Das ganz normale Chaos

Blogblume ungeschminkt

Über die Unfähigkeit eigene Schwächen anzuerkennen

| 21 Kommentare

Blogblume ungeschminktObwohl wir zum Perfektionismus streben, ist kein Mensch perfekt. Perfektion ist etwas, das man anstreben, aber nie erreichen kann, denn im Endeffekt wird unser Verhalten erst durch eigene und außenstehende Wahrnehmung bewertet. Da aber jeder Eindrücke anders aufarbeitet, fällt auch die Bewertung unterschiedlich aus.

Trotz des Umstandes, dass niemand perfekt ist, fällt es vielen Leuten schwer, sich Schwächen einzugestehen und anstatt dessen werden sie sehr kreativ davon abzulenken. Lohnt sich dieser Aufwand überhaupt? Wäre es nicht einfacher dazu zu stehen, dass man etwas nicht kann, als ersten Weg in die Richtung daran etwas zu ändern?

Gefährliches Halbwissen

Halbwissen drückt schon aus, worum es geht. Menschen lesen sich in ein Thema ein, wissen schon ein wenig darüber, meinen aber, dass ihr Wissen dazu bereits alles umfasst. Unwillig sich weiterzubilden und unwillig sich einzugestehen nicht alle Aspekte eines Themas zu kennen ist es schwer mit solchen Personen zu diskutieren. Diese Menschen wissen vermeintlich alles, können alles und haben bereits alles gesehen. Nach außen hin vermitteln sie das Bild eines Profis, Menschen vertrauen ihnen und erleiden aufgrund des fehlenden Wissens Schaden. Solche Menschen enttarnt man meist erst dann, wenn man mehr weiß als sie selbst. Was sind die Ursachen? Die Sucht nach Anerkennung und Selbstdarstellung?

Wissen als „Fehler“ ansehen

Vor allem wenn sich in einer Gruppe Menschen jemand hervorhebt, weil er zu einem Thema mehr weiß als andere, kommt diese Person schnell in die Situation sich für ihr Wissen rechtfertigen zu müssen. Anstatt dass man gemeinsam davon profitiert, wird die Person ausgegrenzt. „Wieso weißt du das?“ – eigentlich eine unsinnige Frage, denn wenn man etwas weiß, dann deswegen weil man es gelernt hat. Diese Frage bedeutet etwas ganz anderes und zwar „Wieso weiß ich das nicht? Wann habe ich verpasst das zu lernen?“ Stattdessen wird dem Wissenden das Gefühl gegeben, nicht dazuzugehören. Die Folge? Sich für Wissen zu schämen. Lernen verweigern aus Angst „seltsam“ zu sein. Allein der Zeitaufwand des Lernens wird als Zeitverschwendung gewertet, weil die entsprechenden Personen nur Lernen unter Zwang kennen. Das macht im Gegensatz zum interessenmotivierten Lernen tatsächlich keinen Spaß. Da diese Personen das interessensmotivierte Lernen aber nicht kennen, gehen sie davon aus, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig quälen und finden das seltsam.

Angriff auf Wissenden

Das ist eigentlich noch einmal die Steigerung zum zweiten Punkt. Ist die Frage nach der Herkunft des Wissens eher als indirekter Angriff zu werten, können auch direkte Angriffe folgen. „Klugscheißer“, „Besserwisser“, „Wichtigtuer“ sind nur drei Beleidigungen, die Leute zu hören bekommen können, wenn sie ihr Wissen kund tun. Zudem wird jegliches Wissen in Frage gestellt und versucht den Wissenden als noch dümmer als den Rest der Anwesenden darzustellen. Ist der Wissende unsicher, funktioniert das wahrscheinlich sogar – „Der Klügere gibt nach“. Wenn auf stichhaltige Argumente mit persönlichen Beleidigungen reagiert wird, weiß man aber, dass das Gegenüber unterlegen ist.

Aber wieso das Ganze?

Wie oben erwähnt, fällt es vielen Leuten schwer, zu ihrem fehlenden Wissen zu stehen. Stattdessen reden sie sich um Kopf und Kragen oder verspotten andere. Das Ziel ist es, vom eigenen Unwissen abzulenken. Angriff als Verteidigung.
Aber wieso? Zum Nichtwissen zu stehen ist eine Stärke. Mein Lehrer sagte damals „Mut zur Lücke“ – bevor du Unsinn redest, gesteh dir lieber ein, dass du etwas nicht weißt, denn erst wenn man diese Lücke anerkennt, ist man bereit sie zu füllen und zu lernen.

 Wozu dieser Blogartikel?

Ich habe mir vorgenommen, vermehrt Themen zu behandeln, die mich gedanklich beschäftigen und über die man auch länger nachdenken kann. Ich habe die oberen Situationen leider selbst erlebt. Sei es in der Schule oder auch in meiner Ausbildung. Ich empfinde es immer als Bereicherung mit Menschen zu diskutieren, deren Wissensschatz unglaublich groß ist, ich lerne unheimlich gern dazu und dabei ist es sogar egal, welches Thema.

Wissen ist keine Behinderung. Wissen ist ein Segen für die Gesellschaft.

 

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  5. Wie schon kurz gesagt: sehr schöner, gut geschriebener und interessanter Artikel.

    Auch ich kenne das „Problem“. Das ganze geht bei manchen Leuten wirklich so weit, das man sein Wissen schon durch Aussagen dritter, vierter oder fünfter untermauern muss. Und selbst dann erfolgt oft keine Einsicht. Ich hab kein Problem damit, „Quellen“ zu nennen, wenn ich gefragt werde, aber: bei einigen Menschen hat man das Problem, das man es immer und immer wieder tun muss. Und wenn mir jemand, der offenbar ja an meinem Wissen interessiert ist, sonst würde er mich nicht fragen oder die Sache mit mir thematisieren, wieder und wieder schlicht aus Ignoranz gepaart mit Halbwissen einfach nicht glauben kann oder will, bin ich durchaus auch schon dazu übergegangen, tiefere Gespräche mit gewissen Personen über gewisse Themen schlicht und einfach mit einem gedanklichen „Mach halt, wie du denkst“ aufzuwiegeln. Bei manchen Menschen ist es dann auch schlicht die Mühe nicht mehr wert. Und manchmal hilft ja immer noch das gute, alte „Versuch macht klug“, weil sie erst selbst auf die Nase fallen müssen 🙂

  6. Blöd wird das mit dem Halbwissen erst, wenn Vorgesetzte denken, man sei ein Profi in Dingen, die einem nebenbei auf’s Auge gedrückt wurden, man besagten Mut zur Lücke beweist, dieses aber, falls unerwartete Probleme auftreten und man der einzige ist, der sich überhaupt damit beschäftigt, gegen einen verwendet wird. Ist mir leider passiert. 🙁
    Ich gebe zwar schon zu, dass ich in einigen Sachen einen Wissensvorsprung gegenüber meinen Mitmenschen besitze, was bei Diskussionen für mich amüsant wird, da diese dann herausfinden, dass ich doch recht hatte.
    Und wenn mal nicht, sei’s drum. Habe auch kein Problem damit, diesen aber auch offen und ehrlich zu sagen, wenn ich etwas ncht weiß und versuche diesen dann bei der Lösungsfindung zu helfen, auch um bei zukünftigen, ähnlichen Anfragen dementsprechend agieren zu können.

  7. Ein Spitzname für mich unter meinem alten Schulfreundeskreis bis etwa zur 10. Klasse war „Fachmann“, was sich einerseits darauf bezog, dass ich eben viel wusste, aber andererseits auch gleich polemisch spottete. Denn ich erlebte ähnliches wie du, dass es als unangenehm angesehen wurde, dass ich Dinge wusste, von denen mein Umfeld nicht die leiseste Ahnung hatte. Das hat mich kurzzeitig gewurmt, aber zum Glück war ich selbstbewusst genug, damit umzugehen und mich davon nicht beirren zu lassen. Natürlich durfte ich mir auch schon öfter – bis heute – anhören, ich sei ein Klugscheißer oder Besserwisser, wie du schreibst.

    Das hat mich auch dazu gebracht, mein Verhalten zu ändern: häufiger mein Wissen einfach für mich zu behalten und nur dann einzubringen, wenn ich gefragt werde. Das macht es für viele Menschen erträglicher, aber einige können auch damit umgehen, wenn ich einmal Dinge erzähle, die ich interessant finde, ohne dass gleich der Vorwurf der Wichtigtuerei im Raume steht.

    Ich denke nämlich, dass man bestimmte Abläufe, Kommunikation, Beziehungen, Entscheidungen oder viele andere Sachen optimieren und bereichern kann, wenn man zusätzliches Wissen bereitstellt. Häufig will ich genau das tun, doch viele sehen darin „Einmischung“ in ihre „Angelegenheiten“. Daher meine Verhaltensänderung.

    Ich sehe es daher genauso wie du: Wissen ist eine Bereicherung.

    (First comment bei dir. Habe ab und zu still bei dir mitgelesen. Schön, dass du dich mal solchen Themen zuwendest, sowas interessiert mich auch am Bloggen! :))

  8. Du hast das sehr schön auf den Punkt gebracht. Sich Schwächen einzugestehen bedeutet Stärken, denn wenn ich meine Schwächen kenne kann ich etwas dagegen tun.

  9. Schöner Artikel, ich kann mich dem was du sagst und dem was meine Vorredner sagen nur zustimmen. In letzter Zeit hab ich zwar öfter die Klappe gehalten als mein Wissen einzubringen, aber bei manchen hilft einfach nichts.

  10. Wie Harald Lesch schon sehr schön erklärte – Das Gedächnis ist ein Instrument der Freiheit >:)

    http://54grad.de/various/harald-lesch-instrument-der-freiheit/

  11. Wie von anderen Kommentatoren schon erwähnt wurde, bin auch ich in meinem Leben immer mehr zu dem Standpunkt gekommen, dass es das Beste ist in den meisten Fällen sein Wissen einfach für sich zu behalten.

    Auch ich habe das „Problem“ gerade im IT-Bereich schon sehr früh ein recht umfangreiches (wenn auch nicht vollständiges) Wissen zu haben. Dafür ging es in der Schule teilweise bis zu einer Behandlung durch Mitschüler, die man heutzutage als „Mobbing“ bezeichnen würde.

    Allerdings auch nach der Schule ist mir immer wieder klar geworden, dass die meisten Menschen es einfach nicht einsehen wollen, dass ihr Wissen nicht vollständig ist und so entstehen sinnlose Diskussionen, die man sich auch vollständig hätte sparen können, da der andere das eigene Wissen sowieso nicht annimmt.

    Damit einfach meinen Rand zu halten und den anderen ins sprichwörtliche Messer laufen zu lassen bin ich zwar selber nicht glücklich aber es erspart mir meist ewige Diskussionen und das Resultat ist das gleiche.

    Ein weiteres Problem was mir im dem Zusammenhang aufgefallen ist, ist der Umstand, dass gerade Personen, die älter sind als ich – was nicht allzu schwer ist da ich „gerade mal“ 24 bin – es nicht annehmen können / wollen, dass ich mehr zu bestimmten Themen weiß als sie.

  12. Pingback: Stefan Niemeyer

  13. Pingback: Julia Jung

  14. Wow, wirklich ein schöner Artikel, in dem sich wohl jeder irgendwie selbst wiederfinden kann: sei es, weil man selbst für Wissen und den Wunsch, dieses zu teilen „bestraft“ wurde oder weil man auf grund der eigenen Faulheit oder Unzulänglichkeit nicht akzeptieren wollte, dass andere Menschen Spaß an Wissen haben und nicht mit diesem prahlen oder es zum eigenen Vorteil ausnutzen, sondern es mit Freude teilen, weil es Spaß macht und sie wissen, dass daraus nioch viel mehr und Größeres entsteht. Ein anderes Problem, dass sich aus der Rolle des „Wissenden“ dann oft ergibt, ist der Druck, immer alles und dies bestmöglich zu wissen – auch eine Positionm, die von all denen zugeschrieben wird, die neiderfüllt sind und die Lust am Wissen nicht verstehen. Dies ist meiner Erfahrung nach dann oft die Bremse für viele, die ihr Wissen lieber für sich behalten, um nicht die Verantwortung des „100%-Wissers“ zu tragen.

    Vielen Dank für diesen wirklich treffenden Artikel!

  15. Pingback: Teufel100

  16. Ein wunderbarer Artikel, über den man sicherlich stundenlang reden könnte. Ich hatte in meiner Kindheit das Glück, dass ich zwar zu den „Klugscheißßern“ gehörte, aber dennoch nur selten auf Ablehnung stieß, sondern meist sogar ziemlich gut bei den anderen akzeptiert und integriert war. Das mag damit zusammenhängen, dass es eben auch solche und solche Klugscheißer gibt. Ich habe mich immer bemüht, mein Wissen auf eine sympathische Art zu vermitteln. Bei „Besserwissern“, die von oben herab diktieren und den Eindruck vermitteln, als hätten sie die Richtigkeit ihrer Aussagen per se gepachtet, mag man verständlicherweise nie besonders gern.

    Mir ist aber auch immer bewusst gewesen, dass ich nie „alles“ wissen kann. Ich denke, es ist schon fast unmöglich, überhaupt ansatzweise alles zu einem bestimmten Themengebiet zu wissen, selbst wenn man über viel Expertenwissen auf dem jeweiligen Gebiet verfügt. Wenn man sich dessen bewusst ist, bekommt man ein gewisses Gefühl der Demut, eben weil man erkennt, dass man trotz allen Strebens nie die absolute Vollkommenheit wird erreichen können.

    In der Akzeptanz dessen resultiert dann -wie du schon so schön herausgearbeitet hast- tatsächlich keine Schwäche, sondern eine Stärke. Nur wenn ich weiß, wo meine Defizite liegen, kann ich auch an ihnen arbeiten. Wobei ich sie auch dann wohl nie gänzlich werde aufheben können. Auch im Beruf kann dieses gesunde Maß an Selbstkritik und sachlicher Selbsteinschätzung von Vorteil sein. Wenn man sich und den Kollegen gegenüber eingesteht, was man auf der einen Seite besonders gut kann, auf der anderen Seite aber eben auch, bei welchen Themengebieten man ganz schwach aufgestellt ist, können sich die Kollegen entsprechend in den jeweiligen Situationen am besten gegenseitig ergänzen und so die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Bei uns wird das so gehandhabt und auch die Vorgesetzten gehen mit gutem Beispiel voran und haben kein Problem damit zuzugeben, in welchen Bereichen sie sich nicht so gut auskennen. Das macht zum einen alle Beteiligten menschlicher und sympathischer, zum anderen die Ergebnisse und Resultate des Unternehmens besser. Man muss halt „nur“ über seinen Schatten springen und in einer Gesellschaft, die auf „Stärke“ getrimmt ist, die Stärke haben, zu seinen Schwächen zu stehen… und es müssen alle in der Gruppe an einem Strang ziehen. Gerade letztgenanntes ist das eigentliche Problem heutzutage, wo leider viel zu viele Menschen sich als anonyme Einzelkämpfer verstehen.

  17. Hi Ricarda!

    Das ist ja mal ein wirklich guter Artikel zu einem sehr interessanten Thema, irgendwie finde ich mich darin wieder! Da ich ja selbst ein Blog betreibe muß ich natürlich über die entsprechenden Themen Bescheid wissen was bedeutet, daß ich darüber was lernen muß. Schließlich möchte ich dort ja keinen Unsinn verbreiten, auch wenn das bei einigen Artikel zum Teil so aussehen mag. Da ich jedoch dementsprechende Quellen mit angebe und dadurch alles belegen kann, ist es wohl doch kein so großer Unsinn.

    Klar muß man dabei immer wieder weiter nachhaken und dazu lernen, ansonsten wäre es besser, den Blog wieder auf zu geben. Das kommt bei mir allerdings nicht in Frage.

    Es ist logisch, daß es immer Neider geben wird, die das irgendwie nicht verstehen. Das betrifft aber nicht nur mein kleines Blog, sondern auch meinen erlernten Beruf. Es dürfte klar sein, daß man nicht perfekt werden kann. Man lernt immer wieder dazu, sei es durch eigene Fehler oder durch Weiterbildung und Information.

    Gut zu erkennen ist das sogar an meinem Blog, der sich im laufe der Jahre doch ziemlich gewandelt hat. Das war von mir eigentlich gar nicht so geplant, aber irgendwie ist es einfach so gekommen. Nur durch mein eigenes Lernen habe ich diese Artikel verfassen können, anders wäre es ja auch gar nicht möglich gewesen! Klar habe ich dadurch in verschiedenen Bereichen einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber manch anderen, aber ich kann natürlich nicht alles über diese Themen wissen.

    Auch mir ist es schon passiert, daß ich deshalb blöd angemacht wurde. Wenn die Leute nichts mehr dazu sagen können werden sie eben beleidigend, das scheint irgendwie in der Natur dieser Leute zu sein. Ich bin inzwischen dazu über gegangen, solche Leute einfach zu ignorieren. Eine Diskussion mit denen würde nämlich gar nichts bringen, da sie ja nicht bereit sind dazu zu lernen.

    Umgekehrt ist es zum Beispiel so, daß ich kein Großer Sportfan bin. In meinem Bekanntenkreis stoße ich dadurch immer wieder auf Unverständnis, da dort sehr viele Fußball-Fans dabei sind. Die sind mir natürlich in diesem Bereich um Längen überlegen, aber mich juckt das nicht. Warum sollte ich darüber was lernen, wenn mich dieses Thema nicht interessiert? Das wäre doch irgendwie sinnlos, also mach ich das auch nicht.

    Ich stehe dabei zu meinen Stärken ebenso wie zu meinen Schwächen, diese gehören eben irgendwie dazu und sind es, die mich zu einem Individuum machen so wie jeder Mensch eines ist! Jeder Mensch hat seine Meinung, seine Stärken und seine Schwächen. Er/Sie sollte dann allerdings auch dazu stehen.

    Grüße aus Augsburg

    Mike, TmoWizard

  18. Pingback: Ist das Gewissen nichts mehr wert? | GESICHTET.net

  19. Pingback: Spontis Wochenschau #24/11

  20. Auch wenn Du recht hast: In nur allzu vielen Situationen wird eher „Wissen“ (sei es tatsächliches oder vermeintliches oder Halbwissen) eher mit Stärke gleichgesetzt als die Fähigkeit und Bereitschaft, zu lernen, oder gar das Eingeständnis, vielleicht weniger zu wissen als andere im näheren Umkreis oder dem gerade aktuellen Kontext. Mithin: Das Gros der Menschen wird versuchen, gleichermaßen sich selbst als „wissend“ darzustellen und zudem alles, was über den eigenen Kenntnisstand hinausgeht, wahlweise als seltsam oder unnötig oder (im Extremfall) „Unsinn“ abzutun. Warum das so ist? Not sure. Vielleicht die allseits beliebte pseudodarwinistische Idee vom Bestehen des „Stärkeren“, der man gern sein will. Vielleicht eine insgesamt doch bestehende Feindlichkeit gegenüber Bildung und Wissen über das unbedingt notwendige Maß hinaus. Vielleicht auch einfach ein Zustand, in dem jeder glaubt, sich permanent beständig selbst behaupten zu müssen, koste es, was es wolle. Aber es lohnt auf jeden Fall, darüber nachzudenken.
    K.

  21. Ein sehr schöner Blogbeitrag, habe einen ganz ähnlichen Titel gewählt, um über veraltetes Wissen zu philosophieren.

    http://factsaboutklinefelter.com/2014/10/20/unallwissenheit-eingestehen-ist-schwer/

    Gerade in den Naturwissenschaften ist es nämlich so, dass auch ein Experte nur ein Experte bleibt, wenn er gewillt ist, ständig dazuzulernen. Die Wissenschaft steht niemals still, ständig kommen neue Erkenntnisse. In meinem Fachbereich (Meteorologie) gilt das ebenso wie in der Medizin natürlich auch. Gerade, wenn es um die bestmögliche Behandlung geht, ist veraltetes Wissen in meinen Augen gefährlich.

    Das A und O einer guten Wissensgrundlage sind ausgewogene Quellen, und man muss immer auch den Hintergrund einer Quelle bedenken. Welches Interesse steckt dahinter? Haben die Autoren eines Artikels Konflikte/Befangenheit wegen ihres Arbeitgebers oder Auftraggebers? Halbwissen ist eben gefährlich, wenn das Wissen selektiv ist.

    lg, F.

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