“Sollte ich wirklich noch mal einen Rückblick machen oder nicht?” Genau das ging mir eben durch den Kopf, aber ich denke es ist ganz gut, wenn ich meine Gedanken mal herauslasse. Ich war ja vor Freitag auf noch keiner Beerdigung. Als mein Vater damals starb, wusste ich es erst, als er bereits unter der Erde war. Wahrscheinlich hätte ich zur Beerdigung auch gar nicht gedurft. Deswegen habe ich mich außer in dem Fall eben, nie mit dem Tod an sich auseinandergesetzt.

Jetzt Freitag aber habe ich gesehen und mitbekommen wie so etwas abläuft. Da sitzt auf der einen Seite die trauernde Familie, auf der anderen, Freunde, Bekannte, andere. Während der kompletten Trauerfeier starrte die Seite der Bekannten zur Seite der Familie, analysierte jeden Blick, jede Träne und jedes Gespräch. Dann wurde getuschelt und weitergestarrt.

Als wäre eine Beerdigung und eine Trauerfeier nicht sowieso schon schlimm genug, saß man dort, wo man eigentlich in Ruhe hätte trauern können, wie auf einem Präsentierteller.

Weiterhin störend empfand ich es, dass einige Leute wohl nicht den Text der Anzeige gelesen hatten “Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir abzusehen.” Was ist daran denn so unverständlich? Ich habe an dem Tag sicherlich 30 oder mehr Leuten die Hand geschüttelt, die ich nicht kannte und die mich nicht kannten, aber trotzdem meinten mir ihr Mitleid aussprechen zu müssen.

Ich finde es einfach schlimm, wenn man gerade am Grab eines geliebten Menschen trauert und auf einmal eine Herde Trauergäste angaloppiert kommt um einem zu sagen wie schlimm doch alles ist. Als wüsste man das nicht schon selbst.

Der Vorteil ist vielleicht, dass man die Leute nach der Beerdigung sowieso nie wieder sieht.

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7 Kommentare zu „Rückblickend“

Kommentare:

  • TiiaAurora (686 comments):

    Blume: Rückblickend: “Sollte ich wirklich noch mal einen Rückblick machen oder nicht?” Genau das ging mir .. http://cli.gs/Ws7HE

  • Kathrin (75 comments):

    Vielleicht haben sie es ja auch nicht gelesen? Ich gehe generell nicht hin und wünsche mein Beileid. Das mag für viele Unhöflich sein, aber ich würde das selber auch nicht wollen, dass jeder zu mir kommt und einen darauf anspricht. Ich glaube vielen ist es auch lieber wenn man sie damit in Ruhe lässt, es ist eh schon schlimm genug einen Menschen zu verlieren, da muss man nicht auch noch unbedingt mit dem jenigen darüber reden.

  • Frau Wolkenlos (59 comments):

    Beileidsbekundungen finde auch ich ganz schrecklich.
    Ich denke, es reicht wenn man zur Beerdigung überhaupt hingeht. Das zeigt doch am Besten, dass man gemeinsam mit den anderen um einen lieben Menschen trauert. Viele wissen nicht so recht wie man nach einem Trauerfall mit den Hinterbliebenen umgehen soll und sind hilflos. Mit dem Tod an sich wird sich auch nicht so richtig auseinander gesetzt. Daher kann es passieren, dass man es zwar gut meint einem das Beileid auszusprechen, man dann aber damit eher etwas falsch macht. Es ist oft die eigene Unsicherheit und Hilflosigkeit. Ältere Menschen kennen es auch nicht anders als einem das Beileid auszusprechen.
    LG und einen Drücker, wenn’s erlaubt ist..

  • brunohs (210 comments):

    Ich kann das zum Glück nicht mitreden. Aber ich denke, das sie es dann wohl, so wie Kathrin schon sagt es einfach nicht gelesen haben werden. Obwohl ich immer dachte das man es so macht. Aber gut. Ich weiss nicht was ich wollen würde, wenn es soweit ist. Das wird sich mit Sicherheit noch ziegen.

  • DiiTalk (1 comments):

    Es ist wirklich nicht gerade angenehm, wenn man in seiner Trauerverarbeitung dauernd durch Menschen unterbrochen wird, die einem nochmal unter die Nase reiben, was eh schon schmerzt.
    Ich empfehle dir, wenn du der Mensch für soetwas bist, dir etwas Hintergrundwissen anzulesen. Manchen hilft das. Falls du da interesse dran hast, lohnt sich der Bestatter-Blog: http://bestatterweblog.de
    Viele Grüße und alles Gute!

  • Lilly (5 comments):

    Dieses Hände schütteln fand ich auch immer ganz furchtbar.
    Ich habe es so erlebt, dass immer Beileid ausgesprochen wird, egal wie dick und groß in der Anzeige darum gebeten worden ist, davon abzusehen.

    Einige ältere Semester kümmern sich immer noch lieber um das, was sie für Anstand halten, als um die Gefühle anderer … “weil man es doch so macht.”
    Und die ein Großteil zieht dann eben mit, um nicht als unhöflich zu gelten.

    Ich finde Beileidsbekundungen sind nichts anderes, als die eigene Trauer und Bestürzung auf diejenigen abzuladen, bei denen die Wunden am größten ist.
    So hilfreich eine große Trauergemeinde auch sein kann, so unwürdig ist das “es tut mir so leid FÜR DICH”.

    Wenn ich zu einer Beerdigung gehe, dann um meiner eigenen Trauer Ausdruck zu verleihen und der bekannten Person meinen letzten Gruß zu senden; sicher aber nicht, um die engen Angehörigen zu bemitleiden.

  • Lisa (7 comments):

    Ich denke Beileidsbekudnigungen sind oft ein aus druck von Hilflosigkeit , dass Gefühl irgendwas sagen und tun zu müssen ,weil man sonst vielleicht zu kühl wirkt. Oder Angst,dass die Angehörigen denken man intressiert sich garnicht für den verstorbenen…

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