Das ganz normale Chaos

arrogance

Die Arroganz im Internet

| 39 Kommentare

Heute schreibe ich mal wieder einen etwas allgemeineren Artikel über Arroganz im Internet. Ich finde, es ist ein sehr häufiges Phänomen, dass Leute im Internet arroganter sind (oder rüberkommen) als im realen Leben. Meist passiert es bei den Menschen, deren privater Hintergrund eher von Passivität geprägt ist und die dann versuchen durch ein überhebliches Verhalten ihre Defizite zu kanalisieren.

Foren

Hier ist mir dieses Phänomen so häufig aufgefallen, dass ich mittlerweile Foren komplett meide, denn meist steigt die Arroganz der User auch mit steigender Beitragszahl. In manchen Foren begegnen einem aber auch nur zwei Typen von Usern. Jene, die alles super und toll finden und die selbst noch Herzchen unter deinen Beitrag schreiben, wenn du erzählst, dass du grad auf dem Klo warst, und dann jene, die selbst bei dringenden, hilfesuchenden Beiträgen über drei Seiten wie ein kampfbereiter Hahn klar machen, dass man dankbar sein kann, dass sie die Güte besitzen, ihre wertvolle Zeit für solch nichtigen Probleme nichtiger Leute zu verschwenden.

Social Networks

Der Begriff „Social“ ist jener Gruppe der Arroganten auch völlig fremd. Social Networks dienen einzig und allein der Selbstdarstellung. Jeglicher Versuch der Kontaktaufnahme, wird als Fanpost gewertet, eventuell zur Kenntnis genommen und dann wieder vergessen. Aber nie beantwortet. Nie sollte man sich auf das Niveau seiner „Fans“ begeben.

Microblogs

Hier sind wahrscheinlich die gleichen Menschen vertreten, die ihr Unwesen auch in den Social Networks treiben. Selbstdarstellung pur. Es werden Sprüche geklopft, man versucht lustig zu sein, aber Replys wird man dort nicht finden, oder diese werden sofort wieder gelöscht, damit sie die Timeline nicht verschmutzen.

Weblogs

Auch hier fehlt der soziale Aspekt. Kommentare (wenn man sie denn abgeben kann) werden weder gelesen, noch beantwortet. Content wird einfach unabhängig des Feedbacks aufgearbeitet und veröffentlicht. Man sieht sich eher als Online-Magazin, nicht als Blog. Manchmal gibt es auch Blogger, die zu jedem Kommentar nur einen spöttischen, erniedrigenden Gegenkommentar übrig haben.

Mitunter sind mir auch schon Blogger begegnet, die man in der Schule als Klassenrowdie bezeichnen würde. Sie picken sich ein/zwei andere Blogger heraus und versuchen dann durch Gemeinheiten und Sticheleien diese zu vertreiben.

Was haben alle gemeinsam?

Ich würde nen Teufel tun, mich dort zu registrieren, befreunden, zu followen oder zu abonnieren. Social Media macht für mich nur Sinn, wenn ich darüber Kontakte knüpfen und mich austauschen kann. Wer diesen Kontakt nicht will oder nicht in der Lage ist, normal Kontakt mit Menschen zu haben, dem laufe ich nicht hinterher.

Arroganz ist natürlich kein Problem des Internets allein, taucht dort aber aufgrund der gefühlten Distanz zum gegenüber und der Anonymität viel häufiger auf. Was kann man dagegen tun? Ich für meinen Fall behandle jeden Menschen unvoreingenommen so wie ich auch selbst behandelt werden möchte. Wer mir allerdings negativ auffällt, den streiche ich aus meinem Gesichtsfeld. Das ist das gute am Internet. Ich muss mich nur mit den Leuten abgeben, mit denen ich mich abgeben will.

Foto: AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by ~Sage~

 

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39 Kommentare

  1. Pingback: TiiaAurora

  2. Pingback: Knut

  3. Ein klein wenig pauschalisierend ist das aber schon, was du da schreibst… 😉

    Zumindest kenne ich ein paar (wenige) positive Beispiele von Foren und natürlich Weblogs (meins zum Beispiel! :D).

  4. Klar ist der Artikel sehr einseitig bezogen aber gerade das macht ihn meiner Meinung nach sehr gut! Vielleicht bringt er wirklich mal Leute dazu darüber nachzudenken, was sie eigentlich im Netz treiben. Wahrscheinlich allerdings werden die Leute, die hier in der Hauptsache angesprochen werden gar nicht lesen worum es geht oder sich davon pauschal ausnehmen.

    Was mich angeht, so habe ich mich aus Foren schon lange zurückgezogen und nutze sie auch nicht mehr wenn ich nach etwas im Netz suche. Die Antwort „Nutz die Suchfunktion“ kann ich auswendig und mehr Hilfe bekommt man sowieso nicht.

    In den Social Networks bin ich etwas anderer Meinung. Wenn man erst einmal eine Gruppe gefunden hat, mit der man auch kommunizieren kann kann man in den Netzwerken gute Erfahrungen machen. Allerdings gibt es auch viele Selbstdarsteller…

    Mein Blog möchte ich auch aus obigem einfach mal ausnehmen. Ich bemühe mich immer auch auf die Kommentare einzugehen und wenn es nur ein einfaches „Like“ in der Kommentarfunktion ist, weil ich sonst einfach nur mit „Finde ich auch“ antworten würde. Aber wenn es Ansatzpunkte gibt und meine Zeit (Entschuldigung, meine Priorisierung meiner Zeit) es zulässt ordentlich zu antworten, dann mache ich das auch. Allerdings habe ich dann auch einen gewissen Anspruch an meine Antworten, so dass ich nicht zwischen „Tür und Angel“ antworten will…

    Aber wie gesagt: Ein sehr schöner Artikel, der definitiv einen großen Teil des Internets perfekt trifft! 🙂

  5. Pingback: Steffen

  6. Pingback: SH

  7. Yep, gerade den Punkt „Forum“ kann ich voll unterschreiben. Ich kenne kein Forum mehr, bei dem es nicht genau so abläuft…

  8. Viele wahre Worte… ABER (immer dieses große „aber“): Die Menschen, die hier angesprochen werden, werden sich nicht ändern. Denn wer arrogant ist, der braucht sich auch nicht selbst zu reflektieren. Und wer letzteres nicht tut, der ändert sich nicht. Ich halte es da mit Greg House… Menschen ändern sich nicht.

    Aber… auf jeden Fall ein lesenwerter Eintrag. Und meiner Meinung nach gilt: Wenn die nicht arroganten Menschen den arroganten Menschen immer mehr das Feld überlassen, dann haben die arroganten Menschen irgendwie gewonnen. Joa…

    • Die würden sich auch nicht ändern, wenn ich mir Baguettbroten auf die einschlage. Mir reicht es, wenn die Leute, die es selbst erlebt haben zufrieden nicken und wissen, dass sie es nicht allein so empfinden.

  9. Liebe Ricarda,
    dein Beitrag find ich garnicht einseitig, da du dich ja explizit auf die Arroganten im www beziehst und wie sie sich verhalten. Sehr gut gelungen!

    Ich bin ebenfalls für mehr Kommentare in Blogs und dadurch für mehr Kommunikation unter den Bloggern und habe ähnlichen Content – ohne Wissens deines Beitrages – eben in meinem Blog getextet (http://mauzepow.vanillechip.de/?p=720 ).
    Du bist auch unter meinen gefolgten Blogs erwähnt. =)

  10. In Bezug auf Foren gebe ich Dir uneingeschränkt recht – ab einer gewissen Größe wird das Verhalten untereinander unmöglich.

    Die Blogger – das was Du da beschreibst, sind doch die sogenannten A-Blogger (A steht wohl für arrogant?), meist mit eindeutigen SEO-Interessen. Unter B – Z- Bloggern kann ich dieses Verhalten eigentlich nicht erkennen, sonst wäre ich da auch schon wieder längst weg 😉

    Twitter hingegen ist so eine Sache: es ist mir zuviel. Da prasseln so viele Tweets ein, daß ich mich nur manchmal einklinke. Das dürfte vielen so gehen. Ghet gar nicht mehr anders ab einer bestimmten Followerzahl. Das kann natürlich als Arroganz ausgelegt werden, ist aber wahrscheinlich nur eine Reizüberflutung 😉

    • Ich glaube bei so großen Bloggern entsteht oft der Eindruck sie seien arrogant weil sie eben so unheimlich viel Feedback bekommen, dass sie noch 2 Leute einstellen müssten, um alles zu beantworten. Einige geben sich da trotzdem große Mühe, aber es ist natürlich ärgerlich, wenn man dann nicht beachtet wird. Die mit den Seo-interessen sind meist jene, die den großen Nacheifern wollen, aber Blogs die sich nur für Rankings interessieren haben oft keine Stammleser. So Blogs punkten dann vielleicht bei Google, aber Google bringt einem keine oder kaum Stammleser und das ist deren Problem.

  11. Das seh ich in den allermeisten Fällen (leider) sehr ähnlich… 🙁

  12. Es gibt immer Solche und Solche.
    Ich für meinen Teil bin mit dem Internet groß geworden. Vollidioten werden kategorisch ausgeblendet oder gesperrt. Was solls!

    Gerade eure schlechte Meinung zu Foren kann ich nicht verstehen. Es gibt wirklich einige Lesenswerte. Da treffen sich Gleichgesinnte zu einem Thema und man bekommt immer freundlich eine Antwort. Es muss halt ordentlich moderiert werden.

    Ich liebe das Internet und lasse es mir von niemanden vermissen!

    • Ich habe dieses Phänomen bisher in jedem Forum erlebt. Das mag aber auch an der sozialen Kompetenz des Forenteams liegen. Oftmals werden dann eben die Buddys zu Mods gemacht und die haben eigentlich keine Ahnung, wie man sich korrekt verhält.

  13. Pingback: Gilly

  14. Pingback: Marco

  15. Pingback: Robert

  16. Pingback: Sylvi

  17. Pingback: Tobi

  18. Wie oft habe ich schon darüber nachgedacht es aber nicht selbst auf meinem Blog gepostet…

    Eigentlich fällt mir nichts mehr ein was du nicht schon gesagt hast, das ist wirklich unglaublich was sich manche Leute einbilden.

    Augen zu und durch oder besser noch, einfach ignorieren, das hilft.

  19. Schade, einen guten Ansatz tot pauschalisiert.

    Überall wo sich Menschen treffen, das betrifftauch Foren, soziale Netzwerk Plattformen, Messenger und Microblogging Dienst, selbst Blogs, überall dort gibt es sonne und solche – genau wie im richtigen Leben. Der Besserwisser wird auch im Internet besserwisserisch bleiben, der Rüpel sich nicht zum Samariter ändern und die Hilfsbereiten bleiben auch im Internet hilfsbereit.

    Selber habe ich lange Zeit sowohl einen eigenen Chat betreut, als auch ein Forum betrieben und habe das gesamte Spektrum festgestellt. Aber egal welche Plattform, oder welchen Dienst man nutzt, immer heißt es „Wie man in den Wald hinein ruft…“

    • Hätte ich über andere Menschen im Internet schreiben wollen, dann hätte die Überschrift nicht mehr gepasst. Der Text beruht wie auch oben erwähnt auf tatsächlichen Begebenheiten.

      • Schade, dass Du anscheinend im Internet so viele negative Erfahrungen gemacht zu haben scheinst. Ich kenne sehr viel auf Twitter, auf Facebook und in etlichen Blogs, die offen auf andere zugehen, helfen wenn Hilfe gebraucht wird und interessante selber entwickelte Blogeinträge auch gerne weiter verbreiten. Das sind meine selbst gemachten Erfahrungen.

        Sicher gibt es auch Nerver, Selbstgerechte und Idioten, welche man aber wie im richtigen Leben auch, ignorieren kann.

  20. Ich muss gestehen, dein Blog gerade erst wahrgenommen zu haben (gefunden habe ich es wohl schonmal), jetzt muss ich gleich mal kommentieren, weil ich die Erfahrungen oft teilen kann. 🙂

    Ich kenne nur ein Forum, in dem man mit den Nutzern sachlich reden, Blödsinn machen und kommunizieren kann, ohne beleidigt oder als Troll beschimpft zu werden. Aber das ist ein relativ kleines (ca. 200 Nutzer), politisches Forum. Achja, die deutschen WordPress-Foren sind auch ganz ordentlich.

    Microblogs, und hier rede ich nur von Twitter, andere nutze ich nicht, dienen ja etwa 70% der Nutzer doch nur zur Selbstdarstellung… Ich hab meine paar Spezialisten, mit denen ich des Öfteren in Kontakt bin, ansonsten reagiere ich manchmal, wenn etwas spannendes durch die TL hopst. Und ich stelle immer wieder fest, dass ich zuvielen Ein-Weg-Twitterern folge, die nur schreiben und nicht auf Reaktionen achten…
    Aber da schließe ich mich „Broken Spirits“ an, es ist zuviel. Wenn man jeder interessanten Person folgt, kommen die Tweets ja irgendwann zu zehnt in der Sekunde rein, wie soll man das noch verfolgen…

    Bei den Weblogs ist die Sache m.E. sehr gemischt. Bei manchen kann man kommentieren und niemand merkt es, bei anderen ist der Leserkreis derartig aufgebaut, dass die anderen Kommentatoren sich gegenseitig lesen und sich antworten, bei anderen antwortet wenigstens der Autor selbst ab und zu.
    Ich versuche eigentlich auf jeden Kommentar in meinem Blog zu antworten, meistens klappt das auch 🙂

    Wie dem auch sei, man muss eben das beste draus machen. Und nicht ärgern lassen von Ignoranz oder Arroganz…

    Liebe Grüße!

    • Bei Twitter folge ich zwar auch vielen, aber meine Haupttimeline habe ich in eine Liste gepackt und das sind so in etwa 40 Leute. Wenn mir von meinen Verfolgten jemand noch positiv auffällt dann kommt er auch in die Liste und so läuft das eigentlich ganz gut.
      Die Foren, in denen ich war, sind immer recht groß gewesen und ich hatte das Gefühl, die Arbeit wuchs dem Team über den Kopf weswegen sie alle recht wenig präsent und wenn dann sehr angenervt waren. Anarchie in Forenhausen 😉

      • Joa, allerdings sind ja vor allem Foren interessant, die auch fast ohne Moderatoren und Wachmänner auskommen…
        Eine solche Twitterliste sollte ich mir vielleicht auch mal machen. War mir bisher nur immer zuviel Aufwand 😀 Aber der Nutzen daraus ist ja enorm.

  21. Nun ja ich kenne noch die Zeiten, als das Internet keine Selbstverständlichkeit war.
    Da gab es auch schon solche und solche Leute.

    Aber ich bin da vielleicht im Gegensatz zu manch‘ anderen etwas altmodisch.
    Internet ist für mich immer noch etwas anderes wie das reale Leben.

    Man sollte das nicht immer zu ernst nehmen, gerade bei Twitter.

    Solange mir solche Leute nicht im realen Leben begegnen, ist mir das recht egal.
    Obwohl: manchmal treten manche dermßaen arrogant auf, dass auch kein ignorieren mehr hilft 😉

    • Das Internet spiegelt ja sowieso ein bisschen das Leben wieder. Nur dass die Menschen alle ein bisschen weniger Hemmungen haben, was nicht unbedingt auch von Vorteil ist.

  22. Irgendwie lese ich da genau das was mich in den letzten 4-5 Jahren dazu bewegt hat, in so gut wie keinem Forum mehr wirklich aktiv zu sein.
    Da hat man eine Frage zum Thema X und wird gleich schief von der Seite angemacht weil man sich quasi als Neuling outet.
    Grade in Hilfeforen ist da das Ziel in meinen Augen einfach nur verfehlt.
    Ähnlich ist es in diversen Blogs. Man findet einen Post gut kommentiert diesen und bekommt virtuell was in die Fresse geschlagen (sorry für meine Ausdrucksweise – trifft es aber einfach nur)
    Die Microbolgs aka Twitter – Ein elendiges Thema…
    Dieses soziale Netzwerk sollte mein eigentlich in asozialen Netzwerk umbenennen, wären da nicht diverse Menschen die man oft und wirklich gerne liest. Mir ist nicht klar, warum die Leute nicht einfach den „Unfollow“ Button betätigen sondern tagelang hinterm Rücken über einen lästern – und das obwohl sie wissen, das man trotz gegenseitigem entfolgen die Tweets dennoch lesen kann. Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung – Beleidigungen sind aber einfach nur fehl am Platze. Und wenn man halt diverse Inhalte nicht mag oder lesen will zwingt einen niemand dies zu tun oder?

  23. Das Problem, oder besser die Ursache, ist aber auch, dass diese ganzen Social Networks auf dem Wunsch sich selbst darzustellen beruhen. Ich eröffene zb einen Blog, erzähle meine Geschichten, stelle mich vielleicht besser dar, als ich bin, schreibe über meine Erlebnisse und Errungenschaften und bekomme dadurch viel positive Resonanz. Klar, dass man dann nicht davor gefeit ist, irgendwie abzudrehen.
    Manche sind es, zum Beispiel viele in meinem Feedreader, aber andere werden halt arschlochig. Es ist nachvollziehbar, aber ich finds auch scheiße, zumal ich, so schätz ich mich selbst mal ganz dreist ein, nicht so bin und auch nicht so werden möchte. Vielleicht ist das aber auch so eine grundsätzliche Charaktereigenschaft, die nur schlummert und durch sowas geweckt wird. Ich weiß es nicht.
    Das selbe gilt für andere Social Communities. Allein das Hickhack um gestellt spontane Profilbilder.. *g* (Ich seh natürlich wirklich genau so aus, wie auf meinem Avater :P)

    Aber ey, das Gute am Internet ist ja, dass man sich damit nicht abgeben muss… wenn einen etwas nervt, kann mans ganz einfach ignorieren. Das ist das schöne 😀

  24. Pingback: Gerhard Schröder

  25. Pingback: Chatt

  26. Hi there!

    ich bin Jahrgang 80 und hab das Internet, genau wie du,
    auch in seinen Anfangszeiten schon erlebt.
    Ich hab deinen Artikel gefunden, weil
    ich wollte wissen, ob meine Eindrücke zum Thema Internet auch andere Leute haben
    oder ob es eben nur mein persönlicher Eindruck ist.

    Ich denke auch, die Leute sind arroganter im Internet.
    Nicht unbedingt arrogant im Sinne von „Selbstverliebtheit“, sondern
    einfach im Sinne von „asozialer“. So gleichgültig gegenüber anderen, dafür aber umso egozentrischer auf sich selbst bezogen (ohne dass deren Sebstdarstellung anderen Leuten irgendetwas sinnvolles bietet).

    Anfang 2000 als das Internet hier noch für alle ziemlich neu und was „Besonderes“ war, waren die Leute weitaus sozialer, respektvoller, engagierter und offener.
    Da ging es dann viel freundschaftlicher zu. Ich wurde da so manchesmal
    schon nach wenigen Mails bzw. Chat-Dialogen einfach mal spontan
    zum gemeinsamen Urlaub eingeladen. Es hatte noch mehr „Wert“ für die Leute,
    durch das Internet auch woanders neue Kontakte knüpfen zu können und sie waren auch eher bereit, diese schnell auf eine reale Ebene zu bringen und sich auch im Internet so sozial zu verhalten, wie sie es auch in einer realen Kommunikation tun würden.
    Also da war es auch allgemein noch etwas höflicher.

    Dann ging es im Lauf der Jahre in vielen Foren, Chat-Communities u.ä.
    immer unfreundlicher zu.
    Kaum ein Forum wo jemand, der (als Neuling) eine Frage stellt oder Hilfe sucht nicht erstmal blöd kritisiert wird. Kaum mal ein Thread, wo nicht irgendwelche Leute einen Streit provozieren und sich aufspielen oder sich gezielt ein Opfer zum „trollen“ suchen.
    Ich hab schon Foren erlebt, in denen die User wirklich „Mobbing“ betrieben haben.

    Besonders die Möglichkeit irgendwo „Admin“ zu werden wurde oft von Macht-hungrigen Leuten ausgenutzt, die sich dann ganz toll als „Ordnungshüter“ aufspielen konnten, sich aber selber nicht an die Regeln hielten.

    Im realen Leben sind die meisten derer, die sich im Internet aufspielen
    oft Leute, die sich vollkommen passiv und teilnahmlos verhalten.
    Da habe ich mich dann gewundert, dass grade diese Leute allen möglichen unwichtigen Beiträge mehrmals täglich posten: „Ich hab Hunger“, „mir ist langweilig“ usw.

    Das Kontaktversuche oft als „Fanpost“ gewertet werden, habe ich auch erlebt.
    Ich hab bei myspace im Rahmen eines Musikprojekts etliche Leute geaddet.
    Dabei bietet man ja als Artist nur Musik an und der Request will dem User dieses Angebot ja nur „zugänglich“ machen.
    Oft wurde das so von den Leuten verdreht, als wenn sie mit ihren
    privaten Profil angehende „Internet-Prominente“ wären und immer nur „aus diesem Grund“
    von den ganzen Bands und anderen Leuten Freundeanfragen erhalten.
    Dann haben die die Anfrage angenommen, weil sie das als „Beweis“ dafür sahen, dass sie immer „beliebter“ werden.

    Das Wort „sozial“ in „Social Networks“ ist für fast alle deren User ein Fremdwort.
    Da versucht fast keiner sich „sozial“ zu verhalten, stattdessen sind asoziale Verhaltensweisen an der Tagesordnung.
    Leute adden sich oft nur gegenseitig, um Freundeszahlen zu „erhöhen“. Es geht dann nur noch um Quantität, statt Qualität. Nachrichten werden von manchen grundsätzlich erst nach etlichen Wochen beantwortet. Manche antworten mal schnell, erwecken dann den Eindruck einer gewissen Zuverlässigkeit und Freundschaftlichkeit um einen dann Monate lang hängen zu lassen und dann plötzlich wieder aus dem Nichts aufzutauchen oder gar nicht mehr.

    So werden Kontakte beliebig, als wäre das alles nur ein „Computerspiel“ aktiviert und deaktiviert. – Wie das beim Gegenüber ankommt ist solchen Leuten herzlich egal. So ist vieles gar nicht wirklich greifbar oder einschätzbar, „wie“ man zueinandersteht, mit welcher „Intension“ man miteinander schreibt und es wird auch oft vollkommen offen gelassen.

    Tatsache ist, würde man so im Job-Leben per Internet kommunizieren, wären alle morgen arbeitslos…. Da, wo es also um’s Geld geht, oder wo ein Vorgsetzer das Ganze im Auge hat, da sind dann auch alle höflich, antworten streng nach „Email-Knigge“ usw. Aber sobald es um etwas Privates geht, neigen viel dazu, egoistisch und asozial zu werden.
    So als wäre das zwischenmenschliche Miteinander wertloser als Sachen, bei denen es um Geld geht.

    Es ist natürlich gut, dass man Leute, die negativ auffallen auch blocken kann. Nur leider erschreckend, wie viele das sind. Es ist so als würden viele in Vesuchung geraten, durch das Internet jede Form gegenseitigen Schams und Respekt voreinander zu verlieren, der uns im realen Alltag eben dazu bringt
    zumindest eine Mindestform an Sozialverhalten zu zeigen.
    Auch wenn manche Sachen im Alltag beweisen, dass das auch schon viele Leute verlernt haben – und gut, du hast da wo du wohnst einen etwas netteren Menschenschlag als ich hier. 😉

    Na ja, würde mich sehr freuen, wenn sich zwischen uns ein Kontakt entwickelt.
    Ich komme übrigens ursprünglich auch aus der Gothic-Szene und das, was dazu geschrieben hast, hat mich auch wieder an die „alten Zeiten“ erinnert. 🙂

    Von Herzen!

    Micha

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