Das ganz normale Chaos

Soest

image Ich muss direkt am Anfang sagen, ich bin keine gebürtige Soesterin. Geboren wurde ich im angrenzenden Sauerland, kam aber schon im Alter von 3 Jahren ins wunderschöne Wesfalenstädtchen, weswegen nicht mehr viel vom sauerländer Lebensgefühl in mir ist und ich mich glücklicherweise durch und durch westfälisch fühle.

Ich werde euch hier keine Chronik der Stadt liefern, denn das kann Wikipedia so viel besser als ich, sondern ich möchte euch Soest beschreiben, wie ich es sehe, fühle, empfinde und euch näherbringen, was die Stadt zu meiner Stadt macht.

Als Kind verbindet man mit seiner Stadt immer bestimmte Dinge. So waren es gerade die Stadtfeste, auf die man hinfieberte und die man immer sehnlichst erwartete.

So fing es an zu Ostern mit der Osterkirmes, die immer wieder ihren Standort wechselte und sich schließlich in der Innenstadt niederließ. Die kleine Osterkirmes lädt immer auf einen gemütlichen Bummel mit der Familie ein. Für Kinder bedeutet das natürlich "Karussell und Süßes!"

Zwischendrin gibt und gab es dann immer mal wieder neue Veranstaltungen. Gerade im Sommer ist fast jedes Wochenende etwas anderes. Fischmarkt/Bördetag/Hansetag/Ab in die City usw. Ohne Veranstaltungskalender blickt man da überhaupt nicht mehr durch 😉

Häufig sind diese Veranstaltungen gekoppelt mit verkaufsoffenen Sonntagen, an denen diverse Geschäfte mit Schnäppchen locken.

image In diesem Jahr fand das erste mal die Veranstaltung "Klangfarben am Wall" statt, bei der die Soester Gräfte in bunte Lichter getaucht wurde und aus verschiedenen Lautsprechern Klänge oder Musik schallte.

Es war ziemlich voll, aber ein schöner Ausflug, abends mal trotz der Menschenmassen abschalten zu können. Bekannte habe ich nicht gesehen. War ja dunkel 😉

Im Oktober findet jährlich der Luftballon Samstag statt. Dort wird die Innenstadt von den Geschäften und der Stadt selbst mit Luftballons geschmückt. Kinder können in diese Geschäfte gehen und bekommen, wenn sie fragen einen der Luftballons. Als Kind sammelt man und möchte sich mit den anderen messen. Also versucht man, soviele Ballons wie möglich zu sammeln und dann zur Freude der Eltern, mit nach Hause zu nehmen und dann zerplatzen oder schrumpfen zu lassen.

Immer den Mittwoch nach Allerheiligen beginnt dann für Soester die 5.te Jahreszeit. Da geht gar nichts mehr, denn es ist Kirmes. An Kirmes wird nicht mehr genau genommen. Die Schulen sind größtenteils leer, und wenn man etwas auf einem Amt zu erledigen hat, sollte man damit besser bis nach Kirmes warten.

image Laut dem Guinness-Buch der Weltrekorde, hat Soest die größte Innenstadtkirmes Europas. Man kann sich damit also brüsten 😉 Und Kirmes ist auch für Kinder immer ein Ausnahmezustand. Von Mittwochs bis Sonntags geht man jeden Tag in die Stadt und kauft Süßes, fährt mit den Fahrgeschäften und lässt sich von den verschiedenen Darbietungen verblüffen.

Seit zwei oder drei Jahren gibt es nun auch einen kleinen historischen Jahrmarkt, der eine kleine Kirmes im mittelalterlichen Stil nachahmt. Dort bekommt man Met, kann sich im Messerwerfen probieren und mittelalterlichen Spielleuten lauschen. Auch für das Essen ist gesorgt und es gibt deftiges vom Feuer.

Jeder der mal von der großen und trubeligen Kirmes abschalten will, kann sich dort vergnügen.

image Aber was unterscheidet Soest abgesehen von seinen Veranstaltungen von anderen Städten? Soest hat Charme! Die Innenstadt ist voller kleiner uriger Gassen, die aussehen, als habe sie seit dem Mittelalter niemand mehr betreten. Überall stehen kleine, etwas schiefe Fachwerkhäuser die liebevoll von ihren Besitzern gehegt und gepflegt werden. Soest ist sich seines historischen Wertes sehr bewusst und versucht ihn so gut zu erhalten wie es nur geht.

Im Dezember findet immer der Weihnachtsmarkt in Soest statt, der in jedem Jahr größer wird. Dort bekommt man an verschiedenen Ständen von Handwerkskünstlern kleine Geschenke zu kaufen, die es sonst vielleicht nicht gibt. Es gibt Kerzengiesser, Glasbläser, und Korbflechter, bei denen man den ein oder anderen Euro lassen kann.

image Zusätzlich gibt es unzählige Stände bei denen man deftiges Essen oder Süßes für den Weihnachtsteller bekommt. Kinder können in der Innenstadt an einem großen Stand mit dem Weihnachtsmann telefonieren und ihm seine Wünsche sagen und Abends öffnet das Christkind immer eine Tür vom großen Adventskalender, der zwischen der Petrikirche und dem Dom steht.

Aber auch Soest hat seine Schattenseiten. Im November 2007 eröffnete ein Einkaufszentrum in Soest, dass von Pleiten über Pleiten heimgesucht wurde.

Leider wurde ein wunderschönes, denkmalgeschützes Haus für den Bau des Einkaufszentrums niedergerissen. Es stand den Plänen einfach im Weg, wobei ich denke, es wäre sicher ein leichtes gewesen, das Einkaufszentrum hinter dieses Haus zu pflanzen.

image Es ist schade, dass man mit diesem Abriss durchgekommen ist und dass das Denkmalschutzgesetz
dort nichts mehr machen konnte, bzw man vielleicht auch nichts mehr machen wollte.

Tja und was ist aus dem Einkaufszentrum nun geworden? Wie bereits prophezeiht, sind mittlerweile drei Geschäfte mit "zu vermieten" Schildern geschmückt. Die angekündigte Apotheke hatte erst gar nicht geöffnet. Der Blumenladen und der Imbiss müssen wohl so große Verluste gefahren haben, dass sie auch schlossen.

Ich hoffe, dass man das Ruder im Einkaufszentrum herumreissen kann und es für die Soester attraktiver gestalten kann, denn genau wir sind ja die potenziellen Kunden dieses Zentrums.

Davon abgesehen, lebe ich gerne in Soest. Und jeder, der sich von der Schönheit des Städtchens mal überzeugen möchte, sollte ihm einen Besuch abstatten 🙂


Fotos: von mir, außer Weihnachtsmarkt und Denkmal am Bahnhof. Diese beiden stammen von mekong virus von Flickr.

2 Kommentare

  1. Pingback: Nochmal Tapetenwechsel | Chaosseite

  2. Schöner Artikel gefällt mir gut.

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