Das ganz normale Chaos

Happy Birthday Peter Steele

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peter

Am heutigen Tag wäre Peter Steele 51 geworden und seit seinem tragischen Tod hat es sich hier im Blog eingebürgert, dass ich regelmäßig etwas zu ihm und seinem Einfluss schreibe, den er auf mich und mein Musikverständnis gehabt hat. Peter Steele ist und bleibt meine musikalische Inspiration und so etwas wie eine Institution. Ich habe hier in meiner Wohnung einige Bilder hängen, die auf dem letzten Fotoshooting vor seinem Tode gemacht wurden. Ich sehe ihn also täglich auf diesen Bildern und werde an ihn erinnert.

Das erste Mal habe ich Type O Negative damals auf meinem Stammsender Viva2 gesehen. Damals eignete sich das Musikfernsehen noch sehr wohl dazu, Musik zu entdecken, die man nicht kannte. Das erste Lied, dass ich von ihnen hört war „Everything Dies“ und auch wenn das Album „World Coming Down“ nicht unbedingt das beliebteste aus der Reihe der Alben der Band war, so ist es mein Einstieg gewesen und deswegen wird es bei mir einen besonderen Platz haben.

Ich bekam das Album im gleichen Jahr im Digipak zu Weihnachten. Die CD hörte ich daraufhin rauf und runter, lernte die Texte auswendig und verschlang jeden Artikel der in den diversen Musikzeitschriften veröffentlicht wurde.  Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch kein Internet und so konnte ich natürlich auch nur das herausfinden, was ich in diesen Zeitschriften fand. Meine CD-Sammlung wurde immer größer und irgendwann konnte ich Type O Negative auch live sehen. Zur „Life is Killing me“ Tour war ich in Köln auf dem Konzert und es wurden viele alte und nur zwei neue Titel gespielt. Ich stand in der ersten Reihe und direkt vor mir mit vielleicht zwei Meter Abstand Peter Steele, der mit einer Weinflasche auf seinem Bass spielte. Es war gerade die Zeit in der Peter nicht gut zurecht war und während der Auftritte zu viel trank. In Köln waren es zwei Flaschen Rotwein in zwei Stunden. Ein Konzert nur wenige Tage vorher in der Schweiz brach er nach 45 Minuten ab. Ich war froh, ihn und die Band so lang sehen zu können.

Ich erinnere mich noch genau, wer neben der Bühne stand. Eine gelangweilte Doro Pesch starrte ins Leere und auch die damalige Sonic Seducer Tante „Medusa“ von Schattenreich, das auf onyx gesendet wurde und die ich nur wegen ihrer Haare mochte, stand da, schien sich aber nicht wirklich zu amüsieren. Das Konzert flashte mich total. Ich hatte eine Woche lang einen Tinnitus und kaufte mir ein völlig überteuertes Girlieshirt mit der Aufschrift „Pyromantic“.

Es ist alles noch so nah in meiner Erinnerung und gleichzeitig auch schon wieder 10 Jahre her. Type O habe ich seit dem immer gehört, immer geliebt und mir jede neue CD gekauft. Internet hin oder her. Viele Lieder schenken mir Trost und erinnern mich daran, wer ich war, wer ich bin und was ich alles erlebt und durchgemacht habe.

Als er starb, starb auch etwas in mir. Ich nahm ihn, die Band und die Musik immer als selbstverständlich hin. Ich verfolgte die Berichterstattung, war schockiert über seinen Verfall, den Drogen, Alkohol und Gefängnis beschleunigt hatten, runzelte die Stirn über seine plötzliche Bekenntnis zum Christentum, freute mich aber, dass er scheinbar wieder zurück ins Leben gefunden hatte. Bis die Nachricht kam. Sie kam in einer Zeit in der es mir selbst furchtbar schlecht ging und sie riss mir den Boden unter den Füßen weg.

Ich erinnere mich, dass ich an dem Tag mit einem Freund telefonierte, weinte und unglaublich am Boden war. Langsam realisiere ich, dass er wirklich weg ist. Die Alben höre ich immer noch. Ich höre auch die neuen Bands der ehemaligen Musiker von Type O, verfolge ihr Schaffen. Aber Peter wird immer fehlen. Er ist einfach nicht mehr da, wird nie wieder kommen. RIP Pete.

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  6. Carnivore nicht zu vergessen!

    Herr Steele hatte wahrscheinlich als Dahingeschiedener(von welcher Seite des Jenseits auch immer ; )) nur ein müdes Lächeln und nen verächtlichen Witz für seine trauernden Fans übrig.

    Diese Selbstironie und dieser auf die Spitze getriebene schwarze Humor gegenüber der „Szene“ und der Welt im Allgemeinen fehlt mir im stocksteifen „Underground“.

    Schade…

    „what do I gain for all my pain
    perhaps a seat in heaven?“

    • Seine Fans waren ihm schon recht wichtig. Regelmäßige Treffen hat er auch veranstaltet. Genauso war er ein Familienmensch und sensibler als alle denken. Aber es ist ja meist so, dass Menschen, die nach außen unnahbar scheinen und sich mit Witzchen abschotten im inneren unsicher sind. So Leute sind es dann auch die ihre Probleme mit Drogen kompensieren.

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  8. ich bin seit „october rust“ fan und konnte seinen tod auch nicht fassen. (eigentlich immer noch nicht). der familien-blog hat mir sehr über seinen verlust geholfen, da man endlich auch ein bißchen seine private seite kennenlernen durfte.
    ich habe TON zum ersten mal 1997 in HB und zum letzten mal 2007 in HH gesehen. das letzte konzert war ein desaster, er konnte kaum stehen, brauchte einen stuhl und die band hat das konzert nach 30 min abgebrochen. ich wusste damals schon das peter ein wirkliches problem hatte. :/

    ständig frage ich mich nach seinem tod warum das schicksal so arg zu ihm war. er hatte seine persönlichen geister bezwungen und wollte am tag nach dem 14.4.10 zurück nach NYC ziehen. tonstudio war gebucht. einfach krass.
    zudem war das datum leider auch über jahre das „fiktive hochzeitsdatum“ von mir und meinem freund gewesen und verfolgt mich sowieso. und jetzt verbinde ich den tag mit einer ganz anderen sache. 🙁

    erst recht geschockt hat mich das sein lieblingskater ebenfalls am selben tag verstorben ist. man sagt peter sei vorher sehr krank gewesen, er hätte sich seine seele aus dem leib gekotzt. er wollte aber nicht zum arzt. vielleicht war das der grund warum sein herz nicht mehr konnte. (herzmuskelentzündung?)
    mit ihm ist leider ein großer songschreiber und musiker gestorben und kein anderer wird je wieder so tolle songs schreiben und singen. peter war in seinem genre einfach einmalig 🙁

    aber ich denke er sitzt jetzt da oben und schaut hin und wieder auf uns hinab. vielleicht hockt er ja auch neben uns wenn wir wieder einmal die alten songs spielen. 🙂

    in diesem sinne: rock on!
    lg tine 🙂

  9. Welch angenehme Worte über einen großen Mann, mit großen Verstand und ein unermesslich passionierter Musiker/Komponist. Danke

    Since years of knowing Type O Negative, I havent recognized how brilliant and unique his enormous heritage really is which he left. It’s boundless!!! Now I understand his substantial contribution to music of him. Pete Steele is still real. Seriously a genius!

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