Das ganz normale Chaos

Der Tod von Google Wave

| 16 Kommentare

Google möchte seinen Emailnachfolger Wave nicht mehr weiterentwickeln und neben Unverständnis macht sich auch ein wenig Wehmut in mir breit. Gepaart mit der großen Frage nach dem „Wieso?“. Viele mögen dies nun belächeln, denn Google Wave Bashing gehörte zumindest im Twitter beinahe zum guten Ton. Genauso wie das Bashing der Leute, die es wirklich nutzten. Zu sagen „Ich nutze Google Wave“ kam dort schon der Aussage „Ich nutze Windows“ gleich, worauf auch immer die gleichen (nicht einmal gut gemeinten) Kommentare kamen.

Ich nutze Google Wave. Sei es, um Organisatorisches mit mehreren Leuten zu regeln, Projekte zu organisieren oder einfach nur mit anderen in Kontakt zu bleiben. Zudem war ich auch eine derer, die gespannt auf die weiteren Entwicklungen von Wave warteten und auch der Möglichkeit, Wave auf einem eigenen Server laufen zu lassen. Die daraus resultierenden Möglichkeiten wäre sehr interessant für das Web und die Kommunikation untereinander gewesen.

Die Frage nach dem Desinteresse an Wave hatte die gleichen Antworten. Top 1. „Google ist Böse!“ Dass ich nicht lache! Solche Antworten kommen meist dann auch von Leuten, die Facebook nutzen, bei jedem Gewinnspiel mitmachen und dort ihre Daten hinterlassen und die bei ominösen Händlern aus China übers Internet kaufen.

Google ist böse, weil sie unsere Vorgärten fotografieren wollen. Weil sie Karten mit Fotomaterial erstellen wollen. Weil sie offene W-LAN Netzwerke und deren Daten mitgespeichert haben. (Was Apple übrigens ungefragt schon seit Jahren macht. Richtig! Jeder, der mit einem kleinen süßen iPhone rumrennt hilft Apple sogar dabei, seine Umgebung zu scannen und die Daten an den großen undurchsichtigen Konzern zu übermitteln, aber Apple ist ja nicht böse, weil Apple ist ja Apple und die Geräte sind ja so schön…)

Aber ich schweife ab…

Ich behaupte, Wave kam zu früh. Das Web 2.0 ist noch nicht weit genug für diese Ebene der Kommunikation. Wir befinden uns derzeit in einer Internetepoche des Profilierens und des Zeigens. Der Erfolg von Twitter und der Fanatismus einiger Twitterer mit der Behauptung Twitter sei kein Chat, um auch die wenige, eingeschränkte Kommunikation, die auf 140 Zeichen stattfinden kann, im Keim zu ersticken, zeigt nur: Wir wollen nicht miteinander kommunizieren. Wir wollen reden und wollen dass die Leute uns zuhören. Aber wir wollen nicht, diskutieren. Wir wollen nicht diejenigen sein, die etwas sagen, nachdem jemand anders seine Meinung kundgetan hat.

Das ist etwas überspitzt dargestellt, ich weiß. Aber wie erklärt es sich, dass jegliche Plattformen einen „Live Feed“ anbieten auf dem wir sagen was uns beschäftigt, die Antwortmöglichkeiten, sofern sie denn vorhanden sind, nur verächtlich behandelt (oder genutzt) werden?

Wir haben ein Kommunikationsproblem und Wave ist sein erstes großes Opfer.

16 Kommentare

  1. Pingback: TiiaAurora

  2. Ich denke, dass das Interesse an Wave anfangs sogar recht groß war. Allerdings war der Zugang durch die sehr beschränkten Beta-Einladungen nicht ganz so leicht.

    Das mag verständlich sein, weil man bei Google das System vielleicht nicht direkt von Null auf Hundert durchstarten wollte, sondern vorsichtig testen wollte, wie sehr die Ressourcen ausgenutzt werden konnten.

    Andererseits ebbte so das Interesse auch wieder ziemlich schnell ab, da diejenigen, die dort Zugang hatten, oftmals das System nicht richtig nutzen konnten, weil Freunde oder Bekannte eben keinen Zugang hatten. Entsprechend enttäuscht waren dann die Reaktionen und das Echo im Netz war eher verhalten und negativ, was sich dann auch im sinkenden Interesse der restlichen User ohne Zugang äußerte.

    Ich will nicht bestreiten, dass Google Wave einen interessanten Ansatz verfolgt hat. Wie du selbst sagst, war es im Bereich der Koordination bei Projekten wirklich genial. Hier dürften sich aber vor allem Unternehmen, Klassen oder Projektgruppen angesprochen gefühlt haben.

    Letztlich ist der Schritt von Google, den Dienst einzustellen, natürlich hart für diejenigen, die es intensiv genutzt hatten, denn etwas Vergleichbares ist schwer zu finden. Andererseits ist es konsequent, da Google sich letztlich an der Masse orientiert und das Projekt „Wave“ dort gescheitert ist. Während andere Konzerne nun noch krampfhaft versuchen würden, das halbtote Projekt am Leben zu erhalten, stampft Google es ein… so wie in den Google Labs ja grundsätzlich mit Versuchs-Projekten verfahren wird.

    • Ja ich vermute ebenfalls, dass der beschränkte Zugang + die beschränkten Serverkapazitäten dazu beigetragen haben, dass durch die erste Euphoriewelle ein Sturm fegte.
      Ich selbst hatte das Glück recht früh eine Einladung zu bekommen und mir war durchaus bewusst, dass in einer Alpha Version Bugs drin enthalten sein konnten. Über Twitter wars dann auch nicht so schwer, andere User zu finden.
      Jetzt gegen Ende waren die Registrierungen ja offen, dass sich jeder anmelden wollte, aber da hatte die Community Wave praktisch schon für tot erklärt. Leider.

  3. Pingback: Michael Schmidt

  4. Ich habe Wave nie wirklich produktiv genutzt. Was allerdings mehr daran lag, dass keine Leute da waren, die dieses Vergnügen mit mir geteilt hätten… schnüff.
    So vom look&feel hat mir Wave allerdings schon gefallen, vom Konzept her sowieso!

    • Ja das war längerfristig auch nen Problem. Ich hatte zum Glück Einladungen, die ich dann an diese Personen verteilen konnte.

  5. Ich hatte zwar schon relativ früh nen Wave Zugang, aber ich hatte weder die Leute noch die Projekte mit denen ich Wave wirklich aktiv hätte nutzen können. Und vielleicht war ich auch einfach ein bisschen zu doof, das Potential richtig einschätzen zu können. Die GUI hatte mich beim ersten Einloggen schon etwas abgeschreckt.
    Anyway, vielleicht wirds ja Open Source und dann als Communityprojekt weiterentwickelt. Oder Google hat schon das „next Big Think“ im Lauf.

    • Ja leicht verständlich war es nicht unbedingt, ohne Vorkenntnisse. Ich hatte die Google Keynote gesehen und fands daher schon recht einfach und wusste, was wie funktioniert. Als Communityprojekt wärs echt nicht schlecht, ja.

  6. Ich habe Google Wave nie genutzt- hätte ich aber gern ausprobiert. Hab aber den Zug irgendwie verpasst und nie eine Einladung oder so bekommen. Soll heißen: kann da nicht „mitreden“ Aber deine Apple-Google-böse-oder-nicht-Argumentation gefällt mir super!! Wobei mir der Apple-Zauber sowieso auf den Keks geht, aber das andere wird ja völlig außen vor gelassen!!Den schwarzen Peter bekommt immer nur einer…. !

    • Hinterher wars ja offen, aber da war der Zug beinahe schon abgefahren.
      Tja was Apple da anstellt weiß ich auch nicht. Jede andere Firma wäre schon pleite gegangen, bei der Firmenpolitik.

  7. also das mit wave habe ich verpasst aber ich stehe zu google. das ist eben unsere moderne zeit. wir wissen gar nicht wie und wie lange schon dinge über den einzelnen bekannt sind. außerdem habe ich nix zu verbergen…

    lg
    martinchen

    • Ich hab schon noch einiges zu verbergen, aber das stelle ich dann nicht ins Internet und Google zur Verfügung 🙂
      Jeder von uns entscheidet, was Google über ihn weiß.
      Zudem gehts mir 1000 Mal besser wenn Google meine Daten speichert und damit Produkte herstellt die auf mich zugeschnitten sind, als wenn es irgendwelche anderen Firmen oder sogar unsere Regierung tut. Google versteht im Vergleich zu den anderen wenigstens was davon 😉

  8. Naja, zu sagen das Google nicht „böse“ ist, entspricht ja jetzt nicht so ganz der Wahrheit. Ja, andere Firmen machen das auch (sogar der lokale Supermarkt), aber das macht das Ganze ja auch nicht besser. Ich benutz ja auch das eine oder andere Google-Produkt, aber hier zu pauschalisieren und alle Google-nicht-Nutzer für dumm zu verkaufen ist auch nicht die feine englische. Davon mal abgesehen macht Apple (um mal einen Namen zu nennen, ich seh das bei denen nicht weniger kritisch) eher nebenbei während Google für Lau anbietet, um so viele Leute wie möglich zu Nutzern zu machen.

    • Definier mir böse.
      Sie verwenden Nutzerdaten, ja. Diese Daten werden ihnen von den Nutzern übermittelt, ja. Dafür stellen sie den Nutzern kostenlose, praktische Dienste zur verfügen, ja. Sie machen da aber auch keinen Hehl draus.
      *schulterzuck*

      Wenn ich dann aber sehe dass iPhone Apps ungefragt Kontaktdaten aus den iPhones an Firmen herunterladen kann um diese zu kommerziellen Zwecken zu nutzen, hat das nichts freiwilliges mehr.

  9. Pingback: Ich liebe Google (auch)

  10. Pingback: Mit Google Plus macht das Netz endlich wieder Spaß | Das ganz normale Chaos

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.