper damit schlimme Dinge an, sondern auch unserer Umwelt. Wenn man einmal schaut, wie viel Müll man mit Fertigessen produziert, ist es für mich schon mehr als Grund genug, meine Zutaten frisch zu kaufen.

Dieser Artikel soll nicht nur auf Low Carb Ernährung geschustert sein, sondern generell auf unsere Ernährung.

Beispiel: Eistee

Eistee ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir uns kaputt machen. Bei Eistee handelt es sich um ein Fertiggetränk, dass man sehr günstig in allenn Supermärkten kaufen kann. Mit Tee hat dieses Getränk allerdings wenig gemeinsam. Es handelt sich dabei um ein angemischtes Getränk aus Zucker, künstlichen Aromen und Schwarzteeextrakten. Der Zucker ist hierbei trotzdem ein negativer Hauptfaktor, denn Eistee hat pro Liter bis zu 24 Würfelzucker. Das sind nur 5 Würfel weniger als der Liter Cola. Zudem enthält Eistee auch Koffein. Wer seinen Kindern Eistee gibt und denkt „Ach das ist ja Tee“, schadet ihnen immens.

Alternative: Beuteltee oder losen Tee kaufen, selbst aufgiessen und kalt stellen. Dann mit wenig Zucker oder Ersatzstoffen süßen. Schmeckt besser und löscht den Durst ebenfalls.

Vorteil: Gesünder, billiger, weniger Verpackungsmüll.

Beispiel Suppe:

Suppe zu kochen ist normalerweise kein großer Aufwand. In der Regel ist eine Suppe ein Sud aus ausgekochten Zutaten. Das heißt, man gibt Zutaten in kochendes Salzwasser und lässt es solang kochen, bis der Geschmack an das Wasser abgegeben wurde. Die Zutaten sind beliebig. Ins Wasser kommt, was passt und was man mag. Ein Rezept für Hühnersuppe habe ich euch ja bereits schon einmal augeschrieben.

Stattdessen werden Dosensuppen gekauft, voller Aromastoffe, Stabilisatoren, Geschmacksverstärkern, Füllzutaten und Zucker. Man hat als Abfall nicht nur mindestens eine Dose, sondern auch noch eine relativ kleine Menge für einen hohen Preis.

Alternative:  Suppe selbst kochen. Zutaten nutzen, die man mag und die im Angebot sind. Frische Zutaten verwenden.

Vorteil: Schmeckt besser, ist gesünder. Ist sehr viel günstiger. Man kann sehr viel Abwechslung in die Ernährung bringen, indem man die Zutaten variiert. Wer gute Suppen kocht, weiß wie die Zutaten schmecken und lernt sehr gut kennen. Stichwort Genusskompetenz.

Was lernen wir daraus?

Ich könnte jetzt noch weitere Beispiele bringen, aber ich denke es ist klar, was ich meine. Uns fehlt das Bewusstsein für frische Ernährung. Für frische Zutaten. Viele Dinge kennen wir nur noch aus dem Tütchen oder aus der Dose und sind überfordert, wenn wir sie frisch kochen sollten, obwohl sie gar nicht so kompliziert sind.

Ich plädiere an den gesunden Menschenverstand. Versucht Gerichte so zu planen, dass ihr sie selbst frisch kochen könnt. Nicht alle Rezepte sind zeitaufwendig und kompliziert. Manche Rezepte gehen sogar schneller als ihre Fertiggerichtalternativen.

Wie habe ich kochen gelernt?

Als Kind habe ich in der Küche immer dabeigestanden und zugeschaut. Ich fand Kochen immer furchtbar interessant. Ab und zu durfte ich helfen – Dinge schneiden, rühren oder etwas hinzuschütten. Etwas später habe ich gezwungenermaßen kochen müssen. Als ich 13 war erkrankte meine Mutter und ich habe geholfen, den Haushalt zu schmeißen. Dazu gehörte es auch, selbstverantwortlich einfache Gerichte zu machen. Von gesunder Ernährung hatte ich nicht so viel Ahnung und habe deswegen Dinge gekocht, die ich gerne mochte. Ganz oben Milchreis. Selbstgekochter Milchreis war also eins meiner ersten Gerichte, die ich gekocht habe. Später habe ich in der Schule Hauswirtschaftsunterricht gehabt. Da bin ich nur versehentlich gelandet, weil der Fotokurs schon voll war und die einzige Alternative die Fußball-AG gewesen wäre.

Atkins Buffalo Chicken Wings

Bereut habe ich es aber nicht, denn im Endeffekt haben mir die Grundlagen im Kochen sehr weitergeholfen, auch wenn die Gerichte dort nichts mit gesunder Ernährung zu tun hatten, sondern unsere Lehrerin Rezepte aus Frauenzeitschriften ausschnitt, die wir nachkochten.

Mein erstes Gericht war Kartoffelsuppe mit Sellerie, Würstchen und Creme Fraiche. Ich esse sie immer noch sehr gerne auch wenn sie nicht mehr in meine Ernährung passt. Hier kann man dann aber zum Beispiel eine Blumenkohl-Möhrensuppe machen. Man kann immer variieren. Danach war meine Leidenschaft fürs Kochen geweckt. Ich bestand zuhause darauf, zu kochen. Ich kaufte mir unzählige Rezepthefte und lernte neue Dinge. Mein Geschmack hat sich immer weiterenwickelt, je mehr ich ausprobiert habe und es macht mir Spaß. Kochen macht Spaß und Essen macht Spaß.

Fertiggerichte sind ein Killer für Lebensqualität und für Koch- und Esskultur. Es gibt nichts schöneres als mit Freunden zusammen zu kochen und anschließend zu essen.

24 Kommentare

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  5. Ja, es ist furchtbar, wie viele Leute Fertigzeugs zu sich nehmen mit dem Argument: keine Zeit zum kochen…
    Ich selber bin auch von 7-19.30h außer Haus und koche fast immer selber und das nur frisch.
    Ich nutz nicht mal mehr Brühwürfel/Instant-Brühe.

    Im Laufe des letzten Jahres habe ich aber festgestellt, dass es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis vollkommen genauso ist… Und das finde ich wirklich gut!

  6. Neulich hatte mein Mann irgendwas fertiges, ich weiß grade nicht mehr was es war. Ich hab kurz probiert und fand das so extrem süß…
    Es war irgendwas, das wir früher oft gegessen haben. Ich kann da jetzt nicht mehr dran weil es nach purem Zucker schmeckt *bäh*

    • Das Erlebnis hatte ich mit Milka-Schokolade. Damalige Lieblingssorte geholt. Kleines Stück gegessen, ausgespuckt.

  7. Jetzt hab ich Hunger. 😛 Ich muss nämlich an mein leckeres Essen von gestern denken… nach Rezept von hier: http://www.chefkoch.de/rezepte/2070431334754221/Schweinefilet-im-Schinkenmantel-mit-Frischkaese-Kraeuterhaube-auf-Champignon.html

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  9. So ganz einfach, wie es hier dargestellt wird, ist das frische Kochen leider nicht. Als Single, okay, aber für eine mehrköpfige Familie, dessen Mitglieder dazu noch unterschiedlich Geschmäcker und Wünsche haben, ist tägliches Einkaufen und Zubereiten ein ziemlicher Aufwand. Und vollkommen gearscht ist man, wenn man nicht zufällig zur Gerne-Koch-Spezies gehört. Tja, das gibt es tatsächlich, Menschen, die die Küche lieber meiden. So wie andere halt nicht gärtnern mögen oder keinen Bock auf Lesen oder PC-Spiele haben. Das sollte man nicht verurteilen.

    Dies ist jedoch kein Plädoyer für die permanente Verwendung von Fertiggerichten, ich bin mir der Problematik bewusst, lese gerade das Buch PaläoPower von Sabine Paul zu diesem Thema. Es ist und bleibt heikel, und ich werde mir überlegen müssen, wie ich so manches noch modifizieren kann, angefangen habe ich bereits vor längerer Zeit. Aber die Laune sollte es einem nicht verhageln, ein schlechtes Gewissen ist gesundheitlich viel bedenklicher, als wenn man mal eine Dosensuppe ißt.

    • Man muss aber unterscheiden, dass man essen muss um zu überleben, gärtnern nicht 😉
      Ich finde es für viele Leute zu kochen meist sehr viel einfacher als für mich alleine. Allein schon deswegen, weil viele Supermärkte nur große Packungen verkaufen, weil sich kleinere nicht rechnen. Wenn man sehr unterschiedliche Geschmäcker hat, ist das natürlich problematisch aber nicht unmöglich. Frisches Kochen kann einfach sein. Ich stehe am Tag auch nicht länger als 15 Minuten in der Küche und esse jeden Tag einmal warm. Das funktioniert erstaunlicherweise auch ohne Fertiggerichte. Ich denke bei vielen fehlt einfach der Willen und das Wissen. Das sind beides Dinge die man nur selbst für sich ändern kann.

      • „Man muss aber unterscheiden, dass man essen muss um zu überleben, gärtnern nicht“

        Doch doch. Gärtnern ist wichtig! 🙂

        Ohne die eigenen Kräuter ist das Kochen ätzend. Es geht nichts über einen eigene Kräutergarten oder eine Kräuterecke auf dem Balkon, Terrasse. Selbst in der Küche geht eine kleine Kräuterecke.

        Und Kochen ist cool und kreativ!

        Trotzdem ziehe ich mir ab und an mal ne Büchse Ravioli rein, oder hole mir nen BigMac.

        Das muss auch mal sein.

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  13. Ich sehe das ähnlich wie du, versuche auch, so viel wie möglich selbst zu machen. Wenn ich Fertiggerichte esse, merke ich immer, dass es mir danach gar nicht so gut geht. Auch nimmt man imho von den ganzen Fertiggerichten zu.
    Momentan haben mein Freund und ich noch Probleme, wenn wir zusammen essen, da er normalerweise, wenn er alleine ist, vom Bestellservice oder von Fertiggerichten lebt. Noch dazu isst er total unregelmäßig. 😉
    Lieber esse ich etwas einfaches, selbstgemachtes, als ein Fertiggericht. Und ich koche auch für mich alleine, was viele gar nicht verstehen.

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  16. Sehe ich im Grunde genau so … obwohl ich gestehen muss, dass ich auch Fertiggerichte esse, aber ich behaupte einfach mal weniger als manch anderer. Zumindest versuche das immer weiter zu reduzieren, auch wenn mir das nicht immer so ganz gelingt – aber ich denke im Laufe der Zeit wird das immer besser. Aber gerade bei Dosensuppen fühle ich mich schuldig.

    Ich bin aber auch jemand der nicht wirklich kochen kann bzw. es nie so recht gelernt hat … aber das kann man ja nachholen. Irgendwann will ich den Convenience-Kram ganz rauslassen. Zumindest arbeite ich daran.

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  18. Selber kochen ist immer besser, aber sogar dann kann man Pech haben, denn viele Gemüsessorten etc. sind oftmals behandelt. Klar, besser als Tütenzeugs, aber auf Dauer auch nicht unbedingt gesund.
    Schaue dir mal die Doku „Unser täglich Gift an“: http://www.youtube.com/watch?v=ghGm51AobGw

    Alle schimpfen über die Pharmalobby etc, aber die Lebensmittellobby ist mindestens genauso widerlich.

  19. Ich koche gerne, vor allem für meinen Freund oder wenn Freunde zu Besuch kommen. Es kommt aber seltener vor, dass wir dann so richtig kochen und dann auch nicht unbedingt sehr gesund. Zwar meist mit frischen Zutaten, aber trotzdem ungesund mit Sahne und dem bösen Zeug. Schatz und ich sind uns oft nicht mit der Uhrzeit einig. Er mag selten vor halb8/8 essen und ich mag nicht so spät essen. Außerdem mag er kein aufgewärmtes Essen! Es ist teilweise schon arg schwierig da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, vor allem wenn er erst nach 8 von der Arbeit kommt,

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