Das ganz normale Chaos

Desserts/Nachtisch wieso es das bei mir nicht gibt und was eigentlich dahinter steckt

| 18 Kommentare

Viele werden bei der Überschrift nun denken „Was hackt sie denn jetzt noch auf dem Nachtisch herum? Auf den freue ich mich doch immer besonders!“ Aber es geht gar nicht um das Dessert an sich, sondern darum, welchen Stellenwert es beim Essen einnimmt und wie es uns zu falschem Essverhalten konditioniert.

Von Natur aus sendet uns unser Körper Signale, wenn er nach etwas verlangt. Hunger, Durst, Schlaf… Gibt es einen Mangel an etwas, teilt er es uns mit. Diese Signale lassen sich aber umprogrammieren. Wenn wir auf die Signale unseres Körpers nicht mehr hören oder uns nicht auf die verlassen können, führt dies zu einem Fehlverhalten, welches uns nachträglich schaden kann.

In den meisten Fällen fällt diese Umprogrammierung unter „Ich habs doch nur gut gemeint“, aber gut gemeint bedeutet nicht, dass die Dinge auch gut sind, die man macht.

„Wenn du deinen Teller leer isst, gibts auch noch einen Nachtisch!“

Diesen Satz haben wir in unserer Kindheit sicher alle von unseren Eltern einmal gehört. Klingt er doch nett und freundlich, so führt er du mehreren Problemen.

1. Ob du satt bist oder nicht, ist egal, solang der Teller leer ist. Der leere Teller wird zum Ziel der Mahlzeit, nicht die Sättigung des eigenen Hungers.

2. Iss damit du später eine Belohnung bekommst, nicht damit du satt bist.

3. Essen, vor allem süßes Essen ist eine Belohnung für etwas, was uns unangenehm ist (zum Beispiel über den Hunger hinaus essen zu müssen, auch wenn unser Körper uns sagt, dass er nicht mehr will).

4. Man merkt sich dieses Belohnungssystem und verbindet eine Mahlzeit, die man aufgegessen hat ohne einen Nachtisch zu bekommen mit einer Enttäuschung. Man fühlt sich nicht gut, weil man satt ist, sondern schlecht weils nicht noch einen Nachtisch gibt.

Die Probleme führen später genau zu dem, was uns ins Übergewicht treibt. Zuerst einmal verlernen wir auf unser Sättigungsgefühl zu hören. Satt zu sein, ist das Fehlen von Hunger und nicht die Übelkeit und der Schmerz, wenn man sich vollgestopft hat. Dann sehen wir Essen als Belohnung an. Jedes Mal wenn wir uns schlecht fühlen, möchten wir uns selbst aufmuntern und uns belohnen, damit es uns besser geht. Frauen machen das nicht selten mit Schokolade, Männer mit Alkohol. „Ich hatte einen harten Tag, ich brauch jetzt erst mal ein Bier“ oder „Er hat mich verlassen, ich brauche eine Tafel Schokolade“. Alles Sätze, die man kennt und die darauf hinweisen, dass wir uns mit Essen (oder in dem Fall auch Alkohol) belohnen. Wenn dies in Maßen geschieht, muss das kein Problem darstellen. Aber was passiert, wenn es in unserem Leben mal nicht so gut läuft und ein Stück Schokolade und ein Bierchen nicht mehr ausreichen um uns glücklich zu machen? Dann isst und trinkt man mehr Lebensmittel die für uns ungesund sind und keinen Teil der gesunden Ernährung darstellen. Das führt dann zum Übergewicht und in die Alkoholsucht. Beides ist ein Teufelskreis, denn die daraus resultierend Folgen machen uns ja nicht glücklicher, sondern unglücklicher.

Wer aus diesem Teufelskreis heraus bzw nicht tiefer herein will, muss an sich arbeiten. Die Konditionierung muss wieder rückgängig gemacht werden.

1. Essen wenn man Hunger hat. Wieder auf den Körper hören, seine Signale verstehen. Appetit ist kein Hunger! Durst ist auch kein Hunger. Zwei der häufigsten missinterpretierten Signale.

Wie unterscheide ich Durst und Hunger?

Man trinke ein Glas Wasser und wartet ab, ob der Körper damit zufrieden ist. Hat man Ruhe, war es Durst, hat man keine Ruhe, war es Hunger.

Wie unterscheide ich Appetit und Hunger?

Appetit hat man auf eine bestimmte Sache, meist ist diese nicht unbedingt gesund und verursacht nach dem Essen Schuldgefühle. Auch nach dem Essen, scheint der Körper „mehr“ zu schreien, selbst wenn einem bereits übel ist.

Hunger hingegen beschränkt sich nicht auf ein Lebensmittel, sondern lässt sich mit allen Lebensmitteln sättigen. Nach dem Essen verschwindet er und man fühlt sich zufrieden.

2. Belohnungen kommen nur nach erfolgreich abgeschlossenen Zielen. Belohnungen dürfen nicht aus Essen, Alkohol, sonstigen Drogen bestehen.

Ziele können zB ein erreichtes Gewicht bei der Gewichtsabnahme sein (Bei mir ist das erste Ziel zB -10kg). Als Belohnung gibt es etwas tolles zum Anziehen (was nach der Gewichtsabnahme auch bitter nötig ist 🙂 )

3. Essen sollte immer als Mahlzeit gelten. Ein Stück Low Carb Torte ist bei mir also kein Snack sondern eine Mahlzeit und so werte ich es auch.

Nach der Mahlzeit gibts es also kein Dessert, sondern wenn ich eine Low Carb geeignete Süßspeise esse, dann ist das meine Mahlzeit. Diese Süßgeschichten gibt es bei mir nur selten, da ich viel Wert darauf lege ausgewogene Mahlzeiten zu essen.

4. Das Fehlverhalten nicht auf andere übertragen

Das gilt vor allem für Eltern. Essen soll für Kinder keinen Zwang bedeutet, Süßigkeiten sind keine Belohnung und kein Liebesersatz. Man sollte Kinder nicht versuchen damit ruhig zu stellen. Wer Kinder hat, der hat die Verantwortung ihnen die Liebe und Zuwendung zu geben die sie brauchen!

Nach diesem Artikel sollte jeder einmal in sich hineinhorchen. Wer hat sich in dem Artikel wiedergefunden? Wer hat sich schon einmal versucht mit Essen oder Alkohol zu trösten?

18 Kommentare

  1. Pingback: /|(;,;)/|

  2. Pingback: TiiaBloggt

  3. Oha, dann bin ich wohl ein Kind, dass aus der Reihe fällt.
    Bei uns gab es früher nie Süßes, es gab geregelte Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen nach Kindergarten/Schule, Abendbrot), aber alles war kein Muss. Wir mussten auch nie den Teller leeressen oder wurden mit Süßigkeiten gelockt. Meine Mum hat immer drauf geachtet, dass wir uns ausgewogen ernährt haben.

    Als ich dann allerdings alleine Wohnte, war das dann nicht mehr so, was auch zu meiner Gewichtszunahme von 48 auf 68Kg führte. Ich aß morgens zwar noch ordentlich Frühstück (meistens ein belegtes Vollkornbrot mit Multivitaminsaft), allerdings nach der Schule/Arbeit sah das ganze anders aus. Durch die ganze Lernerei achtete ich kaum mehr auf meinen Hunger. Ich kam nach einem 9-Stunden-Schultag nach Hause, lernte, trank dabei Cola (oft zudem noch Schokolade) und hatte dadurch kaum ein Hungergefühl und wenn doch, gabs Fertigpizza oder Spaghetti. Ging flott und hinderte mich kaum an der Lernzeit. Wenn ich fertig war gings ins Bett.

    Jetzt habe ich -Gott sei Dank- wieder einen guten und ausgewogenen Essrythmus. Ich esse dann, wenn ich Hunger hab, bin ich gesättigt, bin ich eigentlich sonst nur am Trinken (Wasser oder Tee). Low Carb war dafür echt die Richtige Entscheidung, trotzdem gibts bei mir hin und wieder mal ein Eis oder Schokolade. Hat der Ernährung und der Gewichtsabnahme auch keineswegs geschadet. Manchmal brauche ich das auch, auch wenn das jetzt suspekt klingt. Es ist weder eine Belohnungssache noch aus Frust, einfach, weil ich halt drauf Lust habe. Da ich nie allzuviel Süßes mag, weil ich den allgemeinen Zuckergeschmack nicht sooo ertragen kann, hält sich der Verzehr, wenn er denn mal stattfindet, daher auch in Grenzen. Und das allerwichtigste dabei: ich fühl mich ganz und gar nicht schuldig dabei! 🙂

  4. Ich kann deine definition von Appetit nicht so ganz nachvollziehen.
    Appetit bedeutet für mich eigentlich nur, das ich Lust auf etwas bestimmtes zu essen oder zu trinken habe. Das kann aber auch wirklich alles sein. Sei es jetzt einfach nur eine Scheibe Schwarzbrot mit Zwiebelquark oder aber ein Stück Torte. Nur weil ich Appetit habe werde ich es nicht maßlos in mich reistopfen.
    Was du dort beschreibst klingt mehr nach Heißhunger für mich. Dieses Gefühl „Ich muss jetzt aber Schoki haben. Und ich will erst aufhören, wenn mir schlecht ist“

    • Das finde ich allerdings auch.
      Appetit haben beudeutet für mich einfach auch nur Lust nach etwas haben, ohen es jetzt wirklich zu übertreiben.
      Finde hier die Definition auch ein bisschen falsch gewählt.

      • Vor allem noch etwas: ich verstehe den Sinn Mahlzeit durch Süßigkeit zu ersetzen nicht. Abnehmen und ausgewogene Ernährung schön und gut, aber für mich grenzt das leicht an eine Übertreibung. Ich esse Low-Carb und ausgewogen, und trotz dass ich ab und zu einen Riegel Schokolade oder Eis verpseise, nehme ich ab. Sei es in Zentimeter oder Kilogramm. Wenn man sich so streng bewerten muss, was das Essen betrifft, finde ich, schrenkt man sich auch irgendwo ein. Vor allem ausgewogen klingt das für mich schonmal gar nicht.

        • Wie du weißt, gibt es Süßigkeiten in dem Sinne bei Low Carb nicht. Ich nenne sie so, weil ihre Vorbilder aus der Kategorie „Süßigkeiten“ stammen.
          Da meine Süßigkeiten keinen Zucker und kein Mehl enthalten sondern hochwertige Nüsse, Fette und andere wertvolle Zutaten, kann ich mit ihnen normale, salzige, deftige Mahlzeiten ersetzen. Da ich nur esse, wenn ich Hunger habe, also nicht zwischen meinen Hauptmahlzeiten, ersetze ich eine Mahlzeit mit diesem Gericht. Da vor allem die Kuchen auf Nussbasis sehr sättigend sind, würde es auch gar keinen Sinn machen, sie zwischendurch zu essen.

          • Das ergibt natürlich Sinn, geht aus dem Artikel aber überhaupt nicht heraus.^^

          • Ich beziehe mich in meinen Artikeln ausschließlich mit Low Carb. Deswegen schrieb ich ja in der Überschrift „Wieso es das bei mir nicht gibt“. 😉

          • Naja, du sagst da, dass es das bei dir nicht gibt, du aber dann Low Carb geeignete isst und damit eine Mahlzeit ersetzt. Für jemanden, der sich nicht explizit damit auseinander setzt, klingt das schwer verwirrend, das will ich damit sagen.

            Der Artikel wirkt auch so ein wenig verurteilend, da muss ich Fluffy recht geben. Dein Artikel ist doch recht subjektiv, weil man schon meinen kann, dass du damit absolut jeden meinst, da du keine Fallbeispiele für das Gegenteil angibst. Ich empfinde den Artikel, wie soll ich sagen, doch als zu sehr klischeebelastet.

          • Meine Artikel sind immer subjektiv, weil sie meine Meinung und meine Sichtweise wiederspiegeln.

  5. so ein bisschen scherst du ja schon alle über einen kamm.. 😉 ich hab mich nie mit essen oder sonst was belohnt.. im gegenteil.. wenn es mir schlecht geht esse ich oft tagelang nichts, weil ich keinen bissen runter kriege.. du musst da n bissl differenzieren.. und auch so eine beziehung zum essen und zum nachtisch habe ich keinesfalls.. ich esse überhaupt erst seit einigen wochen nachtisch, vorher gab es das nie und nur bei anderen zu besuch.. süßes nur wenn ich appetit drauf hab, aber das gilt auch für normales essen.. ich dosiere das essen eigentlich nach möglichkeit immer so, dass es satt macht, ich aber mich nicht daran überfresse.. und wenn es dann doch mal zu viel geworden ist, lasse ich es über, es sei denn es schmeckt so geil, dass ich mich bewusst daran überfressen will!

    • Wie immer, wenn es um die Verhaltensweisen von Menschen geht, treffen diese Dinge nicht auf alle zu. Es ist wissenschaftlich aber erwiesen, dass Essen als Liebesersatz oder Trost empfunden wird, wenn man in der Kindheit darauf geprägt wird.

      Das ist kein bewusster Prozess, sondern ein unbewusster. Man greift nicht zu den Gummibärchen, weil man im Kopf denkt „Mir geht es schlecht, ich esse deswegen ein Gummibärchen“ sondern man greift einfach zu und verbindet mit genau diesem Essen eine positive Assoziation.

      Dass es nicht auf jeden passt, ist natürlich klar. Wir sind nicht alle gleich und haben verschiedene Leben und verschiedenen Stress. Dass diese Verhaltensverknüpfungen aber tatsächlich existieren und ein Problem darstellen ist bewiesen. Der Artikel war als Denkanregung für jene gedacht, die sich darin wiederfinden oder in der Verantwortung stehen, selbst ein Kind zu erziehen.

      Wer sich darin nicht wiederfindet, sollte froh und glücklich sein, dass der Kelch an ihm vorbei gegangen ist.

      • Dass natürlich Gummibärchen nicht nur die Stimmung aufhellen, wenn man als Kind darauf getrimmt ist, sollte man nicht vergessen.

        Immerhin setzen viele Nahrungsmittel Botenstoffe im Gehirn/Körper frei, auch ohne Konditionierung darauf.

        Also ist der Griff zu den Gummibärchen quasi etwas ganz natürliches.

        Klar kann man alles bei Kindern fördern und sollte es nicht übertreiben, allerdings muss man auch nicht alles verteufeln.

  6. Pingback: Uli S.

  7. Pingback: bewusstes Essen | Uli's Welt

  8. Hey, warum hast du mich da beschrieben?^^

    Nein, jetzt mal im Ernst. Genau so sieht´s bei mir aus. Ich habe mal deinen Artikel aufgegriffen und das Thema ebenfalls verbloggt.

    http://mauzepow.de/2011/07/04/bewusstes-essen/

    LG Uli

  9. Pingback: Quarks und Co. Thema: Zucker – Süße Lust oder ungesundes Laster

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.