Das ganz normale Chaos

Koihof 16

Was ist schon normal…

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Dinge, die ich leid bin Teil 74930578374830: Nicht aus einer Masse hervorstechen wollen – „normal“ sein

Wir Menschen quälen uns. Jeden Tag, Jede Minute und jede Sekunde. Wir wollen normal sein, nicht aus der Masse hervorstechen. Wir wollen nicht auffallen, wollen nicht, dass über uns geredet wird – erst Recht nicht öffentlich. Wir wollen Erwartungen entsprechen. Möglichst den Erwartungen von allen. Niemanden enttäuschen, alle stolz machen. Und wir zerbrechen daran, weil es unmöglich ist.

Wenn ich mit meinen Freunden rede – über Probleme und über Sorgen, dann sind die meisten Sorgen darin begründet, dass Menschen Angst haben, ihre Ziele und Pläne im Leben nicht zu erreichen. Sie haben Angst, dass sie den hohen Erwartungen, die die Gesellschaft an sie stellt, nicht entsprechen können. Sie haben ebenso Angst, nicht in die Norm zu passen und Menschen, die sie mögen (oder kennen) zu enttäuschen.

Eine Norm ist jedoch kein erstrebenswertes Lebensziel. Eine Norm fasst einfach nur alle Menschen einer Gesellschaft zusammen und findet in ihnen die Schnittmenge. In einer Gesellschaft mit einer bestimmten Lebensnorm, muss dieser Norm nicht einmal jemand entsprechen. Um das Bild zu vereinfachen. Fritz ist 10, Franz ist 30 – der Altersdurchschnitt wäre 20. (10+30= 40, 40/2=20). Niemand der beiden ist 20. Fritz braucht noch 10 Jahre um das Alter zu erreichen und Franz hatte seine 20 schon lang hinter sich.

Normen, Werte, Veränderung

Neben Normen gibt es noch unsere gesellschaftlichen Werte. Einige sind so alt, dass sie unserem heutigen Leben überhaupt nicht mehr entsprechen. Während es damals ein absolutes NoGo war, unverheiratet Kinder zu bekommen, schaut danach jetzt niemand mehr. Zwar gibt es noch einige, die sagen „Wenn ein Kind unterwegs ist, dann müssen wir heiraten, damits seinen ordentlichen Weg geht“, doch es gibt keinen Druck mehr von außen.

Die Gesellschaft entwickelt sich und lernt. Dinge, die gestern Tabu waren, sehen wir heute als Normal an und akzeptieren sie. Wie kämpfen für unsere Freiheiten und für die Freiheiten derer, die wir lieben. Und manchmal, da gibt es Leute, die sind dem voraus. Sie sind Vordenker, die neue gesellschaftliche Werte entdecken, definieren und sich für sie einsetzen. Sie finden sich damit ab, Gegenwind zu bekommen und nicht akzeptiert zu werden, aber sie helfen die Gesellschaft von morgen zu formen.

Mit offenen Augen durchs Leben gehen

Manchmal gehört Anecken dazu. Ich habe ein sehr starkes Gerechtigkeitsbedürfnis und ecke damit immer wieder ungewollt an, bekomme Gegenwind, Hass entgegengeschleudert. Aber das ist erträglich, denn wenn ich etwas mache und etwas sage, dann deswegen, weil ich es als „richtig“ empfinde. Ich stehe mit vollstem Herzen dahinter und dann ist mir völlig egal, wenn es Menschen gibt, die mir meine Meinung lautstark austreiben wollen, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe.

Macht!

Macht was euer Herz sagt, was euer Bauchgefühl sagt, aber macht nicht, was euch eine Gesellschaft sagt, in deren Norm ihr passen sollt. Ihr seid niemandem, außer euch selbst, Rechenschaft schuldig. Ein unglückliches, einer fiktiven Norm entsprechendes, Leben ist nichts wert. Ein selbsterfülltes Leben schon. Ich glaube an eine Welt, in der wir irgendwann alle einmal wir selbst sein dürfen, ohne dass wir dafür verurteilt werden. Ich weiß, in der Vergangenheit hat es in der Richtung immer wieder schreckliche Eingriffe gegeben, aber ich glaube fest daran, dass unsere Gesellschaft in diese Idee hineinwächst. Ich versuche ebenfalls diese Idee weiterzuleben. Ich möchte, dass spätere Generationen keine Angst mehr davor haben müssen, wer oder wie sie sind. Vielleicht ist es ein bisschen Utopia, aber jeden Tag, den wir uns einem solchen Ideal nähern ist ein gewonnener Tag.

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2 Kommentare

  1. Entspannter Umgang mit Normen und Erwartungen? D’accord. Kein Problem. Finde ich auch. Ein Hoch dem Individualismus.

    Eine Menge Aussagen in diesem Beitrag schießen allerdings ein paar Kilometer über das Ziel hinaus.

    >Ich habe ein sehr starkes Gerechtigkeitsbedürfnis (… ….) weil ich mir nichts vorzuwerfen habe.

    Zu einem starken Gerechtigkeitsbedürftnis gehört die Überzeugung, sicher erkannt zu haben, was in der gegebenen Situation gerecht ist.
    http://www.youtube.com/watch?v=_SsccRkLLzU
    Dazu gehört meines Erachtens ein gerüttelt Maß Arroganz: „Was ich urteile, ist korrekt.“
    Wer urteilt, läuft immer Gefahr, zu früh oder falsch zu urteilen.
    In dem Absatz steht nichts, was darauf hindeutet, dass die „von vollstem Herzen erfolgenden“ Aktionen im Maß und Schlagkraft mit der Zuverlässigkeit der urteilsbegründenden Erkenntnis abgeglichen sein wollen.
    Wenn das aber nicht passiert, kann es sehr gut etwas vorzuwerfen geben.
    Pol Pot war von vollstem Herzen überzeugt, dass Intellektuelle auszurotten sind, weil sie dem Glück des Proletariats im Weg stehen. Ich find, das kann man ihm durchaus vorwerfen.

    >Macht was euer Herz sagt, was euer Bauchgefühl sagt, aber macht nicht, was euch eine Gesellschaft sagt

    Hier fehlt ganz entschieden der Verstand. Herz und Bauch sagen im Laufe der Zeit alles Mögliche. Jeder Totschlag im Affekt kommt direkt aus Herz und Bauch.

    >Ihr seid niemandem, außer euch selbst, Rechenschaft schuldig

    Das stimmt nur, wenn ihr für nichts und niemanden Verantwortung übernehmt, wenn ihr eine isolierte Insel seid. In dem Maße, in dem ihr mit anderen interagiert, seid ihr in dem Maße der Interaktion den anderen Rechenschaft schuldig, über die Aktionen von euch, die die anderen betreffen.
    Das hat nur insofern mit Normen zu tun, als Normen helfen, dass nicht jedes i-Tüpfelchen vorher durchdiskutiert werden muss. Was nicht abgesprochen wurde, wird der Norm entsprechend gehandhabt. Absprachen sind erklärtermaßen erlaubt.

    > in der wir irgendwann alle einmal wir selbst sein dürfen, ohne dass wir dafür verurteilt werden.

    Was aber, wenn zu deinem Selbst gehört, Rassist zu sein? Oder Pädophiler? Oder Psychopath?

    Der Gedanke des Artikels ist vollkommen lauter: Erkenne dich selbst; finde deine Nische; lass dich nicht in einer Weise verformen, die dich krank macht; umgib dich mit Leuten, die dich nicht verurteilen.
    Das sind alles Gedanken und Ratschläge, die ich voll unterschreibe.
    Aber daraus folgt nicht: Mach doch was du willst, alle anderen können dir scheißegal sein.
    Das aber, wenn man nicht sehr wohlwollend über das Buchstäbliche hinweg schaut, steht im Text.

  2. Ich könnte nicht einmal normal sein (nach den Maßstäben der Mehrheitsgesellschaft), wenn ich wollte – aber ich begebe mich gern in die Gesellschaft von Menschen, die ähnlich unnormal sind wie ich, was dann eine Subkultur ist, innerhalb derer ich dann wieder „normal“ bin.

    Ist das normal? 😀

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