Das ganz normale Chaos

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Creeper Cards – Creepy sind nur die, die sie verteilen

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Der Empörungsmob hat wieder ein neues stilistisches Mittel, seine Empörung zum Ausdruck zu bringen. Nachdem Fackeln und Mistgabeln nun ja aus der Mode gekommen sind, bedient man sich der sogenannten Creeper Cards. Was das ist? Tja ich Dummchen dachte natürlich erst an Minecraft, Schießpulver und Explosionen und glaubt mit, das wäre alles noch cool gewesen, aber nein, Creeper Cards sind quasi rote, gelbe und grüne Karten mit denen Frauen anderen Menschen (meist Männern) mitteilen können, ob sie sich der Frau gegenüber scheiße, nich so okay oder super verhalten haben.

creeper

Als ich davon das erste Mal gehört habe, kam ich aus dem Gesichtspalmieren nicht mehr heraus. Karten für Benehmen? Ehrlich? Sind wir hier auf dem Fußballpatz? Aber vielleicht haben diese Karten mit Fußball auch mehr gemeinsam als man denkt. (Schwalben machen, um jemanden vom Platz zu haben)

Am besten gefällt mir die Gewaltandrohung auf der Roten Karte: 

“ Du solltest froh sein, dass du nur diese Karte und keinen Schlag ins Gesicht bekommen hast. Reiß dich zusammen und denk drüber nach – beim nächsten Mal könntest du weniger Glück haben..“

„You should be happy you got a card and not a punch in the face. Check yourself – you might not be this lucky twice.“

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Kennen wir, ne?

Heißt also, man darf beim zweiten Verstoß jemanden verprügeln (lassen)? Wow das ist so (ich würde gern „erwachsen“ sagen, aber das passt nicht) kindisch.

Auch ich habe mich bereits mehrfach in Situationen befunden, in denen ich mich unwohl gefühlt habe. Situationen in denen ich das Gefühl hatte, mein Gegenüber nicht einschätzen zu können und nicht die Kontrolle zu haben. Meist kann man sowas durch offene Worte ansprechen oder indem man die Situation verlässt, sollten diese Worte nicht wirken.

Oftmals kommt heraus, dass das Verhalten des Gegenübers der eigenen Unsicherheit geschuldet ist. Menschen wollen gern etwas präsentieren, gut ankommen oder ein gewisses Bild von sich vermitteln. Je weiter dieses Bild von der tatsächlichen Persönlichkeit entfernt ist und je schlechter die schauspielerischen Fähigkeiten sind, desto seltsamer kommen Menschen rüber, treten in Fettnäpfchen oder sagen Dinge die unpassend sind.

Offene Worte helfen, der Person etwas Sicherheit zu geben und ihr zu vermitteln, dass sie sich nicht zu verstellen braucht. Ich konnte bis auf 1-2 Situationen in meinem Leben unangenehme Stimmung wie diese auf genau die Art und Weise lösen. Kommunikation ist alles.

Creeper Cards sind keine Kommunikation. Eher der Beweis, dass man selbst unfähig ist zu Kommunizieren. Die sind Bloßstellen, Anprangern, Drohung und wohl der beste Weg, Kommunikation zu töten. Die Diskussionbereitschaft eines Menschen, der so eine rote Karte bekommt, wird sicher nicht die Größte sein und je nach Charakter sogar ein Ansporn, Karten wie diese zu sammeln und extra unhöflich zu sein.

Viele Männer sehen in dummen Sprüchen ein Spiel, ein Versuch ihre Überlegenheit und Männlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Herzlichen Glückwunsch, Creeper Cards sind hier die passenden Achievements. Sie sind die Auszeichnung dafür, rebellisch und nicht politisch korrekt zu sein. Wer ist bitte auf die total hirnrissige Idee gekommen, dass diese Art von Auszeichnung etwas ändert?

Redet miteinander und wenn ihr das nicht könnt, dann hilft euch auch keine Creeper Card, aber sie kann verhindern, dass das letzte Stückchen Diskussionsbereitschaft das Klo runtergespült wird. Steckt euch eure Creeper Cards sonstwo hin, lernt zu kommunizieren und nicht nur miteinander, wie scheiße doch alle sind, sondern auch mit anderen und vor allem mit denen, die euch nerven. Kann doch nicht so schwer sein…

Lesenswerte Links:

 

Foto: Cory Doctorow, CC BY-SA 2.0 | Creepercarddingens für Deutschland

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  7. mein persönliches WTF des Tages. Wenn sich einer scheiße benimmt, insbesondere SO, daß man ihm dafür eine Langen möchte, wird den auch so eine Karte nicht jucken….

  8. aber du hast schon verstanden das es hier nicht um „sich blöde benehmen“ geht, sondern um sexistische bzw. sexuelle übergriffe? personen die gerade evtl. eine solche erfahrung gemacht haben, sind nicht immer in der laage nach einem übergriff großartig zu disskutieren.

    • Und für sowas ist die Polizei verantwortlich und nicht eine doofe Karte 😉
      Interessant dass solche Kommentare immer anonym kommen *g*

    • Aber werden solche Leute dann nicht die sie ‚belästigende‘ Person eher meiden, bzw. gar nicht den Mut aufbringen denen diese Karte zu geben?
      Wer weiß wie der Andere auf die Karte reagiert?
      Außerdem denke ich das nach dem verteilen der Karte gar keine konstruktive Kommunikation mehr möglich ist.

  9. Also das ist ja mal wirklich megaaffig O_o… Als ob man nicht mehr miteinander reden könnte.

  10. Pingback: Steve Rückwardt

  11. Dein Blog ist mir neu und ich bin nur wegen der Thematik der Creeper Cards auf ihn gestoßen. Nachdem mich ein hacker-technisch bestens informierter Freund überhaupt erst auf diese lächerlichen „Strafzettel“ aufmerksam gemacht hat, wollte ich mir das Stimmungsbild dazu anschauen. Auf einige seltsame Blogs oder Gender-Portale, die solchen Unfug noch bejubeln, möchte ich gar nicht eingehen. Umso mehr freut es mich, in Deinem Blog-Eintrag einfach eine Portion gesunden Menschenverstands gefunden und zutreffende psychologische Erklärungen gelesen zu haben!
    Die frühen Feministinnen hatten jede Berechtigung, auf eine Verbesserung der sozialen, juristischen und ökonomischen Bedingungen hinzuwirken, unter denen Frauen damals gelebt haben. Und in sehr vielen Bereichen wurde ja enorm vieles bewegt und nach Zielvorstellungen der Frauen mittlerweile auch gesellschaftliche Norm. Allerdings halte ich diese neue Welle von aggressiv bis militant auftretenden Propagandistinnen für durchaus gefährlich, die sich derzeit immer rabiater anmaßen, ihre simple Schwarz-Weiß-Weltsicht von den per se guten Frauen und umgekehrt ausnahmslos bösen Männern wirklich in jeden Kopf einzuhämmern: Da wird mit permanent neuen Grammatik-Schöpfungen (Binnen-I, Gender Gap, etc.) nicht nur die Sprache um jede Lesbarkeit gebracht, sondern in übelster Ideologen-Manier angestrebt, mit dieser als politically correct deklarierten Sprachverwüstung auch das unabhängige und freie Denken in Trümmer zu zerlegen. Mittlerweile nervt es mich nur noch, fast überall diese Leitartikel und Kommentare lesen zu müssen, in denen irgendwelche pseudo-akademischen bis menschheitsüberlegenen Superdenker den Leuten den Unsinn weißmachen wollen, noch jede Generation habe sich halt geirrt: Es gäbe doch gar keine biologischen Geschlechter (Sex), sondern nur soziale Konstrukte (Gender). Ergo gäbe es weder Frau noch Mann, sondern einzig unsere Vorstellungen davon. Und aus Gerechtigkeitsgründen dürften wir deshalb unsere Kinder ausschließlich gender-neutral erziehen, also so zu tun, als wäre der Junge kein Junge und das Mädchen kein Mädchen. Verfechter dieser gefährlichen Ideologie insistieren ja darauf, irgendwann in der Pubertät würde der Nachwuchs sich ja dann entscheiden, ob er lieber Junge/Mann oder Mädchen/Frau sein wolle. Klar, bis dahin bleibt er/sie halt irgendetwas Ungeformtes. Als solches eignet sich das massiv identitätsgeschwächte Kind-Wesen dann auch bestens für die politisch korrekte Umerziehung in den gender-gerechten Kitas, in denen die unsicheren Bürger der komenden Generationen herangezüchtet werden. Über diese Bürger wird die internationale Politik viel widerstandsloser ihre Klientelpolitik zu Gunsten der Wirtschaftselite durchfechten können.
    Aber vorerst sind es u.a. ja „nur“ Strafzettel für flappsiges bis machohaft-unsicheres Verhalten. Wir sollen alle lernen, unser Verhalten dauernd selbst zu zensieren. Die Schere immer im Kopf. Wir kriegen oberlehrerhaft eine Trümmer-Sprache vorgesetzt, die wir widerspruchslos uns aneignen sollen, damit etwa das Binnen-I oder das Gender Gap stets verhindern, dass auch bloß kein einziges Mitglied der Lesbian/Gay/Bisexual/Transgender-Minderheiten Grund für seelische Wehwehchen hätte. Ja, solche Aktivisten sind fast immer höchst sensibel, wenn es um ihre eigenen Belange geht, aber gegenüber der Mehrheit aller Menschen führen sie sich rabiat, oft aggressiv und zunehmend militant auf.
    In meinen Augen vergiften ihre Langzeit-Pläne und auch solche Kongress-Aktionen das freie und selbstbestimmte Miteinander aller anderen Menschen!
    Deinen Eintrag lese ich ebenfalls als kleines Alltags-Manifest für selbstbestimmte Zwiegespräche, für ein Miteinander kommunikativ mündiger Menschen, die selber einen eigenen moralischen Kompass haben.
    Menschen möchten frei und spontan reden dürfen. Die meisten Mitbürger sehnen sich selber nach Anerkennung und nach Wärme. Leute wollen Freunde finden und selber gute Freunde sein.
    Was wir am wenigsten brauchen, das sind Meinungsmacher und Leitwölfe, die sich wie Diktatoren gebärden, wenn sie uns darauf drillen, wie wir miteinander zu sprechen hätten!

    Dir alles Gute, Tiia!

    Fabian

    • Hallo Fabian,
      danke für deinen Kommentar und ich kann jeder einzelnen Zeile zustimmen. Ich habe schon häufiger zu den Themen gebloggt und wieso mich der Feminismus heute nur noch wütend macht. Am schlimmsten ist eben die Erwartungshaltung an mich als Frau, das unterstützen zu müssen. Weil ich eine Frau bin. Ich wehre mich gegen militante Bewegungen und stelle mich automatisch auf die Seite derer, die durch diese militante Haltung benachteiligt werden. Und das sind vor allem starke Frauen, die geschlechtsunabhängig Erfolg haben und Männer, die durch diesen Extremismus nicht nur verunsichert werden sondern auch an ihrer eigenen Identität oder ihrem Selbstwert zweifeln.

      Ich kenne mehr Männer, die unter Frauen leiden, als umgekehrt. Historisch bedingt darin, dass Männer stark sein sollten, auch wenn es nicht ihrem Charakter entsprach. Ich bin dafür, dass jeder frei lebt und dass ein Mann sensibel sein kann ohne dass man ihm „Schwuchtel“ an den Kopf wirft. Dass eine Frau dominant sein kann, ohne dass man sie Mannsweib nennt. Dass wir sehr wohl stolz auf unser Geschlecht sein können, aber ohne das andere niedriger zu stellen. Man kann ich als Frau fühlen und glücklich sein eine Frau zu sein, ohne Männer zu hassen und umgekehrt.

  12. Besonders schön ist, dass die „gute“ Karte zur Hälfte aus einer Androhung auf vorhandene „schlechte“ Karten besteht. 😉

  13. Die durchaus berechtigten Anliegen der Frauen nach Gleichberechtigung und Achtung ihrer Person haben sich meiner Einschätzung nach inzwischen total verselbständigt und mit der ursprünglichen Intention nichts mehr zu tun.

    Ich frage mich, was diese Frauen zu ihrem aggressiven Verhalten treibt.
    Dreht sich ihr ganzes Denken narzisstisch nur noch um sich selbst?
    Reagieren sie in einer übersteigerten Art von Hochmut?
    Sind sie so angefüllt mit Hass, dass sie nicht wissen, wohin damit?
    Ich bin geneigt anzunehmen, sie haben sich in ein geradezu wahnhaftes Denken
    hienein manövriert.
    Kennen solche Frauen eigentlich Gefühle von Wärme, Zärtlichkeit, Empathie?

    Eigentlich verhalten sie sich nur lächerlich und verdienen fast unser Mitleid.
    Weil sie arm dran sind und vielleicht im Innersten verkorkst -warum auch immer.

  14. Tiia, noch ein Nachtrag zu Ihrer Antwort auf Fabian.
    Sie schreiben:
    „Am schlimmsten ist eben die Erwartungshaltung an mich als Frau, das unterstützen zu müssen. Weil ich eine Frau bin.“
    Ich muss nichts unterstützen, weil ich eine Frau bin.
    Ich unterstütze das, wovon ich überzeugt bin.
    Dies kann bedeuten, dass ich, je nach Situation, mal die Position des Mannes, mal die der Frau einnehme.
    Ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu denken und wie ich etwas zu beurteilen habe.
    Dies entscheidet nicht eine Gedankenpolizei für mich – dies entscheide ich selbst!
    Natürlich sind wir vorgeprägt durch Erziehung, Umwelt, Werbung, auch durch Propaganda.
    Aber bemühen wir uns -Frauen wie Männer- soweit wie möglich eigenständig zu denken.
    Wir sind Menschen und keine Pawlowschen Hunde!

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