Das ganz normale Chaos

Zuckerkonsum im Wandel der Zeit

Der Zucker hat uns in der Hand

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Gestern werden einige von uns sicher mitbekommen haben, dass ich ein bisschen recherchiert habe, wie sich der Zuckerkonsum in unserem Land so entwickelt hat. Viele Menschen wissen heutzutage gar nicht, wie schnell sich unsere Ernährungsgewohnheiten geändert haben.

Die Rolle des Zuckers in unserer Ernährung

Zuckerkonsum im Wandel der ZeitZucker war früher ein teures Gut. Nicht viele Menschen konnten es sich leisten und deswegen kam es selten und nur bei wohlhabenden Leuten auf den Tisch. Der pro Kopf Verbrauch der Menschen lag im Jahr 1800 zwischen 2 und 4kg in Deutschland. Viele werden sich jetzt 4 Pakete Zucker vorstellen und denken „Joa das ist aber schon ne ordentliche Menge.“ Mit der Entdeckung des Zuckers in der Zuckerrübe, dem massiven Anbau selbiger, der staatlichen Förderung und dem industriellen Fortschritt bei der Gewinnung des Zuckers aus den Rüben sank der Preis für den Zucker und die Nachfrage im Land selbst stieg unentwegt und konnte kaum befriedigt werden. Ausländische Getreidelieferanten sattelten auf Zuckerrüben um, da dieses um einiges lukrativer für sie war. Der Anbau von Rüben war oft Frauensache. Da diese Arbeit im Frühjahr und Herbst stattfand, kam es unter den Frauen durch die harte Arbeit vermehrt zu Fehlgeburten oder Geburtskomplikationen.

1890 bestand die bäuerliche Ernährung in Westfalen aus drei Fleischmahlzeiten mit Milch, Butter und Eierspeisen. Im Laufe der Zeit passte man sich aber auch dort der modernen Ernährung an. Produkte wurden nicht mehr selbst angebaut, sondern zugekauft und so änderte sich die Zusammensetzung der Speisen, da die Auswahl nun größer war.

1900 verbrauchte man in Deutschland pro Jahr pro Kopf durchschnittlich bereits 18kg Zucker. Auffällig war hierbei, dass der Zuckerkonsum in den Dörfern niedriger blieb als in den Großstädten, wo eigener Anbau nicht in großem Maße betrieben wurde.

1950 lag der Konsum von Zucker bei 25kg pro Kopf pro Jahr.

Schon 1960 machte sich das große Fressen der letzten 10 Jahre bemerkbar. Stetiges Übergewicht, Herzbeschwerden usw plagten die Bevölkerung. Der Fleischkonsum hatte sich verdoppelt, da er durch die Kriegsjahre sehr weit runtergeschraubt war und der Zuckerkonsum lag bereits bei 30 Kilo pro Kopf pro Jahr. Der vermehrte Verzehr von Südfrüchten wurde nicht nur möglich sondern auch empfohlen.

Die körperliche Arbeit nahm ab und dadurch fehlten Bewegung und Anstrengung.

Vollkornbrote wurden immer mehr gegen feinere Brote getauscht, weil diese besser und süßer schmeckten. Auch der Verzehr von Süßgebäck stieg stetig an.

2006 war der Zuckerverbrauch pro Kopf in Europa sogar höher als in Nordamerika (als Vergleich 34,1kg in Europa und 29,6kg in Nordamerika)

2007/08 lag der Verbrauch von Zucker in Deutschland laut der wirtschaftlichen Vereinigung Zucker bei 34,3kg pro Kopf pro Jahr. Leere Kohlenhydrate aus Gebäcken sind hierbei nicht mitgezählt. Es geht um den reinen industriellen Zucker.

Vorbildlicher sind hier die Asiaten, die einen jährlichen Zuckerverbrauch pro Kopf  von ca. 14,5kg hatten. (2006)

Wer nun von von sich selbst sagt, dass er zuhause wenig Zucker verwendet und deswegen gar nicht auf diese Menge kommen kann, der sollte beachten, dass unser reiner Zucker, der zuhause steht nur 18,4% unseres Zuckerkonsums ausmacht. Der Rest ist in unseren künstlichen Lebensmitteln verarbeitet.

Selbst wenn man also seinen Konsum von Zucker zuhause einschränkt, nimmt man trotzdem noch Unmengen von Zucker durch gekaufte Lebensmittel auf.

Wie diese Lage zu bewerten ist und wieso Zivilisationskrankheiten trotz gepredigter fettarme Ernährung zusammen mit dem Zuckerkonsum immer weiter angestiegen sind, kann man wohl diskutieren. Klare Auskünfte wird man von offizieller Stelle nicht bekommen, wenn man sich überlegt, wie viele Firmen mit  im Zuckerboot sitzen, wenn fast jedem Lebenmittel Zucker beigemengt wird.

Quellen:

http://www.zentrum-der-gesundheit.de/zucker.html

http://www.suedzucker.de/de/Zucker/Zahlen-zum-Zucker/Deutschland/

http://userpage.fu-berlin.de/history1/bs/hd/hdanfang.htm

http://www.chroniknet.de/indx_de.0.html?article=1933&year=1950

Buch: Alte Landschaftsküchen im Sog der Modernisierung – Studien zu einer Ernährungsgeographie Deutschlands zwischen 1860 und 1930 von Peter Lesniczak

Foto: AttributionNoncommercialNo Derivative Works Some rights reserved by valentin.d

Weiterführende Informationen zur Situation aktuell am Beispiel von Lebenmitteln mit der Zielgruppe Kind

http://infowars.wordpress.com/2011/02/04/wie-die-nahrungsmultis-unsere-kinder-masten/

 

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  5. Danke für die Recherche. 🙂
    Ich bin froh, dass ich durch meine Ernährungsweise ziemlich selten Fertiggerichte kaufe und das meiste selbst mache. Trotzdem werde ich ab jetzt noch genauer darauf achten.
    LG

    • Ja. Die hauseigene Zubereitung hilft schon einmal nicht in die Falle zu gehen. Das mache ich jetzt auch vermehrt. Trotzdem achte ich auch bei der Gemüseauswahl auf Sorten mit weniger Zucker (grüne statt rote Paprika zb). Das macht schon einiges aus.

  6. guten morgen,

    wenn ich so darüber nachdenke, benutze ich nur zucker doch eher weniger , aber es stimmt, fast überall ist massig zucker drin. vorallem bei Cornflakes und Kinderjoghurts ist es arg extrem.
    ich hatte vor einiger zeit einfach mal angefangen , die daten auf dem etikett umzurechnen , also ein stück würfelzucker sind ca 3/4gramm , da bekommt man echt große augen wenn man sieht wieviel zucker in den doch so gesunden flocken etc drin ist …

    lg sandra

    • Am heftigsten fand ich es, dass sogar Wurstwaren (Fleischwurst, Salami usw) Zucker beigemengt wird. Sobald das Fett reduziert wird, kommt Zucker als Geschmacksträger ins Spiel, auch wenn Fett viel gesünder wäre.
      Bei Kinderprodukten finde ich es sowieso eine Schweinerei. Als Eltern entkommt man dem ja nicht, weil diese Konzerne so aggressiv werben. Wenn das Kind erstmal abhängig ist, dann bekommt man es von dem süßen Zeug nicht mehr weg, ohne Stimmungseinbrüche zu kassieren.

  7. Na toll, einen ewig langen Kommentar getippt und dann ist er irgendwo im Fehlermeldungs-Nirwana verschwunden…

    Danke für den ausgezeichneten Beitrag!

    Zum Thema Kinder und Zuckerkonsum: gerade heute habe ich im Guardian einen Artikel gelesen, dass sich die Ernährung mit industriellem Fertigfutter und zuviel Zucker direkt negativ auf die kindliche Entwicklung und den IQ auswirkt: http://www.guardian.co.uk/science/2011/feb/07/diet-children-iq

    • Ja grad war das Blog auf einmal für ein paar Minuten weg, aber jetzt geht ja alles wieder.
      Den Artikel kenn ich gar nicht. Werde ihn mir heut mal durchlesen. Dass mangelhafte Ernährung die Entwicklung hemmt, ist schon länger bekannt gewesen. Auch bei Schwangeren finde ich sowas immer schon bedenklich. Nicht nur das Gehirn nimmt schaden, auch der Stoffwechsel. Nicht umsonst haben wir viele übergewichtige, kranke Kinder.

    • Das sagt der Artikel leider nicht. Er sagt nur, dass falsche oder unzureichende Versorgung mit Nährstoffen Einfluss auf das frühkindliche neurobiologische Wachstum hat.

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  10. 34,3kg Zuckerverbrauch pro Jahr? Wow, das klingt ja schon mal nach richtig viel. Hält man sich aber mal vor Augen, dass dieser Verbrauch, in meinem Fall, mehr als der Hälfte des eigenen Körpergewichts entspricht, dann wird einem schon anders.

    Früher habe ich, wie wohl die meisten Kinder, zum Frühstück Cornflakes verschlungen. Dann habe ich zum „gesunden“ Müsli gewechselt. Doch selbst da muss man aufpassen, denn dort werden bis zu 30g Zucker je 100g zugesetzt. Ich achte nun darauf, nur Müsli mit max. 15g Zucker je 100g zu kaufen.
    Auch meinen ehemals geliebten löslichen Tee (man könnte ihn auch Zucker mit Zitrusgeschmack nennen) habe ich durch normale Teebeutel ersetzt.

    Dass der fettreduzierten Wurst Zucker zugefügt wird, wusste ich gar nicht.
    In Zukunft sollte ich wohl bei allen Lebensmitteln verstärkt auf den Zuckerwert achten.

    • Nicht nur fettreduzierter Wurst, sondern fast jeder. Ich wähle daher immer sehr sorgfältig aus, welche ich kaufen kann und welche nicht. Fettreduzierte Ware ist für mich persönlich ein Produkt aus der Hölle. Die meisten Produkte machen beim Verzehr auf dauer krank und unglücklich.

  11. Nun ja, ich möchte hier mal ne lanze für zucker brechen: Er hat mir letzte woche die selbstachtung gerettet.
    Geschichte in kurz:
    samstag feucht fröhlich gefeiert, sonntag lang geschlafen, nichts gegessen und nur cola light getrunken, um 21uhr dann 2h badminton gespielt und danach mit der partnerin im bett gelandet. und dann der shock: erektionsproblem. das erste mal im leben wollte er nicht so wie ich. ich fühlte mich kraftlos und ausgelaugt, brauchte dringend energie. also fix in die küche gesprintet, kühlschrank auf doch der war leer, süßigkeiten auch keine im haus, cola light hilft auch nicht weiter.
    Die lösung war so simpel wie effektiv: ein paar löffel zucker ins glas, wasser drüber und runter damit. 10min später war wieder alles im lot 😀
    die moral von der geschicht: alles im leben hat 2 seiten. auch wenn ich sonst nur zuckerfreie sachen kaufe, selbst nur mit süßstoff süße, so gut wie keine kohlenhydrate esse werde ich jetzt immer zusehen ein notfallpäckchen zucker im schrank stehen zu haben, man kann ja nie wissen wann mans wieder braucht..

    • Unterzuckerung ist sogar ein Problem, welches besonders bei hohem Zuckergenuss auftritt, weil der Blutzuckerspiegel durch zuckerreiche Nahrung auf und ab geht. Bei einer kohlenhydratarmen Ernährung bleibt der Blutzuckerspiegel konstant und du würdest in eine solche Situation erst gar nicht kommen.
      Auf Dauer schadest du deinem Körper mit Blutzuckerschwankungen also mehr als dass du ihm hilfst.

      • der zweck heiligt bekanntlich die mittel 🙂
        bin ja bereits kohlenhydratarm unterwegs seit bald nem jährchen (allerdings mehr nach logi als atkins) und hatte anscheinend trotzdem kurzfristig ein blutzuckerproblem.
        klar hätte man das mit ner ordentlichen mahlzeit lösen können, aber mit dem glas zuckerwasser gings auch, und zwar schnell und effektiv, und „ungesund“ als bewertung relativiert sich auch recht schnell wenn man das mit dem gläschen zuckerwasser nicht ständig übertreibt..

  12. Pingback: TiiaAurora

  13. Ich muss hier wohl mal die Gegenargumentation aufbauen. Zucker als Feind darzustellen ist immer recht leicht und einfach. Zucker ist an allem Schuld und auch immer überall. Doch stellen wir die Frage mal anders herum. Warum sind wir – als Mensch im allgemeinen – so scharf auf Zucker? Ebenso einfache Antwort, weil wir ihn brauchen. Und zwar als realer echter Zucker.
    Ich geh hier einfach mal einen Schritt zurück zur Frage, was ist Zucker? Der klassische landläufige Zucker ist Saccharose – die Disacharid bestehend aus Glukose und Fruktose. Und um die Glukose geht es hier. Glukose ist für den menschlischen Organismus eine einfache Quelle zellulärer Energie. Ich hoffe das ist Konsenz und ich muss da nicht tiefer ins Detail eingehen.
    Nun haben wir das leidliche Problem, dass eine unserer hochspezialisierten Zellen nichts anderes mehr als Energielieferanten als Glukose verbrennen können, besonders die Nervenzellen haben da das große Problem. Diese brauchen also täglich eine bestimmte Menge Glukose egal wieviel und was man gegessen hat. Je nach Alter und Geschlecht sind das zwischen 160 und 200g jeden Tag – Glukose. Multipliziert man das mit 365 Tagen kommt man da auf 58 bis 76kg – nur Gehirn und Rückenmark!
    Nun gibt es für den Körper gute und schlechte Tage, Tage an denen er die 200g Glukose bekommt, an anderen Tagen nicht. Sicherlich gibt es Reserven gespeichert in Muskulatur und Leber, aber nicht genug. Trotzdem überleben wir und zwar Dank eines körpereigenen Notfallkreislaufes. Denn bekommt der Körper nicht ausreichend Glukose, baut er sich welchen. Dieses Zauberwort heisst Gluconeogenese und ist wohl einer der energetisch ineffektivsten Enzymkreisläufe die man bis jetzt kennt. Zucker ist also überlebenswichtig und das weiss der Körper und hungert deswegen danach.
    Richtig unfreundlich zu seinem Körper ist man beim Konsum von Zuckerersatzprodukten ohne parallele Mahlzeit. Das Gehirn bemerkt die Süße und interpretiert dies als anstehende Zuckerversorgung. Dementsprechend werden die Zuckerinduzierten zellulären Signalkreisläufe angeworfen, als besonderes Beispiel sei hier das Hormon Insulin genannt, dass nicht nur für die Regulation des Blutzuckerspiegels zuständig ist sondern auch einer der Hauptsignalgeber für eine große Menge an intrazellulären Regelkreisläufen ist.
    Also viel Gelaber… Der Zucker ist nicht der Feind, der Zucker hält uns am Leben.

    „All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“

    • Der Mensch hat jahrtausendelang bewiesen, dass er ohne industriellen Zucker auskommt. Einige Bevölkerungskreise konnten sogar aufgrund ihrer Umgebung weder Zucker anbauen, noch kohlenhydratreiche Kost. Auch diese überleben sehr gut. Eine Erhöhung der Menge des Industriezuckers ist deswegen gefährlich, weil eine gesunde Ernährung mehr als genug Zucker mit sich bringt. Der von dir angebrachte Mindestverbrauch von 160-200g ist die Empfehlung der DGE. Ich kenne diese Angaben. Meine Erfahrungen zeigen jedoch, dass die wenigsten Normalmenschen beim Austesten ihres Schwellwertes selten über 100g pro Tag kommen. Alles darüber wird vom Körper gespeichert.
      Davon abgesehen konsumieren Menschen mit normaler Ernährung weit über 200g, wenn man bedenkt, dass ein normales weißes Brötchen bereits 50g Kohlenhydrate enthält.
      Ich habe nun nach 20 Tagen keinerlei Nebenwirkungen bemerkt, was meine Leistungsfähigkeit angeht, obwohl ich meinen täglichen Gesamtkohlenhydratverbrauch auf durchschnittlich 15g gesenkt habe. Industriellen Zucker meide ich komplett, soweit es sich vermeiden lässt (Beimengungen in verschiedenen Lebensmitteln). 70% der Kohlenhydrate beziehe ich dabei aus Gemüse. Schlecht geht es mir nicht.
      Im Gegenteil, ich fühle mich wacher und konzentriertet. Ich habe vor zwei Jahren auch 6 Monate ketogen gelebt und auch da hatte ich keinerlei Leistungseinbußen.
      Fakt ist, Zucker ist für den Körper ein schneller (wenn auch nicht lang wirkender) Treibstoff, aber die meisten haben ihren Konsum nicht unter Kontrolle und setzen damit ihre Gesundheit aufs Spiel, sonst würden solche Mengen, wie sie oben erwähnt werden, überhaupt nicht zustande kommen.

  14. Ja, es ist wirklich auffällig: es gibt ja kaum noch ein Fertiglebensmittel, in dem keine übertriebenen Mengen von Zucker wären. Und wenn es nicht Zucker ist, sind es synthetische Süßstoffe. Beides finde ich in eigentlich herzhaften Speisen eher eklig als lecker.

    Ich mag sehr gerne Süßes, ja. Kuchen: köstlich! Schokolade: lecker! Pudding: super!

    Aber muss denn wirklich alles andere auch nur noch nach Zucker und Vanille schmecken?

    • Die Leute wollen eben nicht mehr selbst kochen und backen. Dann weiß man was drin ist. Jeder, der Speisen frisch zubereitet, weiß wie schnell sie verderblich sind. Um die Sachen haltbar zu machen muss man eben künstliche Stoffe beifügen. Natürlich ist die Essenszubereitung oft eine zeitaufwändige Sache, aber wir sollten es uns wert sein, immerhin ist unser Essen auch unser Treibstoff.

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