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Google entwickelt spezielle Kontaktlinse für Diabetiker – Gefahr oder Chance?

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Mit einer intelligenten Kontaktlinse steigt Google in das Medizingeschäft ein. Sie soll Diabetikern helfen, ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Sekündlich misst die Kontaktlinse über die Tränenflüssigkeit den Glukosespiegel des Trägers. Zukünftig soll sie dann mittels winziger LEDs Warnungen darstellen, sollte der Blutzuckerspiegel zu hoch oder zu niedrig sein.

Als Google im letzten Jahr die Firma Calico gründete und damit ankündigte, sie wolle das Leben der Menschen verlängern, konnte man absehen, dass Google langfristg in den medizinischen Sektor nicht nur investieren würde, sondern ebenfalls eigene Forschungen anstellt. Die Kontaktlinse ist zwar nicht für Calico entstanden sondern ein Google X Projekt, aber sie gibt eine Richtung vor.

Google Hauptanliegen war schon immer, das Leben für die Menschen zu vereinfachen. Bisher bezog sich dies allerdings auf das Internet. Viele Dinge wurden für uns einfacher gemacht. Google Maps macht es uns einfach herauszufinden wo wir sind und wie wir zu unserem Zielort kommen. Google Mail macht uns das Senden und Empfangen von Mails einfach – sortiert unseren Posteingang für uns und filter Spamnachrichten heraus. Google synct alle unsere Fotos sowohl auf unserem Computer als auch dem Smartphone mit der Cloud, sodass wir uns über Fotosicherung keine Sorgen mehr machen brauchen.

Was ist der Preis hierfür? Google kommt an unsere Daten, Google arbeitet mit unseren Daten, wertet sie aus und erstellt Profile von uns. Produkte werden auf uns zugeschnitten, dass sie unseren Bedürfnissen entsprechen. Werbung wird so gestaltet, dass sie uns anspricht und interessiert. Die Werbepartner profitieren von Google, wir profitieren von Google, Google profitiert von uns und von den Werbepartnern.

Das diese freiwillige Herausgabe von Daten auf viele beängstigend wirkt, ist nachvollziehbar. Datensammlungen können beängstigende Auswirkungen haben, vor allem wenn sie zentral zusammengeführt werden. Beängstigender finde ich jedoch die heimliche Datensammlung von der wir nichts mitbekommen und von der wir immer nur zufällig erfahren. Ich finde es beängstigend, wenn Communities Passwörter im Klartext speichern und sie in den SQL-Dateien auslesen können, wenn dadurch Admins Zugriff auf die Emailkonten ihrer Nutzer bekommen und auch auf alle anderen Dienste bei denen sie sich mit der gleichen Emailadresse und dem gleichen Passwort angemeldet haben. Diese kleinen Dinge passieren jeden Tag und überall. Das macht mir Angst – ich melde mich mittlerweile nur noch ungern in Foren anmelde, weil ich das selbst erlebt habe.

Google beschränkt sich aber nicht mehr nur auf das Internet. Mit der intelligenten Kontaktlinse will man das Leben von Diabetikern beeinflussen. Man möchte ist vor allem positiv beeinflussen und ihnen ersparen, dass sich mehrmals täglich ihren Blutzuckerspiegel messen müssen. Einige werden denken „Aber das ist doch nur ein kleiner Pieks.“ Es ist nicht nur einer, es sind mehrere. Mehrere täglich. Und da man als Diabetiker eigentlich ständig an seinem Körper herumpieksen muss, ist es nur mehr als verständlich, dass es schön wäre, das zu reduzieren.

Ich würde aber noch weitergehen. Ich würde gerne Medikamentengabe generell automatisiert haben. Wer jeden Tag das gleiche Medikament nehmen muss, wird mir zustimmen, wie nervig es ist, jedes Mal daran zu denken, es auch zu nehmen. Man kann sich Erinnerungen stellen, Zettel irgendwo hinhängen. Aber dennoch kann man Medikamente vergessen. Ich muss zum Beispiel gegen meine Allergie regelmäßig Medikamente nehmen. Ich hab den Vorteil, dass ich es merke, wenn ich sie nicht nehme. Dann sehe ich nämlich aus wie ein verschlafener Nacktmull, meine Augen jucken und brennen und meine Nase läuft als gäbe es kein Morgen mehr. Es gibt aber auch Medikamente, die keine direkte negative Auswirkung haben, wenn man sie ein- oder zweimal vergisst.

Bei der weiblichen Empfängnisverhütung ist man zu dieser Automatisierung bereits übergegangen. Es gibt Implantate bei denen man sich monatelang keine Gedanken über Empfängnisverhütung machen muss. Ob nun Hormonimplantate oder das Einsetzen der Spirale. Beides entstammt der gleichen Idee. Beides macht das Leben (wenn es keine Komplikationen gibt) einfacher.

Ich würde mir gern weniger Gedanken um Krankheiten und Medikamente machen. In Zukunft wird das sicher möglich sein und hoffentlich auch flächendeckend. wir haben so viel „smarte“ Technik und setzen sie doch nur zur Unterhaltung ein. Der Medizinsektor hat meines Erachtens sehr viel Nachholbedarf. Die kluge Kontaktlinse ist ein Anfang. Ich bin gespannt, was Google dann offiziell für Calico entwickeln wird. Vielleicht ändert es viele Leben. Vielleicht verbessert es viele Leben. Wir sollten dem Ganzen mal eine Chance geben.

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3 Kommentare

  1. „Ich würde aber noch weitergehen. Ich würde gerne Medikamentengabe generell automatisiert haben.“
    vollautomatische Medikamenteninfusionen, außerhalb des Krankenhauses…
    Damit würde Google quasi alleine bestimmen ob wir heute einmal eine Überdosis abbekommen dürfen und daran eventuell verrecken. Für mich keine so großartige Vorstellung…
    Selbst ich frage im Krankenhaus am Tropf nach den Unterlagen der Arztgehilfen für eben die Dosierung, damit ich sicher gehen kann, dass dieses Regulierungsdingens richtig „tropft“…
    Dann doch lieber einen Augmented Reality-Smartphone-Wecker, der erst ausgeht, wenn mann alle Medikamentenpackungen die man nehmen muss, mit eben der Anzahl an neuen „ausgedrückten“ Tabletten, die man eben so braucht, fotografiert hat…

    Ich sehe selbst an meiner Großmutter, wie häufig es inzwischen vorkommt, dass selbst Ärzte völlig falsche Medikamente verschreiben (ja, sogar schon mit Ohnmacht, Rettungswagen und co) – und dass vollautomatisch im Blut wäre auch für sie nicht unbedingt hilfreich.
    Ich finde ein gewisser Grad an Selbstkontrolle sollte schon da sein, und das sehe ich bei Google leider nur noch bedingt so…

    • Google würde gar nichts bestimmen. Google würde die Technik bereitstellen, die kontrolliert und dem Nutzer Feedback gibt. Eine maschinelle Automatisierung wäre fehlerfreier als eine menschliche Dosierung. Denn Menschen machen mehr Fehler als Maschinen.
      Es gibt bereits jetzt automatische Glukosemesser und automatische Insulinpumpen. Ich glaube nicht, dass es auch beides gekoppelt gibt, aber ich wüsste nichts, was dagegen sprechen sollte.
      Ich wüsste auch nicht was dagegen sprechen sollte, wenn eine Frau statt jeden Tag die Pille zu nehmen, dieses Medikament automatisiert bekommt. Nehmen würde sie es ja sowieso und sie selbst hat dann trotzdem die Kontrolle es abzusetzen wenn sie es will. Das wäre vermutlich sogar besser als ein Hormonimplantat oder eine Spirale. Sinnvoll wäre es nur bei Medikamenten die man sowieso jeden Tag nehmen muss und nicht bei kurzzeitiger Medikamentengabe.

  2. Life Sciences: das habe ich Mitte der 00er von Apple erwartet und gewünscht. Leider ist bis jetzt nichts draus geworden.

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