Das ganz normale Chaos

Angst

Ein Leben in Angst

| 40 Kommentare

Angst ist ein menschliches Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. – Wikipedia

Ich war schon immer ein Mensch, der anfällig für Ängste war. Als Kind war ich des öfteren Situationen ausgeliefert in denen ich schlimme Ängste verspürt habe. Dominante Eltern, das Gefühl dem Leben nicht gewachsen zu sein, das alles machte mich ängstlicher.

Angst ist generell kein schlimmes Gefühl, denn es beschützt uns vor Gefahren und warnt uns, Fehler zu begehen. Wenn diese Ängste sich allerdings auf Dinge des alltäglichen Lebens ausweiten, wird es problematisch.

Schon als Kind litt ich unter Panikattacken, wusste aber nie, was es damit auf sich hat. „Stell dich nicht so an“ hört man in dem Alter öfter und auch „Du bist ja nah am Wasser gebaut“ ist mir als Spruch nicht unbekannt. Damals hatte ich Angst vor der Schule, Angst vor einigen meiner Lehrer. Die Gründe hierfür waren wohl, dass ich durch meine Ängstlichkeit  nie gut Kontakte schließen konnte. Wenn man anders ist, wird man ausgeschlossen und das erlebte ich. Ich wechselte in 3 Jahren weiterführende Schule ganze 2 Mal die Schule auf die ich ging. Immer wieder stieß ich auf neue Gemeinheiten, inkompetente Lehrer, die lieber Gewalt androhten und mich beschimpften, anstatt mir zu helfen und mich zu fördern und Schüler die mit dem Lehrer in die Gemeinheiten einstimmten. Ich war zwar eine gute Schülerin, aber mit 60% Fehlzeiten riss ich damals meinen Notenschnitt auf 3,9 und bekam so gerade meinen Abschluss.

Zwischendurch hatte ich immer mal wieder Attacken, aber ich konnte ihnen so gut wie möglich aus dem Weg gehen.

Vor 3-4 Jahren wurde es dann extremer. Ich lebte allein in meiner eigenen Wohnung und war in einen Nachbarschaftsstreit verwickelt. Grund für diesen Streit:  Ich war mit 22 angeblich zu jung um allein zu wohnen und zudem hatte ich einen Freund der über Nacht blieb. Das passte meiner über 80 jährigen Nachbarin nicht.

Es folgten unzählige Beschwerden an den Vermieter, ich würde zu laut sein, Abmahnungen des Vermieters. Das alles sogar zu Zeiten in denen ich nicht zuhause war. Ich konnte mich nicht durchsetzen, ich ging sogar zum Anwalt. Alles half nichts. In meiner eigenen Wohnung traute ich mich nur auf Zehenspitzen zu gehen. Ich traute mich nicht, meine Rolläden hochzumachen aus Angst, man würde wissen, dass ich da bin und mir vorwerfen, ich würde mich nicht benehmen. Ich traute mich nicht mehr aus dem Haus zu gehen weil mir von ihr aufgelauert wurde und ans Telefon ging ich auch nicht mehr, denn dort wurde ich vom Vermieter aufs Übelste beschimpft.

Das Ganze ging ein Jahr lang. Nach dem Jahr war ich ein seelisches Wrack. Ich traute mich kaum mehr auf die Straße. Und wenn ich unterwegs war, traute ich mich nicht mehr nach Hause. War ich ein paar Tage nicht da, blühte ich auf. Musste ich wieder nach Hause, weinte ich.

Ich wollte einerseits meine Wohnung, meine Unabhängigkeit nicht aufgeben und andererseits konnte ich es nicht mehr weitermachen. Irgendwann, in einem Moment, wo ich dachte dass ich nicht mehr so weitermachen konnte, stand ich an einer Weggabelung. Entweder ausziehen der zugrunde gehen. Ich zog aus, der seelische Schmerz blieb.

Bis heute gehe ich nicht ans Telefon wenn ich nicht weiß wer es ist und wenn ich keinen Besuch erwarte bleibt bei mir auch die Tür zu. Die Leute, mit denen ich zu tun habe, wissen das und melden sich vorher an, wenn sie zu mir kommen wollen.

Wieso das Thema jetzt wieder akut ist?

Ich habe euch ja vor ein paar Tagen geschrieben, dass ich in einer gewissen Weise neu anfangen möchte. Ich brauche ein neues unbelastetes Umfeld. Am liebsten eine andere Stadt, am liebsten weit weg. Einige Städte habe ich bereits in die nähere Auswahl genommen, aber ich stehe wieder vor meinem altbekannten Problem. Aufgrund meiner Ängste will ich eigentlich gar nicht allein sein, was ein Problem ist, wenn man allein ist.

Ich überlege also hin un her, ob ich über meine Ängste eigentlich hinweg bin und ob ich es wagen soll oder ob ich einfach noch nicht so weit bin. Angst vor der Angst.

Wie fühlt sich eine Angst-/Panikattacke an?

Ich kann hier nur für mich sprechen, da ich keinen Kontakt zu anderen Angstpatienten habe, aber ich beschreibe euch wie es bei mir ist. Ich habe mehrere verschiedene Ängste, die sich verschieden äußern.

Da sind zum einen Ängste, die nach dem Auslösen durch einen Trigger von 0 auf 100 eine Todesangst hervorrufen. Ich fange an zu zittern, habe Schweißausbrüche, Herzrasen, mir ist kalt. Teilweise bekomme ich keine Luft mehr (hatte vor einigen Jahren eine Schädigung an der Lunge und bin seit dem nicht mehr so fit, was das angeht). Im Kopf kreisen Gedanken, die sich todesangsttypisch mit „Verstecken“ und „Flucht“ befassen.

Zum anderen sind da dann auch unterschwellige Ängste die ohne Trigger ständig vorhanden sind und im schlimmsten Fall in eine Panikattacke führen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ich mich in einer ungewohnten Umgebung befinde in der ich nicht alles unter Kontrolle habe. Solche Situationen meide ich so gut es geht.

Meiden ist natürlich genau das Falsche. Man sollte sich seinen Ängsten stellen und sich ihnen bewusst aussetzen. Am Besten jedoch nicht allein sondern mit jemandem zusammen, der Bescheid weiß und zur Not Händchen hält. Nur wenn man sich der Angst stellt, lernt der Verstand, dass von der Situation keine Gefahr ausgeht.

Leider sind Ängste nie die einzigen Probleme die man hat…

Das Problem ist, dass man neben seinen Ängsten ja auch immer noch weiterleben muss. Und all die kleinen Probleme die jeder in seinem Leben mit sich herumträgt kommen noch mit auf den Stapel, den man sowieso schon mit sich herumträgt. Entweder schiebt man dann seine Ängste weg, um die akuten Probleme zu bekämpfen oder es kommt alle auf einmal und dann geht nichts mehr.

Es muss weiter gehen…

Jeden Tag, Schritt für Schritt. Manchmal langsamer, manchmal schneller. Wenn man hinfällt, steht man auf und geht weiter. Man hat ja keine Wahl.

Fotoquellen:

Foto1: AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by Tarnishedrose

Foto2: AttributionNoncommercial Some rights reserved by stuant63

 

 

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40 Kommentare

  1. Pingback: TiiaAurora

  2. Pingback: Aaron Elias MacNeill

  3. Kopf hoch Kleines.

    Zum Thema Ängsten stellen: Sollte man unbedingt machen, aber niemals ohne Unterstützung.

  4. Oh man, Du arme.
    Ich drücke Dir ganz dolle die Daumen, daß Dir der Neuanfang gelingt und Du daran wachsen wirst!
    Hast Du mal daran gedacht, wegen des Themas eine Psychotherapie zu machen? Sollte auf jeden Fall helfen, denke ich.
    Ich dachte immer, Du wohnst mit Deinem Freund zusammen??

    • Die Therapien haben hier 9 Monate Vorlaufzeit. Während der Wartezeit gehts dann oftmals wieder besser dass ich nicht mehr als Notfall gelte.
      Wegen dem Wohnen. Ja, aber das genau muss sich jetzt ändern. Ich bin hier nicht mehr glücklich.

  5. Auch wenn das vtl. etwas komisch klingen mag, aber ein sehr sehr guter Artikel. Vor allem deswegen, weil ich mich darin selbst erkennen kann. Viele deiner erwähnten „Dinge“ treffen auch 100%ig auf mich zu, wie z.b. Angst die eigenen 4 Wände zu verlassen (ist schon einige Monate her).

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles gute für deinen „Neuanfang“ und will auch nicht negativ, schlechte Stimmung oder dir die Hoffnung nehmen, aber letztendlich läuft man (du) nur den eigenen Problemen davon. Hab dasselbe durchgemacht, weil ich einfach dachte – OK, neues Umfeld, neue Eindrücke, neue Menschen etc. – aber dadurch verschwinden die eigentlichen Probleme ja nicht wirklich, sondern man verschiebt diese nur etwas nach hinten.

    Zudem finde ich, das da schon sehr viel Mut dazu gehört – sich hier so klar und deutlich zu seinen „Problemen“ zu äussern ===> RESPEKT

    Und wie gesagt, ich drück Dir ganz fest die Daumen … in allen Belangen.

    • Dass die Probleme nicht verschwinden, versteh ich schon. Man kann die Psyche ja nicht ausknipsen, aber ich denke das Umfeld selbst spielt auch immer noch eine Rolle. Mein derzeitiges Umfeld bestärkt mich in meinen Ängsten und ich kommenicht vor, eher zurück. Ich sehe es als Notbremse.

  6. Panikattacken und Angstzuständen, davon kann Ich auch ein Lied singen. Auch wenn es bei Mir mit den Jahren der Therapien und Behandlungen auf Psychischer Ebene besser geworden ist, so bin Ich dennoch nicht davor gefeit das Mir sowas noch mal passiert. Denn da Ich keinerlei Medikamente nehme und auch nie nahm ist die Wirkungsweise und Vorgehensweise dabei eine gänzlich andere.

    Ich kann Dir nur empfehlen, das Du dass Ganze nicht alleine machen solltest. Hol Dir am besten professionelle Hilfe, wobei Ich empfehlen würde Ambulant mit einer Therapie anzufangen, da meiner Meinung nach diese Therapieform am nächsten an der Realität dran ist.

    Mein Leitsatz, Der Weg ist das Ziel, passt in diesem Zusammenhang auch wieder sehr gut. Denn es wird dauern, vielleicht Jahre bis Du wieder soweit bist, das Du mit diesen „Ausnahmezuständen“ soweit umgehen kannst, das Du dich selber so annehmen kann. Sofern dann nicht noch Depressionen von mittel bis schwer, wie bei Mir dazukommen ist alles im Grünen Bereich und die Aussicht auf „Genesung“ auf welche Art und Weise auch immer, gut! 🙂

  7. Ich kann dich gut verstehen mir ging es vor einem halben Jahr genauso und heute teilweise auch noch.
    Da aber alle Probleme einzigartig sind kann ich dir nicht wirklich zu etwas raten oder nicht. Dafür weiß ich auch zu wenig über dein Leben und deine Probleme.
    Generell wäre es natürlich immer ratsam sich nach einer Therapie umzuschaun. Ich weiß das es in Nürnberg eine extra Telefonnummer gibt wo man erfährt welcher Therapeut wo noch Patienten annimmt und sowas. Falls es sowas bei dir auch gibt würd ich da einfach mal anrufen(Neurologenmüssten die rausgeben).
    Ich kann mir nämlich nicht vorstellen das man einfach mal einen Patienten mit solchen Ängsten einfach mal mehrere Monate einfach so warten lässt und dann zu sagen es sei ja nichtmehr akut….
    Lösungen gibt es immer man muss sie nur finden.

    Zum Thema Umzug… ja es kann eine Flucht sein aber das kann auch wirklich helfen. Ich überlege auch im Moment ob ich umziehen soll und auch ich hab angst dann allein zu sein.
    Drum überlege ich in eine Stadt zu ziehen wo ich wenigstens ein paar Menschen „kenne“ bzw zu denen ich wenigstens über Internet guten Kontakt habe.

    Ich weiß ja nicht für welche Städte du überlegst aber ich denke auch du hast solche Menschen irgendwo die dich gerne bei sich in der Stadt hätten. (Ersetzt bestimmt nicht Familie und Freund aber vllt tut dieser Abstand auch mal sehr gut.)

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg und bin mir sicher das du es schaffst deine Ängste zu bewältigen.

    • Hallo, danke für deinen Kommentar. Ich habe bei meinem Neurologen eine Liste über alle Therapeuten der Umgebung bekommen (viele sind es leider nicht) die 9 Monate Wartezeit waren schon „runtergehandelt“ wenn man mit seiner „Empfehlung“ kommt. ansonsten dauerts noch mal gut 3-6 Monate länger. Je nachdem ob jemand „abspringt“ (ja mit diesen Gänsefüßchen bei abspringt wurde mir das gesagt).
      In der Großstadt ist das sicher einfacher, deswegen würde ich auch lieber in die Großstadt. Einfach weil da auch die ärztliche Infrastruktur besser ist.
      Ich wurde damals von meinem Neurologen mit Tabletten „überbrückt“. Das ist die gängige Praxis hier bei Notfällen. Selbst die Aufnahme in eine ambulante Therapie dauert mindestens 4 Wochen wenn man gute Kontakte hat. Denen war ich damals allerdings noch zu krank.
      Sehr leidige Geschichte wenn man sich, wenn es einem schlecht geht, mit sowas herumschlagen muss und überall abgewiesen wird.
      Tabletten nehme ich keine mehr. Sie haben mich zwar bis zu einem gewissen Grad stabilisiert, aber ich habe sie Gesundheitlich nicht so vertragen, obwohl ich schon die verträglichsten bekommen habe. Nebenwirkungen wie nächtliches Herzrasen, unglaubliche Müdigkeit usw.
      Ich muss sehen, dass ich irgendwo hinkomme, wo ich neben meinem normalen Alltag eine gewisse Betreuung bekomme, bzw eine Anlaufstelle habe, an die ich mich wenden kann, wenn ich wieder in ein Tief versacke. Da ich keine Familie habe und meine Freunde weit gesät sind, wäre es schön jemanden mit Fachkompetenz zu kennen, der einen da ein bisschen auffängt. Hier auf dem Dorf wo ich jetzt wohne sieht man das alles sehr pragmatisch. Solang einem der Arm nicht abfällt ist man auch nicht krank und Psyche ist was für neumodische Fuzzis aus der Stadt.

  8. @ricarda
    Ein wirklich eindrücklicher und sehr offener Beitrag! Ich wünsche Dir auf jedenfall alles Glück der Welt, dass Du die Angstgefühle überwinden kannst und zurück in ein „normales“ Leben findest!

  9. Hallo, was sind denn das für Assi-Nachbarn? Was geht deinen Nachbarn dein Privatleben an?! Ich hätte mir den Stress nicht angetan, sondern wäre dem Konflikt sofort aus dem Weg gegangen, d.h. ggf. halt auch umziehen. Und du selbst ziehst dein äußeres Umfeld an. Wenn du also merkst, dass es dir nicht gut tut, dann würde ich mich davon entfernen. Du tust also den richtigen Schritt!

    Und wegem allein sein… neue Stadt, neue Leute. Darüber würde ich mir gar nicht so viele Gedanken machen. Über Sport-, Sprach-, Tanzkursen etc. knüpft man schnell neue Kontakte & findet neue Freunde. 😉

    • Ja die Nachbarin war eine typische „Ich hab kein eigenes Leben, also kümmere ich mich um das der anderen“ Oma. Ich hätte es gern ignoriert, immerhin habe ich ja nichts gemacht. Aber als dann die Abmahnung und weitere Drohgebahren von seiten der Vermieter kamen, erreichte das Ganze eine Ebene die man nicht mehr ignorieren kann.
      Kontakte werd ich sicher schon irgendwie knüpfen. Ich will bevorzugt auch in eine Gegend in der ich schon einige Leute kenne. Dann fällt die Eingewöhnung nicht ganz so schwer.

  10. Oh Mann, das tut mir leid zu lesen und ich kann dir ein Stück weit nachempfinden. Ich war auch ein sehr schüchternes Kind, was allerdings auf einige einschneidende Erlebnisse zurückzuführen ist.

    Und später dann nach einem Schulwechsel ging es mir wesentlich besser und ich war keine stille Mitläuferin mehr sondern vorne dabei…quasi ein Leithammel bis es wieder kompliziert in meinem Leben wurde und ab da kenne ich leider auch Panikattacken. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht dazu schreiben, da es mir öffentlich dann doch zu privat ist. Wenn du Lust hast, aber vielleicht per E-mail…?

    Versuche, dich deinen Ängsten zu stellen und ihnen die Stirn zu bieten, aber nicht zwingend alleine…

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen!

  11. Pingback: TiiaAurora

  12. Huhu Ricarda,

    ich muss schon sagen, dass ich echt erstaunt bin, über die Offenheit, mit der Du mit dem Thema umgehst. Viele tun das ja nur anonym über ein Forum, oder ähnliches. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das nicht könnte. Dafür meinen großen Respekt.

    Für Deinen „Neuanfang“ wünsche ich Dir ebenfalls viel Glück und alles Gute und Liebe! Und vor allem bessere Nachbarn! (Meiner Erfahrung nach sind Wohnungen mit vielen jungen Leuten (Azubis, Studenten, etc.) um einiges unproblematischer. Es sind komischerweise leider immer die älteren Leute, die einem solche Probleme bereiten. Beim Besichtigen der Wohnungen vielleicht auch einfach mal die Vormieter fragen, und vielleicht auch mal mit dem ein oder anderen Nachbarn sprechen, um zu sehen, wie die so drauf sind!)

    • Hallo pygospa, danke für deinen langen Kommentar. Den anonymen Weg bin ich auch schon gegangen, aber gerade in Fachforen zu dem Thema bist du eine von vielen. Richtig verstanden habe ich mich nicht gefühlt, weil Themen wie diese da täglich in mehrfachen Ausführungen behandelt werden und man einfach nur abgefertigt wird.

      Ich sehe es bei psychischen Problemen ähnlich wie bei Süchten. Erst wenn man sich eingesteht, dass man ein Problem hat, kann man es auch angehen. Da ich Bloggerin bin, gehe ich das Problem auf meine Weise an und ganz ehrlich, das Feedback das ich bisher bekommen habe hat mich doch schon ein wenig aufgebaut und mir Mut gemacht. Dafür hat es sich gelohnt.

      Das mit den Nachbarn werde ich in Zukunft auch anders angehen. Ich hab aus dem Vorfall sehr gut gelernt.

  13. Hey du,

    krass. Ich habe lange nicht mehr etwas derart offenes gelesen und finde es sehr gut, dass du dich hier so öffnest.
    Ich kann dein Problem sehr gut verstehen. Ich hatte auch bis zur Oberstufe Probleme in der Schule. Ich war eher der „Angstschüler“ und hatte deshalb Probleme mit meinen Mitschülern und meinen Lehrern. Zum Glück neige ich eher weniger zu Panik, ich habe mich jedoch auch sehr zurückgezogen und hatte kaum soziale Kontakte.

    Dies wurde eigentlich erst besser, als ich im Studium (zum Glück) die richtigen Leute kennengelernt haben, die mir langfristig genug Selbstbewusstsein gegeben haben um über meine Probleme hinweg zu kommen.

    Wenn du willst kann ich mich noch ein wenig nach einem geeigneten Therapeuten für dich umhören. Eine sehr gute Freundin von mir ist Psychologin und die kennt sich gerade mit Angsttherapie ziemlich gut aus.

    Meiner Erfahrung nach kann ein Tapetenwechsel übrigens wirklich gut helfen. Mich hat es zumindest ziemlich weiter gebracht damals.

    Oh und noch ein Angebot(auch wenn ich dich ja eigentlich nicht kenne ^^) ;-). Solltest du irgendwo in die Nähe von Münster ziehen würde ich dich dir anbieten dich ein bisschen an die Hand zu nehmen um soziale Kontakte zu pflegen. Ich habe genug Freunde hier.

    Schöne Grüße
    Johannes

    • Hallo Johnannes,
      danke für dein Angebot. Münster ist mir ein bisschen zu nah an meinem alten Umfeld. Viele meiner damaligen Mitschüler leben jetzt da. Danke auch für das Angebot wegen dem Therapeuten. Da ich aber noch nicht weiß wo es mich hinziehen wird, ist es sicher schwierig vorab Prognosen zu machen. Vielleicht weiß sie aber sonst Tipps. Danke.

      • Hey du,

        klar kann ich verstehen :-). Ich frage sie mal, sie ist jedoch gerade „erst“ in der therapeutischen Ausbildung.
        Ich persönlich denke, dass es allgemein wichtig ist, dass du an dem Ort, an den du ziehst mindestens eine Person(besser 2-3) hast, der du Vertraust und die dich unterstützen kann.

        Ich wünsche dir auf jeden Fall alles, alles gute.

        Gruß
        Johannes

  14. Liebe Ricarda,

    ich kann so unglaublich gut verstehen was Du schreibst, da ich mich in vielen Punkten wieder erkannt habe. Ich hab so viel Angst in meinem Leben gehabt, dass ich irgendwann formuliert habe: „Ich bin ein einziges Angstbündel“. Und ich weiß wie schrecklich es ist, wenn man sich so akut schlecht fühlt und keine Hilfe in Sicht ist. Hinzu kommt dann ja immer noch, dass man sich eh schon so klein und unfähig fühlt, und dann auch noch Schritte zur Veränderung zu gehen, erscheint einem dann manchmal unüberwindlich.
    Die gute Nachricht ist: es gibt Wege, es gibt Möglichkeiten und es gibt Heilung. Das ist das wichtigste: hier will etwas dringend in Dir geheilt werden, das deshalb so tief rumort und sich in Schmerzen und Angst äußert. Ich selbst fand in einer Zeit, in der es mir gerade mal nicht akut schlecht geht einen Einstieg in den Weg der Heilung,der immer verbunden ist mit dem „Sich-Selbst-Erkennen“. Ein Freund brachte mich damals dazu eine erste tiefenpsycholgische Gesprächstherapie zu machen. Dies half mir bereits sehr. Mein Weg führte mich später, als mir dieser Ansatz nicht mehr reichte, zu einer wunderbaren Gestalttherapeutin. Diese Therapie wurde mir nicht von der Kasse bezahlt, aber es hat sich mehr als gelohnt, das Geld zu investieren. Und ich habe nie einen Pfennig oder Cent bereut. Heute geht es mir so gut, wie noch nie in meinem Leben. Ich mache selbst eine Ausbildung zur Atemtherapeutin, um andere auf ihrem Weg zu unterstützen und zu begleiten. Und auch hier lerne ich immer wieder neues über mich.
    Mein Leben ist nicht nur angstärmer geworden, sondern um so vieles reicher, schöner, bunter und strahlender.
    Und so hat mich mein „Leiden“, das mich ursprünglich so behinderte, zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben verholfen. Das ist die große Chance am Leid!
    Ich hoffe, diese Worte können Dir etwas Mut machen. Wenn Du Fragen hast, Du weißt ja, wie Du mich erreichen kannst. Sowohl bei Twitter, als auch auf meinem Blog.

    Ich denke an Dich und sende Dir eine herzliche Umarmung

    Thalestria

  15. Ich weiß ganz genau wovon du schreibst und fühle mit dir – denn auch ich bin seit Jahren Angstpatientin – mein „Steckenpferd“: Sozialphobie.

    Wie man das löst, kann ich dir nicht sagen – sonst hätte ich mir wohl schon lange selbst geholfen und obwohl ich seit längerem in Therapie bin, kann diese mich zwar unterstützen, aber nicht die Angst lösen…

    Es beruhigt mich etwas, zu lesen, dass es auch anderen so geht wie mir.

  16. Pingback: angststoerung

  17. Ich drück die und du weißt ich bin immer für dich da!

  18. Hallo Ricarda,

    ich bin gerade ziemlich geplättet, da ich nicht damit gerechnet habe und dir sagen möchte, dass ich auch Angstpatientin bin. Keine Ahnung ob du mein privates Blog verfolgst, aber ich schreibe dort sehr oft über meine Erkrankung und weiss daher wie schwer dieser Schritt für dich gewesen sein muss dies hier anzusprechen.

    Eigentlich bin ich immer noch etwas sprachlos und finde keine passenden Worte, verzeih‘.

    http://pseudoerbse.wordpress.com/2010/02/13/sopho-der-versuch-einer-erklarung/

    Erbse

  19. Hallo Ricarda,

    eigentlich wurde in den Kommentaren schon alles gesagt. Du bist mit Deiner Angst / Panik nicht alleine. Und obwohl dies als Krankheit und als Störung bezeichnet wird, ist es doch viel mehr: Deine Seele ruft Dich. Damit Du Dich mit Dir selber auseinanderzusetzen und Dich neu kennenzulernen kannst.Die Angst wird Dich viel näher zu Dir führen. Es ist eine große Chance, und Du wirst daran wachsen…

    Einen ganz lieben Gruß

    Der Erdrandbewohner

  20. Pingback: Angst und Panik « Tariaswen's Blog

  21. Eigentlich wollte ich hier einen etwas längeren Kommentar schreiben – aber in den übrigens Kommentaren wurde schon ziemlich alles abgehandelt. Super Geschrieben (auch wenn das in dem Kontext sehr zynisch klingt) und: Respekt dafür das du durchhältst und durchgehalten hast ohne aufzugeben, Respekt dafür das du es „veröffentlichst“ und vorallem Respekt dafür das du dich traust einen Neuanfang anzufangen (: Ich wünsche dir alles Gute und glaub an dich!
    Ich weiß natürlich nicht wie genau es für dich ist aber ich bin überzeugt das man auch das in den Griff bekommen kann es definitiv besser wird! Ich hab Borderline, ich versteh dich und kann nur sagen: Kopf hoch! (:
    …und sympatisch bist du auf jedenfall

  22. Ich kenne mich nur bedingt mit Ängsten aus und bin selbst davon nur ein paar Mal richtig betroffen gewesen, so dass ich mich nicht mehr aus dem Haus traute (Angst ich muss unterwegs aufs Klo). So kann ich das alles leider nicht ganz so nachvollziehen wie mir lieb ist. Ich habe aber auch schon mal eine dicke Therapie in einer Klinik hinter mir und damals wurde mir auch geraten, das Umfeld zu ändern. Ich denke, dass dies ein äußerst wichtiger Punkt ist.
    Sollte es Dich in meine Nähe verschlagen, dann kann ich Dir sagen, dass ich für Dich da bin, falls Du einen alten Hasen wie mich persönlich überhaupt ertragen kannst 🙂

  23. Oha, Leidensgenossin :-/.
    Ich kenne nur zu gut was du da beschreibst. Besonders dieses flüchten wollen,mir geht es ganz genau so. Ich stehe durch diese lange Angstphase ziemlich alleine da, und möchte so gerne neue Leute kennen lernen die ohne vorurteile an mich ran gehen. Das ist gar nicht so einfach…
    Ich finde es immer wieder überraschend und traurig wie viele von so starken Ängsten betroffen sind …

  24. Hallo Ricarda,

    helfen ist oftmals nicht so leicht, versuche einmal folgendes.

    Helle Dich auf sowohl innerlich als auch äußerlich. Auch wenn es gar nicht Deinem Naturell entspricht, es ist nur temporär, bis es Dir besser geht.

    Kleide Dich hell, in freundlichen Stoffen, gerne weiß mit Blümchen darauf. Lächle alle Leute an denen Du begegnest, auch diese kranken Idioten,die Dich drangsalieren. Sie werden die Welt nicht mehr verstehen. Lies Bücher die eine lustige, aufhellende Handlung haben, schaue auch solche Filme an. Male Sonnenbilder, lass die Sonne lachen, wie auf Bildern, die von Kindern gemalt wurden.

    Jetzt möchte ich Dich etwas lesen lassen, ich habe es für meinem jüngsten Sohn geschrieben und für eine Freundin. Es hat ihnen geholfen, beide waren in einer ähnlichen Situation wie Du.

    Lerne LOS zulassen.

    Lerne zu sein wie eine Wolke, die durch die Ansammlung winziger Wassertropfen entsteht. Stelle Dir vor Du wirst schweben, leicht und schwerelos. Wirst eine Reise um die Erde antreten, die Du aber nicht vollenden kannst. Hab keine Angst, es ist gut so.

    Je länger Du als Wolke unterwegs bist werden die Wassertropfen größer und schwerer. Es sind Deine Sorgen und Ängste. Du willst Sie nicht loslassen, kannst sie aber nicht mehr halten, sie Folgen jetzt den Gesetzen der Natur. Während sie zu Boden fallen reinigen Sie die sauerstoffreichen Schichten unserer Atmosphäre.

    Lass los, lass die Tropfen abregnen, so wie es Dir als Wolke vorbestimmt ist.

    Jetzt kannst auch Du Dich fallen lassen. Lasse los.

    So wie die Wolke, wirst auch Du in deinem Leben – loslassen können. Loslassen vom Alltag, in tiefe Entspannung sinken, in eine beruhigende Stille hinein hören, „Eins mit allem Guten“ werden, Situationen wahrnehmen, aber nicht mehr wie zuvor. Probleme und Ängste gibt es nicht mehr, es sind nur Wassertropfen, die tropf, tropf, tropf von Dir abfallen, und dabei Deine innere, Deine geistige Atmosphäre reinigen.

    Wenn Du mich verstanden hast, wirst Du jetzt einen großen Schritt in ein besseres Leben machen. Du wirst neue Wege beschreiten, alles wird Dir mühelos gelingen. Lass einfach los, lächle fortan alle Menschen an die Dir begegnen. Sammle etwas Erfahrung mit dem neuen Weg.

    Dann berichte wie es Dir in Deinem neuen Leben ergeht. Blogge nur noch die positiven Erlebnisse, alles andere lass fallen.

    Versuche diese Bilder im Geiste zu malen, am beste in der Einschlafphase, dann wirst Du sie verinnerlichen. Du programmierst Dich dadurch um, zu einem glücklichen Menschen.

    Liebe Grüße, vom dicken, alten Mann. ;O) Der alles andere ist als ein Esoteriker.

  25. Pingback: Auf der Suche nach Glück (oder etwas, was dem schon sehr nahe kommt) | Das ganz normale Chaos

  26. Hallo Ricarda!
    Da ich den Artikel jetzt nur durch Deinen Tweet gefunden habe… Ich lese ja sehr oft bei Dir!
    Ich kann Dich total gut verstehen, ich wußte ja nicht das Du das auch hast! Ich leide seit ca.20.Jahren an Panikattacken! Heuer im April hat es mich dann für 3.Wochen total umgehaut! Seitdem mache ich auch allerlei Therapien und bin in Behandlung! Ich kann Dich echt gut verstehen und kenn auch diese Gefühle… Fühl Dich mal lieb gedrückt!

  27. Ich kann mich mit dem Text 100% identifizieren. Vo 1 1/2 Jahren habe ich immer mal wieder aus heiterem Himmel Panickattacken bekommen. Nebenbei, auch wenn ich eigentlich ganz ruhig war, hatte ich andauernd körperliche Beschwerden wie Schwindel,Atemnot, Herzrasen und Bluthochdruck. Die Ärzte haben nie eine Ursache für diese Symptome gefunden und seitdem habe ich schreckliche Angst, dass ich todkrank bin. Ich kann nicht mehr raus und einkaufen , weil ich angst habe, durch das lange Stehen umzukippen und habe ständig Angst, in der Öffentlichkeit eine Panikattacke zu bekommen. Ich kann mit niemandem darüber reden und kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Dein Text beschreibt exakt, wie ich mich fühle und es macht die ganze Sache ein wenig leichter zu lesen dass es anderen genauso geht. Wirklich vielen Dank für deinen wundervollen Text. Und alles Gute für die Zukunft! 🙂

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