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Sozialer Umgang: Wie sehr muss ich von meiner Meinung (der Harmonie wegen) abweichen?

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Ich finde es schwer, sich zu einem Thema eine Meinung zu bilden, von der man wirklich zutiefst überzeugt ist. Ich versuche immer andere Meinungen anzuhören und mir daraus meine eigene Meinung zu bilden. Oftmals wäge ich auch ab, was sich für mich richtiger anfühlt. Ich verlasse mich oft auf mein Bauchgefühl, wenn ich es nicht richtig begründen kann. Das Bauchgefühl hilft mir dann meistens die Begründungen zu finden. Kurzum, ich brauche lange bis ich mir eine Meinung bilde und äußere mich zu ihr erst, wenn ich sie nicht nur begründen kann, sondern auch wenn ich mit ihrer sicher bin.

Meinungen haben aber eine negative Auswirkung auf den Umgang mit anderen Menschen. Vor allem dann wenn man entgegengesetzter Meinung ist und jeder von sich überzeugt ist. Wenn man zusammen irgendetwas erreichen will, dann muss man einen gemeinsamen Nenner finden. Aber muss man das auch im normalen Umgang miteinander?

Mein Rant zum Extrem-Feminismus hat so einiges an Staub aufgewirbelt. Für mich fast unerwartet, denn eigentlich dachte ich, dass viele so denken. Es gibt aber auch Leute, die sich dadurch angegriffen gefühlt haben. Ich würde von mir aus nun sagen „Zu Recht“, denn wer sich so wie die Personen verhält, die ich im Artikel angesprochen habe, hat allen Grund sich angegriffen zu fühlen, aber mir wurde von mehreren Seiten nahegelegt, dass man aufeinander zugehen soll und dass man voneinander lernen könne.

Muss man mit Extrem-Gruppierungen den Kontakt suchen?

„Aufeinander zugehen“ halte ich an sich für kein schlechtes Mittel, sich zu einigen, aber ist das in diesem Fall nicht ein bisschen vorschnell gedacht? Kann man mit einem einfachen „aufeinander Zugehen“ eine Gruppe, die ihre Ideen größtenteils auf Hass und Rachegefühlen aufbaut umstimmen oder würde ich mir nur selbst etwas von ihrem Hass aneigenen? Wie kompromissfähig sind Extrem-Gruppierungen? Wie sehr muss ich mit meiner Meinung zurückweichen, damit eine Harmonie hergestellt ist?

Ich beantworte es für mich mit „Gar nicht“ Niemand sollte von der Sache von der er überzeugt ist zurücktreten, nur weil er Angst hat, dass er dadurch anecken könnte. So sind Meinungen. Wer im Leben Spuren hinterlassen will, darf nicht mit Samtpantoffeln herumlaufen. Ich denke nicht, dass sich Extremgruppierungen nur damit besänftigen lassen, indem man ihnen die Hände reicht. Diese Gruppierungen basieren weniger auf „Wissen“ sondern mehr auf „Glauben“. Sie glauben an das was sie tun. Sie halten es für richtig, ohne darüber nachzudenken, welche Folgen ihr Handeln haben könnte.

Womit sollte ich diese Personen überzeugen? Wie(so) sollte ich mich ihrer Ideologie annehmen? Hier schreit mein Bauchgefühl „Alarm“. Das will ich nicht, das muss ich nicht und das werde ich auch nicht. Ich habe vor einigen Tagen sehr bewusst den Rant als Artikelform gewählt, um mich zu diesen Thema auszukotzen. Ich glaube kein Wort passt hier gerade besser. Ich hatte in mir eine tierische Wut, die ich irgendwie rauslassen musste. In einem ruhigen und besonnenen Artikel hätte ich mich vermutlich zu sehr in Einzelheiten verzettelt, deswegen habe ich es so herausgeschrieben wie es mir in den Kopf gekommen ist. Für den Artikel gab es mehrere Anlässe. Viele davon in meiner Umgebung mitbekommen, einige am eigenen Leib erfahren, einige wurden mir zugetragen. Sie alle deckten sich und ließen ein Bild einer Gruppe entstehen, die vielerorts angesprochen wird und über die man tunlichst nichts negatives schreiben sollte.

Wofür stehe ich?

Auch das wurde ich häufig gefragt und das kann ich gern beantworten. Männer und Frauen sollen gleich behandelt werden, gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben. Dafür müssen sie aber nicht gleich sein. Ich glaube nicht an das Märchen des männlich und weiblich sozialisierten Menschen. Unsere Biologie und unsere Hormone, unsere Triebe steuern uns alle viel zu sehr als dass wir es gedanklich unterdrücken sollten. Im Gegenteil. Jegliche Zeiten in denen wir unsere Triebe unterdrückt haben, brachten uns Leid, Zwang und Unglück.

Die Theorie von männlich und weiblich sozialisierten Menschen würde leugnen dass es Dinge gibt, die Männer und Frauen mögen, dass die Ausrichtung unserer Sexualität nur eine Frage der Erziehung ist. Es würde sogar Transsexualität leugnen und die Möglichkeit in den Vordergrund stellen, Transsexualität könne man wegerziehen. Was für ein schrecklicher Gedanke, dass es Menschen gibt, die an so etwas wirklich glauben. Ich tue es nicht. Ich glaube an die Unterschiede von Mann und Frau und denke niemand sollte sich dafür schämen. Aber ich glaube auch daran, dass Unterschiede nicht bedeuten, dass man unterschiedlich viel Wert ist. Ich glaube daran, dass jeder Mensch gleich viel Wert ist, egal welchen Weg die Natur für ihn eingeschlagen hat.

Wenn meine Meinung Harmonie zum Ziel hat, muss ich nicht von ihr abweichen

Ich will Harmonie. Die wird es aber vorerst nicht geben, denn solange es Gruppierungen gibt, die sich über andere Menschen stellen, sie als wertloser ansehen als sich selbst, herrscht ein unausgeglichenes Machtverhältnis. Wenn jemand einmal Macht bekommen hat, dann will er sie nicht abgeben und am ehesten behält er sie, wenn er vorgibt, er mache etwas Gutes damit.

Ich werde trotzdem nicht locker lassen, meine Meinung zu sagen und zu leben. Selbst wenn ich durch meine Worte nicht die Welt verändern kann, verbessert man sie selbst, wenn man als Vorbild lebt. Ich will niemanden diskriminieren, aufgrund dessen wie er geboren wurde. Ich werde Menschen einzig und allein anhand ihrer Worte und Taten für mich einordnen, denn das ist all das was er aktiv beeinflussen kann. Das Geschlecht sollte in unserer Wertschätzung für einen Menschen keine Rolle spielen.

Foto: Some rights reserved by fifikins

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  20. Ich werde Menschen einzig und allein anhand ihrer Worte und Taten für mich einordnen, denn das ist all das was er aktiv beeinflussen kann. Das Geschlecht sollte in unserer Wertschätzung für einen Menschen keine Rolle spielen.

    ——————

    genau das sollten sich alle Menschen zu Herzen nehmen.

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  24. >>Muss man mit Extrem-Gruppierungen den Kontakt suchen?<<

    Für mich hat sich das noch kein einziges Mal als lohnenswert herausgestellt. Gerade heute erst ergab sich eine Mini-Diskussion mit Veganern. Ich merkte sofort an deren Antworten, dass diese Leute sich erst gar nicht die Mühe machten, überhaupt zu lesen, was ich schrieb, geschweige denn bereit waren, ihr Thema von allen Seiten zu betrachten. Solche Fake-Dialoge kann man nur in die Tonne kloppen, manche Menschen sollte man offenbar besser in ihrer eigenen Welt lassen. Da spiele ich lieber ein feines Zombie Game. 😉

  25. Also ich denke schon, daß Erziehung AUCH (!) einen Einfluss auf die gesellschaftlichen Geschlechtsrollen hat.

    Aber daß ist eben nur ein Steinchen im lustigen Geschlechterpuzzel.

    Daß Geschlecht gewissermaßen anerzogen ist halte ich auch für groben Unfug und staune immer wieder wie hartnäckig diese These von manchen vertreten wird.

    Ansonsten von mir volle Zustimmung!

    Und nein auf Extremisten aller Art rücksicht zu nehmen ist völlig sinnlos. Hab ich auch schon versucht. Das führt zu nichts.

  26. Pingback: Planet Fox

  27. Nö, muss man nicht. Es sei denn, man steckt in einer Beziehung mit einem Extremisten und hat weitere gute Gründe, die Beziehung aufrechterhalten zu wollen. Weitere Gründe fallen mir nicht ein. Meinung ist Meinung und keine Tatsache. Es lässt sich also nicht beweisen, warum die Meinung richtig ist . Darüber hinaus kann ich mir nicht vorstellen, wie ein sinnvoller Kompromiss aussehen könnte. „Ok, ich akzeptiere, dass viele Männer Schweine sind. Du musst aber eingestehen, dass der Karl ein ganz netter sein kann.“ ist es wohl auch nicht. Einfach raus mit der Meinung.

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