Das ganz normale Chaos

2012_03_28_01

Low Carb Lebensgeschichten: Anita aus Berlin

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Ich möchte diese Woche eine neue Artikelreihe beginnen, die mir schon lange am Herzen liegt. Oft berichte ich hier über meine Abnehmerfolge, darüber wie sich mein Leben verändert hat und wie sehr mich eine bewusstere Ernährung zu einem neuen Menschen gemacht hat, aber ich bin damit nicht allein. Überall auf der Welt gibt es Leute, die auch Veränderungen in ihrem Leben durchgemacht haben, weil sie irgendwann an den Punkt angekommen sind, wo sie etwas ändern wollten. Einmal die Woche möchte ich euch jemanden vorstellen, der sein Leben mit Low Carb verändert hat.

Wenn ihr mir selbst auch eure Geschichte erzählen und damit einen Platz hier im Blog bekommen wollt, dann schreibt mir über mein Kontaktformular einfach eine Mail. Ich würde mich freuen, euch in diesen Kreis mit aufzunehmen.

Den Einstieg in die Serie wird Anita aus Berlin machen. Sie liest hier im Blog häufiger mit und hat auch selbst langjährige Erfahrungen, was Low Carb Ernährung angeht.

Anita (34) aus Berlin

2012

Hallo Anita, stell dich doch einmal den Lesern kurz vor, wer du bist und was du so machst. 
Ich bin Anita, 34, lebe seit 8 Monaten in Berlin und arbeite als Technische Redakteurin im Projektmanagement und meine Freizeit gehört der Malerei und meinen beiden SiamMischlingen MaiMai und Nelly.

Wie sah deine Ernährung vor Low Carb aus?
Vor LowCarb? Jede Menge Frust- und Einsamkeitsessen ohne wirklichen Genuss oder Angst vor Konsequenzen. Hatte oft das Problem, dass ich Bauchweh hatte, weil ich wieder zuviel gegessen habe, weil es eben da war und gut tat zu essen. Oder ich – darf ich das sagen? – direkt nach dem Essen aufs Klo musste, weil das Essen sofort wieder rausmusste in Form von Durchfall. Ist eklig, ich weiß – hab nie rausbekommen, was genau das bei mir verursacht. Kann nur sagen, dass es seit LowCarb weg ist.

2005

Wann kam es zum Wendepunkt? Wodurch wurde die Änderung deiner Ernährung ausgelöst?
Der Wendepunkt – sollte sagen, dass es mein zweiter Anlauf ist. 2005 hatte ich schon einmal für 3,5 Monate umgestellt und 21 kg verloren. Ich hatte 65 kg und dann kam das Leben dazwischen, schlechter Mann, Einsamkeit, Wut, Trauer und irgendwann Scham weil ich immer dicker wurde und dicker und dicker – Je dicker, desto weniger bin ich raus, desto mehr hab ich gegessen. Letztendlich war mein Höhepunkt in 2009 mit 112 kg auf der Waage. – Habe also in ein paar Jahren knapp 50 kg zugenommen. Ich war seelisch und körperlich am Ende, lebte völlig isoliert und hatte keine Kraft mehr.

2009

Bin dann in eine Klinik (mit 102 kg) und habe die Auszeit genutzt um mehrmals täglich ein paar Runden spazieren zu gehen – nach den 12 Wochen hatte ich 10 kg verloren, durch reine Bewegung.
2011 stand ich dann wieder bei 100,5 und wollte es nicht wieder so weit kommen lassen. Habe auf Carbs nur bis Mittag umgestellt. Und so über das Jahr 6 kg abgenommen.
Dann fing 2012 an – ich war vor kurzem von Stuttgart nach Berlin gezogen und wollte einfach mein Leben neu starten – also wieder LowCarb für ein besseres Leben. Ich wollte endlich wieder leben.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?
Meine Familie und Freunde unterstützen mich total und freuen sich für mich. Sie bewundern mein Durchhaltevermögen und den Mut, den der Schritt ja anfangs kostet. Kollegen und neue Bekanntschaften sind sehr skeptisch und können sich nicht vorstellen so zu leben. Es wäre ja grausam und schrecklich und so einseitig…..kennst das ja.

Wo hast du dich anfangs über Low Carb informiert?
Informiert habe ich mich beim zweiten Mal kaum – Ich zähle keine Carbs, mache keinen Ketose Test oder so. Habe aber natürliche alle Atkins Klassiker im Schrank stehen – Wobei ich heute denke, man kann das Ganze auch in ein paar einfache Sätze packen – nur verdient man dann eben keine Millionen.

Wie sieht ein “typischer” Tag bei dir aus?
Ich stehe um 5:15 auf und gönne mir eine mit Appenzeller überbackene Wiener mit nem Schuss Ketchup (Zucker-jap) und ner halben Paprika, je nach Gusto. Den Kaffee gibt es mit SojaMilch und Stevia.
Im Büro ist um 11:30 Mittag – da esse ich zu 99 % eine kleine Schüssel Salat mit Paprika, etwas Feta, Thunfisch, Oliven und Kürbiskernöl. Um die Zeit bis zum Abendessen bzw. Feierabend zu überbrücken habe ich immer ein paar Erdnüsse dabei – gut für die Nerven und gegen den Büronaschappetit. Abends gibt es dann Käse und Gemüse in allen Varianten.
Am WE koche ich mir etwas – da gibt es dann Gehacktes mit Gemüse, Pilzen und Frischkäse. Ich weiß, dass es nicht so unbedingt ausgewogen ist, aber für mich praktikabel im Alltag und die kleinen Carb-Ausrutscher hier und da sind bewusst. Ich möchte nur ungern so ganz streng LowCarb Leben, weil ich mir nicht sicher bin ob ich es dann durchhalte. Also gönne ich mir auch mal einen Keks oder eine Coke light.
Aber da ist auch die Angst, dass zu viele Carbs mich wieder in den Zuckersog ziehen.

2011

Was hat sich seit der Umstellung bei dir verändert? (Abnahmen, Gesundheitlich usw)
Ich fühle mich gut und ein wenig freier und bewusster. Habe in 12 Wochen 10,5 kg abgenommen und inzwischen auch mit Sport angefangen um meinen Körper zu unterstützen. Bei soviel Gewichtsverlust darf die Straffung nicht vergessen werden, außerdem kann ich dadurch wunderbar Streß abbauen, in den Flow kommen. Ich hätte nie gedacht, dass Sport mir so Freude und Qual gleichzeitig bedeuten könnte. Aber es tut verdammt gut sich selbst wieder wahrzunehmen und sich selbst wieder Wert zu schätzen. Ich habe wieder Lust aufs Leben und verstecke mich nicht mehr zu Hause.
Zudem ist mein Kühlschrank jetzt leerer, ich spare Geld, schmeiße weniger weg und freue mich auf Gemüse und jede Form von neuen Geschmackserlebnissen.- denn das Fett im Essen macht einen schon ein wenig platt auf Dauer.

Was ist dir schwer gefallen und was leichter?
Schwer fällt der psychologische Entzug von Zucker, ist fast wie beim Rauchen. Der Körper ist schon drüber weg, aber die Psyche und die Seele gieren noch nach dem Stoff der „glücklich“ macht. Stellenweise hatte ich Angst zu wenig zu essen, hatte durch das ganze Fett kaum noch Hunger.
Im Moment habe ich eine kleine Krise, bin krank, kann keinen Sport machen und habe vor lauter Langeweile daheim Heißhunger ohne Ende. Ich weiß, dass ich grad wieder an nem Scheidepunkt stehe – Aufgeben oder Durchhalten. Ich will nicht alles wegwerfen was ich erreicht habe und gleichzeitig habe ich wohl auch vor meinem eigenen Erfolg!? Hier könnte ich echt Unterstützung gebrauchen. Wie machst du das, wenn dich der Zuckerhype überkommt?

Planst du wieder zurück zur konventionellen Ernährung zu wechseln?
Komplett umstellen möchte ich nicht wieder, plane langfristig auf Carbs nur bis Mittag umzustellen – wenn ich mein Wunschgewicht erreicht habe.

Welche Tipps würdest du Startern mit auf den Weg geben?
Man sollte sich nicht vor Augen halten was man nicht mehr darf, sondern was man darf. Das Positive betonen, sich Erfolge von anderen ansehen. Am Besten wäre es sich mit jemandem zusammen zu tun, damit man sich gegenseitig unterstützen kann.

Kommentar zu Anita

Liebe Anita, vielen Dank für deine Offenen Worte und den Einblick in deine Vergangenheit. Krisen und Motivationslöcher kenne ich ebenfalls, aber ich habe mir hier eine Möglichkeit geschaffen, ihnen zu entkommen. Wenn ich wirklich Süßhunger habe und er nicht weggehen will, dann weiche ich entweder auf meine zuckerfreien Süßspeisen aus (Götterspeise, Low Carb Kuchen, Low Carb Torte) oder ich kaufe mir bewusst einige Obstsorten, die ich gern esse. Meistens reicht das schon, diesen Drang unter Kontrolle zu bekommen. Allerdings besteht da natürlich immer die Gefahr, wieder in ein “Muster” hineinzurutschen. Für mich ist das aber ein guter Kompromiss, mit dem ich leben kann.

Für alle Leser:

Anita würde sich freuen, Kontakt zu anderen Low Carb-Freunden aus Berlin zu bekommen. Wenn ihr also aus Berlin kommt und euch mit Anita austauschen wollt, dann schreibt einfach hier unten in die Kommentare oder an mich über mein Kontaktformular und ich leite eure Nachrichten gern weiter.

 

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12 Kommentare

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  4. Anita – ich ziehe meinen Hut :)

  5. Kleiner Tipp bei richtigem Süsshunger: Kaugummis. Am besten welche mit Fruchtgeschmack…

    • Ich finde es echt der Wahnsinn, wie du das so durchziehst. Ich habe da vollkommen Respekt davor.
      Ich mach jetzt SiS die 4. Woche und hab ganz schön zu tun da durchzuhalten.

      Ich wünsch dir noch ganz viel Erfolg.

      Grüßle
      Die Marry

      • Hallo Marry,
        hab ja geschrieben, dass ich jetzt durch Krankheit ein kleines Formtief habe und etwas weniger konsequent bin. Aber ich erlaube mir das und starte ab nächste Woche wieder voll durch. Eine kleine Auszeit tut sicher auch mal gut.
        Dir viel Erfolg bei SiS.
        Anita

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  8. So eine Diät durchzuziehen kosten wirklich viel Kraft und verdient großen Respekt. Man muss aber wirklich aufpassen, dass nicht der Jo-Jo-Effekt oder Heißhunger kommt. Ich richte mir pro Woche immer einen “Belohnungstag” ein, an dem ich esse, was ich möchte. Klappt für mich so recht gut und ich halte mein verlorenes Gewicht. Sport ist natürlich auch immer wichtig beim Abnehmen… :-)

    Gruß

    Marleen

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