Das ganz normale Chaos

Ich möchte dich nicht vergessen

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Freitag Mittag starb mein über alles geliebter Deutsch Langhaar Kater Anton plötzlich und unerwartet neben mir. Wir legten uns Mittags zusammen aufs Sofa. Ich fühlte mich nicht gut, weil ich schlecht geschlafen hatte. Ich wollte 1-2 Stunden Schlaf nachholen, damit ich für den Rest des Tages fitter sein konnte. Anton lag neben mir, halb unter meiner Decke. Kopf und Vorderpfoten schauten heraus, als habe er sich selbst zugedeckt (er war unter meine Decke gekrabbelt). Er schnurrte und tretelte meine Seite. Beruhigt davon schlief ich ein. Wer mich kennt, weiß dass ich schlecht schlafe – vor allem schlecht einschlafe.

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2 Stunden später schreckte ich auf. Mir entfuhr ein lautes „Anton, Anton!“, wovon ich mich selbst weckte. Er lag da, wo er sich Stunden zuvor hingelegt hatte er war schon kalt und steif, aber lag dort, als würde er nur schlafen, entspannt neben mir. In mir wechselten sich Panik und Gewissheit ab, nichts mehr machen zu können. Einige Male streichelte ich ihn, redete mit ihm und sagte ihm, er solle doch wieder aufwachen, aber dass er tot war, das war eindeutig.

Nun sind zwei Tage um. Anton habe ich nur eine Stunde, nachdem ich ihn fand, bereits begraben. Ich habe leider schon viele Tiere bestatten müssen und habe ein festes Ritual, mit dem ich Tiere begrabe. Anton bekam sein Lieblingsspielzeug und etwas Futter mit in sein Kistchen.

Die Bestattung über stand ich unter Schock, ich war wie in Watte gepackt. Ich wusste ganz klar im Kopf, dass er nicht mehr da ist, die Auswirkungen waren aber nicht angekommen. Jetzt zwei Tage nach seinem Tod habe ich viele Fotos angeschaut, aber ich bekomme das Bild seines toten Körpers einfach nicht auf meinem Kopf. Es ist kein schreckliches Bild, da er friedlich da lag, aber es ist das Gefühl, dass ich mit diesem Bild verbinde. Hilflosigkeit, nichts mehr für ihn tun zu können.

Jetzt habe ich Angst, dass ich mit jedem Tag mehr Kleinigkeiten von ihm vergesse. Dinge, an die man einfach nicht mehr denkt. Kleinigkeiten, dass er mir eigentlich immer vor den Füßen herumlief. Während alle anderen Katzen wussten, neben mir oder hinter mir herzugehen, stand er einfach immer vor mir und guckte mich an. Im Halbschlaf und Dunkeln hat er mich schon einige Male zum Stolpern gebracht und statt erschrocken darüber zu sein, schauten mich seine Kugelrunden gelben Augen einfach an.

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Anton miaute nicht viel, aber im Frühjahr und Herbst, wenn draußen die rolligen Katzen riefen, wurde er zu einem wahren Katzentenor. Er stand dann auf der Fensterbank innen und schaute aus dem Fenster und sag seine schönsten Katerlieder.

Er war ein toller Papa und geduldiger Kuschelkater für alle Katzen. Flauschi konnte sich auf ihn werfen, er packte sie sich einfach, putzte sie und schlief mit ihr kuschelnd wieder ein. Baby liebte er abgöttisch, auch wenn ihr das manchmal zu viel Nähe war. Unter den Katern belegte er den ersten Platz in der Reihenfolge, niemand stellte das in Frage.

Anton hatte Löckchen unter dem Bauch, die aussahen wie eine Minipli-Dauerwelle. Sie verfilzten nicht, aber wenn er den Bauch gekrault haben wollte, fühlte es sich an, als würde man einen Pudel streicheln. Im Sommer sag er fast aus wie Momo, im Winter wie ein explodierter Fellball. Noch am Mittwoch bewunderte ich sein Fell. Er hatte wieder einen schönen Kragen bekommen.

Er hatte an den Hinterbeinen längeres Fell, das immer aussah, als hätte er Plunderhosen an.

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Wenn man ihn hoch hob, war er leichter als man denken würde. Er wog nur 4 Kilo, war generell ein kleiner Kater. Das meiste an ihm war Fell. Sein Fell war sehr weich, aber mit viel Unterwolle. Somit sah er immer ziemlich aufgeplustert aus und die Haare standen ihm oft vom Körper ab. Nur im Sommer ohne Wolle schaute er einigermaßen zivilisiert aus.

Als der kleine Nachbarjunge vor zwei Jahren mal hier in der Wohnung war, behauptete er fest, dass Anton keine Katze, sondern ein Bär sei.

Besucher hatten vor Anton immer Angst und wollten Miez streicheln. Anton war allerdings immer das Schäfchen, während sich Miez von niemandem anfassen lassen will, außer von mir.

An seinem ersten Morgen bei uns lag er bereits mit Flauschi und Miez auf dem Sofa, als sei er schon immer hier gewesen.

Anton konnte nicht richtig miauen. Seine piepsige Stimme sorgte jedes Mal für Verwirrung.

Eigentlich war Anton sehr auf Männer fixiert. Mich ignorierte er oft, während männlicher Besuch umschwärmt wurde. Seit etwa einem Jahr fixierte er sich aber immer mehr auf mich und wurde sehr kuschelbedürftig. Es gab fast keine Nacht mehr, wo er nicht bei mir im Bett schlief.

Anton hörte auf „Anton, Toni, Antonio“ und auch auf „Miez“. Alles, was ihm Leckerchen versprach war ihm recht. Am liebsten fraß er mit Flauschi und Baby von einem Teller, aber nie allein. Anton bettelte nie am Tisch, aber wenn er roch, dass es Brot gab, flippte er völlig aus. Einen Frühstückstisch decken und ihn aus dem Blickfeld lassen? Einmal lief er mit einem kompletten Zwiebelbaguette an mir vorbei.

 

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Lieber Anton,

Momo hat sich deiner Tochter angenommen. Sie kuscheln zusammen und er ist mit ihren Eigenheiten sehr geduldig. Baby ruft dich seit zwei Tagen. Es wird dauern, bis sie versteht, dass du nicht mehr wiederkommst. Ansonsten ist es unglaublich ruhig. Auch wenn du der unauffälligste und zurückhaltendste Kater warst, den ich kannte, möchten die anderen nur noch schlafen und fressen. Niemand jagt sich mehr oder spielt.

Wir werden dich nicht vergessen. Nicht wie es war, dich zu kraulen, dich herumzutragen und deinem Schnurren zuzuhören. Anton, du kamst ungeplant und unerwartet in mein Leben, aber ich möchte die Zeit mit dir nicht mehr missen. Es war viel zu kurz, aber ich weiß, dass wir zwei eine besondere Verbindung hatten, dass wir deine letzten Stunden gemeinsam verbrachten.

Ich sitze hier, habe nasse, brennende Augen, aber ich schaffe es noch nicht zu weinen. Der Schock über deinen Verlust sitzt noch tief. Auch wenn ich manchmal denke, es geht gerade wieder, dann gibt es so Momente wie jetzt, wo ich mir sage „Er ist tot. Anton ist tot.“ und ich muss es mir immer wieder sagen, damit ich es nicht verdränge.

Ich hab dich lieb Plüschkater. Wir alle haben das. Ich werde dich nie vergessen und immer an dich denken.

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12 Kommentare

  1. Es gibt im Moment keinen Trost. Nur wer Tierliebe in dieser Form selbst erfahren darf, kann dich verstehen. Ich bin da ganz nah bei dir.
    Anton hat seinen letzten Atemzug an deiner Seite getan. Dann wurde er abberufen- von wem und wohin werden wir nicht erfahren.
    Vielleicht wurde ihm durch diesen plötzlichen Tod etwas erspart. Eine Krankheit? Schmerzen? Ich weiß es nicht und versuche mich in solchen Situation, die ich selber auch erlebt habe, mit diesem Gedanken zu trösten.
    Er ist nicht ganz fort, er ist nur woanders.

    Lass dich umarmen von
    der FF und Matze+Rudi

  2. *tränchen wegdrück*
    Ich weiß genau, wie du dich fühlst!
    Da wo er jetzt ist, wird er immer über dich wachen. Er ist in deinem Herzen und wird dort weiterleben. Ein schwacher Trost, ich weiß. *umarm*

  3. Liebe Tiia,

    ich kann deinen Schmerz gut verstehen und spreche dir mein tief empfundenes Beileid aus. Es ist gerade eine schwere Zeit… der Todestag meines Schwanrzen jährte sich vor 2 Wochen zum 3. Mal und ich habe in solchen Momenten Angst um meine anderen Katzen. Angst davor, ohne sie sein zu müssen.
    Ich denke an dich und bedanke mich für einen wundervollen, wenn auch schrecklich traurigen Beitrag.

  4. Ich bin durch Zufall auf Deinen Blog gestoßen via youtube und war gefühlt gleich wieder zum Juni des letzten Jahres versetzt. In diesem Monat starb unser Katerchen „Muck“ an multiplen Organversagen. Unsere Tierärztin konnte nichts mehr für ihn tun. Wir mußten ihn einschläfern lassen. Mein Freund war die letzten Minuten seines Lebens bei ihm. Ich konnte es nicht und lief wie aus einer fremden Welt in der Praxis auf und ab. Es war die Hölle für mich.

    Aus diesem Grund kann ich Deine Gefühle, die Du derzeit empfindest sehr gut nachvollziehen. Ich bin mir sicher, dass Du keine Sorge haben mußt ihn zu vergessen, dieie schönen Momente, die Du mit ihm erlebt hast, werden in Deinem Herzen die Zeit überdauern. Davon bin ich überzeugt.

    Andreas B.

  5. So blöd es klingen mag, er ist friedlich und wohl behütet an Deiner Seite eingeschlafen – sie es als Zeichen seiner ewigen Dankbarkeit, Liebe und Treue und Zuneigung zu Dir. Es hat Dir vielleicht den Schritt abgenommen beim Tierarzt um sein Leben zu bangen, die Zustimmung zu einschläfern geben zu müssen oder mitansehen zu müssen wie er leidet.

    Ein jeder von uns Haustierbesitzern weiss dass er kommen wird – eines Tages muss unser langjähriger Freund sich verabschieden – es ist der schwärzeste Tag den man sich nur vorstellen kann – wir sind hilflos, voller Trauer, fragen uns immer wieder ob man etwas hätte ändern können – aber in den meisten Fällen machen wir uns zuviele Gedanken – das hätte unser Liebling nicht gewollt.
    Dein Anton würde nicht wollen dass Du in Trauer versinkst, er würde wollen dass Du immer voller Freude an ihn denkst, wie Du lachen musstest weil er Dir wieder einen Streich gespielt hatte, wie Du ihn stundenlang suchen musstest und er quasi immer hinter Dir stand ohne dass Du es gemerkt hast und die vielen anderen schönen Momente. All das wird eines Tages die Trauer überwinden helfen, und eins ist gewiss – vergessen, nein vergessen werden wir unsere Regenbogentiere niemals!

  6. Anton hat dir seine tiefe, innige Liebe und Zuneigung gezeigt… Ich muss mir echt die Tränen aus den Augen wischen :-(. Deine Wort so voller Liebe, diese Liebe hat Anton spüren dürfen.
    Anton lebt tief in deinem Herzen weiter. Und ich stelle mir unsere Sternenmäuse immer auf einer großen Wiese vor, wie sie rumtollen, Schnurren und alle sich lieb habe. Das hilft mir ein wenig den Schmerz zu bewältigen.
    Wir werden unsere geliebten Tiere niemals vergessen! Und irgendwann werden wir sie alle wieder in unsereArme schließen, das ist meine Hoffnung.
    Traurige Grüße

  7. Ich fühle mit Dir *knuddl*

  8. Viele Jahre durfte ich Anton täglich erleben. Und auch wenn ich ihn über 2 Jahre nicht mehr gesehen habe, so war ich dennoch schockiert, als ich von seinem plötzlichen Tod erfahren habe. Ich hatte tränen in den Augen, als ich die SMS von meiner Schwester bekam. Alle Katzen lagen mir immer am Herzen, aber zu Anton hatte ich doch immer eine ganz besondere Beziehung. So tut es mir auch jetzt, einige Tage nach der schlimmen Nachricht immernoch weh, wenn ich daran denke, dass er nicht mehr da ist. Wenn ich seine Fotos sehe, schiessen mir wieder Tränen in die Augen. Danke für die schöne Zeit, die ich mit dir erleben durfte. Machs gut Anton, ich werde dich niemals vergessen! Daniel

  9. Liebe Tiia, mein herzliches Beileid. So ein schöner Brief, den Du ihm geschrieben hast <3 Er hat es gut bei euch gehabt und war bis zuletzt bei Dir – Du wirst ihn ihm Herzen behalten.

  10. Liebe Tija, ich kann deinen Schmerz und deine Trauer fast greifbar spüren. Auch meine über alles geliebte deutsche Langhaar Java vom Allerfeinsten ist am 1. Dezember 2013 plötzlich und völlig unerwartet mit nur 5 Jahren an Magekrebs verstorben. Der Schmerz über den Verlust ist dermaßen groß, das mich viele Leute gefragt haben, ob ich krank sei weil ich so schlecht aussehen würde. Mir geht es übrigens mit der Angst, vieles von ihr mit der Zeit zu vergessen, genauso wie dir. Fühlt dich von einer mitbetroffenen Seelenfreundin gedrückt.
    LG Sigrid

  11. Du wirst ihn nicht vergessen! Auch wenn du jetzt mit aller Macht an ihn denkst, dich an seinen Geruch an seinen Blick, seine Art erinnern willst und alles wie in Watte getaucht ist. Du wirst ihn nicht vergessen. Wenn du endlich trauern kannst, die brennenden Augen weinen können, Dann wird es wie ausatmen sein und alles ist da wird immer da sein, Das ist Liebe und sie wird dir alle Erinnerungen bewahren.
    Ich wünsch dir viel Kraft. Schön dass er bei dir sein durfte . Die letzten Bilder werden weichen und du wirst dich an das pfoteln erinnern. An die schönen, lebendigen Dinge mit ihm.
    Das ist die Liebe zu deiner Katze sie wird dir helfen weil sie einzigartig und wunderschön ist.
    Ich drück dich

  12. Das erinnert mich gerade an die flauschigen Freunde, die ich selbst verloren habe… Moritz… Juli… Sir Cater… die drei werde ich wohl immer vermissen.
    Ich habe es aber noch nie erlebt, daß eine Katze direkt neben mir gestorben ist. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen würde, ich kann mir kaum vorstellen, wie schlimm der Schock gewesen sein muß.

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