Das ganz normale Chaos

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Die Geschichte zweier Hunde

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Jeder hat in der Kindheit ein Lieblingskuscheltier gehabt, oder eine Puppe oder ein Kuscheltuch ohne das er Abends nicht einschlafen konnte und das überall dabei sein musste. Meist fand eine Trennung erst mit dem Kindergarten oder der Grundschule statt, wo man sein Tierchen nicht einfach mitnehmen konnte. Auch ich habe so etwas. Als Kind bekam ich (laut Geschichte meiner Mutter) von einem LKW-Fahrer (ich glaube er belieferte einen Laden und fand mich irgendwie niedlich, dass er ihn mir schenkte) einen Plüschhund. Diesen taufte ich aus unerfindlichen Gründen Gottfried. Der Hund war immer mit dabei und dank seiner Größe hatte er die perfekte Kuschelform. Er musste bei mir so einiges mitmachen, dann durfte er mit im Garten spielen oder ich zog ihn an einer Schnur hinter mir her. Nach einer Reise durch die Waschmaschine war er immer wieder wie neu. Als er seine Augen verlor opferte ich ohne zu zögern einen ungeliebten Teddy, und klebte dem Hund dessen Augen an, damit er wieder ein richtiges Gesicht hatte.

Als Kind hatte ich eine Phase in der ich Sachen kaputt machte. Ich weiß nicht wie alt ich war, aber definitiv noch sehr jung. Irgendwann reichte es meiner Mutter dann, ständig zerschnittene Tischdecken zu haben, dass sie sich kurzentschlossen meinen Schnuffelhund schnappte und ihm die Ohren und den Schwanz abschnitt. Für mich war das irgendwie ein Schock und selbst wenn ich ihn heute noch ansehe, bin ich traurig, wie entstellt er doch eigentlich ist. Zwar ist er immer noch mein Schnuffelhund, aber in meinem Kopf kreisen immer noch die Gedanken, auch wenn es nur ein Stofftier ist, „Er konnte da doch nichts für“.  Trotzdem kam mein Schnuffelhund mit, egal wo ich hinzog und egal wo ich lebte. Wer behauptete er sei hässlich hatte zwar recht aber das interessierte mich eben nicht.

Irgendwann ging ich mit meinem damaligen Freund über einen Flohmarkt. Ich ging damals gern über Flohmärkte und kaufte dort mindestens genau so gerne irgendwelchen Ramsch, den ich mir dann in meine Wohnung stellte. An einem Stand, wo offensichtlich die ausgedienten Spielzeuge der nun erwachsenen Kinder verkauft wurden sah er mich an. Mein Gottfried. Mit beiden Ohren, einem Schwanz, zwar nur noch einem Auge, aber immerhin in einem sonst tadellosen Zustand. Für 5 Euro kaufte ich also für Außenstehende einen einäugigen Stoffhund und ich hätte sogar 10€ bezahlt, wenn die Verkäuferin die Summe hätte haben wollen. Ich stand da auf dem Flohmarkt, Tränen in den Augen und fühlte mich auf einmal wieder wie ein Kind, das seinen flauschigen Schnuffelhund in den Armen hält.

Seit dem hat der lädierte Gottfried einen neuen Freund und ich meine Erinnerungen wieder. Beide liegen immer zusammen irgendwo herum und ich schäme mich nicht, dass ich einem bzw zwei Stofftieren gegenüber so emotional bin. Es ist mir egal, was die Leute darüber denken mögen. Für mich war der Kauf dieses Hundes ein Abschluss mit diesem Schock, den ich als Kind hatte, als mein Hund so entstellt wurde. Zwar kann der neue den Alten natürlich nicht ersetzen, aber er frischt die Erinnerungen auf, wie es vorher war.

Habt ihr auch ein Tier von früher? Habt ihr auch eine emotionale Geschichte von eurem Schnuffeltier?

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  3. Sojemanden habe ich auch 🙂 Mizi heißt sie wurde schon 100 mal geflickt http://chaosmacherin.tumblr.com/post/12073192395 😀

  4. klar hab ich sowas auch – und ich schäme mich keineswegs die dame überall mit hinzuschleppen 🙂
    hier ihr geburtstagsglückwunsch – http://bit.ly/uGcJTn ….
    sie ist zwar nicht aus meiner kindheit – mein lieblingsteddy von damals ist leider zerfallen – aber sie hilft mir immer wieder über blöde momente hinweg 🙂

  5. Eine tolle Geschichte und ein super Zufall das du ihn noch einmal gefunden hast! Hab einen grünen Drachen aus Stoff gehabt, der liegt auch noch auf dem Dachboden an einem sicheren Ort.

  6. Sobald ich Zeit finde, werde ich auch dazu etwas schreiben. <3 Herzallerliebst.

  7. Die Story ist ja echt zauberhaft! Freut mich, dass du den Hund noch mal gefunden hast!
    Ich hatte damals eine Negerpuppe, ja die hießen tatsächlich so. Sie war so süß und ich hab sie auch überall mit hingeschleppt! ;D

  8. Das ist ein wunderbarer Eintrag. Diese emotionale Bindung zu Stofftieren kann ich durchaus nachvollziehen. Man wächst mit ihnen auf, sie machen alle möglichen Dinge mit und sind einem immer ein guter Freund, der einem nichts böses will. Ehrlich gesagt finde ich die Reaktion deiner Mutter damals unglaublich schrecklich. Das ist eine Sache, die ich nie verzeihen könnte. Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig der Aufbau von emotionalen Bindungen für Kinder ist. Aber gut, du bist ja auch so groß geworden und dein Gottfried hat ja einen tollen Partner gefunden ;-).

    Hat mich echt bewegt, deine Geschichte.

    Viele Grüße
    Crazymom

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