Das ganz normale Chaos

Hallo Sonne

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Die Monate sind ins Land gezogen und mein Weg, den ich nun beschreite, ist stabiler geworden. Ein kleiner Einblick in das Leben eines Menschens, der nicht mehr konnte, Hilfe schrie und gehört wurde. 

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Es ist besser geworden. Das kann ich vorab sagen. Knapp ein halbes Jahr nach meinem Zusammenbruch und auch nach meinem Hilfegesuch, ist es besser geworden. Ich will nicht sagen „Gut“, denn von Gut bin ich noch sehr weit entfernt, aber die Richtung stimmt. Aus meinem permanenten Stimmungstief sind temporäre traurige und verzweifelte Phasen geworden. Die sind da, klar, aber das heißt auch, dass es zwischendrin gute Phasen gibt. Phasen, in denen ich lachen kann, in denen ich die Augen schließe, durchatme und spüre, dass ich lebe. Das ist doch schon einmal was.

Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich vieles einfach nicht alleine kann. Ich brauche bei vielem Hilfe und es hat lange gedauert, bis ich mich dafür nicht mehr geschämt habe. Zu sagen „Ich kann das nicht, dabei brauche ich Hilfe.“ geht mir mittlerweile einfacher von den Lippen als damals, dennoch treffe ich bei einigen Leuten immer noch auf Unverständnis. „Sie sind doch nicht geistig behindert. Dann können Sie das doch auch alleine.“ hörte ich zum Beispiel auf Ämtern. Es ist schwer begreiflich zu machen, dass es mehr als geistige Behinderung gibt, die einem vom normalen Leben abhält. Aber ich halte es für Kleinstadt-Mief und die Tatsache, dass der Horizont vieler eben nur so weit reicht. So weit, Menschen in wenige grobe Kategorien einzuteilen und danach zu beurteilen – oder zu verurteilen.

Man muss sich ein dickes Fell wachsen lassen, wenn man krank ist, denn jeder – ob nun qualifiziert oder nicht, wird einem sagen, was er über den eigenen Zustand zu wissen scheint. Er will sagen was man kann und was nicht und er wird sagen, dass er weiß wie man tickt. Er wird vielleicht auch irritiert und sogar wütend sein, wenn er feststellt, dass er falsch lag. Das muss man einfach alles ertragen. Abprallen lassen. Ohren auf Durchzug stellen.  Das ist hart, aber es macht stärker, wenn man es erträgt.

Etwas anderes, das man sich verinnerlichen muss ist, dass man als kranke Frau schnell bevormundet wird. Ich weiß nicht ob das bei depressiven Männern genauso ist (ich bin ja keiner), aber ich habe ab und an das Gefühl, dass die Leute in ihrer Hilflosigkeit einfach Entscheidungen treffen ohne zu fragen, ohne Bescheid zu sagen und ohne Absprachen zu halten. Das darf man nicht mit sich machen lassen. Nie.

Und meine wichtigste Erkenntnis der letzten Monate ist – Vertraue niemandem, nicht einmal dir selbst. Sei dankbar für jede Hilfe, aber sei IMMER wachsam, sei immer kritisch. Egal wie nett  jemand ist – nur weil er nett ist, heißt es nicht, dass er dir auch Gutes will. Das hat mich vor ein paar Wochen in eine furchtbare Situation gebracht und es hat gedauert, bis ich mir das – obwohl ich nicht schuld war – wieder verzeihen konnte.

Die Richtung, die ich derzeit gehe stimmt. Mein Leben nimmt nun einen anderen Lauf, als ich mir gewünscht hätte. Einen anderen Lauf, als ich für mich gesehen habe. Aber ich bin immer noch ich und wenn ich durch diesen Weg glücklich werde, mein Leben – dieses Leben wieder lieben kann, dann ist der Weg völlig egal. Dann ist auch völlig egal, ob ich das erreiche, was ich erreichen wollte, denn kein erreichtes Ziel ist es wert, unglücklich erreicht zu werden.

Es sind die kleinen Dinge. So sagt man.

 

4 Kommentare

  1. Ja, das ist bei depressiven Männern genauso..

    Schön zu sehen, dass Du Fortschritte machst. Bleib ruhig bei kleinen Schritten und lass Dich nicht beirren.

  2. Ich wünsche dir das Beste auf dem neuen Weg und wenig Leute, die dir im Weg stehen sondern viele Menschen, die dich dabei unterstützen!

  3. ´Na wird schon hoffe ich. Und ob Depressiv oder nicht, Vertrauen ist etwas sehr fragiles was auch in meinem Leben schon oft missbraucht wurde. Wohl auch der Grund wieso ich Katzen mehr traue als Personen.

    Aber zum Glück hab ich mittlerweile jemanden an meiner Seite gefunden. Dir drücke ich die Daumen und dann klappt das auch mit der künftigen Hochzeit 🙂

    Gruß aus bochum

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