Das ganz normale Chaos

„Dann musste eben weniger essen!“ und andere Weisheiten

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Wir oft hört man das? Wie oft wird es als Rat an Dicke verteilt? Wie oft scheitert man deswegen?

Wieso komme ich gerade jetzt darauf, diesen Beitrag zu schreiben? Oftmals höre ich Bemerkungen, die mich zum Nachdenken anregen und die vor allem das Bedürfnis wecken, meine Gedanken darüber aufschreiben zu wollen. Gestern Nacht habe ich nebenbei Domian gehört und dort rief ein junger Mann an, der stark übergewichtig ist. Er hat versucht abzunehmen, hat viel Geld in sogenannte „Berater“ und „Coaches“ gesteckt aber nichts hat geholfen.

Domian entgegnete ihm dann, ob er nicht abnehmen würde, wenn er einfach wenigerisst? Dies verneinte der Anrufer und erwähnte dabei auch, dass er derzeit pro Tag nur noch 900 Kilokalorien zu sich nimmt, aber nichts passiert.

Der gutgemeinte Rat „Iss weniger und dann nimmst du ab“, ist eine dieser Volksweisheiten, die gern immer noch verbreitet werden, aber Übergewichtige nicht selten von einer Essstörung in die nächste treiben. Beim Begriff „FDH“ bekomm ich schon eine Ekelgänsehaut.

Gerade wenn man abnehmen will, ist es wichtig GENUG zu essen, um den Stoffwechsel nicht einschlafen zu lassen. Wenn man seinem Körper die Nahrung vorenthält, nimmt man nichts ab, ist dazu müde, frustriert und hungrig. Wie soll man da motiviert bleiben? Man sollte aber seine Ernährungsgewohnheiten dahingehend ändern, dass man bewusster isst. Zu wenig zu Essen versetzt den Körper in den Notstand. Der Körper lässt seine Reserven ungern gehen und fährt stattdessen die Leistungsfähigkeit herunter. Isst man dann wieder „normal“, merkt sich der Körper dass ein Notstand eingetreten ist und wieder eintreten könnte und legt deswegen noch mehr Reserven an. Für den Körper ist das eine Absicherung, wir nennen es Jojo-Effekt.

Von allen Seiten, wird Übergewichtigen fast eine Nahrungsphobie aufgezwungen, aber Essen ist nichts Schlimmes! Es ist etwas, was man genießen sollte und woran man Freude finden muss. Wer übergewichtig ist, sollte das Kochen und das Essen wieder neu lernen und herausfinden, welche Dinge ihm gut tun und welche nicht.

Wenn wir unseren Körper mit gesunden Lebensmittel betanken, dann kann er auch gut funktionieren.

Manchmal wünsche ich mir, dass Leute ihre gutgemeinten Ratschläge für sich behalten. Sie wissen gar nicht, wie viel Schaden sie damit anrichten können.

 

 

 

21 Kommentare

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  3. Toller Beitrag! Ich versuch derzeit auch, Gewicht zu verlieren.. Ich lege dabei Wert auf einen Mix aus Ernährungsumstellung und Muskeltraining. Anfang des Jahres fing ich ursprünglich damit an und wurde dann Mitte Februar total krank, was noch bis Ende März nachklang. Währenddessen habe ich das also abgebrochen und wiege jetzt im Endeffekt mehr als vorher. Ich bin es einfach falsch angegangen, es war eine Art „Projekt“ für mich, und deswegen habe ich dem ganzen keine Chance gegeben, so richtig Einzug in meinen Alltag zu halten. Zudem ist Genuss dabei total wichtig, und das positive Gefühl, wenn man „fit“ ist. FDH und solche Scherze… das sind auferlegte Zwänge, die mir nahe stehende Personen schon in die Magersucht getrieben haben. Bevor man abnehmen will, sollte man lernen, sich auch mit einem Plus an Pfunden zu lieben.

  4. Kann dir leider nur zustimmen.
    Ich bin selbst sehr übergewichtig und hab mir durch Hänseleien in der Schule und solchen Ratschlägen meiner Eltern angewöhnt wenig bis gar nichts zu essen.
    Abgenommen hab ich trotzdem nichts. Inzwischen hab ich ne ausgewachsene Essstörung esse nur noch 1 mal am Tag höchsten und kann das oft nichtmal bei mir behalten auch wenn ichs will (hab also keine Bulimie).

    Inzwischen stehen mir zich tests bevor auf Nahrungsmittelunverträglichkeit und ich bin ziemlich ratlos was ich überhaupt noch vertrage und wie ich abnehmen kann… >.<

  5. Pingback: Dory

  6. stimm dir zu, FDH hilft nie auf lange zeit, das einzig wahre zumindest für mich ist essensumstelung und langsam sehr langsam kleinere normale portionen zu nehmen da ich doch ein bischen zuviel auf den teller haue als ich sollte. hoffe das ich mich wieder öfters an meine eigenen ratschläge halten werde denn ich sehe das resultat auf der waage und an den blutzucker werten

    • da stimme ich dir zu. Ich bin zwar kein ernährungsexperte, aber ich denke, wenn man schon damit anfängt nur so viel zu essen, bis man satt ist (und nicht über den hunge hinaus, weil schmeckt ja so gut) ist sicher auch ein anfang getan. und dann kommt es natürlich darauf an WAS man isst. es gibt für alle möglichen „fetten gerichte“ eine alternative. man muss nur einfch mal suchen, und vorallem, man muss es wollen!
      ich hab jetzt nicht mit argen gewichtsproblemen zu kämpfen, weil ich durch den job alleine schon ne gute portion muskelmasse mit mir herumschleppe, dennoch versuche ich darauf zu achten, was ich esse. einfach, damit es mir besser geht.

      • Wobei man hier ganz klar sagen muss, dass nicht das Fett das Problem ist, denn Fett allein macht uns nicht fett sondern Fett in Kombination mit Zucker. Fett braucht der Körper für seinen Stoffwechsel und zum überleben.

  7. Mit „weniger essen“ fängt es ja schon an, dass kenne ich auch schon zu Genüge!
    Was man dem Körper weg nimmt, holt er sich früher oder später wieder. Da ist die Evolution leider nicht auf dem neusten Stand, also müssen wir damit Leben.
    Noch schlimmer als das Übergewicht selbst ist in diesem Falle das Vorurteil!

  8. Hallo Ricarda,
    genau diese Sendung habe ich auch im Radio angehört und mir gedacht: Domian besitzt doch soviel Emphatie, wie kann er solch plumpen Satz herausbringen…?

    In den letzten Jahren nahm ich auch zu und bekam das zu meinem Geburrtstag vom Besuch auch immer wieder aufgetischt. Was sie aber nicht wussten, das ich 5 kg in einer Woche verlor. Kann ich aber auch nicht verlangen, das sie das sehen.

    Jedenfalls beginne ich wieder jeden Tag Rad zu fahren, zu regelmäßigen Zeiten zu essen und beim Essen mehr darauf zu achten was ich wann wieviel zu mir nehme. Wie sagt man so schön: Du kannst alles Essen, nur gehört auch die körperliche Tätigkeit und ein ausgeglichenes ‚Seelenleben‘ dazu. Mit viel Selbstdisziplin und dem Zugeständnis, sich beim Abnehmen Zeit lassen zu dürfen, klappt es auch mit weniger Kilos auf der Waage.

    Ich freu mich schon, wenn sich mein Körper an die tägliche Belastung mit dem Fahhradfahren soweit gewöhnt hat und gekräftigt ist, so dass ich mit dem Laufen beginnen kann. Erst langsam und wenig im steigernden Maße. Ansonsten würde ich meine Knie viel zu stark überlasten und das ist wohl eher kontraproduktiv. …;)

    Vielleicht schaffe ich mein Ziel für dieses Jahr zu erreichen…

    LG
    Timm

  9. Mich erinnert das sehr an den Film „Fat Head“ und das Buch „Good Calories, Bad Calories“ von Gary Taubes, besonders diese Segment aus Fat Head:

    http://www.youtube.com/watch?v=mNYlIcXynwE

  10. Ja wie oft hört man dies. Ich kanns bald auch nicht mehr hören. Habe ich auch einige Zeit gemacht und irgendwann kannst du auch einfach nicht mehr (man braucht eben einen gewisse Anzahl an kcal am Tag) und ich nahm wieder rasend zu. Gesund ist dies auch nicht. Ich habe oft gemerkt wie mir schwarz vor Augen wurde und und und.

    Nun habe ich mich vor einiger Zeit mal wieder mit dem Thema Ernährung ausgesetzt und seitdem 26 Kilo abgenommen. Ich bin überglücklich und auch bis auf Gewichtsschwankungen von 2 Kilo nichts mehr zugenommen. Bisher ging das immer in die Hose.

    Auch bekommt man immer gesagt wenn man mal Säfte etc. trinkt: das darfst du nicht, dass hat viele Kalorien. Ja, hat viele Kalorien, aber wenn man dies mit einrechnet dann kommt man damit klar. Und das schlimmste finde ich, dass diese „schlauen“ Ratschläge (meistens) von superschlanken kommen die noch nie Gewichtsprobleme hatten.

    Um Langfristig abzunehmen muss man sich eben mit der Ernährung beschäftigen. Das wir nicht von Pizza und Co. schlank werden ist klar, aber verzichten müssen wir deswegen auch nicht auf alles. Aber viele verstehen dies nicht.

    Hach es gibt noch so viel… aber dies würde nun den Rahmen sprengen

  11. Guter Beitrag wie ich finde, sicherlich stimmt das alles was du schreibst.

    Aber unabhängig davon, ob der junge Mann nur 900 Kalorien zu sich nimmt und so einen Spruch erdulden muss, ist es nun einmal Realität, dass die Zahl an übergewichtigen Menschen ein Problem ist. Kreislauferkrankungen, kaputte Gelenke etc nehmen rapide zu. Ein Freund von mir arbeitet als Physiotherapeut und kann davon ausgiebeig erzählen.
    70 jährige Sportler sind fitter wie 25 jährige und so weiter und sofort.
    Selbstverständlich muss jeder selber wissen, wie er mit seinem Körper umgeht.

    Um wieder auf das Essen zurück zu kommen: Man muss nicht weniger essen sondern anders und BEWEGUNG.
    Ich hatte dazu ja hier schon das eine oder andere mal etwas dazu geschrieben und ich habe mir dazu auch so meine Gedanken gemacht:
    http://www.fuchtelkoenige.de/warum-machst-du-so-viel-sport/

    Klassische Trennkost hilft oftmals bestens beim abnehmen. Aber letzen Endes muss man seinen eigenen Weg finden.

  12. Du hast es auf den Punkjt gebracht.
    Aber viele sehen Essen wirklich nur noch als Nahrungsaufnahme. Das man dabei auch Spaß haben kann und genießen kann, scheint gänzlich aus den Köpfen verschwunden zu sein. Und auch an „richtigen“ Nahrungsmitteln kann man mit Spaß herumknispeln.
    Wenn der einzige Sinn des Essens allerdings ist, sich vor der Glotze nebenbei Kiloweise Pommes & Co reinzuschieben, dann kann ich das Argument „Iss doch weniger“ sogar manchmal nachvollziehen.

    • Jetzt tausche “kiloweise Pommes“ Gegen “Kiloweise Salat“. Ist wirklich das wie viel entscheidend oder das was?

      • im „Optimalfall“ wohl beides

        • Sehe ich nicht so. Das Maß ist: „Essen bis man satt ist.“ und das mit gesunden Lebensmitteln. Trotz Hungers aus Angst zuzunehmen, nichts zu Essen ist der schnellste Weg in eine Essstörung.

          • „Ist wirklich das wie viel entscheidend oder das was?“ <- meinte da im Optimalfall auf beides bezogen, würde somit deiner Kernaussage nicht widersprechen wollen

      • Ich denke schon, das es auch entscheiden ist, was man reinfuttert.
        Ich kenne es von mir, wenn ich durch die Glotze abgelenkt mit ner Tüte Erdnussflips rumgammel – plötzlich ist sie alle und ich hab nichtmal mitbekommen, das ich sie verschnabuliert habe.
        Deswegen auch mein „Essen ist nicht allein als Nahrungsaufnahme und Kalorienzufuhr gedacht“ Setz ich mich hingegen hin und schnibbel mir Gemüse klein und rühre mir dazu noch einen Dip an, hab ich eigentlich viel mehr davon.
        Aber ich gestehe, das ich mir auch wirklich gerne mal beim Lesen oder TV gucken einfach nur ein wenig Junkfood reintue 😉 Meine liebste Mischung ist weiße Luftschokolade und Erdnussflips – klingt völlig *igitt* ist aber echt lecker 😉

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