Das ganz normale Chaos

Ich schäme mich für meine Stadt

| 37 Kommentare

Ich hätte nicht gedacht, dass ich sowas mal sagen würde, aber dem ist so. Ich schäme mich unheimlich dafür, Soesterin zu sein.

Jetzt werdet ihr sicherlich fragen, warum. Es ist eine längere Geschichte. Naja so lang eigentlich doch nicht, jedenfalls ist sie schnell erzählt, aber diese Ereignisse spielen sich schon länger in der Stadt ab.

Es geht in diesem Fall um Tierschutz, die Einstellung dazu und das Handeln unserer (lokalen) Politik.

image Stein des Anstoßes ist ein Vogel, der sich Saatkrähe nennt bzw. den lateinischen Namen Corvus frugilegus trägt. Dieser hat sich aufgrund der idealen Bedingungen (durch den Menschen geschaffen) Soest als populären Nistplatz ausgesucht. Der Vogel steht bei uns unter Schutz. Da die Bedingungen in Soest aber wirklich SO GUT sind (gerade am Bahnhof) und die Vögel in anderen Gebieten verscheucht wurden, flüchteten sie nisteten sie sich in unserer Stadt ein. Eine zeitlang störte es niemanden. Dann wurde aber das Geschrei (im wahrsten Sinne des Wortes) groß. Die Vögel störten, nervten und müssen weg. Die Krähen würden die Autos beschmutzen und einen Höllenlärm verbreiten.

Die Stadt überlegte sich den Schritt, die Vögel zu “vergrämen” und von ihren Nistplätzen zu verjagen. War aber recht sinnlos. Nun wollten einige übereifrige Bürger das “Problem” selbst in die Hand nehmen.

So schießt man mit Schreckschusswaffen auf die brütenden Elterntiere oder versucht sie mit Laserpointern so in Panik zu versetzen, dass die Jungtiere aus dem Nest fallen. Diese werden entweder liegen gelassen, erschlagen, oder es wird der Hund drauf gehetzt. Auch sah man schon Jugendliche mit Krähenbabys “Fussball” spielen.

Schutzgitter für die brütenden Vögel werden beschädigt, Krähenbabys daran lebendig erhängt. Wildvogelauffangstationen und Tierretter müssen sich bemühen morgens die halbtoten Jungvögel aufzusammeln um sie tierärztlich zu versorgen. Dies aber auch mit der Gefahr von den Bürgern selbst angegangen zu werden.

Mehr als einmal mussten sich Tierschützer beschimpfen lassen, sie gehörten eingewiesen und man solle sie mit den Vögeln gleich mitknüppeln. Auch Spüche wie “Nur tote Krähen sind gute Krähen” wurden laut.

Beweisfotos und Beweisvideos der Tierquälerei, die vorliegen wurden weder von der Stadt als von der Polizei berücksichtigt (Die Stadt hat den Anliegen der Tierschützer nicht mal Gehör geschenkt, sondern verschließt weiterhin die Augen) und das illustre Vogelmorden (welches ganz klar gegen das Tierschutzgesetz ist) geht weiter und niemand wird belangt. In was für einer Welt leben wir?

In diesen Tagen schäme ich mich Soesterin zu sein und sage zu den Tierschützern “Nicht alle Soester haben ihre Moral und ihr Gewissen an der Rezeption abgegeben.” Jeder Bürger der gegen das Tierschutzgesetz verstößt sollte belangt werden. Dafür gibt es diese Gesetze.

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37 Kommentare

  1. Blume: Ich schäme mich für meine Stadt: Ich hätte nicht gedacht, dass ich sowas mal sagen würde, aber dem .. http://cli.gs/ZtZdYd

  2. Das ist grausig und super traurig, was man bei Euch mit den armen Krähen anstellt. 🙁

    Einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge sind Raben und Krähen die Vögel mit der größten Intelligenz.

    „Nicht alle Soester haben ihre Moral und ihr Gewissen an der Rezeption abgegeben.“

    Natürlich nicht! Das die Stadt Soest den Tierschützern kein Gehör schenkt, ist wirklch das allerletzte. Tierquäler gibt es aber leider überall auf der Welt.

    Liebe Grüße,
    Michaela

    • Wenn aber bei den Leuten die ihre Hunde draufhetzen, einer kommen würde und den Hund knüppelt, weil er auf die Wiese gekackt hat, was glaubste wie schnell Polizei und Ordnungsamt zur Stelle wären?

  3. unglaublich. ich kann soetwas nie nachvollziehen das es menschen gib, die so grausam sind. und wenn selbst die polizei nix sagt, dann weiss ich auch nicht. ich würde mich vieleicht mal schlau machen, was die presse dazu sagt. einfach mal bei der zeitung nachfragen. vieleicht ändert sich dann etwas. zumindest vieleicht ein bisschen. aber warscheinlich stand es schon bei euch in der zeitung. ach man, ist doch schei.. sowas

    • Die Presse ist dank der großen Zeitung mit 4 Buchstaben auf der Seite der Tierquäler, da diese letztens einen Artikel brachten, wo Krähen Menschen angreifen würden.

  4. Ich frag mich wirklich was in den Köpfen von manchen Leuten vorgeht. Wie kann man bitte mit Vögeln Fußball spielen? Auch wenn mich ein Tier „nerven“ würde, würde ich sicherlich nie auf die Idee kommen dem Tier weh zu tun oder sonstiges. Vögel gibt es nunmal, aber so etwas dürfte einfach nicht geduldet werden.

    Diese Tiere können sich nicht wehren und da fragt man sich doch wirklich was das für Menschen sind.

    • Eben so sehe ich das auch. Man muss einfach die Bedingungen ändern, dass die Stellen weniger attraktiv werden. Befürchte, dass die Stadt denkt, dass sich durch diese Bürger das „Problem“ von allein löst.

  5. Ich werde nie verstehn warum der Mensch so widerlich ist. Zum Kotzen!

  6. Ich bin sprachlos 😯
    Am besten wäre es vielleicht, diese Bilder mal an einen Fernsehsender zu schicken, z.B. Akte, da könnte dann weder die Polizei, noch der Bürgermeister so tun, als wäre nichts1 *grummel*

    • Wenn das Thema relevant genug ist.
      Leider habe ich bei so Dingen schlechte Erfahrungen mit den Medien gemacht.

    • hallo!
      das haben wir getan.die sender antworten nicht,einzig die bildzeitung war interessiert,hat uns ausgefragt,bilder gemacht.alles schien gut zu werden…am nächsten tag die schlagzeile:
      „krähen greifen spaziergängerin in herne an“
      einer unserer kommtare wurde zusammenhangslos mit eingebaut,das war’s aber auch..
      demnach sind unsere erfahrungen mit den medien auch sehr schlecht… 🙁

      lg

      die andere ricarda

  7. Ich gebe dir so recht Ricarda. Wer denkt sich denn so eine Schei… aus? Was würden die Menschen machen wenn ihre Haustiere als Nervend oder störend finden? Würden sie auch sagen ja die müssen weg. Nein bei denen die jetzt die Raben erschlagen oder sonstewtas mit ihnen veranstalten,würden als erster sehr laut schreien. Aber glaube mir alles recht sich irgendwann…

    • Ich meine, ich sage ja nicht, dass so eine Überbevölkerung nicht zum Problem werden kann, denke aber dass dieses Problem „menschgemacht“ ist und man es lösen kann, wenn man die jetztigen Brutstätten nicht mehr so attraktiv für die Tiere macht.

      Immerhin haben wir seit Mc Donalds und ein Bäcker am Bahnhof sind auch eine Rattenplage, weil sich manche Menschen nicht imstande sehen, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.
      Alles nur eine Sache von actio und reactio

  8. §1 TierSchG: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

    Meines Erachtens machen die sich alle strafbar mit ihrem Verhalten. Mal davon abgesehen, dass dies einfach ein widerwärtiges Gebaren ist. Da muss man sich doch wirklich fragen, mit welchem Recht sich der Mensch als Krönung der Evolution sieht. Hoffe sehr, dass das bald endlich wieder aufhört. Einfach nur grausam.

    PS: Bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen… gefällt mir super. Nur schade, dass ich als Einstieg gleich dieses traurige Thema entdeckt habe.

    • Freue mich natürlich dass du hergefunden hast, wenn auch mit diesem traurigen Thema.

      Ja es macht mich wütend und traurig, welche Rechte sich manchereins rausnimmt, während wir alles tun um kein Tier leiden zu lassen.

      Ich komme mir momentan vor als lebte ich in einer verrohten Provinz.

  9. Pingback: Sonntagsbeitrag

  10. Ich bin durch Bruno auf Deinen Blog gestoßen, grüß‘ Dich.
    Ich könnte Platzen vor Wut. Wenn ich so etwas lese kommt mir die Galle hoch. Ich kann sehr gut verstehen, dass Du Dich für für Deine Stadt schämst. Was ist das bloß für eine furchtbare Welt in der wir leben…Eine Welt voller Ignoranz, Egoismus, Gleichgültigkeit. Es ist mir unverständlich wie man mit Tieren, die ein Recht haben auf dieser Erde zu leben, so umgehen. Einmal mehr wird wieder klar, dass die Menschen immer mehr verrohen. Abartig.
    Traurige Grüße

    • Irgendwie macht es mich zur Zeit froh (das erste Mal), nicht mehr lang hier zu wohnen.
      Mittendrin zu sein und nichts tun zu können, macht einen beinahe ohnmächtig.

  11. Das ist echt krass oO Bei meinen Onkel ist es „ähnlich“ nur ohne das sinnlose Morden…
    Man hat am Rhein Bäume gefällt die früher die Nistplätze waren, nun kommen die Raben in die Stadt, nur machen die halt Lärm und dreck, und die Anwohner haben dort das Problem das jeder für seine Straße selbst zuständig ist und nicht die Stadt… und keiner darf was machen… da sie von der Stadt beschützt werden.
    Man kann nur zuschauen…

  12. Der Hass erinnert mich an vergangene Zeiten, als die Wölfe für das Schafreissen verantwortlich gemacht wurden und dann in Deutschland ausgerottet wurden.

  13. Seltsam. Bei uns in Trier wimmelt es vor lauter Raben und Krähen (allerdings keine Saatkrähen) und wir sind alle froh darüber. Die großen Vögel vergraulen nämlich die ungeliebten Tauben. Es gibt unheimlich wenig Tauben bei uns und dadurch auch sehr wenig Dreck. Die Raben sind zwar nachts ein wenig unheimlich, aber sie strahlen ein gewisses Flair aus und letztendlich gewöhnt man sich daran. Wobei ich diese Vögel sowieso über alles liebe…

    • Des einen Freud, des anderen Leid so scheint es mir. Vielleicht haben die Soester (ich vermeide es einfach mal „wir“ Soester zu sagen) die Vorzüge dieses Vogels einfach noch nicht erkannt.

      Soest ist und bleibt immer noch im Kleinstadtdenken gefangen auch wenn es sich nach aussen gern als weltoffen und tolerant repräsentiert. So ist es leider nicht.

  14. Im Nachbarort, wo ich vorher gewohnt hatte, wurde auch mittels Schreckschusswaffen, von der Gemeine aus, auf die Kraehen geschossen.

    Die Kraehen haben sich dort am oertlichen Judenfriedhof eingenistet und ‚belaestigen‘ wohl die Friedhofsbesucher und stoeren ausserdem die Toten in ihrer Ruhe.

    Aber so ein Schuss stoert wohl ueberhaupt niemanden *kopfschuettel*

    • Das ist leider, naja sagen wirs so eine Doppelmoral der Herren oben.
      Ich glaube kaum, dass sich einer der Toten beschwert, dass sich so ne Krähe über ihn in den Baum setzt.

  15. Das ist etwas was die Menschen am besten können – wegschauen.
    Da könnt ichmic ja nciht mehr halten wenn ich sowas mitbekomme.

    Das ist so eine Sauerei. Hier bei uns in werden Hunde vergiftet.

    Da zeigt sich wieder: Tiere sind die besseren Menschen.

    • Ich denke wirklich, die Politiker wollen dass sich die Sache von allein erledigt und dann wenns zu spät ist, kann man ja immer noch bestürzt tun, als wüsste man von nichts.

  16. hallo ricarda!
    ich bin’s..ähm..ricarda..kennst du mich noch?
    war früher gut mit tabea befreundet.
    sag mal,woher weißt du das alles?
    ich bin eine der tierschützerinnen.
    ich hab gerade 14 krähenkinder zum aufziehen hier sitzen und find’s großartig von dir,dass du darüber schreibst!
    ich kann nur sagen:es ist genau so wie hier beschrieben!wir haben inzwischen über 40 babyvögel aufsammeln müssen,teilweise starben sie noch während des transports an inneren blutungen.wer helfen möchte,hier ein aufruf:
    http://www.wildvogel.info/
    hier könnt ihr über’s kontaktformular einen leserbrief an die stadt soest schreiben.der wird dann im forum veröffentlicht und später an die stadt soest geschickt,damit endlich was getan wird,denn wir gehen hier gerade ein vor lauter pfleglingen…
    danke nochmal,dass ich hier ein wenig „werbung“ machen durfte und ganz liebe grüsse,auch an deine schwester

    ricarda

    • Hallo Namensvetterin 🙂 Natürlich erinnere ich mich noch 😉
      Hab mir das schon fast gedacht, dass du da mit bei bist.
      Naja ich hab für den Bericht schon ein bisschen recherchiert.
      Wenn du möchtest, kannst du auch noch ein bisschen mehr Werbung machen und ich mach nochmal einen Extra-Artikel über eure Arbeit. Ich glaube, das würden viele gern Lesen.

      lg Ricarda

  17. Pingback: Hoffnungsfunken für die Soester Krähen - Das ganz normale Chaos

  18. Bei dem primitiven Wahnsinn, fällt mir nur ein Spruch ein,

    Lieber Gott lass Hirn regnen aber nehm den Menschen vorher die Schirme weg!!
    Für die, die so verblödet sind und den Spruch nicht verstehen,……
    gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens!

  19. Dazu kann man nur sagen “ Haut dem Volk auf’s Maul“.
    Das ist eine Schande und ich find das unglaublich, auch diese Scheißegal-Haltung der restlichen Bewohner.

  20. Hallo!
    An alle Soester:
    Die Saatkrähenzeit beginnt so langsam wieder.
    Ich möchte eindringlich darauf hinweisen,dass JEDER,der einem dieser Vögel etwas antut,eine Straftat begeht.

    Solltet Ihr ein Vergehen an den Tieren beobachten,habt Ihr das Recht,dazwischen zu gehen,die Polizei zu verständigen und sogar(wer es sich zutraut) diese Person bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.
    Wenn Ihr nicht allein unterwegs seid,dann bitte ich Euch, die Übeltäter laut anzusprechen und andere Menschen auf die Situation aufmerksam zu machen.
    Meist lassen die Täter dann schon von selbst von den Tieren ab.
    Auch auf unangeleinte Hunde kann man den Besitzer des Tieres ansprechen und ihn bitten,sein Haustier anzuleinen.
    Jeder aufmerksame Beobachter kann dazu beitragen,die Tiere mit wenigen Mitteln zu schützen.
    Achtet bitte ein wenig drauf-gerade im Bereich des Bahnhofs.

    MfG

    Ricarda von der wildvogel.info

  21. Pingback: /|(;,;)/|

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