Das ganz normale Chaos

Ich blogge, also bin ich.

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Stellt euch einmal vor, das Internet würde nicht existieren. Die mobile Kommunikation untereinander auch nicht. Wir hätten zwar Telefone, aber diese würden nicht mehr wie heute meist mit Flatrates betrieben sondern weiterhin mit teuren Minutenpreisen. Stellt euch mal vor, es wäre wie früher. Was würdet ihr dann machen?

Man kann diese Frage gern in den Zusammenhang mit der Studie zur „Internetabhängigkeit“ behandeln, auch wenn ich dazu meine sehr eigene differenzierte Meinung habe. Aber dennoch, wer würde unsere Meinung hören oder lesen wollen, wenn es kein Internet gäbe. Wen würden wir erreichen?

Als Bloggerin habe ich natürlich viele Gefahren, die auf mich lauern, nicht nur weil ich in der Öffentlichkeit stehe, sondern auch weil ich als Frau in der Öffentlichkeit stehe. Viele werden jetzt die Nase rümpfen und sich fragen, warum ausgerechnet das ein Problem darstellt, aber es ist so, dass Frauen gerade im eher technikdomierten Metier des Bloggens nicht selten belächelt werden. Die Folgen des „In Öffentlichkeit stehen“ hingegen sind ein Problem, dass beide Geschlechter unabhängig voneinander haben. Aus einem mir nicht erklärbaren Grund gibt es beim Bloggen einen Punkt wo man die Grenze von „Du bist einer von uns“ zu „Du bist einer von denen“ erreicht und oft unbemerkt überschreitet. Nach diesem Grenzübertritt wandeln sich Sympathien, die ja auch auf irgendwas basieren mussten, in Hassgefühle und die Menschen entwickeln eine Abneigung.

Am ehesten erreicht man diesen Punkt dann, wenn die Menschen erfahren, dass man mit dem Bloggen Geld verdient und vielleicht sogar seinen Lebensunterhalt bestreitet. Auch hierzu gab es in den letzten Wochen unzählige, langatmige Diskussionen gefolgt von „Nennt Namen, wer macht Geld damit!“ (Und das war eigentlich immer eine der ersten Fragen, die zu dem Thema auftauchten.) Jedem empörten Aufschrei folgte aber auch eine unterschwellige Bewunderung und Verblüffung, da der Umstand des Geldverdienens durch das Verfassen von Texten anscheinend ein sehr abwegiger Gedanke sein muss. Für mich persönlich nicht, für 90 Prozent meines Umfeldes hingegen schon.

Ich blogge, also bin ich. Dabei ist es egal, ob ich für Geld blogge oder um meine Zeit herumzubekommen. Als bezahlter Blogger ist man im besten Fall kein schreibendes Textäffchen sondern Meinungsbilder. Man wird für seine Texte bezahlt und nicht für eine Meinung. Vergessen viele und können viele auch nicht unterscheiden. Wo Geld fließt, ist Falschheit meist nicht weit, so meint man. Aber ist dem so?

Schauen wir uns zwei Blogs an denen man sehr gut sehen kann, wie es funktioniert. Als erstes wäre da Caschys Blog „Stadt Bremerhaven„, wo er mit großen Zeitaufwand sämtliche Themen der Techszene behandelt. Immer mit eigener Meinung und wer Caschy kennt weiß, dass er sich den Mund nicht verbieten lässt. Auch er betreibt sein Blog nicht ausschließlich aus reiner Nächstenliebe aber mit viel Herz und Zeitaufwand. Nicht umsonst ist es so erfolgreich in Deutschland. Als zweites sollte ich auch Netbooknews nennen. Wer hier regelmäßig mitliest, wird schnell feststellen, dass auch hier feste und vor allem eigene Meinungen vertreten werden. Es wird nicht versucht dem Leser zu gefallen und ihm nach dem Mund zu reden. „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann“, sagte mal mein Opa und recht hatte er. Wer versucht sich für jeden zu verbiegen, ist irgendwann nicht mehr glaubhaft.

Um das zu erreichen muss man aber etwas können: Position beziehen wenn es nötig ist und Entscheidungen treffen. Wenn ich etwas nicht gut finde, dann schreibe ich das. Ich begründe es und damit kann mein Leser meine Meinung im besten Fall sogar nachvollziehen. Er muss meine Meinung nicht teilen, aber ich sollte ihm die Chance geben sie zu überdenken. Dieses Verhalten führt zu Diskussionen. Dieses Verhalten führt zu Kommentaren. Niemand möchte Weichspüler-Artikel lesen, zu denen es eigentlich nichts zu sagen gibt.

Ich blogge, also bin ich. Ich denke, also bin ich. Ich bilde mir eine Meinung, also bin ich. Ich versuche mich nicht anzupassen, weil es gerade in ist, also bin ich. Diesen Gedanken könnte man unendlich weiterführen.

Hätten wir das Internet nicht, hätten wir keine unabhängigen Medien, wie gute Blogs sie für mich sind. Was würden wir machen? Wer würde uns zuhören? Für mich ein schrecklicher Gedanke, denn ich kenne die internetlose Zeit noch gut aus meiner Kindheit und in meinem Kinderzimmer stapelten sich schon damals die Zettel und Hefte, auf und in denen ich meine Gedanken aufschrieb. Jetzt kann ich dafür sorgen, dass sie gelesen und nicht irgendwann weggeworfen werden. Jetzt kann ich Menschen zum Denken motivieren und ihr und mein Leben verändern.

Ich blogge, also bin ích. Ihr lest, also seid ihr. Ein schöner Gedanke.

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  6. Mit Blogs Geld verdienen – ist das verwerflich? Ich denke nicht, denn das ist an sich nichts neues. Blogger bilden Meinungen – auch an sich nichts neues, auch das gab es schon vor Internetzeiten, nannte sich damals Magazine. An die Zeiten ohne Internet kann ich mich gut erinnern, teure Telefonminuten etc. Flatrate? Gabs nichts. Und trotzdem wurde man informiert.

    In einem Punkt kann ich mit Dir nicht konform gehen, nämlich dass es ohne das Internet keine unabhängige Medien gäbe: wir haben hier in Deutschland etwas, auf das gewisse Leute immer wieder schimpfen: die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, für die wir Monat für Monat unsere Gebühren zahlen. Auch wenn wir mit deren Programm nicht immer glücklich sind, aber im Gegensatz zu RTL und Co bekommt man dort etwas sehr wichtiges: unabhängige Nachrichten.

    • Ich denke sie meint eine etwas andere Unabhängigkeit, nämlich die ungefilterte und vor allem vielfältigere Meinungs-/Faktenäußerung.
      Man merkt bei den klassischen Medien ja nur dann wenn man selbst Ahnung vom Thema hat, dass sie eventuell Mist erzählen oder schlecht recherchiert haben.

      • Genau das meine ich. Ungefilterte Meinungen fernab der DPA. Schalte ich derzeit durch die Fernsehlandschaft dann bekommst du krisitische Beiträge nur in satirischen Sendungen.
        Ich lese allerdings gerne kontroverse Meinungen und wäge für mich im Kopf ab, welche Position ich beziehen würde.
        In den Öffentlichen ist es glücklichweise so, dass man die Dinge sehr neutral vorgesetzt bekommt. Bei den privaten hast du ja das Problem, dass Informationen mit einer Wertung als gegeben hingestellt werden, als würde es keinen Spielraum für Diskussionen mehr geben.
        In unseren klassischen Medien ist kein Platz für verschiedene Meinungsbilder. Vielleicht will der Mainstream das auch gar nicht haben?

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  8. Hallo Ricarda!

    Interessanter Artikel mit einer ebenso interessanten Meinung! Klar kann man mit seinem Blog auch Geld verdienen, aber viele versuchen das leider dadurch, daß sie Werbung schalten und nicht mit Texten.

    Ich selbst blogge nur aus Spaß am schreiben und verdiene dadurch nichts. Ich schreibe zu bestimmten Themen meine Meinung und fertig. Daß damit nicht jeder einverstanden ist stört mich dabei wenig, und daß mein Blog dank der Artikel über die SeaMonkey Suite langsam berühmt wird juckt mich ebenfalls nicht!

    Um Geld mit dem Blog zu verdienen müßte ich viel mehr und regelmäßig Artikel verfassen, wozu ich aber gar keine Lust habe! Außerdem bräuchte ich dazu ein entsprechendes Thema, daß sich gut verkaufen könnte.

    Andererseits gibt es so viele Themen-Blogs, daß es schwer wäre sich dort ebenfalls zu etablieren.

    Unabhängige Medien? Nun ja, es gibt so seltsame Geräte mit dem Namen Radio! 😉 Hier läuft zum Beispiel die ganze Zeit über Rockantenne und ich denke mal, daß die sehr wohl unabhängig sind. Geht allerdings nicht überall, außer man macht es wie ich und hört sie über Internet. Das geht dann sogar weltweit.

    Und siehe da, wieder einmal habe ich meine Meinung gesagt. 😀

    Grüße aus Augsburg

    Mike, TmoWizard

  9. Schön … unterschreibenswürdig …!

  10. Dem kann ich ausnahmslos zustimmen – ich war zwar auch zu Zeiten ohne Internet immer informiert, aber eben nicht in dem Rahmen, wie es heute ist.

    Damals wurde mir die Meinung derer aufgedrückt, die das Sagen hatten. Ich konnte nur das hören/sehen, was andere wollten. Heute habe ich die Infos von unabhängigen Personen jeden Alters. Jeder Herkunft. Und das ohne „Schönrederei“ – überall, jederzeit.

    Und das ist toll 🙂

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  22. mit Blogs Geld verdienen – machen Journalisten nicht quasi dasselbe, wenn sie für eine Zeitung schreiben? Also sollte es doch eigentlich nicht verwerflich sein, wenn jemand mit seinem Blog Geld verdient.

    Was ohne das Internet, ohne diese ganzen Kommunikationsmöglichkeiten, die man heute hat, wäre, hab ich mich auch schon oft gefragt. Ohne das alles könnte ich mir die Welt gar nicht mehr vorstellen. Oft frage ich mich, was ich früher gemacht habe ohne Internet. Das ist schon viel zu lange her.

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