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Felidae am Rechner

Das Internet: Die unbekannte Gefahr

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Eine provokante Überschrift oder? So provokant, wie wir sie empfinden, so alltäglich ist diese Einstellung für viele Menschen. Das Internet wird als gefährlicher „Ort“ empfunden an dem einem jeder etwas böses will und an dem es keine positiven Aspekte gibt. Ich bin generell Diskussionen rund um das Internet aufgeschlossen, aber mich stört, dass diese Diskussionen meist von denen geführt werden, die mit dem Internet nicht viel zu tun haben. Zusätzlich werden Vorurteile als Diskussionsgrundlage hergenommen, was die komplette Diskussion in meinen Augen überflüssig macht.

Lass ich mal meinen Gedanken freien Lauf zu einigen Punkten.

„Das Internet macht uns süchtig.“

Wir sind ständig online, ständig erreichbar, ständig kommunikativ. Ist das ein erschreckender Zustand? Ich gehöre zur Generation „immer online“ empfinde es selbst aber nicht als Druck oder als Bürde. Nicht das Onlinesein ist hierbei der Aspekt, sondern die Kommunikation mit anderen Menschen. Das Wissen, nicht allein zu sein. Auch würde ich es nicht als Sucht bezeichnen, denn kann der Wunsch nach sozialem Kontakt eine Sucht sein? Es ist doch für uns als „soziales Säugetier“ eher ein Grundbedürfnis. Überlegen wir doch mal, wie viel Geld vor der aktiven Zeit des Internets für SMS ausgegeben wurde. Wie viel Geld für Telefonate ausgegeben wurde. Das Einzige, was uns da zügelte war die Rechnung, die uns erwartet hätte. Ein unbefriedigender Zustand, sich zwischen Geld und Zuwendung zu entscheiden.

Die meisten von uns werden beim Internet aber eine Flatrate haben, also einen festen monatlichen Betrag bezahlen und dafür so lang online sein können, wie sie wollen. Die Grenze „hohe Rechnung“ hält uns nicht mehr. Ich bezweifle nicht, dass es Menschen gibt, für die das Internet wichtiger ist, als andere Dinge und die deswegen ihr andere Dinge im Leben nicht mehr im Griff haben. Ich selbst kenne so einen Menschen und das ist wirklich keine tolle Sache, aber ich denke nicht, dass das Internet der Grund allen Übels ist, sondern eher der Weg einer großen Unzufriedenheit im Leben aus dem Weg zu gehen. Das kann allerdings mit jedem Aspekt des Lebens passieren.

Jetzt aber bei jedem, der das Internet häufig nutzt von einer Sucht zu sprechen, würde die Bedeutung für jene die wirklich ernsthaft betroffen sind, herunterspielen. Geradezu verharmlosen. Ich würde das, was Menschen als Internetsucht bezeichnen, eher als Sehnsucht nach Anerkennung und Kommunikation bezeichnen. Dass es Menschen gibt, die einsam sind, das ist ein Problem unserer Gesellschaft in der sich jeder selbst der nächste ist und in der wir alle Dinge, die uns nicht betreffen, ausblenden.

„Die im Internet wollen nur unser Geld.“

Das ist ein Argument, das häufig fällt. Vor allem wenn von Google als „Datenkrake“ gesprochen wird. „Google will uns nur Werbung zeigen“. Ganz ehrlich Leute, denkt doch mal nach. Google bietet Dienstleistungen an, diese in einer hohen Qualität. Ich kenne keinen Mailanbieter, der Google Mail ansatzweise das Wasser reichen könnte. Die Suchmaschine, die wir alle wie als Selbstverständlichkeit hinnehmen, ist eine kostenlose Dienstleistung, die Google uns zur Verfügung stellt. Stellt euch ein Internet ohne Suchmaschinen vor. Viel Spaß 😉

Ein Unternehmen wie Google muss sich finanzieren. Diese ganzen Dienste wollen programmiert, verwaltet und vor allem auch am Netz gehalten werden. Mitarbeiter, Server, Support – all das kostet Geld. Oder würdet ihr kostenlos arbeiten wollen, weil Menschen denken, dass Werbeeinblendungen, die euren Lohn zahlen würden, unmoralisch sind? Wohl kaum.

Google erleichtert unser aller Leben: Ich finde was ich suche, ich kann dank Cloud Musik hören, wo ich auch immer bin, dank Google Talk kann ich mit Leuten chatten und mit Google Mail bekomme ich auch Massen von Emails verwaltet, weil mein Mailfach nie voll wird.

7 % belegt
545 MB von 7639 MB belegt

Für all diese Dinge muss ich nicht zahlen, ich kann sie einfach nutzen, wenn dafür Werbung eingeblendet wird, dann ist das in meinen Augen ein fairer Deal. Wenn die Werbung personalisiert ist, umso besser, denn dann werde ich nicht mit unpassender Werbung, die mich nicht interessiert, genervt.

Meine Behauptung: Das Internet bietet Chancen

Mir wurden durch das Internet Chancen eröffnet, die ich ohne nicht gehabt hätte. Mir hat es geholfen, über mich hinauszuwachsen und mich Dinge zu trauen, die ich sonst nicht mal in Erwägung gezogen hätte. Es hat mich sicherer und mutiger gemacht. Ich profitiere davon, ich habe die Möglichkeiten begriffen und nutze sie. Wer sich aber mit dem Internet nicht auskennt und denkt, das Internet sei Facebook und Emails, der wird es nicht begreifen und seine Ausmaße nicht verstehen. Genauso wenig wie das Internet Facebook und Emails ist, genauso wenig ist das Leben nur Arbeiten, Fernsehen und schlafengehen. Es ist was du draus machst.

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  6. Sehr schön geschrieben und gesagt, was sich viele nicht trauen. Da kann man eigentlich nur noch zu gratulieren.

  7. Nicht das Onlinesein ist hierbei der Aspekt, sondern die Kommunikation mit anderen Menschen. Das Wissen, nicht allein zu sein. Auch würde ich es nicht als Sucht bezeichnen, denn kann der Wunsch nach sozialem Kontakt eine Sucht sein? Es ist doch für uns als “soziales Säugetier” eher ein Grundbedürfnis.

    Für mich der schönste Teil des Artikels. Genau deswegen (und weil ich als Webentwickler darin arbeite) bin ich „permanent“ online. Allerdings spricht meines Erachtens noch ein anderer Punkt gegen eine Sucht: Von den üblichen Süchten kenne ich, dass man nicht mal eben „einen Tag frei“ nehmen kann. Ich kann sehr wohl einen Tag in die Pampa fahren, das Handy nach der Fahrt dort hin einfach im Auto lassen und bin den ganzen Tag offline…

  8. Was ich nur schade finde, ist, dass die persönliche, direkte Kommunikation deshalb ausbleibt. Keiner geht mehr wirklich raus, trifft sich mit seinen Leuten und unternimmt was. Dank social networks muss man das ja auch nicht mehr (man teilt jeden Gedankenfluss usw). Ich seh das irgendwie zweierlei. Ich finds teilweise beängstigend, dass der Mensch zu Hause nur noch PC und Smartphone hat… und sind wir mal ehrlich: wer könnte denn heutzutage rausgehn, ohne nicht mindestens sein Smartphone dabei zu haben und ständig zu checken, was grad im Netz alles so abgeht? Wer? Ist das nicht schon eine Sucht? Der Mensch digitalisiert sich selbst und für mich hat das mit „sozial sein“ irgendwo nichts mehr zu tun. Für mich ist „sozial sein“ ein wichtiger persönlicher und zwischenmenschlicher Aspekt. Denn wenn ich mal Hilfe brauche, wenns mir scheiße geht etc.pp. wer ist denn dann da und drückt mich mal?! Geschriebene Worte über Twitter oder sonstige bringen mir das nicht.

    Für mich ist das Internet ne schöne Nebensache. Nicht mehr und nicht weniger. Ich definiere mich selbst jetzt aber nicht danach.

    • Dank des Internets treff ich sogar noch mehr Leute als vorher. Verschiedene Leute in ganz Deutschland verteilt. Ich finde die Kommunikation über das Internet ist auch direkt. Nur eben ist das Medium ein anderes. Hätte man kein Internet und Freunde, die mehrere hundert Kilometer entfernt leben, so würde man mit diesen kaum mehr Kontakt halten können. Das erleichtert das Internet. Daher ist für mich das Internet eher Kommunikationssteigernd als eindämmend.
      Wir hätten uns ohne das Netz ja auch nie kennengelernt. Du hättest ohne das Netz auch viele Menschen nicht kennengelernt.

      • Da hast du Recht.
        Aber wann trifft man sich denn mal letztendlich? Kann man solche wirklich als Freunde bezeichnen? Selbst wenn man hunderte Leute kennenlernt: sind die im Notfall dann auch mal da? Helfen die bei einem Umzug? Und dass man ausser dem Internet keinen Kontakt halten könnte, ist für mich eine reine Ausrede. Ein kurzes Telefonat mit gesprochenen Worten hat noch nie jemandem geschadet. Als Kind hat man das ja auch gekonnt: „Hast du Zeit? Wollen wir rausgehn? Ich ess noch schnell, dann komm ich.“ Schaltet man den PC aus ist man trotzdem alleine.

        Zudem traut man sich so anonym im Internet anscheinend mehr, als auf persönlicher Ebene. Grad in der Klasse erlebt. Ein Mädchen lästert und zieht über Twitter über Personen der Klasse her und wundert sich dann, wenn diese das mitkriegen und sie drauf ansprechen und dann von ihr kein Ton rauskommt. Kurzschluss: das Lästermädel wird von allen gemieden. Kommunikation gleich null.

        Ob das nun gut ist, oder nicht, naja.^^

        • Hey Paticia,
          ich kann jetzt nur von mir sprechen, aber ich habe schon sehr viele gute Freunde übers Internet kennengelernt und wir sehen uns alle mehrmals im Jahr. Erst heute wieder bis einschließlich Dienstag haben wir Besuch aus Köln. 🙂 Im November kommen uns Freunde aus Essen besuchen etc. – Und das sind alles richtige Freunde. Sie sind immer für mich da und wir skypen fast jeden Abend in einer großen Truppe manchmal stundenlang miteinander. Ist ja fast wie telefonieren, nur dass man mit vielen vielen Freunden gleichzeitig quatschen kann und es vollkommen umsonst ist. Für mich ist das Internet was das angeht in jedem Fall eine Bereicherung.

          LG

      • Hey Ricarda,

        ich sehe das sehr ähnlich.
        Ohne das Internet hätte ich viele meiner heutigen Freunde niemals kennengelernt und auch nicht den Kontakt zu Freunden die plötzlich wegzogen halten können.
        „Es ist was du draus machst.“ trifft es sehr gut. Und die Möglichkeiten sind unendlich.

        Liebe Grüße

  9. Ich kann mir ein Leben ohne das Internet auch schon gar nicht mehr vorstellen – die Masse an Wissen und Menschen, die uns dadurch zugänglich wird, ist einfach zu wichtig.

    Ich denke, diese negative Ansicht des Internets ist letztlich auch einfach ein Problem, das mit dem Wechsel der Generationen verschwinden wird, denn die nachfolgenden Generationen sind damit aufgewachsen und kennen und verstehen es.

  10. Schöner Artikel. Auch ich habe meinen Gedanken irgend wann mal in so einem Artikel ausgelassen. Da war ich aber eher genervt vom Internet.

    Mich hat gestört das ich einen Art Sucht entwickelt habe. Es ging auch nicht nur um das Internet sondern das ganze Medien Zeug!

    ich mag es ja und ich nutze es ja auch. Aber manchmal nervt es auch.

    Morgens wenn ich aufstehe, ist der erst Blick aufs iPhone schon irgend wie eine Pflicht.

    Ich prüfe meine Emails, schaue wie es mit meinem Blog aussieht, wie die Einnahmen sich vom Vortag entwickelt haben. Lese im FeedReader und und und……und dann erst stehe ich auf.

    Ich mag das ganze ja, aber manchmal ist es auch nervig, oder meinst du nicht?

  11. Mich persönlich hat das Internet teilweise ausgebrannt. Acht Jahre Suche im Internet nach der Liebe haben mich eher vereinsamen lassen. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn ich in eine Bar oder in eine Disko gegangen wäre. Wirklich kennengelernt durch das Internet habe ich keinen. Ich bemühe mich auch kaum noch, weil früher alle Bemühung von mir ausging. Ich hätte mich auch über die eine oder andere Freundschaft gefreut, aber das Netz lässt das kaum zu. Du siehst die Person nicht im Angesicht, es wird viel heisse Luft ausgetauscht und wenig getan, um reale Beziehungen zu schaffen. Das Onlinedasein taugt nicht dazu, um neue Kontakte zu schliessen. Das Internet ist für mich nur eine Informationsbörse, mehr auch nicht.

  12. Solange man weiß, dass es da draußen auch noch eine Welt gibt, ist das alles halb so wild. Mit den Daten sollte man allerdings vorsichtig umgehen. Da bin auch oftmals viel zu lax…

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