Das ganz normale Chaos

Die Kunst zu Kochen

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Was ist eigentlich die Kunst am Kochen? Dass man es schafft, Milch zu erhitzen, ohne sie anbrennen zu lassen? Oder etwa, dass man mit diversen Tütchen und Schächtelchen in denen sich homogene Pülverchen befinden, schafft etwas zuzubereiten, was gewisse Ähnlichkeiten mit dem künstlich gestellten Produkt auf den Verpackungen aufweist? Oder ist die Kunst zu Kochen etwas ganz anderes? Ist es das Kreieren minimalistischen Naschwerks auf zu großen Tellern zu überteuerten Preisen?

Jeder wird sich nun sicherlich einen der Punkte herauspicken können, von dem er denkt, dass es sich dabei um Kochkunst handelt. Vielleicht auch deswegen weil es auf ihn zutrifft.

Was ist Kochkunst für mich? Kochen ist das Zubereiten von Nahrung. Nahrung ist für uns Lebenswichtig, weswegen sich jeder mit dem Thema “Nahrung kochen und Essen” schon Mal auseinandergesetzt hat.

Zwiebeln schneiden Eine Kunst wird es, wenn man mit Liebe, Leidenschaft und Kreativität Speisen zubereitet, die schmecken und auch den Zweck erfüllen, jemanden zu sättigen. Ich halte die Fähigkeit “Selbst kochen zu können” für überlebenswichtig. Dazu gehört für mich die Kenntnis, frische Lebensmittel mit einfachsten Mitteln in eine gesunde und leckere Mahlzeit zu verwandeln. Früher war es selbstverständlich, dass zumindest die Mädchen in der Schule und von ihren Müttern lernten, Gerichte zuzubereiten. Irgendwann wandelte sich die Einstellung dazu und es gehörte beinahe zum guten Ton, wenn man sagte “Kochen? Ich? Nein, ich bin doch kein Muttchen. Ich habe größeres im Leben vor, als vor dem Herd zu stehen und jeden Tag zu kochen. “

Für diese Leute war es im Gegenzug aber auch das Größte, wochenends bei der Oma zu essen, denn da schmeckt es doch am besten. “Selbst bekommt mans ja sowieso nie so hin. Ist ja viel zu aufwändig.”

Wenn die Oma dann irgendwann das zeitliche segnet, nimmt sie ihre kulinarischen Tricks und Geheimnisse mit ins Grab und sie sind für immer verloren. Heran wachsen Generationen, ohne das Wissen und die Erfahrung ihrer Vorfahren.

Darauf hat die Lebensmittelindustrie reagiert und verspricht, dass man die kompliziertesten Gerichte nur mit dem Zusammenschütten diverser fertiger Mischungen mit ein paar Zutaten hinbekommt. Das Ganze soll schneller gehen und einfacher sein, dabei aber genauso schmecken, wie traditionell zubereitete Speisen. Dabei nimmt es so groteske Züge an, dass die künstlichen Speisen in der Zubereitung länger dauern, teurer sind und dabei auch noch komplizierter in der Herstellung, als traditionelle Gerichte. Die Industrie hat den Kunden jedoch so fest im mentalen Griff, dass der Konsument glaubt, es sei einfacher und besser weil es die Werbung suggeriert obwohl die Absurdität eindeutig ist.

Je mehr man von diesen Lebensmitteln zu sich nimmt, desto mehr gewöhnt man sich an den industriellen Beigeschmack und entfremdet sich dem “richtigen” Essen. Kinder orientieren sich, wenn es um den Geschmack von Obst geht, an den künstlichen Aromastoffen der Süßigkeiten und erkennen das natürliche Pendant gar nicht. Von Gemüse ganz zu schweigen.. Denn das gibts nicht in Süßigkeiten.

Ein Kind, dessen Vater sagt: “Spinat mag ich nicht, das ist ekelhaft.”, wird sicherlich nicht herzhaft zum Spinat greifen und ihn vorbehaltslos essen. Was kann jeder einzelne gegen diese Entwicklung machen und was unterbricht diese Kette?

Eine bewusste Ernährung und eine unvoreingenommene Einstellung zum Kochen hilft ganz sicher. Da kann man mit ganz einfachen Rezepten anfangen und mit immer anspruchsvolleren weitermachen. Man kann dann dieses Wissen aufschreiben und weitergeben und auch seine Kinder, egal ob Mädchen oder Junge für dieses wichtige Thema sensibilisieren. Denn wer soll dies sonst machen, wenn nicht die eigenen Eltern?

14 Kommentare

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  3. RT @TiiaAurora: Blogblume vermeldet: Die Kunst zu Kochen (http://cli.gs/qjhVL) #Kochen #Kochkunst

  4. das kann ich nur voll und ganz unterschreiben „punkt“

  5. Ich stimme dir auch voll und ganz du. Viele Leute verwechseln kochen mit erhitzen, aufwärmen oder zubereiten.

    Kochen ist, wie du schreibst, der komplette Vorgang, vom Aussuchen der Zutaten, diese entsprechend aufzubereiten und dann zu einer Mahlzeit zusammenzufügen.

    Leider, leider bin ich in der Küche vollkommen unbegabt 🙁

  6. Ein wunderbares Thema Ricarda. Dieser Tütchen – Generation geht so viel ab und sie merken es noch nicht mal mehr, weil sie den Geschmack von selbst zubereiteten Speisen gar nicht (mehr) kennen. Wer weiß denn schon noch wie man eine leckere Bratensoße aus dem Saft eines Bratens machen kann, ohne mit einem Schächtelchen „Bratensoße Fix“ aus zukommen? Ich gebe aber gern auch zu, dass ich nicht unbedingt Lust aufs Kochen verspüre. Ich kann Kochen und Backen, aber es ist keine besondere Leidenschaft von mir. Kochen dient der anschließenden Nahrungsaufnahme. Dafür nehme ich mir Zeit auch wenn ich keine Lust zum Kochen habe.
    Ich achte vor allem darauf, dass frische Zutaten und anständige Gewürze gekauft werden. Es muss kein Biogemüse sein, das ist mir zu teuer. Aber es muss qualitativ hochwertiges Gemüse und Fleisch sein.Ich habe viel von meiner Oma und meiner Mutter gelernt. Als Teenager habe ich sehr oft beiden beim Kochen über die Schulter geschaut. 🙂 Außerdem gibt es tolle Kochbücher..
    LG

    • Ich habs ja gemerkt, als ich im Laden nach Speisestärke gefragt hatte, um Pudding zu kochen. Speisestärke gabs nicht. Man wollte mir Soßenbinder anbieten, obwohl ich ja Speisestärke wollte. Dann wollte man mir Puddingpulver geben, aber ich wollt den ja selbst kochen 🙁
      Das wäre früher sicher nicht passiert. Da hätte man Speisestärke bekommen und gut wäre es gewesen.

  7. Ich hasse es aus der Dose oder aus der Tüte zu kochen. Wenn ich koche, dann gibt es nur frische Sachen, ganz gleich ob Gemüse oder Fleisch. Fleisch nur von Fleischer und Gemüse auch nur vom markt und aus der Region. Ich finde das man heute unbedingt kochen sollte und auch kochen können muss. Aber der Trend geht wohl doch eher zur Dose und Maggie. Leider!

    • Ich denke, das liegt wirklich daran, dass die Leute einfach nicht mehr kochen können und das die einzige Art ist, wie sie Essen zubereiten können. Vielleicht liegts auch am Zeitmangel. Dose auf und warmmachen geht schneller als schnibbeln und kochen.

      • Aber es hat doch auch was mit dem Verständnis für Nahrungsmittel zu tun, finde ich jedenfalls, wenn man seine Lebensmittel selbst zubereitet.Ich finde das man ganz anders damit umgeht und auch das Essen viel mehr ein Genuss ist.

  8. Das sagst du was. 🙂
    Ich hatte erst letztes Wochenende wieder eine hitzige Diskussion unter Freunden. Die Freundin eines guten Kumpels prahlte mal wieder mit ihren super Kochkünsten… mit dem Nachsatz: „Ich habe heute eine total leckere Soße komplett selbst gekocht. Maggi hat da jetzt so neue Tütchen für Tomatensoße.“
    Ich war wirklich sprachlos. ;D Gerade soetwa simples wie eine Tomatensoße sollte man doch irgendwie hinbekommen, erst recht wenn man ständig prahlt wunderbar kochen zu können.

    • Das kenn ich irgendwoher. Ich habe hier mal versucht Tomatensauce aus frischen Tomaten und Kräutern zu kochen. Sie ist mir sogar richtig gut gelungen. Sie wurde dann nicht gegessen, weil sie nicht wie von Mama (Fixtütchen) schmeckt. 🙁

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