Das ganz normale Chaos

Andreas Eschbach Eine Billion Dollar

Andreas Eschbach – Eine Billion Dollar

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Ich versuche mich nun trotzdem an einer Rezension, auch wenn das in diesen Tagen gefährlich ist. Ich denke aber, Herr Eschbach wird ein Nachsehen mit mir haben, da ich ein Buch von ihm bereits schlechter fand und er mich deswegen nicht verklagte. In dieser Besprechung könnte es einige Spoiler geben. Solltet ihr das Buch also noch nicht gelesen haben, es aber noch lesen wollen, dann lest diesen Artikel erst nachher. Solltet ihr aber das Buch nicht gelesen haben und auch nicht lesen wollen, dann könnt ihr weiterlesen.

Eine Billion Dollar, das ist eine ganze Menge Geld. Dumm nur, dass an diesem Geld auch eine Bedingung hängt. Vielleicht ist Bedingung hier der falsche Ausdruck, aber eine Prophezeihung hat der edle Geldgeber an das Erbe seines Nachkommen gehängt, die den Druck, den ein solches Vermögen sowieso schon verursacht, vervielfacht.

John Fontanelli, italienischstämmiger Amerikaner und Pizzabote bekommt von der Anwaltsfamilie Vacchi das Erbe eines frühen Verwandten Giacomo Fontanelli, der im Jahr 1495 lebte, übertragen. Dank kluger Verzinsung und der Arbeit der Familie Vacchi betrug die Summe im Auszahlungsjahr 1995 stolze eine Billion Dollar. (Mit Billion ist hier die deutsche Billion genannt, die im englischen/amerikanischen Trillion ist) Giacomo hatte den Traum, dass der Erbe des Geldes der Menschheit damit ihre Zukunft wiedergeben kann. Mit dieser Prophezeihung im Rücken ist John Fontanelli erst einmal überfordert, versucht bescheiden zu sein und braucht einige Zeit, um sich klar zu werden, dass er auf einmal der reichste Mann der Welt ist.

Der Padrone, das älteste Mitglied der Vacchi-Familie glaubt fest daran, dass John der Prohezeihung entspricht. Eduardo hingegen, der jüngste Spross der Familie hält nichts von dem Vermächtnis und versucht John so zu beeinflussen, dass er sein Leben lebt und einfach genießt.

Unter der Beeinflussung beider versucht er zwar auf angemessen großem Fuß zu leben aber trotzdem irgendwie eine Möglichkeit zu finden, dem Willen seines Vorfahrs zu entsprechen. Dabei fällt er dem anfangs genialen, aber skrupellosen Melcolm McCaine, der ihm zwar viel über Wirtschaft und Politik vermitteln kann, im Angesicht des Geldes John aber immer mehr die Macht aus den Händen nimmt.

Mit McCaine kauft er Unternehmen der halben Welt, kündigt Mitarbeiter, rationalisiert und erpresst. Er macht also all das, was die Welt erst ins Unglück getrieben hat und verkauft es John, als die Vorbereitung der großen Erlösung. John lernt unterdessen Ursula kennen. Sie ist freie Journalistin und hat die Wende hautnah miterlebt. Ihr Opa, ein waschechter Nazi, mag John nicht. Das beruht allerdings auf Gegenseitigkeit. Allerdings öffnete das Treffen mit Ursulas Großvater und die Konfrontation mit der deutschen Geschichte John die Augen für die Erfüllung der Prophezeighung und dafür musste McCaine weg. Damit fing Johns Ärger aber erst an.

Meine Meinung:

Der Anfang des Buches war sehr spannend und man hatte einen gewissen roten Faden, dem man folgen konnte. Irgendwann aber, mit dem Auftreten McCaines verläuft sich das Buch ein wenig wie in einem Labyrinth. Man weiß eigentlich bis zum Ende nicht, was John eigentlich vor hat. Und selbst die Lösung am Ende wird durch die wirren Ausführungen seines ehemaligen besten Freundes Marvin relativiert. Das Buch lässt einen also mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurück. Über 800 Seiten rennt man auf die Lösung zur Rettung der Welt entgegen und bekommt sie am Ende nicht. Im Gegenteil: man hat das Gefühl, dass John die Welt noch verschlechtert hat und sie ins Unglück getrieben hat. Mit dem Ende bin ich nicht so zufrieden. Natürlich muss es nicht immer ein Happy End geben, aber zumindest ein wenig mehr Auflösung erhofft man sich von einem Buch schon.

Ich vergebe also 4 von 5 Leseblümchen, weil das Buch zwar gut geschrieben wurde, aber mir das Ende nicht wirklich passend vorkam.

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  3. Das Buch ist eines meiner Lieblingsbücher, denn es kann auf zwei Arten gelesen werden. Einmal als spannende Geschichte und zum Anderen als Kritik an den ökonomischen Systemen. Besonders spannend ist hier, das Andreas Eschbach schon Entwicklungen, die heute topaktuell sind, vorhergesehen hat. Wie z.B. die Einführung einer Transaktionssteuer auf Leergeschäfte.

  4. Ich hab das Buch mal vor 5 Millionen Jahren (gefühlt) gelesen und mich verwundert es, wie sehr gerade alles wieder da war. Wie ich da mit litt, was ich lernte, wie ich die Welt bis ins Mark hasste. Es ist ein tolles Buch, ein großartiges Buch und sollte jedem BWL-Fatzke oder Banker-Affen mal ordentlich durchs Gesicht gezogen werden.
    Vor allem fand ich glaub ich auch echt gut, dass hier nicht den Juden die Schuld gegeben wurde (die Möglichkeit wäre ja da, weil Geldhandel, Zinsen usw), sondern der Mensch an sich der Böse war, ohne dass Menschen böse sind. Wie gesagt, tolles Buch! 😀
    Und das Ende, oaaah das Ende! Wie der da… und dass der… und weil er da… Das Ende war großartig, weil es eben kein Happy End war, aber trotzdem eine Möglichkeit zu einem.

    Ich fand ja das Jesusvideo vom Eschenbach eher so mittel, aber immerhin gut genug, um mal noch ein Buch von ihm anzufassen. Hiermit hat er aber echt eines geschrieben, was ich jedem Kind in der Schule als Pflichtlektüre aufgeben würde. Kein Scheiß.

    (Sorry, ich habe mich etwas ausgelassen :D)

  5. Eschbach gehört zu meinen deutschen Lieblingsautoren, was auch an seinen häufig ziemlich unkonventionellen und nicht immer vorhersehbaren Romanabschlüssen liegt – auch hier ist das Ende des Romans ungewöhnlich. Sehr abrupt und in seiner Art konsequent. Ich persönlich hätte mir tatsächlich ein anderes, längeres, ausführlicheres Ende gewünscht, aber ich gebe zu, dass ich immer wieder merke, wie Hollywood-Konditioniert ich bei meiner Erwartungshaltung an Story-Endings bin 😉

    Das Buch ist aber als solches großartig. Coole Idee, schöne Umsetzung und jede Menge interessanter Infos mittendrin.

    Am besten hat mir die Stelle gefallen, wo Fontanelli von seinem Reichtum erfährt, und das Kapitel mit dem Satz „Dann stand der vierte Anwalt auf“ endet 😉

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