Das ganz normale Chaos

Charlaine Harris – Dead Reckoning – Vampir mit Vergangenheit [Review]

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Vollbildaufzeichnung 11.05.2013 181628.bmpEins vorab: Seit der deutsche Taschebuchverlag die Reihe übernommen hat, sind die Titel der Bücher einfach lächerlich geworden. Während sich Feder und Schwert bei den ersten drei Titeln noch versuchten einigermaßen an die englischen zu halten, schafft es der DTV jeden Titel wie eine schnulzige Liebesgeschichte wirken zu lassen, in dem nut hoffentlich das Wort Vampir vorkommt. Dabei handelt es sich bei diesen Büchern um keinen Twilight-Verschnitt, sondern um die Buchvorlage der äußerst erfolgreichen TV-Serie „True Blood“.

Diese Review könnte leichte Spoiler enthalten, die aber wichtig sind, um die Stärken und Schwächen des Buches zu beschreiben. Wer diese nicht lesen möchte, sollte sich unten nur das Fazit durchlesen. Dead Reckoning ist der elfte Teil der Buchreihe und er befasst sich vor allem mit Sookie und ihrer Elfenfamilie. Auch ihre Beziehung zu Eric und vor allem die Zukunft dieser Beziehung wird in den Buch mehrfach in Frage gestellt. Eine kurze Zusammenfassung dessen, was passiert. Sookie erlebt Anschläge auf sich und das Merlotte’s. Erst wird gedacht, dass jemand etwas gegen Sam habe, denn die Zweigestalten haben sich nun, nachdem die Vampire auch offen unter Menschen leben, auch geoutet. Es stellt sich aber raus, dass weder Sam, noch das Merlotte’s das eigentliche Problem sind, sondern – wen überrascht es – Sookie. Sie macht sich Feinde, wo es nur geht und muss in zwei Schlachten in dem Buch beweisen, dass sie es schafft, mitten im Getümmel kämpfender Vampire und Supras, nicht draufzugehen.

Viel mehr möchte ich von der Story nicht verraten, denn, wenn ihr das Buch noch lesen wollt, oder die Story irgendwann in der Serie vorkommt, solltet ihr ja noch ein bisschen was davon haben.

Der elfte Teil des Buches ist schwach, sogar enttäuschend schwach. Er ließ sich zwar in 2 Tagen durchlesen, aber er war nun nicht fesselnd spannend, wie es die anderen Bücher der Reihe gewesen wären. Sookie handelt an vielen Stellen einfach extrem unlogisch. Auch wenn man ihr damit einen menschlicheren Charakter verleihen wollte, passt es nicht. So liebt sie zwar Eric und ist ein bisschen genervt davon, dass sie so wenig Zeit füreinander haben, aber will dann einfach einmal ausprobieren wie es so ist, die Blutsbande zwischen beiden zu lösen – genau die Blutsbande, die ihr so oft das Leben gerettet haben. Und die für einen Vampir eine so große Bedeutung haben. Dann kann sie auf einmal gar nicht nachvollziehen wieso er sauer auf sie ist, weil sie ihm nicht bescheid gesagt hat. Auch ihre Handlungen bei dem großen Kampf sind irgendwie unlogisch. Sie selbst hatte zum Beispiel den Schlachtplan und den Ablauf geplant. Als es aber klappte und der Plan aufging, war sie sauer auf alle Anwesenden, weil diese sich über den Sieg freuten und dampfte sauer ab. An so vielen Stellen des Buches, möchte ich sie packen, schütteln und rufen: „HALLO, KOMM MAL ZUR VERNUNFT!“

Das Problem mit den unlogischen Charakterhandlungen findet sich auch in vielen Stellen des Buches. Man erfährt zwar einige wichtige Dinge aus Sookies Lebens, aber emotionale Stellen mit Tiefgang vermisst man. Während die Bücher vorher mit vielen spannenden Stellen durchzogen waren, zerstört Charlaine Harris spannende Situationen mit unpassenden, flapsigen Beschreibungen. So flüchtet Sookie vor zwei Männern durch den Wald zu Bill und rettet sich in seinen Tagruheplatz. Mit Bill hat sie schon lange nichts mehr wirklich zu tun, aber sein Haus war in der Nähe. Während sie also unter dem Fußboden lauert und über ihr die Typen über das Parkett poltern, sind ihre einzigen Gedanken, dass sich Bill von ihrer Anwesenheit erregt fühlt. Da sind zwei Typen hinter ihr her, wollen sie vermutlich umbringen und das sind dann ihre Gedanken? Das machte zumindest in der Situation die spannende Stimmung zunichte, die Harris am Anfang mit der Verfolgungsjagd aufgebaut hatte.

Neue Charaktere, die nun in diesem Buch vorkommen sind leider etwas eindimensional. Zwar versucht Harris ihre Besonderheiten hervorzuheben und ihnen Tiefgang zu verleihen, aber so wirklich möchte das nicht klappen. Ob es vielleicht schon zu viele Nebenfiguren in dem Buch sind? Einzig Bubba, den man eigentlich lieben muss, ist ein glänzendes Besipiel, dass Harris durchaus in der Lage ist, einen Charakter zu schaffen, bei dem einem das Herz aufgeht, wenn er im Buch auftaucht. (Zur Erklärung, Bubba ist eigentlich Elvis Presley, der  von einem Fan in die Vampirwelr hinübergeholt wurde, als er fast tot war. Da er unter starken Medikamenten stand, hat er jetzt leider nur einen sehr begrenzten Horizont und ist auf dem Stand eines 5-6 Jährigen). Bubba liebt jeder. Und Bubba liebt Katzen. Seine einzige wirkliche Schwäche.

Fazit:

Harris kann bessere Bücher schreiben und der elfte Teil ist der bislang schwächste aus der Reihe. Neben einigen nicht nachvollziehbaren Charakterhandlungen wirken neue Charaktere sehr eindimensional und aufgesetzt. Wichtige Entscheidungen kann man nicht nachvollziehen. In der Gesamtsicht macht das Buch einen unfertigen Eindruck.  Nicht in der Art und Weise, als habe man einen Cliffhanger geschaffen, sondern als habe man an einer nicht wirklich spannenden Stelle in einem Buch aufgehört zu lesen. Spannende Situationen wurden durch flapsige Beschreibungen wieder zerstört. Auch handwerklich finden sich im Buch einige sehr unschöne Satzstellungen, die unrund klingen. Um in der Geschichte weiterzukommen, muss man durch diesen Teil irgendwie durch. Das schafft man zwar schon irgendwie, aber jeder, der die vorherigen Bände kennt, wird sicher nicht so begeistert sein, wie von einigen anderen Teilen der Reihe. Wenn dieses Buch zu einer TV-Staffel verarbeitet werden soll, wird das vermutlich die erste True Blood Staffel in der quasi fast nichts passiert.

3 von 5 Punkten für dieses Buch

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