Das ganz normale Chaos

Blogblume ungeschminkt

Blogger werden ist nicht schwer, Blogger sein dagegen sehr

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Blogblume ungeschminkt

Wenn man mich fragt, ob ich mich als Bloggerin sehe, dann würde ich dies bejahen. Bloggen ist für mich schon seit vielen Jahren zu einer Leidenschaft und schlussendlich auch zu meinem Beruf geworden. Wenn man mit dem Bloggen beginnt hat man selten ein festes Bild von dem im Kopf, was das Bloggen ausmacht. Man fängt aus Lust am Schreiben damit an, Artikel zu verfassen und sie der Öffentlichkeit vorzustellen. Genauso habe ich auch angefangen und ich erinnere mich an meine ersten zarten Schritte noch sehr genau. Seit dem hat sich viel getan. Mein Bild eines Bloggers und des Bloggens hat sich gefestigt und ich weiß, wieso ich gerne blogge.

Ich mag es meinen eigenen Stil in meine Texte zu bringen, Themen zu beleuchtet und meine Meinung dazu zu sagen. Manchmal sogar Themen, mit denen ich mich vorher noch gar nicht richtig befasst habe und die mich damit geistig immer wieder neu herausfordern. Das sind für mich nicht allein die positiven Seiten des Bloggens – das ist für mich Bloggen. Ohne eigenen Stil und ohne eigene Meinung kann man bestenfalls ein Äffchen vor einen Computer setzen und dabei zuschauen, wie er unkoordiniert Buchstaben drückt. (Sorry Fadenaffe, du bist natürlich die positivste Äffchenausnahme).

Ich beobachte aber immer und immer mehr, dass das verloren geht. Menschen schreiben keine Meinungen mehr. Menschen wollen keinen eigenen Stil mehr haben. Menschen wollen alles möglichst sachlich korrekt und meinungsfrei formulieren. Dabei merken sie gar nicht, wie sie mehr und mehr zu Textzombies verkommen. Man kann aus einem Text sehr genau herauslesen, ob der Verfasser des Textes damit übereinstimmte, was er schrieb oder nicht.

Bloggen ohne Meinung ist wie jemandem ins Gesicht lügen. Bloggen ohne Stil ist wie einen Textgenerator ohne Seele zu benutzen. Blogger darf sich jeder nennen, der es nur halbwegs hinbekommen hat, ein Blog anzulegen. Aber ein Blogger zu sein, das ist weitaus mehr als nur ein Blog zu besitzen. Man muss es leben.

Es frustriert mich zu sehen, welche Spannungen in de Blogosphäre und außerhalb zum Thema herrschen. Da startet eine der größten Massenabwahnwellen gegen Blogger und wenn man das öffentlich diskutieren möchte, dann kommt Häme und Spott, weil es mal „Die Großen“ erwischt habe. „Die Großen“, das sind die, die genauso wie alle einmal klein angefangen haben, die ihrer Leidenschaft konsequent nachgegangen sind und die jetzt damit Erfolg haben. Sie haben es geschafft, mit ihrer Leidenschaft ein Publikum zu begeistern. Gegen diese Menschen wird also Häme entwickelt? Normalerweise scheue ich solche Behauptungen, aber was außer der Neid am Erfolg der anderen kann diese Häme auslösen? Ich kenn einen Großteil der Jungs und Mädels, die da betroffen sind und das sind alles grundanständige Menschen. Für Blogger üblich besitzen sie den ein oder anderen Knall, aber Perfektionismus ist was für Feiglinge.

Die einmalige Chance etwas zu ändern, einmal zusammenzuhalten und einmal geschlossen gegen die vorzugehen, die uns nicht nur unsere Blogosphäre kaputt machen sondern die gleichzeitig auch noch Blogger zerstören wollen, wird nicht genutzt. Stattdessen Überheblichkeit, weil man erstmalig jemanden kritisieren kann und sich gleichzeitig höher positioniert fühlen kann. Das ist armselig. Hier geht es nicht um Namen, hier geht es um das Prinzip, um alle.

Nicht genutzt ist jetzt allerdings auch nicht ganz richtig. Es wird etwas getan. Aber es könnte mehr sein, würden wir unsere Grenzen einmal vergessen und an einem Strang ziehen. Aber Blogger sind immer auch Selbstdarsteller und versuchst du Selbstdarsteller zu einer gemeinsamen Aktion zu bewegen, wirst du scheitern.

Blogger werden kannst du in 5 Minuten. Ein Blogger mit Herz und Seele zu sein dauert. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Wenn du aber auch nach langer Zeit noch, so wie ich, den Drang hast, Meinung zu publizieren, dann bist du Blogger. Lass dir das nicht nehmen. Viel zu wenig haben eine Meinung oder trauen sich diese zu sagen.

Lasst euch nicht unterkriegen. Bloggt um euer Leben!

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  15. Recht hast du da. Irgendwie klappt das mit dem zusammentun und gemeinsam was machen nicht so recht. Was eigentlich sehr schade ist, weil es einfach klar ersichtlich ist, dass diese Abmahnungen reine Abzocke sind und die Blogsphäre nachhaltig schädigen können.

  16. No Offense taken 😀

    Aber du hast recht, Blogger (wie du sie beschreibst) sind schon ein eigenes Völkchen, aber ich glaube nicht, dass der Aktivismus so einfach im Sande verläuft, wie du beschreibst. So unterschiedlich wir alle auch sind, so sehr sind wir doch gleichermaßen bedroht und selbst, wenn man schlechtestenfalls, annimmt, dass jeder nur sein eigenes Wohl im Sinn hat, macht es in diesem Fall eben doch Sinn, zusammenzsutehen. Wobei ich nicht glaube, dass alle da so eigennützig sind, weil sich ja auch Leute engagieren, die nicht direkt betroffen sind.

    Alles wird gut, aber es braucht eben Zeit, dass es richtig gut wird. 🙂

    • Es müssen sich auch nicht alle beteiligen (auch wenns cool wäre). Man sieht ja, dass einige Blogger es schon schaffen, zusammenzuarbeiten und ich muss zugeben, dass mir das in den letzten Wochen extrem imponiert hat. Solang das funktioniert ist mein Glauben an die Menschheit noch nicht ganz verloren.

  17. Du hast genau das geschrieben, was mir schon lange aufgefallen ist: oftmals kommt die eigene Meinung viel zu kurz. Ich mag Blogeinträge die etwas polarisieren und so zur Diskussion anregen. Ob ich diese nun mag oder nicht ist eine andere Sache, aber gerade die Meinungsvielfalt macht Blogs so interessant.

    Wenn man offen zu seiner Meinung im Internet steht, kommt es auch oft zu unangenehmen „Zusammenstößen“. Man muss sich ggf. ein dickes Fell anlegen.

    Ich denke am besten man bleibt sich selber treu und macht einfach weiter ohne sich Gedanken zu machen, ob das Blog nun gelesen wird oder nicht. Wer authentisch ist und bleibt wird irgendwann auch Resonanz finden. Ich denke die Meisten „großen Blogger“ sind nie mit dem Gedanken Geld zu verdienen an die Sache gegangen.

  18. Pingback: Michael Speier

  19. Hallo Tiia,

    du schreibst mir die Worte aus meiner Bloggerseele! Der Zusammenhalt fehlt leider an vielen Stellen, das ist wohl wahr. Ebenso wahr ist es auch, daß die eigene Meinung und der eigene Stil einen Blog zu dem machen was er sein soll.

    Ich blogge zwar nicht wirklich regelmäßig, aber trotzdem gehört mein Castle inzwischen einfach zu mir. 6 Jahre sind ja auch eine lange Zeit, das schweißt irgendwie zusammen, auch wenn das Blog erst seit knapp 3 Jahren (Dezember 2010) so richtig verwendet wird.

    Viele Grüße nun aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

  20. Pingback: assbach feed

  21. Sehr schön geschriebener Artikel. Ich denke, dass an dem, was du hier schreibst, sehr viel Wahres dran ist. Blogger werden kann jeder, es sein ist eine ganz andere Sache. Für mich ist es auch mehr als ein Hobby. Und ich kann nur hoffen, dass die, die das jetzt so hingebungsvoll betreiben wie wir, das auch noch weiterhin tun werden.

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