Das ganz normale Chaos

LCHF: Atkins bzw. ketogene Ernährung unter neuem Namen?

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Vor kurzem stieß ich auf die Ernährungsform „LCHF“, die Abkürzung für Low Carb, High Fat. Eine ketogene Ernährungsweise, die aus Schweden stamme und dort bereits anerkannt sei. Mir sagte das, trotz meiner intensiven Auseinandersetzung mit ketogenen Ernährungsweisen, überhaupt nichts und deswegen habe ich mich ein bisschen informiert.

Die drei Bausteine bzw. Grundsätze von LCHF:

  • fast keine Kohlenhydrate (20-30g pro Tag, wenn man es verträgt. höchstens 60-70g)
  • Nahrungsmenge mit tierischem Fett ersetzen, moderate Proteinzufuhr
  • natürliche Nahrungsmittel, biologischer Herkunft

LCHF distanziert sich von Atkins insoweit, dass sie sagen:

  • bei LCHF werden keine künstlichen LowCarb Ersatzprodukte verwendet
  • Eiweißmenge wird nicht erhöht („Keine Fleischfresserdiät“)

Fragezeichen umschwirrten meinen Kopf:

Wieso wird Atkins als Fleischfresserdiät hingestellt, bei der künstliche LowCarb Ersatzprodukte konsumiert werden müssen? Die Atkinsdiät bezeichnet sich selbst als „High Fat, Moderate Protein Diet“. Das englische Diet ist hierbei zwar mit Diät zu übersetzen, aber die Bedeutung ist eine andere. Diät beschreibt eine Veränderung der Ess- und Lebensgewohnheiten für einen bestimmten Zweck. Atkins wird auch gern „Atkins for Life“ genannt, weil es eine lebenslängliche Veränderung ist, die in mehreren Schritten vollzogen wird. Auch ist Atkins keine Fleischfresserdiät, denn Atkins lässt sich wunderbar vegetarisch anwenden.

Zwar kann man Atkins-Produkte kaufen, aber diese sind nicht elementar für die Ernährung, sondern (um es grob zu sagen) eine Einnahmequelle der Firma Atkins. Sie veröffentlichen Bücher, verkaufen Nahrungsergänzungsmittel und verdienen Geld damit. Ich habe noch keinen einzigen Atkins-Bar (Schokoriegel) in der Hand gehabt und kann trotzdem nach den Grundsätzen leben.

Ich selbst nutze Süßstoffe, auch wenn Dr. Atkins von ihnen abgeraten hat, weil ihre Wirkung auf uns nicht langfristig erforscht ist, jedoch stellen sie für mich einen Kompromiss zur „normalen“ Ernährung dar. Sie sind laut Atkins nicht erlaubt, jedoch ermöglichen sie es mir, mit Freunden was trinken zu gehen ohne, dass ich mich direkt als „Diätende“ bzw. „Ketogen Lebende“ outen muss. Eine Cola Light bzw Cola Zero bekommt man immer und da werden dann auch keine doofen Fragen gestellt.

Bei Familientreffen muss ich nicht auf Kuchen verzichten, weil ich ihn selbst backen kann. usw.

Vor allem, was ist mit dem Gemüse?

Unter Atkins (ich weiß, ich wiederhole mich) müssen 75% der Kohlenhydrate aus Gemüse kommen, unabhängig in welcher Phase man sich befindet. Nimmt man also mehr Kohlenhydrate zu sich, isst man mehr Gemüse. Unter LCHF wird die Gemüsezufuhr als nicht so wichtig betrachtet. Im Gegenteil, eine Ernährung mit Wasser, Eiern und Vitamin C Zusätzen bezeichnet man als „rein theoretisch“ vollwertig. Gemüse sei nur wichtig für die Vitamin C Zufuhr. Alles andere bekäme man auch so. Gemüse ist man bei LCHF nur wenn man Lust drauf hätte, aber nicht weil man es muss. Ballaststoffe sollen gemieden werden.

Was denke ich darüber?

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung berichten, wie ich über einige Dinge, die dort angebracht werden, denke. Wenn ich die Gemüsemenge bei mir reduziere geht es mir nicht gut, ich bekomme Beschwerden mit der Verdauung und fühle mich schlecht. Wenn ich die Kohlenhydratmenge extrem reduziere, dann tut sich bei meinem Gewicht rein gar nichts. Es bleibt einfach stehen. Wenn ich dann wieder mehr KH aber in Form von Gemüse esse, geht die Abnahme weiter. Ein extremes Herunterfahren auf „No Carb“ hat also den gegenteiligen Effekt.

Der Mensch ist evolutionstechnisch gesehen ein Allesfresser. Das erkennt man an unserem Gebiss und an der Länge unseres Darms. Die leeren KH kamen erst hinzu als viele Menschen schnell und billig ernährt werden mussten. Eine gemüsearme Ernährung empfinde ich nicht nur als „widernatürlich“ sondern auch als moralisch nicht vertretbar.

LCHF unterscheidet sich von Atkins also dahingehend, dass die Auswahl der Lebensmittel stark eingeschränkt ist. Es gibt kein Konzept, dass einen über den Zeitraum begleitet, sondern nur einige Richtlinien, die der Induktionsphase/dem Fettfasten bei Atkins ähneln und die für eine dauerhafte Ernährung nicht geeignet sind. Auch wenn LCHF damit wirbt, dass eine vegetarische Ernährung möglich sei, beschränkt sich diese dann anscheinend auf Eier und Käse, was sich für mich nicht ausgewogen anhört.

Würde mich jemand fragen, ob ich die Ernährung nach LCHF empfehlen könnte, würde ich klar sagen „Nein“.

Auch zweifle ich daran wie alltagstauglich LCHF im Endeffekt ist. Eine Ernährungsform hat nur dann Erfolg, wenn sie sich einfach in den Alltag integrieren lässt und immer wieder überraschen kann. Ich weiß wie schnell einem die Produkte aus der Induktionsphase bei Atkins aus dem Hals hängen können und wie sehr man sich auf die folgenden Phasen freut.

LCHF ist eine Extremform der ketogenen Ernährung, die ich selbst nicht ausprobieren wollen würde. Dafür mag ich mein Gemüse und meine Beeren viel zu sehr. Dafür esse ich auch viel zu gern mal vegetarisch. Ich kann natürlich niemandem verbieten, LCHF zu machen, aber ich würde mir das persönlich nicht antun.

 

 

7 Kommentare

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  3. Hallo,

    ich ernähre mich seit Okt.10 nach LCHF und für mich ist es alltagstauglich.
    dennoch hat mich dein Artikel zum Nachdenken angeregt, ob ich wirklich LCHF lebe.
    ich esse viel Gemüse. auch habe ich mir nie die Mühe gemacht, für jedes Essen den Skaldemann-Ratio (Fett : (EW + KH) sollte mind. 1 ergeben, besser noch 1,2 oder mehr) auszurechnen, habe mich auch nie um die tatsächliche Menge an KH gekümmert, sondern habe nach Gefühl gegessen. ich habe Getreide, Zucker und Stärke aus meinem Speiseplan gestrichen und mir geht es ohne jegliches Getreide einfach viel besser.
    wirklich intensiv habe ich mich nie damit beschäftigt, weil es mir eben besser geht und ich in 7 Monaten ca. 15 kg los wurde.
    LG

  4. In Schweden isst man doch viel Gemüse in der LCHF-Diät. Man isst Gemüse anstatt Kartoffel, Pasta und Reis. Doch man isst meistens Gemüse das über der Erde wächst, da dieses Gemüse narmalerweise kohlenhydratenarm ist, z. B. Blumenkohl, Weisskohl, grüne Bohnen, Salat.

  5. es ist doch wie bei Ätkins, in der Abnahmephase isst man möglichst wenige KH bis 20 g/Tag. Wenn man sein Wunschgewicht erreicht hat, steigert man seine KH-Menge moderat. Und zwar so hoch, dass man problemlos sein Gewicht halten kann.

    Was ich nicht verstehe, ist immer die Beschaffung von Ersatznahrung. Kuchen Backen mit Süßstoff ist einfach eklig. dann lieber keinen Kuchen.

    Rose

    • Nein U20g bleibt man bei Atkins nur 2 Wochen, damit sich der Stoffwechsel umstellt. Danach muss man mehr essen um sich nicht zu einseitig zu ernähren.

  6. Auch mich beschäftigt die Abgrenzung Atkins/LCHF. Deine Zusammenfassung finde ich super und ich sehe es ähnlich. Aber auch unter dem Namen LCHF gibt es wohl unterschiedliche Arten damit umzugehen. Atkins hatte bei mir super funktioniert. Bin dann leider rückfällig geworden. Nun habe ich es geschafft mit einem Spezialprogramm 25 Kilo abzunehmen. Suche nun nach der passenden LowCarb Ernährung zur Gewichtserhaltung. Atkins Stufe IV Oder LCHF oder Paleo oder LOGI? Will man eine Ernährungsweise sein Leben lang durchhalten müssen meiner Meinung nach Ausnahmen möglich sein. habe aber noch nicht rausgefunden bei welcher low carb Variante das für mich umsetzbar ist.

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