Das ganz normale Chaos

Spring in Soest_o

Ein bisschen Real Life? Nein, danke. Ich vertrag das nicht.

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Es gehen mir wieder viel zu viele Gedanken durch den Kopf und da er zu klein für alle ist, miste ich mal aus und mache ein bisschen Platz. Mein Leben ist gerade völlig im Umschwung. Ich habe einen arbeitsreichen Job, Freunde, eine Beziehung und eben noch mein eigenes alleiniges Leben für mich. Irgendwie will das alles organisiert werden und ich frage mich „Wie macht ihr das, ohne dass euer Tag 48h hat oder will ich einfach nur zu viel?“

Ich muss bald umziehen. Meine Vermieter haben Eigenbedarf angemeldet und da bin ich ihnen nicht böse drum, weil ich ihre Situation verstehe. Für mich ist das allerdings gelinde gesagt… scheiße. Neben all dem, was in meinem Leben wie ein sensibler Kreislauf mit vielen Zahnrädchen irgendwie funktioniert (oft mehr schlecht als recht) muss ich jetzt allein eine Wohnungssuche und einen Umzug organisieren. Allein beim Gedanken daran, sowas ALLEIN mit meinen Angststörungen hinzubekommen, könnte ich schon wieder heulen. Versteht mich nicht falsch. Ich will schon seit Jahren hier weg, wer mein Blog verfolgt kennt meine gescheiterten Pläne. Aber jetzt ist ein „Du musst weg“ im Hintergrund und der Gedanke macht mir Panik.

Ich bin noch nie allein umgezogen. Ich habe keinen Führerschein und in der Umgebung auch nicht viele Leute, die ich gut genug kennen würde, dass sie mir helfen. Die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig. Die Mieten sind seit meinem letzten Umzug gestiegen. Das mir zur Verfügung stehende Geld leider nicht. Und wo will ich eigentlich hin? Da wo mein Herz ist oder da wo es für mich praktisch wäre. Es sind so viele Gedanken, die in meinem Kopf herumschweben. Ich befinde mich in einem Organisationschaos und ich habe tierische Angst.

Ich habe nicht Angst davor weg zu sein. Wenn ich könnte, würde ich mit den Fingern schnipsen und dann in der neuen Wohnung sitzen und alles wäre gut. Das passiert aber nicht. Nur im Film. Ich habe auch festgestellt, dass wenn man allein eine Wohnung sucht – gerade als Frau – die Leute ziemlich abweisend sind. Meine letzten Umzüge waren immer „Paar“-Umzüge. Das lief immer super. Jetzt bekomme ich Absagen mit „Naja für eine Frau allein ist die Wohnung eher nichts. Wir hätten lieber ein nettes Paar.“

Ich habe mir jetzt eine Liste gemacht, was ich in welcher Reihenfolge erledigen muss. Immer wieder sind große Steinbrocken im Weg, die den Ablauf der Liste unterbrechen. Also habe ich mir verschiedene Themenbereiche gemacht, die ich erledigen muss. Aber auch da sind diese Steine im Weg.

Und dann habe ich auch Angst vorm Alleinsein. Und das ist eigentlich der allergrößte Unsinn überhaupt, denn einsamer als in diesem Dorf kann man nicht sein, aber das ist wie so eine selbstzerstörerische Beziehung aus der man raus möchte aber dann doch nicht, aus Angst dass sich was ändert. In mir überwiegt zum Glück das raus wollen. Ich will weg vom Land. Ich will wieder in die Stadt. In einen Ort mit Bahnhof und Nahverkehr. Einem Ort, wo man am Wochenende spät überall noch schnell ein Eis kaufen kann. Aber eher bekomme ich einen Pulitzer als eine neue Wohnung.

Eigentlich wäre alles besser, nur der Weg dorthin nicht. Jeder meiner Umzüge war eine Zerreissprobe. Dazu kommt – und das kommt mir gerade in den Kopf – ist meine komplette Einrichtung damals von meinen Umzugshelfern hinter meinem Rücken entsorgt worden. Ich habe keine Küche mit Elektrogeräten mehr. Das müsste ich alles neu anschaffen. Wovon… Und wieder kommt es innerlich in mir hoch.

Kennt ihr das, wenn so viele Gedanken und Gefühle in euch hochkochen, dass ihr völlig gelähmt seid? Und alle prügeln sie auf euch ein und wollen als erstes beachtet werden. Ich hätte gerade irgendwie gern einen Masterplan. Hab ich aber nicht. Jetzt muss ich eben improvisieren.

 

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9 Kommentare

  1. Wieso musst Du den Umzug alleine bewältigen? Du schreibst doch selbst, Du bist in einer Beziehung? Und vielleicht wäre das jetzt ja auch der Anlass über ein Zusammenziehen nachzudenken. Aber zumindest denke ich nicht, dass Du da alleine davor sitzt, gib Deinem Freund doch eine Chance Dir zu helfen 😉

    • Er wohnt nicht in Deutschland und ist an seinen Standort gebunden. Er unterstützt mich mental so viel er kann. Zusammenziehen wäre mir nach der Zeit jetzt viel zu früh. So lang sind wir noch nicht zusammen.

  2. Komm nach Hamburg, hier sind tolle Menschen!

  3. Hi, Ricarda.

    Bin ich froh, dass ICH nicht umziehen muss, weil, ernsthaft, umziehen ist scheiße. Der erste Gedanke hinterher war bisher immer „FUCK, wenn ich DAS vorher gewusst hätte …“

    Ja, Mut machen kann ich gut, oder?

    Aber mal ernsthaft, ich hab da ein paar Sachen für Dich, dir mir über meine Umzüge geholfen haben. Also pass‘ auf:

    1.: Die Küche
    Du hast keine Küche? Ein Problem weniger, dann musst Du nämlich auch keine Küche mitschleppen! Miete Dir eine Wohnung, wo die Küche schon drin ist. Das gibt’s häufiger, hatte ich auch schon drei von. Und ein weiterer Vorteil ist: Wenn Dir der Kühlschrank verreckt, kauft Dein Vermieter Dir einen neuen, echt!
    Falls Du keine Bleibe mit Küche drin findest, musst Du Kühlschrank und Herd kaufen. Ich kenne jetzt Deine finanzielle Situation nicht, aber Küchengeräte gibt’s auch gebraucht, und die Kosten nicht die Welt. Und wenn Du Dir das erste halbe Jahr mit ’ner Doppelkochplatte behilfst – Du wirst nicht verhungern.

    2: Schmeiß ALLES weg!
    Das ist der absolut wichtigste Tipp! Schmeiß ALLES weg (was Du nicht mehr brauchst)! Und fang heute damit an! Dieser Tipp hat mir bei unserem letzten Umzug das Leben gerettet. Was wir allein an Klamotten ausgemistet haben, war unbefuckinglivable. Ich hab sämtliche Altkleiderkontainer der Umgebung vollgestopft und der Pförtner der örtliche Müllkippe hat nur noch gelacht, wenn ich schon wieder mit einem total vollgestopften Auto angekommen bin.
    Dabei gilt die einfache Regel: Wenn Du nicht genau weißt, ob Du einen Pullover / ein Regal / den Teppich wegschmeißen sollst, dann schmieß ihn / es / ihn weg!
    Wenn Du kein Auto hast, dann melde Spermüll an. Und besorg Dir ein paar stabile blaue Müllsäcke und werde den Kleinkram nach und nach über den Hausmüll los. Und denk dran: Wenn Du dann Kisten schleppst, freust Du Dich über jedes Teil, das weg ist.
    Und falls Du ein echt harter Hund bist, dann schmeiß auch ein paar Bücher weg. Ich habe das beim letzten Umzug nicht übers Herz gebracht – und dann wieder gemerkt, wie schwer Papier ist. Außerdem stehen seit einem Jahr 15 mittelgroße Umzugskartons in unserem Keller, alle voll mit Büchern, die ich bisher nicht vermisst habe (allerdings gehe ich manchmal in den Keller und stöbere in den Kisten …)

    3. Überhaupt, Bücher …
    Bücher sind schwer, das heißt, Du musst mischen, wenn Du Umzugskisten packst: Je nach dem, wieviel Kraft Du hast, 2 bis 3 Lagen Bücher und dann Pullover. Eine Kiste voller Bücher bekommst Du nicht vom Fleck – ich spreche da aus Erfahrung.

    4. Keine Freunde, die helfen? Dann kauf‘ Dir Freunde!
    Wir haben schon öfters Umzugshelfer angeheuert. Wir hatten nämlich meist auch keine Helfer aus dem Belanntenkreis, und einmal war meine Frau auch noch schwanger … Drei Mann und ich haben das dann immer irgenwie geschafft. Beim letzten mal waren unsere Umzugshelfer übrigens ziemlich, äh, cool: Drei Motoradrocker mit einem 40 Jahre alten Hannomag AL28 mit Wohkoffer hinten drauf. Vollgeladen ist der auf der Autobahn exakt 60 km/h gelaufen. Die Jungs waren echt nett.
    Umzugshelfer-Protipp: Sieh zu, dass Du in Deiner neuen Bude vor dem Hochschleppen eine Ladung belegte Brötchen und Kaffee oder so am Start hast. Die Jungs werden Dich lieben! Die Umzugshelfer haben wir über ein lokales Studentenmagazin aufgetrieben, und wie wir das dann mit der Rechnung gemacht haben, weiß ich im Nachinein gar nicht mehr …
    Und ja: Umzugshelfer wollen Geld. Das ist aber gut angelegt. Und sei nicht knauserig, die Jungs haben’s meist auch nicht so dicke, sonst würden die nicht anderleuts Möbel schleppen.

    5. Wohin denn überhaupt?!
    Das musst Du schon selber wissen. Wenn Du Dich entschieden hast, musst Du rausbekommen, was die örtlichen Anzeigen- oder Käseblätter sind, da findest Du nämlich mehr Wohnungsanzeigen als in der Tageszeitung. In Unistädten sind die örtlichen Studentenzeitungen auch eine gute Quelle für Wohnungsanzeigen. Oder Du schaust mal in dieses Internet, da steht ja manchmal auch was interessantes drin. Und über Twitter solltest Du auch einiges rausbekommen.

    6. Ja, aber, ach … das ist alles so kacke …
    Ich weiß. Und ich verstehe Dich. Ich habe nämlich das Glück, eine endogene Depression abbekommen zu haben, und ich kenne ich das, wenn man Angst hat vor … äh, allem / dem Leben / blahblubb / ach ‚Scheiße. Das mach die Sache nicht wirklich leichter, und auf besonders viel Verständnis kann man da auch nicht hoffen.
    Da ich Dich persönlich nicht kenne, kann ich Dir eigentlich auch keinen Rat geben. Ich habe mir angewöhnt, einfach weiter zu machen, auch wenn es schlimm wird. Irgendwann verzieht sich meine Depression dann meist beleidigt in eine Ecke und nörgelt dann nur noch aus dem Hintergrund.
    Mir hilft es immer am besten, wenn ich mich auf die sachlichen Aspekte konzentriere, und ansonsten versuche ich es mit Rage Against the Machine zu halten: Fuck you, I won’t do what you tell me.

    7. Und wenn ich dann da ganz alleine bin?
    Lass es auf Dich zukommen. Was willst Du sonst machen?

    Hmmm, bisschen lang geworden das alles …

    Ich wünsch‘ Dir jedenfalls alles Gute. Außerdem weiß ich, dass Du das hinbekommen wirst, also: Kopf hoch.

    LG
    Hanno.

  4. Ich hab mir für meinen letzten Umzug übers Internet ein günstiges Umzugsunternehmen gesucht. Das war die Beste Idee überhaupt, auch gar nicht mal so teuer. Kein Klinkenputen bei Freunden, Führerschein oder eigene körperliche Tätigkeit notwendig.
    Allerdings ist innerhalb von Berlin umziehen (preislich) noch mal ne andere Sache als zwischen verschiedenen Städten…

  5. Ja, ich habe deine Situation aufmerksam gelesen. Ich weiß, dass es einen Haufen Menschen gibt, die ein ähnliches reales Leben vollziehen müssen. Nun, das ist allerdings keine Hilfe dies festzustellen…

    Ich will dir geren dazu schreiben, auch weil mich deine Geschichte wirklich berührt. Ob ich dir helfen kann ist nicht sicher aber ein Versuch ist es wert.

    Gedanken werden dir immer wieder durch den Kopf gehen. Das ist doch eine wirklich positive Angelegenheit. Es gibt einige Menschen die ständig über alles nachdenken, andere denken fast überhaupt nicht.
    Der Vorteil des Nach- oder Vordenkens ist doch, dass man sich um sein Leben kümmert… die Frage ist nur wie das ordnen??…ohne ein ständiges Chaos zu haben.

    Meine Hilfe ist, erstelle dir eine Mindmap (Gehirnmappe). Eine Mindmap dient verschiedenen Zwecken die Gedankenwelt oder Ideen zu kanalisieren. Das wichtige dabei ist diese Gedanken aufzuschreiben ein Stichwort — mit einem zugeordneten Stichwort verbinden und somit ein Netz Deiner Gedanken bildhaft darzustellen.
    Du kannst erkennen, wenn das alles soweit aufgeschrieben ist, wie schnell sich deine Gedankenwelt beruhigen kann. Du hast nicht mehr alles im Kopf herumschwirren sondern es steht dokumentiert auf Papier.

    Du kannst für alle deine Probleme eine solche Mindmap erstellen. Dies hilft wirklich auch Probleme zu überblicken. Indem du aus deiner Aufzeichnung einzelne Punkte herausliest und versuchst sie zu lösen verlierst du aber nicht den gesamten Überblick. Das ist ein Vorteil sich auch beruhigen zu können.

    Du bist ja schon auf dem Weg dahin. Mit deiner Liste… nun verbinde noch die zu erledigenden Punkte die zusammengehören und löse eben Punkt für Punkt… ja, ehrlich manche Probleme sind nicht sofort lösbar, manche erledigen sich von alleine und manche bedürfen einer intensiveren Beschäftigung.

    Du kannst mir glauben es gibt viele Menschen die vor einem Dilemma von Chaos und unlösbarem stehen und sie kommen auch durchs Leben. Sprich mit deinen Vermietern über eine Verlängerung damit die Suche nicht zu stressig wird.

    Einsamkeit ist Dein persönliches Empfinden. Du kannst in einer Massenmenge Menschen einsam sein, aber auch unter Freunden. Suche dir einen Haltepunkt der dir ein Einsamkeitsgefühl überbrücken hilft. Das kann zB. das Denken an ein Tier, Katze, Hund, Elefant oder an ein Musikinstrument oder auch an bestimmte Situationen sein. Dieses Denken überlagert dein Einsamkeitsgefühl. Du unternimmst etwas mit diesem Haltepunkt und stellst dir Abenteuer vor oder Geschichten. Es wird nicht so mal eben funktionieren.

    Jeder der auf dich einprügelt wird erkennen müssen wie sehr du dich durch die Struktur deiner „Mindmap“ organisert hast. Es gibt kein persönliches Thema welches dir aus den Händen gleitet. Du kannst jedem Prügelnden sagen, ja, ich habe deine Anmerkung aufgenommen und werde es bei Lösung von Problem A und B und C auch in Angriff nehmen.

    Doch, das Leben hat etwas Reizvolles, es ist schön und auch nicht… aber das Schöne hat eine Kraft die alles andere vergessen lässt. Ja, nur ein Tipp…

    Ich mache das mit einem prima einfachen MindMap Programm und es hat mir schon absolut gut geholfen…

    Liebe Grüsse

  6. Schätzchen Du hast Dich dort eingelebt. Ich kenne das. Für uns steht in drei Monate auch ein Umzug an. Da weiß man nicht, was man zuerst und zuletzt machen soll. Dazu der Zeitdruck. Freunde wären jetzt gut. Echte Freunde. Hast Du aber wahrscheinlich nicht, sonst hättest Du Dir den Text da oben sparen können.

    Mein Rat:

    1.) Kleine 2 Zim. Wohnung finden. (… immer im Arbeitsumfeld umziehen) Das ist in der Tat schwierig. Zumal kleine Wohnungen in Deiner Umgebung Mangelware sind. Kleiner Tipp: Eine männliche Person bei einer Wohnungsbesichtigung mitnehmen, und diesen als Verlobten vorstellen. (… is krass, wa?)

    2.) Einen Auftrag bei einer Umzugsauktion einstellen. (3 Kostenvoranschläge zuschicken lassen) Mit blauarbeit.de z.B. habe ich gute Erfahrungen gemacht. Sprich, eine Menge Geld gespart. Aber stets ein gesundes Maß an Skepsis mitbringen, wenn Umzugsunternehmen Aufträge zu Dumpingpreisen ausführen wollen.

    3.) Mit dem Arbeitgeber sprechen, ist auch eine gute Idee!

    4.) Mehr kann ich nicht. Habe Krämpfe vom tippen in den Fingern. 🙂

    Grüßchen, Kopf hoch und die Augen geradeaus
    Elli

  7. Ich verstehe dich, denk an dich und wünsch dir dafür ganz viel Kraft.

  8. umzugshelfer, die einem die einrichtung mal eben entsorgen?! sachen gibts, die gibts garnicht. kann ich garnicht schreiben, was mir dazu so einfällt.

    zu vielen deiner probleme kann ich nichts sagen, nur soviel: ganz egal wohin, die wohnung muss passen. klingt vielleicht offensichtlich aber man landet schnell in einer bude, aus der man objektiv gesehen gleich wieder ausziehen müsste. also in ruhe wohnungs-gucken, nach mängeln suchen und keine krampfhaften entscheidungen treffen. vielleicht findet sich ja auch wieder etwas, mit küche, ggf mit geringer übernahme.

    ich wünsche dir auf jeden fall viel erfolg und in diesem fall auch glück, etwas passendes zu finden. wenn man genug sucht, findet man nach längerer suche auch mal genau das, was man gerade bräuchte.

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