Das ganz normale Chaos

Ich

Dinge ändern sich für mich

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Dies wird wieder ein nachdenklicher Artikel zu meiner aktuellen Situation des Abnehmens. Jeder, der einmal übergewichtig war, kann bestätigen, dass zusätzliche Kilos eigentlich bei allem was man machen will, lästig sind. Sie verursachen Schmerzen in den Gelenken, auch in den Knochen, sie ermüden und vor allem sind sie im Weg.

Meine Waage zeigte heute morgen eine Gesamtabnahme von 6,5kg und diese Kilos weniger machen sich bei mir bemerkbar. Ich fühle mich wieder beweglicher, agiler und habe mehr Spaß an Bewegung, auch wenn ich es immer noch sehr anstrengend finde. Dass mir meine Klamotten, auch meine heißgeliebten Jeans, immer größter werden freut mich. Denn ihnen werden dann irgendwann knackige Klamotten folgen. Erst recht im Sommer.

Man kann sagen, das Lebensgefühl verbessert sich enorm. Auch wenn 6,5kg noch nicht viel sind, sie tun mir gut, sie tun meinem Ego gut und sie zeigen mir, dass ich Dinge erreichen kann, wenn ich nur stark genug an mir arbeite.

In meiner Ernährungslaufbahn habe ich viele Menschen getroffen und mit ihnen über Essen und Essweisen geredet. Kaum einer ist mit sich zufrieden. Allerdings möchte auch kaum einer etwas dagegen tun. Einige fangen an, melden sich im Fitnessstudio an, essen vielleicht eine oder zwei Wochen gesund und verfallen dann in alte Muster. Woran liegt das? Ich glaube es liegt am fehlenden „Klick“. Irgendwann kommt man in seinem Leben an einen Punkt, wo kein „ABER“ mehr groß genug sein kann, dass es einer Änderung der Ernährung und Lebensweise im Wege stehen könnte. Das können einzelne Situationen sein aber auch das Ende einer langen Leidensperiode.

Bei mir machte es, wie bei vielen erst dann Klick, wenn man sich selbst so sieht, wie andere einen sehen. Auf Fotos. Noch schlimmer dann wenn man auf die Fotos angesprochen wird und Leute die ersten Witze reißen. Irgendwann fallen die Sprüche „Du siehst irgendwie aufgedunsen aus“ oder „Du hast auch mal besser ausgesehen“.

Die Meinung anderer sollte natürlich immer der letzte Grund sein, wieso man an sich arbeitet. Es muss der eigene Wille sein, der einen antreibt, denn sonst hält man es nicht durch. Aber trotzdem können sowas „Klick“ Situationen sein, in denen man anfängt über sich selbst nachzudenken und das unvermeidliche zu Akzeptieren. „Da ist was schief gelaufen und nun machen wir es wieder gut.“

Was mich oft stört, ist der Dialog, der in der Öffentlichkeit geführt wird. Es gibt die „Dickenseite“ wo sich dauernd verteidigt wird, wieso man dick sei und dass es ja auch Vorteile habe, gleichzeitig werden die Dünnen nieder gemacht. Und dann gibt es die „Dünnenseite“ wo Dicke als faul und eklig bezeichnet werden und dünn mit schön und erfolgreich gleichgesetzt wird.

Beide Seiten nerven mich gewaltig. Ich sage ich auch wieso. Ich kenne beide Seiten. Ich war einmal extrem dünn und dann für meine Verhältnisse recht übergewichtig (Ihr erinnert euch sicher an meine damaligen Abnehmartikel).

Ich hatte als Teenie und als junge Erwachsene mit 18, 19 das, was andere eine Traumfigur nennen würden. Ich wog bei 1,68 ungefähr 55kg, trieb Sport, soweit ich Zeit fand, konnte essen was ich wollte und machte mir nie Gedanken darüber wie ein anderes Leben wäre. Ich war wirklich dünn, nicht dürr aber dünn. Ging es mir aber mit dem Gewicht gut? Wenn ich länger saß, drückten sich meine Knochen bis durch den Stuhl. Sitzen, länger als 30 Minuten bereitete mir Schmerzen. Ich hatte nicht selten Kreislaufprobleme. Ich aß nicht richtig, weil ich mir nie drüber Gedanken machen musste.

Jetzt wiege ich deutlich mehr. Und gehts mir damit gut? Nein auch nicht. Ich habe Schmerzen, bin nicht gut belastbar und generell schadet Übergewicht dem Selbstwertgefühl, wenn man nicht übergewichtig sein will.

Ich kenne beide Extreme. Beide machen nicht glücklich, weswegen ich die dick-dünn Diskussion so überflüssig finde. Genauso lehne ich Menschen nicht ab, die dünn oder dick sind, weil sie dünn oder dick sind. Ich sage Menschen nicht, dass Dünne alle krank sind und man als Dicke besser dran ist. Das wäre gelogen und ich will mich nicht anlügen.

Genauso mag ich die Argumentation nicht, dass gesagt wird, dass Männer liebe dicke Mädchen mögen. Was interessiert es mich, wenn Männer dicke Mädchen wollen, es mir aber mit mir schlecht geht? Will ein Mann eine Frau haben die mit sich selbst unglücklich ist? Sicher nicht. Sexuelle Vorlieben sollten nie ein Grund sein, wieso man nicht an sich arbeitet. Ich tue das für mich, nicht dafür dass ich möglichst viele Typen finde, die auf mich abfahren. Zielgruppen gibt es für alle körperlichen Attribute, ich muss aber doch nicht alle bedienen wollen.

Eine Frau sollte sich NIE NIE und wieder NIE über ihre Anziehungskraft auf Männer identifizieren.

Nun stehe ich hier. Habe die ersten Schritte getan, sehe die ersten Erfolge und bin ungeduldig, endlich anzukommen. Gleichzeitig habe ich aber auch Angst. Angst zu scheitern, nie anzukommen und irgendwann bei dem Gewicht zu enden, bei dem ich angefangen habe. Diese Angst lässt mich aber weitermachen. Ich will nicht mehr zurück.

Um zum Titel zurückzukommen. Dinge ändern sich für mich. Ich ändere mich. Ich erfinde mich nicht neu, ich versuche mich nur weiter zu verbessern und Schritt für Schritt meinem Ziel näher zu kommen. Manchmal fühlt man sich, als kämpfe man den Kampf mit den Pfunden allein, vor allem wenn man damit allein ist. Aber ich mache es auch allein für mich. Das zählt.

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14 Kommentare

  1. Pingback: FreXxX FreXxXenstein

  2. bei mir war es ein Foto.

  3. Hey Ricarda,

    Mal wieder ein sehr schöner Artikel zum Thema. Ich persoenlich kenne die Seite des extrem duennen nicht aber die Angst wieder dahin zurueckzufallen, wo ich mal angefangen habe ist momentan praesenter als lange vorher – vor allem, da ich nicht mehr allzu weit von dem Punkt entfernt bin wo ich mak angefangen habe.

    Ich druecke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du es schaffst dauerhaft das Gewicht zu erreichen, was du dir wuenscht und was fuer dich persoenlich am Besten ist.

    LG Knut

  4. Sehr schön gesagt 🙂 darf ich den Artikel in meinem Blog verlinken?

  5. Hey,

    ich kenne auch beide Seiten und kann bei allem was Du geschrieben hast, zustimmen. Habe gerade beim Lesen immer genickt 😉 ich habe jetzt 16 kg geschafft. So langsam nehme ich wieder zu, an Muskulatur. Bei mir hat es Klick gemacht, als ich mich von meinem Mann getrennt habe. Oft hindern einen andere psychische Probleme auch am Abnehmen. Ich ernähre mich schon seit 3 Jahren etwa kohlenhydratarm und mache viel Sport, dennoch hat es erst letzten Sommer gewirkt, als ich mir gesagt hab „das ist so nicht mein Leben und nicht das, was ich will“. Zwischendurch hatte ich 2 Monate Sportpause auf Grund einer Verletzung und durch gute Ernährung und viel Sport, macht auch eine Pause nichts aus. Der Körper läuft vorrübergehend weiter auf Hochtouren.

    Viel Erfolg weiterhin und niemals unter Druck setzen.

    Übrigens: Du bist eine wunderschöne Frau 🙂

    Liebe Grüße
    Laura

  6. Lieben Dank für eure Kommentare.
    @Knut, wenn du Motivation brauchst, ruhig bescheid sagen 🙂
    @Laura, ja wenn man das Gefühl hat, selbst nichts wert zu sein, dann ist es unmöglich sich zu ändern. Wieso sollte man sich für jemanden anstrengen den man nicht mag. Man muss an den Punkt kommen indem man versteht wie wertvoll man selbst ist und dann arbeitet man härter denn je. Ich wünsche dir noch viel Kraft auf deinem Weg 🙂

    • Motivation kann nie schaden. Mir fehlt sie recht offensichtlich wenn man in meinem Blog mal die „Ueber mich“-Seite anschaut… Der Graph bewegt sich seit ich in Hamburg wohne nur noch kontinuierlich nach oben und nicht mehr wie davor nach unten…

      Liegt auf jeden Fall an der falschen Ernaehrung und dem Punkt, dass ich vorher auch regelmaessig ins Filtnessstudio getobt bin und zumindest meine Stunde da rumgehampelt hab… Leider fehlt mir auch ein Anreiz das richtig durchzuziehen… Okay klar ich muss das fuer mich machen damit ich mich besser fuehle etc. aber wenn man sich selbst weitestgehend egal ist bildet das auch keinen Anreiz mehr…

  7. Ein toller Artikel Ricarda!

  8. Pingback: /|(;,;)/|

  9. Du hast die vielen Aspekte beim Thema Gewicht richtig gut ausgedrückt. Danke dafür.
    Meine Meinung ist:
    Gewicht und Figur hin oder her: Gut ist das, womit man sich gut fühlt, körperlich wie psychisch.Und zwar man selbst und nicht andere.
    @Knut, es kann einem alles egal sein, nur man selbst sollte sich nie egal sein. Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Grundsatz, denn wenn man anderen seine Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst vermittelt, überträgt sich diese Einstellung oft auf die Sicht, die die Leute auf einen haben. Mag vielleicht etwas egoistisch klingen, aber das Wichtigste ist doch immer noch die Achtung, die man vor sich selbst hat. Dabei hilft es aber wie Ricarda ja auch geschrieben hat, mal sich selbst mit den Augen der anderen zu sehen (Beispiel Fotos).

  10. Sehr schöner Artikel, dem ich vollkommen zustimmen kann.

    Ich habe in der zweiten Jahreshälfte 2010 ungefähr 20kg abgenommen und habe auch richtig gemerkt, wie es mir gut tat. Sowohl, was das körperliche angeht, als auch, was das psychische angeht.

    Mein Klick war eine Gewichtsgrenze, die ich nie überschreiten wollte. Doch als es dann geschehen ist, wusste ich, dass ich handeln muss. Und glücklicherweise klappte das erstaunlich gut und die Pfunde purzelten nur so. Jetzt wiege ich wieder so viel wie zuletzt etwa mit 16 oder 17 Jahren und ich fühle mich dadurch viel viel besser. Ich bin nicht dünn und nicht dick, ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann: So ist es genau richtig und leichte Schwankungen sind voll ok.

    Man soll so sein, wie man sich wohlfühlt. Nur sollte das Möglichkeit keine gesundheitsschädlichen Ausnahmen annehmen, aber darum geht es ja nicht.

    Danke für diesen schönen Beitrag und den Einblick in deine Gedanken dazu.

  11. Hi Ricarda,

    ein sehr interessanter Artikel, der mich gerade im richtigen Moment „erwischt“. Vorweg sollte ich vielleicht sagen, dass ich die „dünne Seite“ des Lebens nicht kenne. Zwar habe ich 2006/2007 gut 45 kg abgenommen, aber richtig dünn war ich auch danach nicht. Zumindest nicht so, dass die „öffentliche Meinung“ es als dünn bezeichnen würde. Leider sind in den letzten ca. anderthalb Jahren 15 kg wieder zurück gekommen und denen habe ich den Kampf angesagt. Ich will versuchen, meine Ernährung auf Low Carb umzustellen. Auch deshalb finde ich deine Artikel zum Thema Ernährung sehr interessant und hilfreich!

    Doch zurück zum Artikel. Du hast Recht: es bringt nichts, wenn man für andere abnehmen will. Das ist genauso zum Scheitern verurteilt, als wollte man mit dem Rauchen aufhören, weil andere das verlangen. Die öffentlich Diskussion oder „die Dicken“ und „die Dünnen“ finde ich vor allem respektlos. In meinen Augen geht das Gewicht einer Person und die Gründe dafür niemanden etwas an. Mutmaßungen darüber, wieso jemand ein bestimmtes Gewicht hat oder eben nicht, lehne ich ab!

    Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg und dabei, dich zu verbessern.

    Viele Grüße,
    Frau Margritli

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