Das ganz normale Chaos

Nahrungsmittelampeln sind Blödsinn

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Verbraucher und Verbraucherschützer fordern die Lebensmittelampel als Pflichtkennzeichnung für Lebensmittel in Deutschland. Mit 4 Angaben, die in drei Farben unterteilt werden, soll der Verbraucher vollste Transparenz darüber bekommen, wie gesund etwas ist. So soll sich der Verbraucher nicht selbst informieren müssen, was für ihn gesund ist oder nicht, sondern sich einfach von den Farben leiten lassen.

Natürlich freut man sich immer über Erleichterung im Alltag. Auf den ersten Blick sehen, ob etwas gesund ist oder nicht. Klingt doch verlockend oder? Tja, das denken sich viele Verbraucher und Verbraucherschützer, denn man erhofft sich dadurch, dass die Leute gesünder leben und darüber nachdenken, was sie essen und wovon sie lieber die Finger lassen sollten.

In Wirklichkeit fördert dieses System doch die Verdummung der Verbraucher, denn so ein Thema wie Ernähung lässt sich nicht in so ein vereinfachtes Schema pressen. Eine ausgewogene Ernährung ist von vielmehr abhängig. Man meint als Angaben sollen der Fettwert, die gesättigten Fettsäuren, Zucker, und Salz ausreichend sein.

Worauf bezieht sich aber z.B. der Wert für Zucker? Auf den reinen Zuckeranteil oder auf alle Kohlendydrate, die vom Körper in Zucker umgewandelt werden?

Jahrelang predigte (und predigt) man „Fettarme Ernährung“ aber wies nicht darauf hin, dass gerade die fettarmen und fettfreien Lebensmittel mit Geschmacksverstärkern und Zucker versetzt wurden, damit sie überhaupt genießbar waren. So werden sogar Gummibärchen (!) als fettarm bzw fettfrei deklariert und die Menschen verbinden dies direkt mit „gesund“.

Aber die Lösung kann nicht die Ampel sein, sondern die Bildung! Man sollte früh anfangen bereits den Kindern beizubringen, was gesund ist und was nicht, auch wenn das bedeutet, dass man sich selbst bilden muss, um den Kindern das beizubringen. Im Kindergarten und in der Grundschule sollte man bereits mit der Ernährungslehre beginnen. Wenn Kinder mit etwas aufwachsen, fällt es ihnen leichter.

Ernährung sollte in unserer Gesellschaft nichts sein, wo man an der Qualität und Zusammensetzung sparen muss um über die Runden zu kommen. Gesunde Lebensmittel sollten nicht teurer sein, als ein ungesundes Fertiggericht.

Wie viele Leute sind den heutzutage nicht mal mehr in der Lage sich eine gesunde Mahlzeit zuzubereiten, geschweige denn wissen sie, was gesund ist. Wer kennt seinen individuellen Bedarf? Wer bewegt sich ausreichend?

Eine Ampel löst die Probleme garantiert nicht. Für mich eher Augenwischerei.

22 Kommentare

  1. Moin Ricarda,

    hatte Deinen Link bei „Spielkind“ entdeckt und da ich ja als nun fast 43 jähriger Webopa auch neugierig bin hab ich glatt mal kurz reingeschaut hier bei Dir.

    Da schreibst Du auch noch was von dieser bescheuerten bunten Ampel was mich zum Tastenhauen motivierte.

    Ich denke auch die Leute sollten es mehr lernen die Sache zu verstehen, aber das darf man nicht erwarten, denn leider ist der Intellekt vieler einfach nicht nur „nicht groß genug“, sondern meist einfach nicht vorhanden 😉

    Viele Grüße
    Lutz Balschuweit

  2. Hallo Lutz,
    ja einfach würde der Weg nicht sein, aber er wäre zumindest nachhaltiger als diese Ampel. Gerade wenn man eine Ernährungserziehung von Kindergarten an beginnt, hat man gute Chancen, dass es später auch umgesetzt wird.
    Solche Projekte sind leider aber nur durch Eigeninitiative der Lehrkräfte möglich und erreicht auch nicht alle Schüler.
    Alles eine Sache der Prioritäten, die gesetzt werden.

  3. Nahrungsmittelampeln…so ein bullshit XD
    Die glauben doch nicht im Ernst, dass da jemand draufschaut? Fast so sinnlos wie diese seit kurzen überdimensonierten FSK Aufkleber auf jeder DVD… rofl

    Ich kann mich erinnern, als ich im Kindergarten war und auch in der Grundschule stand bei uns einmal die Woche „gesunde Ernährung und gemeinsames Frühstück“ auf dem Stundenplan. Da musste jeder aus der Klasse was bestimmtes als Hausaufgabe mitbringen (Äpfel, Müsli etc.) und dann haben wir z. B. alle zusammen einen Obstsalat zubereitet usw. Ich fand das als Kind immer besonders toll und hab mich richtig darauf gefreut. Wirklich schade, wenn es das heute nicht mehr geben sollte, allerdings kenne ich einen Privatkindergarten, da wird das immer noch gemacht, da lernen die Kleinen auch schon unter Anleitung gesund zu kochen 🙂

  4. Wie war es denn, als die Warnungen auf die Zigaretten gedruckt wurden? Da wurden auf dem Schulhof die ausgeschnittenen Warnungen wie Sammelbildchen getauscht.

  5. Ich sehe es auch so, das eine Ampel die Probleme nicht löst.
    Aber schaden würde sie auch nicht … das eine muss das andere ja nicht gleich ausschließen.
    Wer *wissen will* was drin steckt, läßt sich dies auch nicht von derartiken Deklarationen nehmen.

    Und den anderen ist eine Ampel ebenso egal, wie alles andere …

  6. Das Hauptproblem ist, dass sie dem Verbraucher suggerieren, dass es ausreiche, wenn man auf diese Werte achte. Dem ist nicht so. Die wenigsten Verbraucher werden den Sinn dieser Ampel hinterfragen, weil sie nicht wissen, wie komplex die Ernährung ist. Auch ich habe mir das Thema mühselig anlesen müssen, aber es hat mir geholfen zu sehen, was ich falsch mache und wo ich etwas optimieren kann.
    Uns selbst mit wenig Hintergrundinfos weiß man, dass die oben aufgeführten Werte eben nicht reichen und völlig untransparent sind.

  7. „In Wirklichkeit fördert dieses System doch die Verdummung der Verbraucher, …“
    Du vergisst das der durchschnittliche Verbraucher schon längst verdummt ist.
    Dem kann nur noch eine Ampel helfen.

  8. Aber nur wenn man in Kauf nehmen will, dass der Rest mitverdummt.

  9. Aber bitte nicht vergessen, es gibt auch noch Verbraucher die bewusst etwas „falsches“ essen, trinken oder rauchen 😉

    Wenn es sich in Grenzen hält.

    Wie gesagt die soll es auch geben…

  10. Um die Grenzen einzuhalten muss man die Grenzen kennen, bzw. wissen, wo man sie ziehen sollte.

    Ich erinnere mich noch an die schöne B*ld-Schlagzeile „Unglaublich, Pommes nahrhafter als Salat“ Das passiert, wenn Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden, wie es bei der Ampel nicht anders wäre.

  11. Wie recht du hast. Eine Ampel bringt gar nichts, aber vielleicht brächte sie mehr, als die unverständlichen Angaben der Zusammensetzung der Lebensmittel. Ich persönlich kenne viele Menschen, die sich schon informieren, wie viele Chemikalien in die Lebensmittel hinein gepresst wurden, aber unter Emulgator und Co. einfach nur Bahnhof verstehen. Für denjenigen, der auf einen Blick erkennen will, ob ein Nahrungsmittel eher in Richtung gesund oder ungesund geht, ist die Ampel sicher nicht schlecht. Aber sie sollte ganz sicher nicht das einzige Merkmal sein, auf das man beim Kauf achtet.

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  15. Also ich finde die Lebensmittelampel trotzdem eine gute Idee. Nicht zuletzt kann damit PR-Kampangen zahlreicher Lebensmittelhersteller entgegen gewirkt werden. Zum Beispiel ist die Yogurette ganz und gar nicht „leicht“, wie die Werbung immer suggeriert und Fruchtzwerge sind auch nicht wirklich gut für ein Kind. Selbst gut gebildete Konsumenten können sich nicht darüber informieren, da z.B. auf der Yogurette keine Nährwerttabelle zu finden ist. Auch die Website des Produkts schweigt sich darüber aus.

    Und durch Bildung alleine bekommt man das auch nicht in den Griff, da nicht jeder ein Ernbährungswissenschaftler ist und sich in der Tiefe mit dem Thema auseinandersetzen will.

    Ich bin deshalb der Meinung, die Ampel gehört auf jedes Lebensmittel. Dazu hätte ich auch gerne noch die Pflicht, eine Nährwerttabelle auf jeder Verpackung anzubringen, für die Leute, die es dann doch etwas genauer wissen wollen.

    Zu der Yoguretten-Geschichte siehe auch: http://www.abgespeist.de/yogurette/index_ger.html

    • Wäre es dann nicht sinnvoller eine detaillierte Nährwerttabelle zu Pflicht zu machen anstelle sich einfach willkürlich wenige Werte herauszusuchen und diese anhand von drei Farben in Gut und Böse einzuteilen?

  16. Bei der Ampelkennzeichnung geht es im wesentlichen darum, ein sinnvolleres System der Lebensmittelkennzeichnung einzuführen, das auch für diejenigen verständlich ist, die eben über keinerlei Kenntnisse verfügen.
    Auf jeden Fall wäre die Ampel ein besseres System als das momentan bestehende, in dem die Industrie Fantasiemengen wie z.B. einen einzelnen Keks oder ein Löffelchen Pudding in seine Bestandteile aufschlüsselt, was natürlich erstmal ganz harmlos aussieht. Rechnet man die Mengen dann auf die Packungsgröße hoch, kommt das Grauen. Aber wer kann so gut kopfrechnen?

    Mit einer Ampelkennzeichnung wird auch dem größten Deppen klar, dass Gummibärchen vielleicht, wie auf der Packung beworben, kein Fett enthalten, aber dafür jede Menge Zucker. Es wird einen Grund geben, warum die Nahrungsmittelindustrie sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt oder?

    Ideal wäre natürlich, wie von dir genannt, mehr Information und Aufklärung über Ernährung, schon im Kindesalter, damit künftige Generationen auch noch in der Lage sind, Tomaten und Kartoffeln zu unterscheiden und wissen, dass Kühe nicht lila sind.

    Schwierig wird es allerdings in Gefilden, für die man eigentlich Lebensmittelchemiker sein muss. So wissen beispielsweise die meisten Leute, dass Glutamat im Essen irgendwie nicht gut ist und machen daher um Fertiggerichte die selbiges enthalten einen Bogen. Also schreibt die Industrie nicht mehr „Monosodiumglutamat“ auf die Verpackungen sondern „Hefeextrakt“. Klingt gleich viel weniger chemisch. Problem gelöst oder?

    • Kohlenhydrate werden im Körper in Zucker umgewandet, trotzdem werden sie nicht explizit als Zucker ausgewiesen obwohl sie die gleichen Folgen für den Körper haben. Ist das etwa eine passende Transparenz für den Kunden?
      Ich vermute nicht.

      • Ich bin kein Anhänger der These, dass Kohlenhydrate per se böse sind. Zum Glück setzt sich so allmählich auch beim normalen Konsumenten die Erkenntnis durch, dass bestimmte Nahrungsmittel wertvoller sind als andere.
        Fett ist ja auch nicht grundsätzlich schädlich, bestimmte Fette sind für die Ernährung unerlässlich. „Leere“ Kohlenhydrate wie Zucker oder weißes Mehl braucht kein Mensch, aber z.B. bei Vollkornprodukten sieht das schon wieder ganz anders aus. Auch Fructose ist Zucker, aber deswegen wird niemand sagen, man darf kein Obst mehr essen, oder? Der Nutzen überwiegt eindeutig.

        • Böse ist das falsche Wort. Aber gewisse Zusammensetzungen gewisser Lebensmittel entsprechen nicht unseren Bedürfnissen. Das ist den wenigsten Leuten klar. Es geht hierbei nicht um Gut oder Böse sondern um de Aufklärung, dass jeder Mensch weiß wie sich gewisse Nahrungsbestandteile in seinem Körper verhalten und was sie auslösen.
          Und klar hat Obst auch vielen schädlichen Zucker in sich, weswegen man es mit dem Obst nicht übertreiben sollte. Aber im Gegensatz zu Naschkram enthält Obst auch wichtige Dinge die der Körper braucht.

  17. Pingback: Quarks und Co. Thema: Zucker – Süße Lust oder ungesundes Laster

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